Posted on

Rowdy oder Rentner – wer die SUVs wirklich fährt

Share

Wer SUV fährt, hat es im Moment nicht leicht: Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) rufen offen zum „SUV-Schämen“ auf, plötzlich sollen sie nicht nur Klimasünder sein, weil ihre Autos mehr CO2 ausstoßen als kleinere Fahrzeuge, sondern sie sollen auch noch eine tödliche Gefahr sein. Der schreckliche Unfall in Berlin-Mitte, bei dem ein Mann in einem Porsche-SUV vier Menschen tötete, löste eine tagelange Debatte aus.

Aber unterscheidet sich der typische SUV-Fahrer wirklich von anderen Autobesitzern? Sitzen in den Geländewagen Verkehrsrowdys hinterm Steuer? Oder doch nur Rentner, die es beim Einsteigen gern bequem haben möchten?

Die Antwort auf diese Fragen liefert eine Auswertung von Versicherungsdaten durch das Vergleichsportal Verivox. Denn genau wie Halter anderer Fahrzeuge müssen auch SUV-Fahrer Informationen über sich preisgeben, wenn sie über die Seite eine neue Police abschließen wollen.

Lesen Sie auch
2,5 Tonnen, 400 PS, 5,15 Meter lang und zwei Meter breit: BMWs X7 kostet in dieser Ausführung 136.000 Euro

BMW X7 im Test

Die Ergebnisse, die WELT vorliegen, zeigen, dass es den typischen SUV-Fahrer nicht gibt. Vielmehr muss auch innerhalb der Gruppe unterschieden werden in diejenigen, die große oder kleinere SUVs fahren.

Während die Fahrer von kleinen und mittelgroßen SUVs sogar unterdurchschnittlich häufig Punkte im Verkehrssünderregister in Flensburg haben, sind die Besitzer von großen SUVs und Geländewagen deutlich häufiger negativ im Verkehr aufgefallen als der Durchschnitt aller Autofahrer.

Quelle: Infografik WELT

Bei den kleinen SUVs, zu denen „Verivox“ unter anderem den BMW X1 und den Audi Q2 zählt, ist der Anteil der Fahrer, die Punkte in Flensburg haben, um acht Prozent niedriger als bei allen Autofahrern.

Auch bei den mittelgroßen SUVs, zu denen unter anderem der X3 und der Q5 gehören, liegt der Anteil der Verkehrssünder noch vier Prozent unter dem Gesamtschnitt. Doch offenbar sind bei den Verkehrsrowdys große SUVs wie der X5 und der Q7 oder Geländewagen beliebt.

Hier war der Anteil derjenigen, die schon Punkte in Flensburg haben, um bis zu 40 Prozent höher als im Gesamtdurchschnitt. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sie durch ihre Verkehrsverstöße auch Unfälle verursacht haben.

Insgesamt liegt der Anteil aller SUV-Fahrer, die schon einmal Schäden im Verkehr verursacht haben, fünf Prozent unter dem Gesamtdurchschnitt, bei Geländewagen sind es sogar 21 Prozent unter dem Schnitt aller Fahrzeughalter.

SUV-Halter fahren mehr Kilometer pro Jahr

Insgesamt fahren die SUV-Halter ihre Fahrzeuge etwas häufiger. Die durchschnittliche jährliche Fahrleistung ist bei SUVs mit gut 13.300 Kilometern rund 13,6 Prozent höher als bei anderen Autos. Sie haben folgerichtig auch seltener eine Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr. Hier gaben nur 8,2 Prozent der SUV-Halter an, ein solches Ticket zu besitzen, bei den Besitzern anderer Fahrzeuge lag die Quote bei zehn Prozent.

Das Vorurteil, dass unter den SUV-Haltern viele Frauen sind, die mit den großen Fahrzeugen Kinder zur Schule, zum Klavierunterricht oder Ballett fahren, lässt sich mit den „Verivox“-Daten nicht bestätigen. Der Anteil der SUV-Besitzer ist bei Männern im Alter zwischen 70 und 79 Jahren am höchsten. 17 Prozent dieser Gruppe fahren einen SUV oder einen Geländewagen. Knapp dahinter mit 16,2 Prozent liegen Männer zwischen 60 und 69.

Quelle: Infografik WELT

Bei den Frauen sind es in den gleichen Altersklassen hingegen nur etwa zehn Prozent. Allerdings sagt das nur etwas über den eingetragenen Halter des Fahrzeugs aus, nicht darüber, wer das Auto tatsächlich fährt. Am geringsten ist der SUV-Anteil bei Männern und Frauen zwischen 18 und 29 Jahren mit nur 2,9 Prozent.

Auch die Behauptung, es handle sich bei den SUVs um „Stadtpanzer“ bestätigen die Daten nicht. Den höchsten SUV-Anteil verzeichnet „Verivox“ mit 11,6 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern, gefolgt von Thüringen und Brandenburg.

Auch beim Städteranking liegen nicht etwa Metropolen vorne, sondern eher Mittelstädte. Am höchsten ist der Anteil mit 11,4 Prozent in Krefeld, gefolgt von Mühlheim an der Ruhr und Lübeck. München folgt erst auf Rang fünf, Berlin sogar erst auf 14.

Lesen Sie auch
Nach dem schweren Unfall mit vier Toten in Berlin

Vier Tote in Berlin

Source: Wirtschaft – WELT
Author: