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Dax aktuell: Dax schließt fast ein Prozent tiefer – Hedgefonds spekulieren weiter auf Verfall der Wirecard-Aktie

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Dax-Kurve

Der Dax beendet den Mittwoch fast ein Prozent tiefer.



(Foto: dpa)

Düsseldorf Der deutsche Leitindex geht knapp ein Prozent tiefer bei 12.494 Punkten aus dem Handel. Nach der jüngsten Erholungsrally nehmen Anleger weiter Gewinne mit.

Dagegen geht es mit dem Goldpreis weiter aufwärts. Die „Antikrisenwährung“ notiert erstmals seit 2012 über der Marke von 1800 Dollar je Feinunze. Das weiter grassierende Coronavirus, unsichere Konjunkturperspektiven und ein Mangel an lukrativen Anlagealternativen treiben die Preise.

Experten erwarten, dass dieser Sprung zusätzliche Käufe auslösen wird. Dafür spricht auch die technische Analyse. Bereits in der Vergangenenheit war der Goldpreis mehrfach an der Marke von 1800 Dollar gescheitert, deswegen gilt dieser Bereich als wichtiger Widerstand.

Allerdings muss die Marke nachhaltig überwunden werden. Entweder per Schlusskurs eines Handelstages, oder besser drei Handelstage hintereinander. Derzeit notiert der Goldpreis per Feinunze bei 1809 Dollar, ein Plus von knapp 0,9 Prozent.

Sollte die Marke von 1800 Dollar nachhaltig überwunden werden, ist das Rekordhoch von 1921 Dollar aus dem Jahr 2011 in Reichweite, Preise oberhalb von 2000 Dollar wären wahrscheinlich.

Seit Jahresanfang ist der Goldpreis um knapp 19 Prozent gestiegen, in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 28 Prozent. Dafür haben in erster Linie Investoren gesorgt, die Nachfrage nach Schmuck eher nicht.

Das zeigen beispielsweise auch die neuen Zahlen des World Gold Council, der am Dienstag seine Statistik zu den börsengehandelten Indexfonds (ETFs) für den Monat Juni veröffentlicht hat. Die Fonds haben 104 Tonnen gekauft. Im ersten Halbjahr waren es 734 Tonnen, womit die Rekordzuflüsse des gesamten Jahres 2009 bereits deutlich übertroffen wurden.

Die Goldnachfrage in Indien und anderen asiatischen Ländern liegt hingegen brach, was ein Resultat der Corona-Pandemie sein dürfte.


Der Handel mit der Wirecard-Aktie verläuft am heutigen Tag vergleichsweise ruhig. Das Papier geht knapp 11,8 Prozent tiefer aus dem Handel und wird bei einem Kurs von 2,77 Euro gehandelt.

Noch am gestrigen Dienstag stieg der Titel zwischenzeitlich um rund 30 Prozent, weil der Insolvenzverwalter Fortschritte bei der Verwertung der Konzernteile sah. Für Teile des weltweit tätigen Unternehmenshätten sich bereits mehr als100 Kaufinteressenten gemeldet.

Die kommenden Tage können aber durchaus turbulenter werden. Denn die Hedgefonds haben ihre Spekulationen auf fallende Kurse beim Online-Zahlungsdienstleister noch nicht beendet.

Laut den offiziellen Daten des Bundesanzeigers beträgt die Leerverkaufsquote aktuell (Stand 7. Juli) 7,96 Prozent aller frei handelbaren Wirecard-Papiere, insgesamt 9,9 Millionen Stücke. Allerdings wird dort nur eine Quote von mindestens 0,5 Prozent veröffentlicht. Zu Hochzeiten lag dieser Wert bei über 15 Prozent,

Noch am Dienstag (7.7) hatte der Hegefonds Samlyn seine Quote auf ein Prozent von zuvor 0,67 Prozent erhöht, also bei Kursen zwischen 3,40 Euro und 2,03 Euro.

Leerverkäufer spekulieren auf fallende Kurse, indem sie Aktien eines Unternehmens beispielsweise bei Investmentfonds leihen und verkaufen. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist wieder zurückzugeben, müssen sie sie vorher erneut kaufen – natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs.

Im Fokus des heutigen Handels steht auch die Traton-Aktie, der Vorstandsumbau setzt die Aktie unter Druck. Das Traton-Papier beendet den Börsentag 2,7 Prozent tiefer und wird bei 17,09 Euro gehandelt.

Denn Volkswagen trennt sich Knall auf Fall von seinem Nutzfahrzeug-Vorstand Andreas Renschler. Auch MAN-Chef Joachim Drees, der unter Renschler im Vorstand der Nutzfahrzeug-Holding Traton sitzt, muss gehen. Beide verlassen den Konzern Mitte kommender Woche.

