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EU-Einlagensicherug: Streit ums Sicherungsnetz für Banken

Olaf Scholz

Finanzminister Olaf Scholz hat die bisherige Position Deutschlands aufgegeben, nicht über ein europäisches Rückversicherungssystem für Bankguthaben zu reden.



(Foto: Reuters)

Berlin, Frankfurt Mit diesem Vorstoß von Olaf Scholz (SPD) hatte niemand gerechnet. Jahrelang war eine EU-Einlagensicherung am deutschen Widerstand gescheitert. Auch als vor eineinhalb Jahren mit Scholz ein Sozialdemokrat ins Bundesfinanzministerium einzog, änderte sich daran vorläufig nichts. Bis Scholz Anfang November die Bombe platzen ließ.

In einem Papier formulierte er seine Vorstellungen über die EU-Bankenunion. Darin gab der Minister die bisherige Position Deutschlands auf, nicht über ein europäisches Rückversicherungssystem für Bankguthaben zu reden, bevor nicht die europäischen Banken ihre Bilanzen aufgeräumt haben.

Scholz verspricht sich von einer Einlagenrücksicherung eine größere Widerstandskraft des europäischen Bankensystems und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. Doch ob sein Vorschlag Chancen auf Umsetzung hat, steht in den Sternen. Denn die Zahl der Gegner ist groß.

Besonders stark ist der Widerstand traditionell bei den öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen deutschen Finanzinstituten. Beide Bankengruppen haben eigene Sicherungssysteme, die vorsehen, dass sich Institute in Notsituationen gegenseitig helfen.

Volksbanken und Sparkassen fürchten, dass aus ihren Einlagensicherungstöpfen am Ende die Ausfälle von Geldhäusern in anderen Ländern finanziert werden müssen – etwa in Griechenland oder Italien. Dort vermuten sie größere Risiken als in den eigenen Bilanzen. „Es war kein Vorschlag der Bundesregierung, sondern von der SPD“, sagte Uwe Fröhlich, Co-Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstituts DZ Bank, zum Vorschlag von Scholz.

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Er wünsche sich ebenfalls, dass Deutsche Bank und Commerzbank erfolgreich seien, sagte Fröhlich. „Das darf aber nicht zulasten der Genossenschaftsbanken gehen. Deren Einlagensicherung ist bei dem europäischen Vorschlag komplett vergessen worden.“ Die Privatbanken stehen einer europäischen Einlagensicherung inzwischen offener gegenüber, doch auch sie stellen eine Reihe von Bedingungen. So ist aus Sicht von Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels der Vorstoß von Scholz „ein guter erster Schritt“. Bis eine Bankenunion stehe, werde es aber noch eine Weile dauern, prognostizierte Engels. Die Politik müsse auch Themen wie Steuern, Insolvenzrecht sowie die Eigenkapitalunterlegung von Staatsanleihen angehen.

Der Widerstand ist groß

Die Gemengelage ist keineswegs nur in Deutschland so schwierig. Auch in Frankreich trifft der Vorschlag nicht nur auf Begeisterung. Dort fürchten Banken ebenfalls, in Mithaftung für andere Finanzhäuser genommen zu werden, allerdings unter genau umgekehrten Vorzeichen wie in Deutschland: Dort sind es die Großbanken, die fürchten, für genossenschaftliche Banken einspringen zu müssen, und sitzen der französischen Regierung im Nacken, einer Einlagensicherung nicht so schnell zuzustimmen.

Und auch innerhalb der eigenen Bundesregierung ist der Widerstand groß. Kanzlerin Angela Merkel verpackte ihre Skepsis gewohnt zurückhaltend. Scholz’ Vorschlag gehe in die richtige Richtung, „die Details müssten allerdings noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden“. Erheblich klarer formulierte CSU-Chef Markus Söder seine Ablehnung. „Das Risiko für die deutschen Sparer ist einfach zu hoch“, sagte er dem Handelsblatt.

Ohne eine gemeinsame Position in der Bundesregierung ist es für Scholz nur schwer möglich, die Einlagensicherung voranzutreiben. Doch eine Hintertür gib es vielleicht: Beobachter glauben, Scholz könnte die EU im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr über eine Einlagensicherung diskutieren lassen – und so könnte sie doch noch zu einer Regierungsposition werden.

Mehr: Scholz’ Vorstoß zur EU-Einlagensicherung kommt in Brüssel gut an


Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Germany fines BMW, Daimler, VW over steel cartel

Daimler, BMW and Volkswagen were together fined €100 million ($111 million) on Thursday for forming a cartel to fix steel prices. 

Germany’s competition watchdog, the Bundeskartellamt, imposed the fine, accusing the three companies of engaging in “anticompetitive practices” to buy steel.

In a statement, the Bonn-based authority said Volkswagen, Daimler and BMW met regularly with steel producers “between 2004 and the end of 2013” to discuss uniform surcharges for purchasing the raw material.

Unlawful prices resulting from these cartel meetings were in place until at least 2016, the statement added.

Read more: The long road to ‘greener’ steel

The case refers specifically to “long steel,” a crucial element used in manufacturing car parts such as crankshafts, steering rods and cogs.

The companies accepted the fine, the watchdog said. Volkswagen is expected to pay €48.7 million. BMW said it would pay €28 million, while Daimler will pay €23.5 million.

The three carmakers are also under investigation by the European Commission for allegedly agreeing not to compete on emissions reduction technologies.

Read more: Double whammy for EU as China slaps anti-dumping tax on stainless steel

The Bundeskartellamt has launched a number of recent probes into price rigging in the steel industry. In July 2018, the authority ordered six stainless steel producers to pay €205 million for price fixing.

A separate investigation targeting several producers for “flat steel” price rigging is still ongoing. German media reports have suggested fines in that case could amount to €500 million.

nm/aw (Reuters, AFP, dpa)

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Source: Deutsche Welle: DW.com – Business
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Bankenunion: Angriff auf die Sparer: Euro-Gruppen-Chef treibt Einlagensicherung voran

Brennender 100-Euro-Schein

Die Gemengelage in Sachen Einlagensicherung ist keineswegs nur in Deutschland schwierig.


(Foto: Photographer’s Choice RF/Getty Images)

Brüssel Sieben Jahre lang blieb die europäische Bankenunion unvollendet. So lange schon blockiert Deutschland die europäische Einlagensicherung. Die dritte Säule der Bankenunion wurde damit zum Tabuthema. Der Vorsitzende der Euro-Gruppe, Mario Centeno, will das jetzt ändern.

Die politischen Verhandlungen über das sogenannte European Deposit Insurance Scheme (Edis) sollten kommendes Jahr beginnen, kündigte Centeno im Gespräch mit dem Handelsblatt an. „Genau das ist unser Ziel.“

Die Euro-Gruppe wolle im Dezember einen konkreten Fahrplan für die Verhandlungen beschließen. Danach solle die EU-Kommission neue Gesetzesvorschläge vorlegen, und zwar sowohl zu Edis als auch zum Abbau von Risiken in den Bankenbilanzen.

Mit seiner Initiative reagiert Centeno auf einen Vorstoß des Bundesfinanzministers Olaf Scholz (SPD), der seinen Widerstand gegen die europäische Einlagensicherung überraschend aufgegeben – allerdings ohne Zustimmung des Koalitionspartners in Berlin. Die CDU/CSU lehnt den EU-Sparerfonds nach wie vor strikt ab. „Wir arbeiten mit Olaf Scholz und nicht mit anderen Mitgliedern der deutschen Regierung“, sagte Centeno dazu.

Verständnis äußerte der Euro-Gruppen-Chef für die deutsche Finanzpolitik. Ein schneller Anstieg der Staatsausgaben könne bei der in Deutschland herrschenden Vollbeschäftigung kontraproduktiv wirken. Der scharfen internationalen Kritik an der Politik der schwarzen Null in Berlin wollte er sich deshalb nicht anschließen.

CSU-Chef Markus Söder bekräftigte indes seinen Unmut über die Negativzinsen. „Es braucht jetzt endlich einen großen Masterplan, wie man die Sparer schützt und von Negativzinsen befreit“, sagte er und schlug eine „steuerliche Geltendmachung“ vor.

Lesen Sie hier das ganze Interview mit Mario Centeno:

Mario Centeno

„Der Abschwung hat globale Ursachen, und Deutschland ist nicht das einzige betroffene Land.“



(Foto: Reuters)

Herr Centeno, die Große Koalition weiß nicht, was sie will: Der sozialdemokratische Finanzminister ist neuerdings für einen EU-Sparerfonds, doch die CDU/CSU ist weiterhin dagegen. Wie gehen Sie mit der widersprüchlichen deutschen Haltung um?
Dazu fallen mir zwei Punkte ein. Zum einen ist Olaf Scholz der Vertreter Deutschlands in der Euro-Gruppe. Wir arbeiten mit ihm und nicht mit anderen Mitgliedern der deutschen Regierung. Zweitens können wir jetzt optimistisch sein, dass wir bei der nächsten Euro-Gruppen-Sitzung im Dezember einen Fahrplan mit nächsten Schritten zur Vollendung der Bankenunion beschließen – und das europäische Einlagensicherungssystem ist ein Teil davon.

Was meinen Sie mit Fahrplan?
Es handelt sich um eine umfassende Übersicht aller Zwischenschritte und Ziele bei der Vollendung der Bankenunion, eine Art Puzzle. Neben der EU-Einlagensicherung gehören weitere Elemente dazu. Wir brauchen noch bessere Instrumente für den Umgang mit zahlungsunfähigen Banken sowie mehr Anreize, um Staatsanleihen-Portfolios zu diversifizieren und um die Fragmentierung der Finanzmärkte zu reduzieren. Auf diese Weise können wir notwendiges Vertrauen aufbauen.

Werden die Verhandlungen über das European Deposit Insurance Scheme (Edis) nächstes Jahr beginnen?
Ja, das hoffe ich. Genau das ist unser Ziel. Edis ist dabei aber nur ein Element. Wir müssen auch entscheiden, in welche institutionelle Landschaft Edis eingebettet wird.

Muss die EU-Kommission einen neuen Richtlinienentwurf zur Einlagensicherung vorlegen?
Ich gehe davon aus, dass die Kommission an der Diskussion in der Euro-Gruppe aktiv teilnehmen wird. Die Kommission sollte die Ergebnisse unserer Dezembersitzung berücksichtigen und in neue Legislativvorschläge einarbeiten.

Olaf Scholz findet, dass es in den Bankenbilanzen noch zu viele Risiken gibt, die ausgemerzt werden müssen. Teilen Sie seine Ansicht?
Erst einmal möchte ich betonen, dass alle Euro-Staaten große Anstrengungen unternommen haben, um ihren Bankensektor zu kapitalisieren. Die nicht bedienten Kredite wurden substanziell abgebaut …

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… in Italien, Griechenland und Zypern ist das Niveau der Non Performing Loans (NPL) immer noch zu hoch ...
… aber es geht kontinuierlich nach unten. Portugal und Italien sind keine Ausreißer mehr bei diesem Indikator. In Portugal liegt das NPL-Niveau netto klar unter fünf Prozent aller Kredite.

Muss die Euro-Zone gegen die riskante Häufung heimischer Staatsanleihen im Portfolio vieler Banken vorgehen?
Das Engagement der Banken in Staatsanleihen müssen wir sicherlich angehen, insbesondere wenn es um große Risiken geht. Aber das ist nur einer von mehreren Punkten. Olaf Scholz nennt in seinem Papier noch andere: Wir brauchen eine volle Harmonisierung der Bankenaufsicht und -abwicklung. Die Unterschiede bei der Insolvenzgesetzgebung für Banken und die Barrieren im grenzüberschreitenden Verkehr von Kapital und Liquidität müssen abgebaut werden. Erst wenn wir hier weitergekommen sind, können wir einen voll ausgebildeten EU-Sparerfonds aufbauen.

Sollten die Banken gezwungen werden, Staatsanleihen mit Kapital zu unterlegen? Muss die EU-Kommission eine entsprechende Änderung der EU-Kapitaladäquanzrichtline (CRD) in Angriff nehmen?
Bereits 2016 hatten wir angeregt, die Staatsanleihen in die globalen Basel-Standards einzubeziehen. Darüber konnte man sich auf internationaler Ebene aber nicht einigen. Mit europäischen Alleingängen müssen wir vorsichtig sein. Wir dürfen unsere Banken im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligen. Wir müssen auch vermeiden, falsche Signale an die Finanzmärkte zu senden und so ungewollt die innere Zerrissenheit der Euro-Zone zu befördern.

Die EU-Kommission befürchtet Turbulenzen an den Finanzmärkten und weigert sich deshalb, eine gesetzliche Regelung des Staatsanleihen-Engagements der Banken in Angriff zu nehmen.
Wenn die Euro-Gruppe zu dem Schluss kommt, dass wir in diesem Bereich handeln müssen, dann brauchen wir dazu auch einen Gesetzentwurf. In dem Fall sollten wir Anreize setzen für eine Diversifizierung der Staatsanleihen-Portfolios, vor allem indem man die Konzentration auf bestimmte Bonds mit Kosten belastet. So würde man den Weg ebnen für einen voll harmonisierten europäischen Einlagensicherungsfonds. Beides muss Hand in Hand gehen: die EU-Einlagensicherung und Regeln für Staatsanleihen im Banken-Portfolio.

Würde die Staatsfinanzierung hochverschuldeter Länder wie Italien damit nicht erschwert?
Um derartige Verwerfungen an den Finanzmärkten zu vermeiden, benötigen wir weitere Zutaten. Olaf Scholz hat in diesem Zusammenhang auf ein mögliches „Safe Portfolio“ hingewiesen. Damit wird eine breite Debatte über „Safe Assets“ möglich.

Dabei handelt es sich um eine Art Eurobond – allerdings ohne gemeinschaftliche Haftung für die Schulden der beteiligten Staaten. Ein Vorschlag der EU-Kommission dazu ist bereits gescheitert. Starten Sie nun einen neuen Anlauf?
Wir müssen alles versuchen, um Störungen an den Finanzmärkten zu vermeiden. Dafür brauchen wir Kreativität. Wir müssen unsere Tabus beiseiteschieben und neue Alternativen finden, um der Gefahr einer weiteren Zersplitterung des europäischen Bond-Marktes entgegenzuwirken.

In Deutschland kursiert die Idee, die EU-Einlagensicherung auf rückzahlbare Liquiditätshilfen zwischen den nationalen Sparerfonds zu beschränken. Ein gangbarer Weg?
Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Bankenunion zu vollenden, und dazu gehört ein gemeinsamer Einlagensicherungsfonds. Der Weg bis dahin ist aber noch weit. Wir reden jetzt über die Bedingungen, die für das Endstadium erfüllt sein müssen. Ich will das Ergebnis dieser Debatte nicht vorwegnehmen. Auf jeden Fall müssen wir die nationalen Insolvenzvorschriften und den Umgang mit Staatsanleihen harmonisieren, um zu einer vollständig ausgebildeten EU-Einlagensicherung zu kommen.

Könnten einige Euro-Staaten auf diesem Weg schneller vorangehen als andere?
Ich sage Ihnen mit Sicherheit: Wir können bei diesem Thema nicht in unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorgehen. Die Banken der Euro-Zone operieren im selben Markt und unterstehen denselben Regeln, und deshalb müssen sie alle zum selben Zeitpunkt die verschiedenen Stadien auf dem Weg zu einer vollendeten Bankenunion durchlaufen – egal in welchem Land sie beheimatet sind.

Lassen Sie uns einen Blick auf die Wirtschaftslage in Deutschland werfen: Die Industrie befindet sich in der Rezession. Was bedeutet das für die Euro-Zone?
Die Konjunktur hat sich bereits Ende 2018 verschlechtert. Damals glaubten wir, dass es sich um einen kurzen Abschwung handelt. Inzwischen zeigt sich, dass er länger dauert – vor allem in Deutschland. Es ist also klar, dass die deutsche Regierung etwas unternehmen muss, und das tut sie ja auch. Für 2020 hat Olaf Scholz noch einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt, doch 2021 plant er bereits mit einem kleinen Defizit beim Bund.

Reicht das?
Der Abschwung hat globale Ursachen, und Deutschland ist nicht das einzige betroffene Land. Man sollte die Sicht auf die deutsche Lage nicht zu sehr vereinfachen. Das Land hat eine Arbeitslosenquote von nur drei Prozent, was sehr niedrig ist. Bei Vollbeschäftigung kann ein klassisches antizyklisches Konjunkturprogramm den Nachfragedruck erhöhen, mit negativen Konsequenzen.

Der IWF und die EZB kritisieren die Politik der schwarzen Null immer wieder scharf und verlangen deutlich höhere staatliche Investitionen.
Meine Sichtweise ist nuancierter. Höhere Staatsausgaben allein sind keine Lösung. Die Investitionen der öffentlichen Hand müssen gezielt in langfristige Aufgaben gesteckt werden …

… was die Bundesregierung jetzt tut mit dem Klimapaket und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur …
Außerdem sind Strukturreformen nötig. Die EU-Kommission hat dazu Empfehlungen abgegeben. Zum Beispiel zum Dienstleistungssektor, der in Deutschland noch weiter liberalisiert werden sollte.

