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Die innovativsten Unternehmen der Welt: EOS, Magic Leap und Gree Electric: Das sind die Aufsteiger des Jahres

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Daten-Brille

Immobilienmakler nutzen die Software, um Häuser virtuell zu möblieren.


(Foto: Moment/Getty Images)

Innovationen – sie sind schon immer entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens gewesen. Gerade im digitalen Zeitalter steigt ihre Bedeutung dramatisch, schließlich rütteln sie ganze Branchen durch. Welche Unternehmen besonders relevante Innovationen hervorbringen, lässt sich in der Datenbank der Firma Patentsight ablesen.

Auf Basis dieser Daten hat das Schweizer Beratungsunternehmen Econsight für das Handelsblatt eine Rangliste jener 100 Unternehmen erstellt, die auf dem derzeit wirtschaftlich wichtigsten Innovationsfeld führend sind: an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien.

Diese Unternehmen sind in den vergangenen Jahren im Ranking so schnell aufgestiegen wie niemand sonst: der Münchner 3D-Druck-Anbieter EOS, der amerikanische Spezialist für erweiterte Realität, Magic Leap, und der chinesische Klimaanlagenhersteller Gree Electronic Appliance.

EOS: Führend im 3D-Druck

Ihre Ziele hat sich die junge Unternehmerin klar gesetzt, nachdem sie erst vor wenigen Wochen die Führung des von ihrem Vater gegründeten 3D-Druck-Pioniers EOS übernommen hatte. „Meine Vision ist, dass der industrielle 3D-Druck von EOS technologisch führend bleibt“, sagt Marie Langer.

Aber das allein reicht ihr nicht. Das Unternehmen solle zudem einen nachhaltigen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen unserer Welt leisten. Die Voraussetzungen dafür: EOS vereine „den Pioniergeist der Anfangsjahre mit der Expertise eines Marktführers“.

3D-Druck gilt als eine der großen Zukunftstechnologien: Softwaregesteuerte Laser verschmelzen Kunststoff- oder Metallpulver zu dreidimensionalen Gegenständen. Dabei zählt EOS, nahe München gelegen, zu den weltweit führenden Technologieanbietern im industriellen 3D-Druck.

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Weltweit sind die Drucker im Einsatz: So fertigt die Fluggesellschaft Etihad damit Kabinenteile, die schneller und mit weniger Gewicht produziert werden als auf herkömmliche Weise. Autohersteller drucken Bauteile und Prototypen, und es werden individuell geschnittene Brillengestelle und passgenaue Schädelimplantate produziert.

Mit 1200 Mitarbeitern macht die Firma heute 350 Millionen Euro Umsatz. Davon hätte Hans Langer sicherlich nicht zu träumen gewagt, als er vor 30 Jahren das Unternehmen gründete. Zu dieser Zeit galt die Vorstellung, Metallteile auszudrucken, vielen noch als Spinnerei. Der damalige BMW-Entwicklungschef Wolfgang Reitzle stellte Langer dennoch Risikokapital für die Entwicklung einer laserbasierten Stereolithografiemaschine bereit. Bereits ein Jahr später lieferte EOS die Maschine an BMW aus.

Der Rest ist ein Stück Industriegeschichte. Andere Autobauer interessierten sich für die EOS-Technologie, das Unternehmen stieg rasch zum Technologieführer auf.

Gemeinsam mit der ebenfalls bayerischen Firma Concept Laser, die vor einigen Jahren von General Electric gekauft wurde, sorgt EOS dafür, dass Deutschland derzeit der führende Standort bei der Entwicklung von Druckern für die additive Fertigung ist.

Magic Leap: Neue Welten

Auch Magic Leap schaffte den großen Sprung nach vorn. Der Spezialist für die sogenannte „erweiterte Realität“ visualisiert Daten als 3D-Projektion mitten im Raum, egal, ob es dabei um die Auswirkungen des Klimawandels, den virtuellen Einkauf oder ein Videospiel geht.

