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Dax Aktuell: Dax schwenkt wieder auf Erholungskurs ein – Kursverfall bei Qiagen geht weiter

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Düsseldorf Trotz der Unsicherheiten vor dem Beginn der Handelsgespräche zwischen USA und China legt der deutsche Leitindex zu. Im Vormittagshandel steigt der Leitindex um 1,3 Prozent auf 12.120 Zählern. Am Dienstag war das deutsche Börsenbarometer etwa 1,1 Prozent schwächer bei 11.970 Punkten aus dem Handel gegangen. Damit hat der Leitindex nach den Kursturbulenzen in der vergangenen Woche heute mit 12.165 Zählern ein neues Zwischenhoch erreicht, das bisherige lag bei 12.105 Punkten vom vergangenen Montag. Damit hat sich die Lage am deutschen Aktienmarkt deutlich stabilisiert.

Von den 30 Dax-Werten liegt nur ein Papier im Minus: Die Eon-Aktie verliert 0,7 Prozent. Auch im 60 Werte umfassenden MDax haben nur sieben Titel ein Minuszeichen vor dem aktuellen Kurs.

Kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht Verschärfungen im Handelsstreit gibt. Nun hat die US-Regierung wegen der Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China Visa-Restriktionen gegen Vertreter der chinesischen Regierung verhängt. Als Konsequenz bleiben die Märkte bleiben mit Blick auf potenzielle Vergeltungsmaßnahmen Chinas in Alarmbereitschaft. Die erste Gegenreaktion: Das Reich der Mitte nimmt offenbar den US-Konzern Apple ins Visier.

Denn eine Kritik in chinesischen Staatsmedien an einer App im Zusammenhang mit den Protesten in Hongkong ließen die Aktien der chinesischen Apple-Zulieferer fallen. Die Papiere von Luxshare Precision und O-Film Tech verlieren jeweils 2,3 Prozent, die Foxconn-Titel fallen um 2,7 Prozent. In der Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas wird die Zulassung einer App beanstandet, welche die Bewegung der Polizei in Hongkong verfolgt. Die Apple-Aktie behauptet sich aber am deutschen Markt mit einem Plus von 0,24 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt sprechen derzeit zwar Saisonalität (das vierte Quartal weist traditionell die höchste Performance auf, Stichwort Jahresendrally) und Charttechnik für tendenziell steigende Aktienkurse. Aber die Anleger sehen zwei große Bedrohungen klar am Horizont: einen chaotischen Brexit und einen weiter die Wirtschaft belastenden Handelskonflikt zwischen den USA und China. „Den Anlegern schwant, dass die Börsen sich an beiden nicht schadlos halten dürften“, meint Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Der Volatilitätsindex VDax, das Angstbarometer der Börse, zeigte zum heutigen Handelsauftat noch eine steigende Unsicherheit. Der Index stieg anfangs auf einen Wert von knapp 20 gestiegen; Anlageprofis schienen langsam nervös zu werden. Doch im Handelsverlauf fiel der VDax wieder auf einen Wert von 18.

Am Anleihemarkt gaben die Kurse nach, die Rendite der deutschen Papiere stieg im Gegenzug auf minus 0,569 Prozent. Dabei spielten auch Gewinnmitnahmen eine Rolle, sagte Matthew Carins, Stratege bei der Rabobank. EZB-Vizechef Luis De Guindos plädierte dafür, die laxe Geldpolitik auch nach dem Wechsel an der Zentralbank-Spitze im nächsten Monat beizubehalten. „Eine Kehrtwende ist etwas, was ich ablehnen würde. Und es wäre auch nicht gut“, sagte der Spanier der Finanzagentur „Market News“.

Die Aussicht auf eine Lockerung der Geldpolitik in den USA drückte den Dollar. Ein Euro kostete im Gegenzug mit 1,0989 Dollar 0,3 Prozent mehr. Angesichts negativer Folgen des Zollkonflikts und der mauen Weltwirtschaft signalisierte die US-Notenbank Fed die Bereitschaft zu einer weiteren Zinssenkung. Experten rechnen damit, dass die Fed Ende Oktober den dritten geldpolitischen Schritt nach unten in diesem Jahr folgen lassen wird.

Möglicherweise könnte die Veröffentlichung der Fed-Protokolle nach Börsenschluss in Deutschland neuen Schwung in den Handel bringen. Von den Mitschriften der jüngsten Beratungen erhoffen sich Anleger Rückschlüsse auf die weitere Geldpolitik der US-Notenbank. Eine weitere Zinssenkung hat Jerome Powell bereits in Aussicht gestellt. Nun signalisiert der Chef der US-Notenbank auch Maßnahmen, um dem Geldmarkt Impulse zu verleihen.

Blick auf die Einzelwerte

Commerzbank: Das Geldhaus will in der Privatkundensparte vierstellige Anzahl an Stellen streichen. Das geht aus einem Schreiben des Gremiums an Mitarbeiter hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Die Aktie verliert zum zwar Auftakt 0,8 Prozent, liegt aber nachmittags wieder 0,2 Prozent im Plus.