Wie sollte die Euro-Zone mit dem Problemfall Italien umgehen?
Italien wird an denselben Maßstäben gemessen wie jeder andere Mitgliedstaat. Das Land hat ein doppeltes Problem: hohe Schulden und wenig Wachstum. Mein italienischer Kollege Gualtieri weiß, dass daraus Einschränkungen resultieren. Er muss haushaltspolitisch sehr vorsichtig sein und sowohl Defizite als auch Gesamtverschuldung senken.

Der italienische Haushaltsentwurf sieht nichts dergleichen vor.
Wir werden die italienische Lage im Dezember analysieren. Italien muss die Schulden senken und zugleich das Wachstum ankurbeln. Ohne Letzteres ist Ersteres nicht zu erreichen. Deshalb ist es nicht so sehr die Haushaltspolitik, auf die wir uns konzentrieren müssen, sondern eher die Förderung des Wachstums.
Herr Centeno, vielen Dank für das Interview.

Mehr: „Das Risiko für deutsche Sparer ist zu hoch“: Bayerns Ministerpräsident stellt sich gegen die Pläne für eine europäische Einlagensicherung.


Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Exklusives Ranking: Die 100 innovativsten Unternehmen der Welt – und was sie erfolgreich macht


(Foto: Smetek)
  • Innovationen sind schon immer entscheidend für den Erfolg von Unternehmen gewesen. Aber im digitalen Zeitalter steigt ihre Bedeutung dramatisch. Derzeit entsteht an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien, zwischen Software und Hardware die Zukunft.
  • Als bestes deutsches Unternehmen liegt Volkswagen auf Platz zehn, vier Plätze vor Apple. Von den fünf deutschen Konzernen, die es in die Top 100 geschafft haben, sind gleich vier aus dem Bereich Automotive.
  • Erfolgreiches Innovationsmanagement hat erstaunlich wenig zu tun mit kreativem Herumspinnen und plötzlichen Geistesblitzen. Dafür sehr viel mit klaren Zielen und Prozessen. Unternehmen müssen wissen, wo sie mit ihren Innovationen hinwollen.

Die letzte Innovation, die das Leben von Holger Ernst verändert hat, war kein elektronisches Hightech-Gadget und keine revolutionäre App. Es war die Nespresso-Kapsel. „Jederzeit auf Knopfdruck einen Espresso zu bekommen, der so gut ist wie in einer italienischen Bar – großartig“, schwärmt der Professor für Innovationsmanagement. „Seitdem trinke ich weniger Kaffee, dafür aber besseren.“

Für Ernst, der an der Privathochschule WHU in Vallendar lehrt und forscht, hat Nestlé mit seiner Erfindung die Grundregel jeder erfolgreichen Innovation beherzigt: ein echtes Kundenbedürfnis zu erkennen und dazu ein passendes Produkt zu bauen, mit dem sich Geld verdienen lässt. Dass Umweltschützern angesichts der metallenen Einwegkapseln die Crema vorm Mund steht, konnte den Erfolg von Nespresso bislang nicht aufhalten.

Innovation: Hinter diesem Wort verbirgt sich die große Blackbox der Weltwirtschaft. Langfristig, da sind sich die Ökonomen einig, können Wachstum und zusätzlicher Wohlstand nur durch neue Produkte und Herstellungsverfahren entstehen, die Kosten senken oder zusätzlichen Nutzen stiften – am besten beides. Wie genau aber Innovationen entstehen, darüber schweigen sich die gängigen volkswirtschaftlichen Theorien aus. Der „technische Fortschritt“ ist bei ihnen einfach ein gegebener Faktor, der irgendwie vom Himmel fällt.

Tatsächlich jedoch stecken hinter diesem Fortschritt Zehntausende von Unternehmen mit Hunderttausenden von Gründern, Managern und Wissenschaftlern, die unermüdlich rund um den Globus an Innovationen arbeiten. Unzählige Male scheitern sie. Doch gelegentlich gelingen Durchbrüche wie eine neue Kaffeemaschine oder eine bahnbrechende Krebstherapie.

Innovationen sind schon immer entscheidend für Unternehmen gewesen. Aber im digitalen Zeitalter steigt ihre Bedeutung dramatisch. Innovationen erfolgen in viel höherer Umsetzungsgeschwindigkeit und haben viel mehr Schlagkraft am Markt – sie sind „disruptiv“, rütteln ganze Branchen und Konzerne durch. Derzeit entsteht an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien, zwischen Software und Hardware die Zukunft: selbstfahrende Autos, selbstlernende Computertomografen, intelligente Industrieroboter.

