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Industriekonzern: Prinzip Hoffnung bei Thyssen-Krupp – Konzern streicht nach hohen Verlusten die Dividende

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Thyssen-Krupp

Geplante Restrukturierungen bringen dem Konzern einen hohen Nettoverlust.



(Foto: dpa)

Frankfurt Die Investoren von Thyssen-Krupp sind Kummer gewohnt. Nach milliardenschweren Fehlinvestitionen und dauerhaftem Missmanagement ist der Ruhrkonzern immer wieder in die Verlustzone abgetaucht.

Für das im Oktober gestartete Geschäftsjahr 2019/2020 stellt Vorstandschefin Martina Merz kein besseres Ergebnis in Aussicht – im Gegenteil. Sie bereitet die Aktionäre auf eine längere Durststrecke vor.

Der Fehlbetrag wird sich Berichtszeitraum binnen Jahresfrist von zwölf Millionen auf 260 Millionen Euro ausweiten, wie das Unternehmen am Donnerstag ankündigte. Die Dividende für das abgelaufene Jahr fällt aus.

Die schwache Prognose begründete das Unternehmen mit der schwächeren Konjunktur und vor allem mit dem laufenden Konzernumbau, der die Gesellschaft mit rund einer halben Milliarde Euro belasten wird.

Nach jüngsten Angaben will Thyssen-Krupp 6000 Stellen abbauen, laut Konzernkreisen wird sich diese Zahl aber noch deutlich erhöhen. Vorstandschefin Merz machte für die roten Zahlen aber auch ihre Vorgänger verantwortlich: Restrukturierungen seien nicht mit der notwendigen Konsequenz umgesetzt worden, sagte sie.

Merz war im Oktober vom Aufsichtsrat an die Vorstandsspitze gewechselt. Die frühere Bosch-Managerin will den Posten maximal zwölf Monate belegen. In der Zeit will Merz den Umbau forcieren: „Zügig und systematisch“. Thyssen-Krupp steckt mitten in einer Transformation. Nachdem der Konzern innerhalb weniger Monate seine Strategie mehrfach umgestellt hatte, legt der Vorstand nun den Fokus auf das Stahlgeschäft.

Bereiche wie die Aufzugssparte und der Anlagenbau sollen teilweise oder komplett veräußert werden. Die Firma wird sich damit von seinen wertvollsten Teilen trennen. Für Vorstand und Aufsichtsrat ist dieser Schritt unvermeidlich, um Thyssen-Krupp solide aufzustellen. Mit dem Verkaufserlös soll das verbliebene Geschäft – vor allem Stahl – saniert werden.

Der Vorstand um Merz hat zwar erklärt, was nun verkauft und wo gespart werden soll. Allerdings hat die Führung offen gelassen, wie der Konzern einmal aussehen soll. Eine langfristige Strategie existiert nicht. Der neue Vorstand fokussiert sich nach eigenem Bekunden darauf, die Kosten zu drücken und den Umbau voran zu treiben.

Sechs Bieter für die Aufzugssparte

Während bei der Sparte Anlagenbau die Vorbereitung für die Abgabe einzelner Teile noch vorbereitet wird, ist der Verkaufsprozess für die Aufzüge weit fortgeschritten. Es lägen Angebote von strategischen Interessenten und Finanzinvestoren vor, erklärte Thyssen-Krupp am Donnerstag. Laut Finanzkreisen haben mindestens sechs Konsortien Offerten vorgelegt.

In einem nächsten Schritt erhalten die Bieter einen tieferen Einblick in das Zahlenwerk der Sparte, damit sie ihre Angebote anpassen könnten. Nach Angaben von mit den Vorgängen vertrauten Personen könnte Thyssen-Krupp bei einem Komplettverkauf zwischen 15 und 20 Milliarden Euro erlösen. Im Januar oder Februar will die Firmenleitung entscheiden, ob Thyssen-Krupp den Bereich komplett oder teilweise verkaufen wird.

Einen Börsengang halten Konzerninsider für unwahrscheinlich, auch wenn der Konzern diese Pläne offiziell weiterhin als Alternative betreibt. Mit dem Wechsel an der Vorstandsspitze von Guido Kerkhoff auf Martina Merz sind aus Sicht der Bieter die Chancen für eine Komplettübernahme gewachsen.

Kerkhoff hatte sich dagegen gestellt, weil er ohne die Dividenden der rentablen Aufzugssparte die Finanzkraft der Thyssen-Krupp AG geschwächt sah. Dies ist laut übereinstimmenden Angaben mehrerer Quellen ein Hauptgrund, warum er gehen musste. Merz könnte offener für einen vollständigen Verkauf sein, da sie eher auf die Forderungen des Großaktionärs Cevian eingehen könnte.

Intern hatte sie dies gegenüber Vertrauten erklärt, wie es hieß. Der Finanzinvestor hat sich dem Vernehmen nach für eine vollständige Veräußerung ausgesprochen. Selbst bei einem Teilverkauf werden Thyssen-Krupp mit dem Deal etliche Milliarden Euro zufließen. Offen ist allerdings, was mit dem Geld konkret passieren wird. Der Konzern hat sich dazu nicht geäußert.

Eine wirkliche Strategie blieb der Konzern auch unter Merz bei der Bilanzvorlage am Donnerstag schuldig. Für die Chefin dürfte dies auch nicht die vordringlichste Aufgabe sein. Sie wird den Vorstandsvorsitz maximal ein Jahr halten, um dann wieder in den Aufsichtsrat zurück zu wechseln. Es ist ein Noteinsatz, weil für den geschassten Kerkhoff keine Alternative griffbereit war. Tragisch für Merz ist, dass sie für ihr Amtsjahr 2019/20 noch höhere Verluste für die Investoren ankündigen musste.

Mehr: Der Industriekonzern baut Hunderte Stellen bei System Engineering ab. Am stärksten betroffen von der Maßnahme ist der Standort Bremen.


Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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