Analysten bewerten diesen Vorgang keinesfalls als negativ. Matthias Gründler, der den ausscheidenden Vorstandschef Andreas Rentschler ersetzt, sei ein „exzellenter Manager“, um die Volkswagen-LKW-Tochter Traton zu führen, schrieb JP-Morgan-Analyst Jose Asumendi. Seine Einschätzung der Aktie: „Neutral“ mit einem Kursziel von 13 Euro.

Für Himanshu Agarwal von Jefferies komme „der angekündigte Managementwechsel bei der Volkswagen-Lkw-Sparte nicht sonderlich überraschend und sei eher ein Zeichen der Kontinuität für Traton“. Kursziel 22 Euro, gepaart mit einer Kaufempfehlung, lautet seine Einschätzung.


Der Börsengang der  VW-Tochter Ende Juni des vergangenen Jahres war auf keinen Fall eine Erfolgsgeschichte für Anleger. Ausgabepreis und Erstnotiz beim zweitgrößten deutschen IPO des Jahres 2019 lagen damals bei 27 Euro. Doch bereits vor der Talfahrt aufgrund der Corona-Pandemie rutschte das Papier auf 22 Euro ab.

Einzelwerte im Blick

Deutsche Post: Ein Gewinnanstieg gibt der Deutschen Post leichten Auftrieb. Die Aktien des Brief- und Paketzustellers gehen 0,7 Prozent fester aus dem Handel. Das operative Ergebnis habe die Markterwartung um 30 Prozent übertroffen, lobt Analyst David Kerstens von der Investmentbank Jefferies. Er bekräftige daher seine Kaufempfehlung und hebe das Kursziel auf 38 von 36 Euro an.

Lanxess: Ein negativer Analystenkommentar schickt Lanxess auf Talfahrt. Die Aktien des Chemiekonzerns fallen bis zum Handelsschluss um 3,4 Prozent. Die Experten der Bank Goldman Sachs stuften die Titel auf „sell“ von „neutral“ und senkten das Kursziel auf 48 von 50 Euro.

Blick auf andere Assetklassen

Die Gespräche in Brüssel über die Ausgestaltung des europäischen Konjunkturfonds, die am heutigen Mittwoch mit dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel beginnen dürften, zeigten am Anleihemarkt Wirkung. Die Rendite von italienischen Staatsbonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren fällt weiter, aktuell liegt sie bei 1,267 Prozent. Griechische zehnjährige Staatsanleihen fallen ebenfalls und liegen bei 1,10 Prozent Rendite,

Am Markt werden Fortschritte bei den Gesprächen erwartet. Investoren in südeuropäische Anleihen hoffen, dass der Fonds über Zuschüsse und nicht als Darlehen vergeben wird. Das dürfte zur wirtschaftlichen Erholung in den südeuropäischen Ländern beitragen und die Befürchtungen zerstreuen, dass sie mit noch mehr Schulden belastet werden könnten.

Was die Charttechnik sagt

Die Marken aus den Vortagen bleiben intakt. Auf der Oberseite liegt mit 12.913 Punkten das Hoch aus dem Monat Juni. Sollte der Leitindex die Marke überwinden, wäre das ein starkes technisches Signal für die Fortsetzung der Rally.

Auf der Unterseite hingegen bieten verschiedene Bereiche Unterstützung. Zum einen die 200-Tage-Linie, die aktuell bei 12.160 Zählern liegt. Diese Durchschnittslinie wird vor allem von langfristig agierenden Investoren beachtet. Solange der Dax oberhalb dieser Linie notiert, wird das positiv für die weitere Entwicklung gewertet. Auch die mittelfristig bedeutsame 38-Tage-Linie erreicht in Kürze die 12.000er-Marke und dürfte ebenfalls Unterstützung bieten.

Zum anderen liegt bei 11.957 Zählern der Tiefpunkt des Monats Juni. Sollte das deutsche Börsenbarometer darunterfallen, wäre das ein Warnsignal, dass die Rally seit Mitte März 2020 beendet sein könnte.

Für die technischen Analysten der Bank HSBC ist zusätzlich eine Aufwärtstrendline wichtig, die ausgehend vom Crash-Tiefpunkt Mitte März (8255 Punkte) die weiteren Verlauftiefs der Rally verbindet. Die Linie verläuft derzeit leicht oberhalb der 12.400er-Marke. „Solange dieser Trend intakt bleibt, ist der Angriff auf das Vier-Monats-Hoch bei 12.913 Punkten eine realistische Option“, meinen die HSBC-Charttechniker.

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