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Welchen Unternehmen gelingt es besonders gut, solche wirtschaftlich relevanten Innovationen hervorzubringen? Und was lässt sich von diesen Unternehmen lernen? Die Antworten auf diese Fragen stecken in der Datenbank des Unternehmens Patentsight, zu dessen Mitgründern Innovationsforscher Ernst einst zählte. Patentsight hat eine Methode entwickelt, um nicht nur die Zahl, sondern auch die Relevanz der Patente eines Unternehmens zu bewerten (für Details siehe den Methodenkasten).

Als zum Beispiel die EU-Wettbewerbskommission wissen wollte, ob beim Zusammenschluss von Bayer und Monsanto der Wettbewerb auf bestimmten Innovationsfeldern gefährdet sei, befragten die Brüsseler Beamten die Patentsight-Datenbank.

Auf der Basis der Patentsight-Daten hat das Schweizer Beratungsunternehmen Econsight für das Handelsblatt eine Rangliste jener Unternehmen erstellt, die auf dem derzeit wirtschaftlich wichtigsten Innovationsfeld führend sind: an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien.

„Die ökonomisch bedeutendsten Durchbrüche sehen wir im Moment dort, wo Unternehmen besonders gut digitale Innovationen mit etablierten Technologien zusammenbringen“, sagt Kai Gramke, Geschäftsführer von Econsight. „Das umfasst zum Beispiel Anwendungsbereiche wie die digitale Medizintechnik, die vernetzte Mobilität oder die Industrie 4.0.“ Digitalisierung, ist Gramke überzeugt, sei kein Selbstzweck, sondern wirke nur in der Verbindung mit anderen Technologien.

Entsprechend umkämpft sind diese Innovationsfelder: Digitalunternehmen wie Google drängen in Zukunftsmärkte wie die vernetzte Mobilität oder die digitalisierte Diagnostik in der Medizintechnik. Auf der anderen Seite des Spielfelds versuchen sich Auto- oder Pharmakonzerne schnell genug zu digitalisieren, um selbst die Hoheit über die neuen Wachstumsmärkte zu erlangen.

100 Unternehmen hat Econsight auf Basis der Patentsight Daten identifiziert, die besonders erfolgreich Innovationen an der Schnittstelle von analog zu digital hervorbringen – und damit sehr gute Aussichten haben, um im innovationsgetriebenen Wettbewerb der kommenden Jahre ganz vorn mitzuspielen. Das Handelsblatt veröffentlicht die Ergebnisse exklusiv.

Korea schlägt Silicon Valley

An der Spitze des Rankings liegt Samsung. Die meisten Kunden kennen den koreanischen Konzern als Weltmarktführer für Smartphones und vielleicht noch für den ersten faltbaren Bildschirm der Welt. Doch tatsächlich, das zeigt die Auswertung der Patentsight-Datenbank, hat sich Samsung durch erfolgreiche Innovationsarbeit auch eine Schlüsselstellung bei Mobilitäts- und Gesundheitsthemen erarbeitet (siehe das Unternehmensporträt). Auf den Plätzen zwei und drei stehen der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson sowie LG, neben Samsung das zweite koreanische Tech-Konglomerat.

Erst auf Rang vier folgt mit der Google-Holding Alphabet der erste Konzern aus dem Silicon Valley, das gemeinhin als wichtigster Innovationshub der Welt gilt. Wenn es um reine Soft- und Hardware‧innovationen geht, mögen die Tech-Konzerne von der US-Westküste tatsächlich unschlagbar sein. Doch an der Schnittstelle zu analogen Anwendungen können andere durchaus mithalten.

Das gilt auch für Volkswagen. Als bestes deutsches Unternehmen liegt der Konzern auf Platz zehn, vier Plätze vor Apple. Ein überraschendes Ergebnis, schließlich schien es in den vergangenen Jahren eher so, als habe VW seinen Erfindungsgeist auf manipulierte Abgaswerte konzentriert.

Doch das objektive Patentsight-Ranking zeigt ein anderes Bild als das vom ewig gestrigen Diesel-Dinosaurier. In den mittlerweile drei Jahren seit der Aufdeckung des Dieselskandals hat sich Volkswagen eine führende Position bei den Patenten im Bereich autonomer Fahrzeuge sowie der Vernetzung von Mobilitätsteilnehmern erarbeitet. In diesen Feldern liegt VW nur knapp hinter Ford und deutlich vor GM und Toyota.