Das Unternehmen aus Florida ist weltweit vielen Menschen vor allem für seine Spiele und Unterhaltungserlebnisse bekannt. Rund um den Globus tüfteln 1 800 Mitarbeiter an neuen Ideen und deren Umsetzung mittels Datenbrille. Doch auch für seine Geschäftskundenlösungen gewinnt das Unternehmen zunehmend an Bekanntheit – etwa im Einzelhandel, in der Architektur, im Gesundheitsbereich. Ein Beispiel: Die Immobilienmakler von Sotheby‘s nutzen die Software, um mittels Spezialbrille Wohnungen oder Häuser virtuell zu möblieren.

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Das Besondere an der Magic-Leap-Technologie: Künstliche Lichtfelder werden mit natürlichen Lichtwellen vermischt. Bei den Videospielen können dann projizierte Figuren, etwa kleine Pinguine, über reale Möbel im Raum laufen und munter vom Couchtisch purzeln. Die von Magic Leap entwickelten Bilder sollen dabei das menschliche Gehirn weniger verwirren. Noch immer kämpfen Anbieter von virtueller und erweiterter Realität damit, dass einigen Menschen bei der Anwendung schlichtweg schwindelig wird.

Mit rund 2,6 Milliarden Dollar Wagniskapital zählt Magic Leap zu den am besten finanzierten Start-ups der Welt – namhafte Investoren wie Google, Qualcomm, Andreessen Horowitz und JP Morgan Chase sind dabei. Im Februar 2018 investierte auch Axel Springer in den Hoffnungsträger.

Trotz dieser Finanzierung kamen zuletzt Zweifel an der Liquidität von Magic Leap auf, weil das Unternehmen angeblich wichtige Patente als Sicherheit bei JP Morgan hinterlegt hat. Gründer Rony Abovitz widersprach dem auf Twitter und teilte mit, dass die nächste Finanzierungsrunde bereits stehe. Der Markt für erweiterte Realität entfalte sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren. Es sei ein „langes und sehr großes Spiel“.

Gree Electric: Große Pläne

Die Fertigung von Klimaanlagen – mit diesem Unternehmenszweck wurde Gree Electric Appliances 1991 gegründet. Als das Unternehmen im südchinesischen Zhuhai erstmals seine Produkte auf den Markt brachte, produzierte es davon jährlich 20.000 Stück. Doch diese vergleichsweise bescheidenen Zeiten sind längst vorbei. Im vergangenen Jahr wurden 50 Millionen Klimaanlagen produziert, ein Umsatz von 29 Milliarden Dollar konnte erzielt werden.

Hinzu kommt: 60.000 Patente haben die Chinesen bereits angemeldet – international gültig sind davon knapp 1. 600. Gree schickt sich an, einer der wichtigsten Player im Bereich „Connected Home Appliances“ zu werden – es geht um „Smarthomes“, das vernetzte Leben zu Hause. Seit 2015 gehört Gree zu den Marktgrößen.

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Im Mai 2018 kündete das Management dann den nächsten Wachstumsschritt an: Das Unternehmen wolle in den nächsten drei Jahren 7,3 Milliarden Dollar in die Halbleiterindustrie investieren. Es geht darum, bis Ende 2019 alle Gree-Klimaanlagen mit eigenen Chips auszustatten. Das reduziert die Abhängigkeit von der US-Halbleiterindustrie.

Den Worten folgten Taten: Im November investierte Gree 290 Millionen Dollar in San’an Optoelectronics, das unter anderem LED-Mikrochips, Wafer und Photodioden herstellt. Bereits im Sommer hatte der Konzern für 430 Millionen Dollar einen Anteil über zehn Prozent an Wingtech Technology erworben. Dieses Unternehmen plant wiederum, wie bekannt wurde, für 3,6 Milliarden Dollar einen rund 75-prozentigen Anteil am holländischen Chiphersteller Nexperia BV zu kaufen.

Doch nicht alle Experten sind von Grees neuen Ambitionen überzeugt. Denn schon häufiger hat das Management in der Vergangenheit große Ambitionen verkündet: 2015 gab das Unternehmen bekannt, ins Smartphonegeschäft einzusteigen, 2016 waren es Autos mit alternativen Antrieben. Auch dieses Mal, so heißt es, gebe Gree wieder viel heiße Luft von sich. Bislang hat das dem rasanten Wachstum des Unternehmens nicht geschadet.

Die innovativsten Unternehmen der Welt im Porträt:


Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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