LVMH: Der französische Luxusgüterkonzern, zu dem Marken wie Moët & Chandon, Louis Vuitton, Fendi, Donna Karan, Hublot und TAG Heuer gehören, legt an diesem Mittwochabend seine Zahlen für das dritte Quartal vor. Die Aktie hat die Querelen des Handelsstreits recht gut überstanden, das Geschäft mit Luxusgütern von der schwachen Konjunktur kaum gebremst wird. Während Dax und Euro Stoxx 50 in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt auf der Stelle treten, konnte das LVMH-Papier rund 20 Prozent zulegen. Am heutigen Handelstag waren vor den Zahlen zunächst Gewinnmitnahmen angesagt, der Titel fiel zum Handelsauftakt um 1,4 Prozent. Doch mittlerweile notiert das Papier ein Prozent im Plus.

Deutz: Der Motorenhersteller baut durch einen Zukauf sein Geschäft mit Elektroantrieben für Bau- und Landmaschinen aus. Deutz übernimmt hierzu den Batteriespezialisten Futavis aus Alsdorf. Deutz will sich im Geschäft mit Komponenten für elektrische Antriebe, die etwa in Bau- und Landmaschinen oder Minibaggern eingesetzt werden, ein weiteres Standbein aufbauen. Der über 150 Jahre alte Konzern setzt darauf, dass auch in diesem Segment klimaschonendere Technologien verstärkt gefragt sein werden.

Die Aktie legt 3,3 Prozent zu, hat aber eine mehrmonatige Talfahrt hinter sich. Seit Juni dieses Jahres ist das Papier um mehr als vier Prozent gefallen.

DWS: Eine Hochstufung stützt die Aktien der Fondsgesellschaft DWS. Sie legen 1,1 Prozent zu. Die Experten von JP Morgan stuften die Papiere auf „overweight“ von „neutral“ hoch.

Qiagen: Mit einem Minus von 2,8 Prozent stehen die Aktien des Biotechunternehmens am MDax-Ende. Die Experten des Finanzdienstleisters Cowen senkten ihr Kursziel auf 30 Euro von 38 Euro und begründeten das unter anderem mit dem Abgang des Firmenchefs und dem verfehlten Umsatzziel. Die Aktie hat seit Montag mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

Was die Charttechnik sagt

Wenn man die technische Situation betrachtet, dann passte der Rückgang in der vergangenen Woche exakt zu dem, was sich jahreszeitlich in den vergangenen zehn Jahren in vielen Fällen ereignet hat. Im Sommer rutschte der Dax ab (in diesem Jahr auf 11.266 Punkte) und startete eine Sommerrally, wobei das Ausbruchsniveau von 11.853 Punkte lag. Diese Marke wurde in der vergangenen Woche mit dem Rutsch auf 11.879 Punkte praktisch getestet, der Ausbruch aus dem Sommer laut Charttechnik also bestätigt. Passend dazu notiert die steigende 200-Tagelinie (aktuell bei 11.810 Punkten), Gradmesser für den längerfristigen Trend, auf einem ähnlichen Niveau.

Sollte der Markt in den kommenden Tagen aber unter diese Marke fallen, würde sich die charttechnische Situation eintrüben und es könnte ähnlich chaotisch wie in der vergangenen Woche zugehen.

Kurzfristig droht dem deutschen Leitindex ein erneuter Test der Marke von 11.879 Zählern, erst Kurse oberhalb von 12.100 Punkten dürfte sich die Lage entspannen.

Mittelfristige bilden auf der Oberseite die Hochs der vergangenen vier Wochen bei knapp 12.500 Punkten im Zusammenspiel mit dem Hoch von Mai (12.436 Punkte) sowie dem ehemals wichtigen Allzeithoch von April 2015 bei 12.391 Punkten die entscheidenden Barrieren auf dem möglichen Weg nach Norden.

Analystencheck: Morgan Stanley empfiehlt die Siemens-Aktie zum Kauf

Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat die Einstufung für Siemens vor den Quartalszahlen der europäischen Investitionsgüterindustrie auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 122 Euro belassen. In den Gewinnschätzungen für 2020 seien schwächere Branchendaten noch nicht berücksichtigt, schrieb Analyst Ben Uglow in einer am Dienstag vorliegenden Branchenstudie. Die kurzfristigen Marktschätzungen für Siemens erschienen indes erreichbar. Dennoch achte er auch hier auf mögliche Abwärtskorrekturen der Schätzungen für 2020.

32 Studien beschäftigen sich im Handelsblatt-Analystencheck mit der Siemens-Aktie. Den 25 Kaufempfehlungen steht sieben Mal der Rat „Halten“ gegenüber. Kein Analyst gibt eine Verkaufsempfehlung.

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Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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