Von den fünf deutschen Konzernen, die es in die Top 100 geschafft haben – neben Volkswagen sind das Bosch (Platz 16), Siemens (20), BMW (25) und Continental (29) – , sind gleich vier aus dem Bereich Automotive. Man kann darin ein gewaltiges Klumpenrisiko sehen – oder wie WHU-Professor Ernst eine große Chance: „Die Autobranche steht weltweit unter enormem Druck. Die deutschen Konzerne haben die Herausforderung spät, aber nun endlich angenommen und unternehmen aktuell große Anstrengungen, um auch im Mobilitätsgeschäft der Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen.“

Wie sehr klassische Autohersteller mit Tech-Konzernen und Start-ups um die Vorherrschaft ringen, zeigt sich in einer Sonderauswertung des Innovationsrankings für den Bereich des autonomen Fahrens. Direkt auf das Triumvirat aus Ford, Volkswagen und Toyota folgt auf Platz vier Alphabet. In zwei weiteren Sonderauswertungen für die Bereiche Medizintechnik und Robotik belegen Johnson & Johnson beziehungsweise der japanische Roboterspezialist Fanuc die Spitzenplätze.

Was lässt sich lernen von den Unternehmen, die es in die Top 100 der Innovationschampions geschafft haben? Warum gelingt es ihnen offenbar besser als anderen, systematisch neue Produkte und Verfahren in einem wirtschaftlich hochrelevanten Feld hervorzubringen?

„Man muss zunächst einmal mit dem Mythos aufräumen, dass Unternehmen einzelne besonders visionäre Köpfe brauchen, um innovationsstark zu sein“, sagt Florian Grassl. Als Partner bei der Unternehmensberatung Boston Consulting ist der Ingenieur auf das Thema Innovationsmanagement spezialisiert. „Es ist schön, wenn man solche genialen Köpfe hat. Entscheidend für den Innovationserfolg ist aber nicht die Kreativität des Einzelnen, sondern die Organisation als Ganzes.“

Was Grassl bei führenden Innovatoren beobachtet, ist vor allem der professionelle Umgang mit Fehlschlägen: „Mit der pauschalen Aussage, dass man eine Kultur braucht, die Fehler erlaubt, ist es nicht getan.“ Fehler seien nur dann hilfreich, wenn man aus ihnen lerne, und das funktioniere lediglich, „wenn ihre Ursachen aufgeklärt werden und dieses Wissen der Organisation zugänglich gemacht wird“ – anstatt das menschlich Naheliegende zu tun und das Scheitern verschämt unter den Teppich zu kehren.

Weitere Schlüsselkriterien für erfolgreiches Innovationsmanagement aus Sicht des BCG-Experten: „Ein klarer strategischer Fokus, wo ich mit meinen Innovationen in fünf oder zehn Jahren sein will.“ Ist dieser Fokus einmal gesetzt, bräuchten Unternehmen den nüchternen Blick eines Wagniskapitalinvestors: Ein breites Portfolio an Innovationen wird früh am Markt getestet, gefolgt von schnellen Entscheidungen anhand transparenter Kriterien.


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Stahlrohr-Fertigung: Autozulieferer Benteler will 600 Stellen streichen

Warenlager von Benteler in Duisburg

Das Unternehmen hat weltweit mehr als 28.000 Mitarbeiter.


(Foto: BENTELER International AG / Behrendt & Rausch Fotografie)

Salzburg, Dinslaken Der Automobilzulieferer Benteler will in seinem Geschäftsfeld Stahlrohre in den kommenden drei Jahren rund 600 Stellen streichen. Das ist etwa jeder sechste der rund 3600 Arbeitsplätze in diesem Bereich in Deutschland. Das teilte das Familienunternehmen am Donnerstag am Sitz der Holding in Salzburg mit. Betroffen seien die Werke in Dinslaken, Bottrop und Paderborn.

Der Stellenabbau sei nötig, um die Produktionskapazitäten an die sinkende Nachfrage anzupassen und den Großteil der Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Die Stellenstreichungen sollten sozialverträglich über freiwillige Abfindungsprogramme, Altersteilzeit, flexible Arbeitszeiten und die natürliche Fluktuation erfolgen. Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern hätten begonnen.


Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Autohersteller: VW will mit seinen Partnern 2020 vier Milliarden Euro in China investieren

VW-Werk in Shanghai

2025 will der VW-Konzern in China 1,5 Millionen Elektroautos ausliefern.



