Posted on

Deutscher Waffenhersteller Heckler & Koch vor dem Verkauf

Share

Deutschlands führender Waffenhersteller Heckler & Koch soll verkauft werden. Der Hauslieferant der Bundeswehr mit dem Sturmgewehr G36 gehört bisher zu rund zwei Drittel dem schillernden Unternehmer Andreas Heeschen. 

Der meldete sich kürzlich überraschend mit einer Klarstellung zu Wort. Ihm gehöre nach wie vor die Mehrheit an dem Unternehmen aus Oberndorf in Baden-Württemberg, betonte er. Von Verkaufsplänen war da kein Wort zu lesen. Doch Heckler & Koch teilte jetzt mit, dass beim Bundeswirtschaftsministerium ein Verkaufsantrag gestellt wurde. Heeschen war kurzfristig nicht zu erreichen. Das Wirtschaftsministerium will den Vorgang auf Anfrage „weder bestätigen noch dementieren“. 

Die Details zu den Verkaufsplänen sind verwirrend. So teilt das Unternehmen mit, dass der Antragsteller bereits am Unternehmen beteiligt sei, „so dass nach unseren Erkenntnissen keine Änderung der strategischen Ausrichtung zu erwarten ist“. Wer das konkret ist, bleibt offen. Namen werden nicht genannt.

Das Unternehmen ist zwar hochverschuldet und steckte in den roten Zahlen. Doch in diesem Jahr wird eine positive Wende erwartet. Zum Halbjahr wurde erstmals nach zwei Jahren wieder ein Gewinn ausgewiesen. 2018 kam Heckler & Koch auf 221 Millionen Euro Konzernumsatz, bei acht Millionen Euro Verlust. Widerholt gab es in der Vergangenheit komplexe Finanztransaktionen und Kapitalspritzen von unbekannter Seite.

Sturmgewehr G36

Ein Soldat der Bundeswehr steht mit einem Sturmgewehr vom Typ G36 am Flughafen nahe des Stützpunktes in Gao im Norden Malis
Quelle: pa/dpa/Michael Kappeler

Vieles deutet jetzt auf einen Streit unter Investoren hin, wer bei H&K das Sagen bekommt. Pikant ist dabei der Zeitpunkt. Der Gewehrhersteller gilt als Top-Favorit für die Produktion des neuen Sturmgewehrs für die Bundeswehr.

Ex-Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte beschlossen, das G36-Gewehr auszuwechseln. Und das, obwohl Behauptungen über die Treffsicherheit nach einer mehrjährigen Affäre 2016 auch vor Gericht nicht bewiesen werden konnten. Nunmehr liegt die Entscheidung über den Megaauftrag bei der neuen Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Auf Barbados ansässiger Rechtsanwalt im Gespräch

Der bisherige 58-jährige H&K-Eigentümer Heeschen ließ eine Anfrage zuletzt unbeantwortet, ob er womöglich bereits einen Teil seiner Aktien verpfändet hat. Hierüber gab es seit längerem Spekulationen. Ein Ex-Heckler & Koch-Geschftsführer behauptet, dass der französische Investor Nicolas Walewski, Gründer der Londoner Fondsgesellschaft Alken Assets tatsächlich bei dem Waffenunternehmen das Sagen habe.

Im Spiel sind auch noch andere Personen. „Focus“ nennt auch den angeblich auf Barbados ansässigen französischen Rechtsanwalt Gerard Lussan. Dieser sei über eine Kette von Offshore-Firmen mit dem Alken-Fonds verbunden. Der 81 Jahre alte Lussan werde in Investorenkreisen als „milliardenschwer“ bezeichnet.

Lesen Sie auch
Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (l.) übernimmt ein schweres Erbe von Vorgängerin von der Leyen

Neue Verteidigungsministerin

Wie es heißt, habe das Bundeswirtschaftsministerium im Rahmen der Prüfung eines Eigentümerwechsels bei H&K Experten des Bundesnachrichtendienstes BND eingeschaltet, um den Hintergrund der Kaufinteressenten auszuleuchten. Die Agenten gingen auch der Frage nach, ob Lussan selbst möglicherweise nur ein Strohmann sein könnte. Im Frühjahr soll es bereits mindestens ein Treffen zwischen Investor Walewski und dem zuständigen Wirtschaftsstaatssekretär Ulrich Nussbaum gegeben haben. 

Die Frage, wer bei H&K tatsächlich das Sagen hat, ist auch für die Bundesregierung wichtig. Nach dem Außenwirtschaftsgesetz kann geprüft werden, ob bei einem Einstieg eines Ausländers bei einem deutschen Rüstungsunternehmen Sicherheitsinteressen verletzt werden. Notfalls könnte der Eigentümerwechsel untersagt wurden.

Verkauft Heeschen das Unternehmen?

Heckler & Koch-Haupteigentümer Heeschen hatte die Waffenschmiede früher als sein Lieblingsunternehmen bezeichnet. Der Multiunternehmer war schon an den unterschiedlichsten Firmen beteiligt, wie dem Waschmittelhersteller Luhns (Marke Tadil als Aldi-Lieferant) oder dem Gartengerätehersteller Wolf.

Heeschen hat auch eine Vorliebe für besondere Finanztransaktionen. Ende 2009 reichten vier Hedgefonds vor einem US-Gericht Klage gegen den Unternehmer und seinen britischen Geschäftspartner Keith Halsey ein. Sie hätten einen 100 Millionen Euro-Kredit für eine H&K-Dachgesellschaft zweckentfremdet und in Immobilien, Hubschrauber und eine Yacht investiert. 2010 wies ein US-Gericht die Klage zurück und Heeschen wollte wegen Rufschädigung klagen.

Lesen Sie auch
Martin Eerhard, Besitzer der

Schweizer Volksabstimmung

Auch das Unternehmen Heckler & Koch hat eine bewegte Firmenvergangenheit. Heeschen kaufte den Waffenproduzenten mit Geschäftsfreunden 2002 vom britischen Konzern British Aerospace (heute BAE Systems). Nun könnte der in London lebende Unternehmer Heeschen das Unternehmen womöglich wieder verkaufen. Im Frühjahr hatte Heeschen der Belegschaft noch den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden, General a.D. Harald Kujat, persönlich vorgestellt. Es gab keine Anzeichen, dass Heeschen aussteigt. 

Source: Wirtschaft – WELT
Author: