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US-Flugzeugbauer: Das größte Problem von Boeing ist nicht mehr die 737 Max

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Boeing 737 Max

Das Unternehmen versucht, die Fehler der 737 Max zu beheben und sie wieder flugbereit zu machen.


(Foto: AP)

New York Eigentlich hat der US-Flugzeugbauer Boeing gleich mehrere gute Nachrichten zu seinem Problem-Flugzeug 737 Max zu vermelden: Nach einem sechsmonatigen Stopp läuft die Produktion wieder an. Die US-Flugaufsicht FAA hat erste Testflüge geflogen und der Airbus-Konkurrent hat sich diese Woche mit den meisten Opferfamilien des Lion-Air-Absturzes in Indonesien geeinigt.

Doch das größte Problem ist derzeit ein anderes: In der Coronakrise will keine Airline Flugzeuge kaufen – egal ob 737 Max oder andere Modelle.

Dabei hatte Boeing schon vor der Coronakrise genug Probleme: Seit den zwei Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien stehen die beliebten 737-Max-Maschinen weltweit am Boden. Im vergangenen Jahr hat der Flugzeugbauer zum ersten Mal seit 1997 einen Verlust geschrieben. Zum Jahresende musste auch der langjährige Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg gehen und David Calhoun Platz machen.

Unter Calhoun versucht das Unternehmen, die Fehler der 737 Max zu beheben und sie wieder flugbereit zu machen. Vergangene Woche hat die FAA gleich mehrere Testflüge absolviert, um die Sicherheit des in Verruf geratenen Modells zu testen, das ein US-Kongressabgeordneter als „fliegenden Sarg“ bezeichnet hatte.

Gegenüber Investoren hat Calhoun Ende April gesagt, dass das Unternehmen im dritten Quartal bereit sein werde, die 737 Max wieder auszuliefern. Dafür braucht Boeing noch die Genehmigung der Flugaufsicht. Aber vor allem braucht Boeing dafür Kunden – und die bleiben in Corona-Zeiten fern.

Mit dem Einbruch des Flugverkehrs sind auch die Aufträge für neue Flugzeuge eingebrochen. Erst diese Woche hat die irische Fluggesellschaft Avolon ihre 737-Max-Bestellung über 27 Maschinen storniert. Ende Juni hatte bereits Norwegian Air eine Bestellung von 97 Maschinen rückgängig gemacht und Schadensersatz gefordert.

Der Aktienkurs von Boeing ist seit Jahresbeginn um mehr als 45 Prozent eingebrochen. Der Analyst Myles Walton von UBS wies darauf hin, dass nach den Testflügen der FAA eine „extensive Post-Flug-Analyse“ folgt. Walton schätzt jedoch, dass die Max 737 im Oktober wieder fliegen könnte.

Diese Woche hat sich Boeing mit der Mehrzahl der Angehörigen der Opfer des Lion-Air-Absturzes in Indonesien auf Entschädigungen geeinigt. Wie das Unternehmen mitteilte, habe Boeing bei 171 von 189 Todesfällen mittlerweile Vergleiche erzielt. Zur Höhe der Entschädigungen oder sonstigen Details machte Boeing keine Angaben.


Die Lion-Air-Maschine war am 29. Oktober 2018 abgestürzt. Kurz nach dem Unglück in Indonesien stürzte eine weitere Boeing 737 Max in Äthiopien ab. Dabei kamen 157 Menschen ums Leben. Auch hier ist Boeing mit Klagen konfrontiert.

Parallel zu den Vergleichsverhandlungen bot Boeing den Angehörigen von Opfern der Flugzeugabstürze vor rund einem Jahr bereits Mittel aus einem 100 Millionen Dollar schweren Entschädigungsfonds an. Das Geld sollte auch betroffenen Gemeinden zugute kommen.

„Unser Unternehmen wird diese Zeit überstehen“, schrieb Calhoun jüngst in einer E-Mail an seine Mitarbeiter. „Unserer Portfolio von Produkten, Dienstleistungen und Technologie ist gut positioniert für den Aufschwung, der kommen wird“, hieß es weiter. In der gleichen Mail kündigte er den Abbau von rund zehn Prozent der Stellen an.

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