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Kunststoffe „sind sie aus unserem Leben nicht wegzudenken“

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Der Chef des Kunststoffherstellers Covestro, Markus Steilemann, übt scharfe Kritik an den Plänen der Bundesregierung, Plastiktüten künftig deutschlandweit zu verbieten. „Solche Verbote sind eher Symbolpolitik. Man macht ja die Autohersteller auch nicht für das Falschparken verantwortlich“, sagte der Chef des Dax-Konzerns im Gespräch mit WELT AM SONNTAG. Die Tüten ganz zu verbieten, obwohl sie eine bessere Ökobilanz hätten als Papier oder Jute, sei „Unsinn“, so Steilemann: „Voreilige Verbote lösen das Problem nicht.“

Wichtiger sei es Lösungen zu finden, um Kunststoff in eine Kreislaufwirtschaft zu überführen, denn das Material sei zu wertvoll, um es einfach wegzuschmeißen: „Kunststoffe sind leider zu einer Art Projektionsfläche geworden für alles, was schlecht läuft, vom Müllproblem bis zur Ressourcenverschwendung. Dabei sind sie aus unserem Leben nicht wegzudenken“, sagte er.

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Die ehemalige Sparte des Bayer-Konzerns, die 2015 unter dem Namen Covestro ausgegliedert und an die Börse gebracht wurde, hat im vergangenen Jahr gut elf Milliarden Euro allein mit Kunststoffen umgesetzt und gehört damit zu den 20 größten Herstellern weltweit.

Die Industrie kämpft gegen den Plastikmüll

Steilemann wehrte sich auch gegen Kritik an der vor einem Jahr gestarteten „Allianz gegen Plastikmüll in der Umwelt“. Das Industriebündnis aus derzeit 35 Konzernen will in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden Dollar in Umweltschutz-Projekte investieren. Skeptiker werfen dem Bündnis vor, sich auf diese Weise von den Vorwürfen reinwaschen zu wollen. „Was wir tun, ist das Gegenteil von Greenwashing. Die gesamte Industrie, vom Rohstoff- bis zum Konsumgut-Hersteller, kämpft gemeinsam gegen den Plastikmüll in der Umwelt. Das ist mehr, als irgendjemand sonst bisher konkret beigetragen hat“, sagte Steilemann. „Wir kaufen uns kein reines Gewissen.“

Der Dax-Chef forderte die Bundesregierung auf, die Probleme gemeinsam mit der Wirtschaft zu lösen. „Deutschland braucht eine echte Industriepolitik, die diesen Namen verdient und für eine bezahlbare und sichere Energieversorgung, einen verlässlichen gesetzlichen Rahmen und für Offenheit gegenüber neuen Technologien sorgt“, sagte er. „Was wir nicht brauchen, sind unfertige Halbsätze wie die Forderung nach einem Kohleausstieg, ohne dass klar wäre, wo die Energie stattdessen herkommen soll.“

Kritik am fehlenden Plan für Deutschland

Deutschland fehle insgesamt die positive Vision. „Wo will dieses Land hin, was passiert bei Bildung, Energie, Digitalisierung, Infrastruktur? Ich lese jeden Tag, was nicht mehr geht und was alles umverteilt werden soll“, so Steilemann. „Was fehlt, ist ein mutiger Plan, der uns als Land und auch als Teil Europas nach vorn bringt und einen Gegenentwurf zum Populismus schafft.“

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BALI, INDONESIA - APRIL 13: Dozens people and children work together cleaning up Sanur Beach from plastics and woods waste in Bali on April 13, 2018, as apart of their concern about free waste for the gods island (Photo by Mahendra Moonstar/Anadolu Agency/Getty Images)

Ende des Plastikmülls

Auch der Konflikt zwischen China und den USA sei eine Gefahr, auf die Europa Antworten finden müsse. „Ich rechne nicht mit einer kurzfristigen Lösung, sondern damit, dass der Konflikt in den kommenden Jahrzehnten weiter eskalieren wird. Selbst ein Kalter Krieg scheint nicht ausgeschlossen“, sagte Steilemann.

Ganz akut sei seine größte Sorge allerdings, dass die Bürger das Vertrauen in die Zukunft verlören. „Wenn die Konsumenten aufhören zu kaufen und zu investieren, dann wird es für viele Industrien schwierig. Das würde eine Spirale nach unten in Gang setzen“, sagte er. Anzeichen für eine richtige Rezession gebe es zwar momentan nicht. „Aber die Risiken sind sicherlich gestiegen.“

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

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Quelle: WamS

Source: Wirtschaft – WELT
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