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Elon Musk droht Kalifornien mit Abzug von Tesla

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Nachdem Gesundheitsbeamte des Alameda County am Freitag Tesla davor gewarnt hatten, seine Autofabrik im kalifornischen Fremont wieder zu öffnen, tobt Tesla-Chef Elon Musk auf Twitter. Tesla werde seinen Konzernsitz und möglicherweise auch seine Produktion abziehen.

„Offen gesagt, das ist der letzte Strohhalm“, schreibt Musk auf Twitter. „Tesla wird nun sein Hauptquartier und künftige Programme unverzüglich nach Texas/Nevada verlegen.“ Auch die Produktion im kalifornischen Fremont stehe auf dem Spiel. Dies werde davon abhängen, „wie Tesla in Zukunft behandelt wird“.

Für Kalifornien ist das wirtschaftlich tragisch. Tesla ist der letzte Autohersteller, der in diesem Bundesstaat noch produziert. In Fremont arbeiten 10.000 Angestellte, die Musk nun offen als Drohmittel einsetzt.

Tesla musste seine einzige US-Fabrik am 23. März wegen der Corona-Pandemie vorübergehend schließen, um dem Lockdown nachzukommen, der in ganz Kalifornien galt. Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, hatte jedoch am Donnerstag angekündigt, dass eine Öffnung von Fabriken in dem Bundesstaat ab Freitag wieder erlaubt sei.

Bezirk verbietet Produktion

Tesla hatte daher geplant, die Produktion am Freitagnachmittag wieder anzufahren. In einer Mail an die Mitarbeiter kündigte Musk einen eingeschränkten Betrieb mit 30 Prozent der normalen Belegschaft pro Schicht an.

Allerdings verweigerte der Bezirks Alameda seine Zustimmung dafür. Das County hatte sich entschieden, den „Shutdown“ mit Ausnahme von unerlässlichen Betrieben bis Ende Mai zu verlängern. Der Bezirk hatte bis Freitag mehr als 2000 Corona-Infizierte gemeldet, 71 Menschen seinen an der Krankheit gestorben.

Tesla werde unverzüglich eine Klage gegen den Bezirk Alameda einreichen, schrieb daraufhin Musk auf Twitter. „Der nicht gewählte & ignorante „Interim-Gesundheitsbeamte“ von Alameda handelt gegen den Gouverneur, den Präsidenten, unsere verfassungsmäßigen Freiheiten & einfach gegen den gesunden Menschenverstand!“

Inzwischen hat sich auch die Bürgermeisterin von Fremont, Lily Mei, zum Streit geäußert. Sie mache sich „zunehmend Sorgen über die möglichen Auswirkungen auf unsere regionale Wirtschaft“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Stadt ermutigt den Bezirk, sich mit unseren lokalen Unternehmen zusammenzutun, um akzeptable Richtlinien für die Wiedereröffnung der lokalen Wirtschaft auszuarbeiten.

„Wie wir es seit mehr als einem Jahrzehnt tun, ist die Stadt bereit, Tesla zu unterstützen, sobald das Unternehmen in der Lage ist, die Automobilproduktion wieder aufzunehmen, und sich zu einem durchdachten, ausgewogenen Ansatz für diese Bemühungen zu verpflichten, der für unsere Gemeinde in Fremont sicher bleibt“, heißt es weiter.

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Tesla produziert in seinem Werk Fremont die Modelle 3, S, X und Y. Am 13. April kürzte das Unternehmen die Löhne für alle seine US-Angestellten und schickte die meisten Aushilfskräfte, die nicht von zu Hause arbeiten können, in den unbezahlten Urlaub. Was mit den rund 10.000 Arbeitern des Werks in Fremont geschehen würde, wenn Tesla den Betrieb aus dem Bundesstaat verlegen würde, wie Musk twitterte, war unklar.

Kämpfer gegen den Lockdown

Musk hatte sich bereits zuvor mit scharfen Worten gegen den Lockdown ausgesprochen. Zuletzt schimpfte er während einer Telefonkonferenz zur Vorlage der Bilanzzahlen Ende April so sehr gegen die kalifornischen Ausgehbeschränkungen in der Corona-Krise, die er als „Faschismus“ bezeichnete, dass der Call unterbrochen werden musste.

Seine Meinung sei, die Menschen würden durch die Maßnahmen in ihren Häusern eingesperrt und ihre Rechte verletzt. „Die gewaltsame Inhaftierung von Menschen in ihren Häusern verstößt gegen all ihre verfassungsmäßigen Rechte.“ Wer zu Hause bleiben wolle, solle nicht gezwungen werden, rauszugehen, schränkte er ein.

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Erfolgreich und sorgenfrei

„Aber den Leuten zu sagen, dass sie ihr Haus nicht verlassen können, dass sie dann festgenommen werden, das ist Faschismus, das ist nicht demokratisch“, fuhr Musk mit einer verzerrten Darstellung der kalifornischen Maßnahmen fort. Tatsächlich konnten die Menschen ihre Häuser verlassen, um nötige Besorgungen oder auch Sport zu machen. Zum Abschluss seiner Tirade forderte der Tesla-Chef, den Menschen „ihre gottverdammte Freiheit“ wiederzugeben.

Für seine Ausfälle nutzt Musk meist den Kurznachrichtendienst Twitter. In der vergangenen Woche hatte er dort angedeutet, dass er den Börsenwert seines eigenen Unternehmens für zu hoch hält. Zwischenzeitlich fiel der Wert daraufhin um mehr als zehn Prozent.

Vor zwei Jahren bekam Musk wegen seiner Tweets Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC. Am Ende stand eine Einigung, dass er für die Aktie relevante Tweets vorab vom Unternehmen freigeben lassen muss.

Anfang Mai kündigte er auf Twitter an, seinen Besitz abstoßen zu wollen, darunter auch seine Villen. „Ich werde fast alle meine weltlichen Besitztümer verkaufen. Ich werde kein Haus besitzen“, schrieb Musk.

Tesla bereitet derzeit eine Produktion im brandenburgischen Grünheide bei Berlin vor. Die Fabrik soll 2021 in Betrieb gehen. Sie soll auf bis zu 12.000 Mitarbeiter ausgelegt sein und bis zu 500.000 Elektroautos pro Jahr fertigen.

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