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Dax aktuell: Dax startet im Minus – Wirecard-Aktie verliert fast sechs Prozent

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Frankfurter Börse

Der Dax hat am Dienstag ein neues Jahreshoch markiert.



(Foto: dpa)

Düsseldorf Nachdem der Dax am Dienstag ein neues Jahreshoch markiert hat, dürften sich Anleger heute zurückhalten. Der Leitindex notierte zum Handelsstart 0,7 Prozent im Minus bei 13.133 Punkten.

Am Vortag war der Dax zeitweise auf 13.374 Zähler geklettert und mit einem leichten Plus von 0,1 Prozent bei 13.221 Punkten aus dem Handel gegangen.

„Es fehlt an frischen Impulsen, während die Stimmungsschwankungen in den Handelsgesprächen anhalten“, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Handelshaus AxiTrader zu den frühen Kursverlusten. Unter den Einzelwerten stach besonders Wirecard mit hohen Kursverlusten von fast sechs Prozent hervor: Neue Unruhe bei den Aktionären löste der Handelsblatt-Bericht aus, dass die Singapur-Tochter des Zahlungsdienstleisters kein Testat für die Jahresbilanz 2017 erhalten hat.

Im Fokus steht heute zudem die Geldpolitik der US-amerikanischen Notenbank Fed. Am Abend wird sie ihre Protokolle veröffentlichen. Anleger erhoffen sich daraus Hinweise auf das weitere Vorgehen der Notenbank.

Voraussichtlich würden die Mitschriften zeigen, dass die Fed vorerst weiter die Füße stillhalten wird, prognostiziert Analyst Frank Wohlgemuth von der National-Bank. Ein zentraler Grund dafür sei, dass man erst den Ausgang der Verhandlungen rund um den Handelskonflikt abwarten wolle.

Dieser ist das zweite Thema des Tages. Anleger spekulieren weiter, ob und wann ein Abkommen zwischen China und den USA vereinbart wird. Bei einer Kabinettssitzung im Weißen Haus sagte Donald Trump zuletzt: „Wenn wir keinen Deal mit China abschließen, werde ich die Zölle einfach noch höher ansetzen“.

Diese erneute Zolldrohung setzte den Märkten in Asien zu. Der japanische Nikkei-Index fiel um 0,6 Prozent auf 23.148 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index notierte 0,3 Prozent tiefer. Auch der chinesische Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen fiel um ein Prozent.

Ein weiteres politisches Thema, das am Mittwoch die Märkte bewegt, ist der Brexit. Im TV-Duell zwischen Premierminister Boris Johnson und Oppositionsführer Jeremy Corbyn gab es Umfragen zufolge keinen eindeutigen Gewinner. Johnson wiederholte im TV-Duell seine Zusage, am 31. Januar aus der EU austreten zu wollen.

Corbyn betonte seinen Plan, ein neues Brexit-Abkommen auszuhandeln. Dieses wolle er der Bevölkerung in einem Referendum vorzulegen – mit der Option, in der EU zu bleiben. Am 12. Dezember finden die vorgezogenen Neuwahlen des Parlaments in Großbritannien statt.

Die Ölpreise haben am Morgen etwas nachgegeben, sich nach jüngsten Kursverlusten aber etwas stabilisiert. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete mit 60,72 US-Dollar 19 Cent weniger als am Vortag, ein Barrel West Texas Intermediate (WTI) kostete mit 55,15 US-Dollar sechs Cent weniger.

Am Nachmittag stehen die Lagerdaten der US-Regierung auf dem Programm. Steigende Ölreserven sorgen in der Regel dafür, dass die Ölpreise nachgeben. Analysten rechnen damit, dass die US-Regierung einen Zuwachs der Rohöl-Reserven um 1,5 Millionen Barrel.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Die Prüfer von EY haben der Singapurtochter von Wirecard das Testat für die Richtigkeit der Jahresbilanz 2017 verweigert. Das geht aus Dokumenten im Register der singapurischen Aufsichtsbehörde Acra hervor, die das Handelsblatt eingesehen hat.

„Singapur ist zwar eine kleine Einheit und das Thema ist nicht neu, aber alles in allem schürt es Zweifel bei Investoren hinsichtlich Transparenz und Ehrlichkeit bei dem Unternehmen“, sagte ein Händler. Die Papiere des Zahlungsdienstleisters lagen zum Handelsstart rund 5,7 Prozent im Minus.

Vapiano: Die Restaurantkette präsentiert heute ihre Bilanz für das dritte Quartal. Die Kette hat seit längerer Zeit Probleme, die Nettoverschuldung betrug zuletzt 470 Millionen Euro. Vapiano betreibt mehr als 200 Restaurants weltweit. Die Vapiano-Aktie notierte zum Handelsbeginn 1,6 Prozent im Plus.

MTU: Die Papiere des Triebwerkbauers waren gestern mit einem Plus von 2,6 Prozent die größten Gewinner im Dax. Zum Handelsstart lagen sie jedoch wieder rund 0,5 Prozent im Minus.

Lufthansa: Der Streit zwischen Lufthansa und der Kabinengewerkschaft UFO geht weiter. Die Papiere der Airline sackten um 1,6 Prozent ab und zählen zu den Verlierern im Dax.

Was die Charttechnik sagt

Am gestrigen Handelstag erfolgte der rasante Ausbruch aus der Schiebezone (13.138 auf der Unter- und 13.308 auf der Oberseite) seit Anfang November.

Dennoch brachte dieser dynamische Kursanstieg keine Entscheidung, weil der Dax bis zum Handelsende wieder in die alte Range zurückfiel. Die deutlichen Verkäufe nach dem Erreichen des neuen Jahreshoch mit 13.374 Punkten mahnen zur Vorsicht. Am heutigen Handelstag fiel der Dax zum Handelsstart mit 13.130 Punkten unter die untere Begrenzung (13.138 Punkte).

Sollte die Marke per Tagesschlusskurs unterboten werfen, ist die Aufwärtskurslücke von Anfang November die nächste wichtige Rückzugsmarke. Solche Kurslücken (Fachjargon: Gap) entstehen, wenn der höchste Kurs eines Tages unter dem des Folgetages bleibt.
Der konkrete Fall: Am 1. November stieg der Dax bis auf 12.992 Zähler, am Montag (4. November) lag der niedrigste Kurs bei 13.019 Punkten. Solche Kurslücken dienen anschließend als Unterstützung. Strategische Investoren können diesen Bereich als Absicherung nehmen.

Unterhalb der Kurslücke liegt die nächste Unterstützung bei 12.500 Zählern. Darunter folgt wiederum die 200-Tage-Linie, Gradmesser für den langfristigen Aufwärtstrend. Diese Durchschnittslinie notiert aktuell bei 12.105 Zählern und steigt täglich um rund zehn Punkte. Es würde ins charttechnische Bild passen, wenn der Dax in den kommenden Wochen diese Linie testen würde.

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Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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