(Foto: dpa)

Wolfsburg Der VW-Konzern will auch in seinem wichtigsten Einzelmarkt China die Investitionen hochhalten. Mit den dortigen Partnern zusammen wollen die Wolfsburger im kommenden Jahr mehr als vier Milliarden Euro ausgeben.

Davon fließen rund 40 Prozent in die Elektromobilität, wie China-Chef Stephan Wöllenstein am Donnerstag zur Automesse in der Stadt Guangzhou sagte. Damit steigt der Anteil für Elektroautos und -antriebe.

Bereits in diesem Jahr wollte VW mit den Partnern seiner chinesischen Gemeinschaftsunternehmen vier Milliarden Euro investieren. 2025 will der Konzern in China 1,5 Millionen Elektroautos ausliefern. Mit dem Produktionsstart in den Werken Anting und Foshan soll ab Ende 2020 eine jährliche Gesamtkapazität von 600.000 Fahrzeugen erreicht werden. Außerhalb Chinas steckt Volkswagen in den nächsten fünf Jahren 60 Milliarden Euro in Zukunftsbereiche, 33 Milliarden davon allein in Elektroantriebe und -modelle.

Langfristig werde auch auf dem derzeit schwächelnden chinesischen Absatzmarkt wieder eine positive Entwicklung erwartet, hieß es. 2020 geht Wöllenstein aber noch von Stagnation aus, wobei VW beim Marktanteil weiter zulegen will.

In China lasten der Zollstreit mit den USA und das langsamere Wirtschaftswachstum seit über einem Jahr auf dem vorher so stark wachsenden Markt. VW steht als Marktführer aber bedeutend besser da als chinesische Autobauer. In den ersten zehn Monaten hat der Konzern mit 3,34 Millionen Fahrzeugen im Land 1,8 Prozent weniger ausgeliefert als im Vorjahreszeitraum.

Mehr: Im Dieselskandal wehren sich immer mehr Mercedes-Kunden. Daimler droht eine Sammelklage – und eine für die Branche weitreichende Entscheidung durch den EuGH.


Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Dax Aktuell: Dax schließt minimal schwächer – Thyssen-Krupp-Aktie verliert mehr als 13 Prozent

Börsenbarometer im Frankfurter Handelssaal

Der Dax entfernt sich weiter von seinem Jahreshoch.



(Foto: dpa)

Düsseldorf Auch am vorletzten Handelstag der Woche haben sich die Anleger an der Frankfurter Börse zurückgehalten: Von seinen Tagesverlusten erholt, schloss der deutsche Aktienindex bei 13.137 Punkten mit 0,2 Prozent im Minus nahezu unverändert

Schon am Vortag war das wichtigste deutsche Börsenbarometer in die Verlustzone gerutscht: Am Mittwoch war er mit bei 13.158 Punkten etwa 0,48 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen. Der Index entfernt sich gerade also weiter von seinem erst kürzlich markierten Jahreshoch von 13.374 Zählern, das er vergangenen Dienstag erreicht hatte.

Die Börsen befanden sich unterdessen fest im Griff der internationalen Politik: Vor allem der Handelsstreit blieb eine dominierende Konstante am Handelstag. Wegen unterschiedlicher Signale im Konflikt zwischen den USA und China scheuten Anleger größere Engagements. Auch der Handel an den US-Börsen startete ohne große Verwerfungen. Dort blicken die Anleger vor allem auf das von der Federal Reserve Bank veröffentlichte Konjunkturbarometer, sowie US-Frühindikatoren.

Für Anleger ist das ein wichtiger Termin, denn sie erhoffen sich weitere Hinweise auf die US-Geldpolitik. Insgesamt signalisiert die US-Notenbank zwar dauerhaft niedrige Zinsen und viel Liquidität. Für Unternehmenspapiere sind das gute Bedingungen – ebenso für weitere Kursgewinne und die Aussicht auf eine Jahresendrally.

Doch ein weiterer Dreh an der Zinsschraube steht zumindest vorerst nicht auf dem Plan der Geldpolitiker. Das geht aus den am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Fed-Protokollen hervor. Die US-Währungshüter wollen stillhallten, solange das Wirtschaftswachstum nicht einbricht.

Zudem bleibt das Dauerthema Handelsstreit im Fokus der Börsianer. China widersprach mittlerweile der Meldung, dass eine Lösung des Konflikts noch in diesem Jahr wegen unterschiedlicher Interessen so gut wie vom Tisch sei. Die zitierten Medienberichte enthielten Ungenauigkeiten.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, habe China die US-Unterhändler zu weiteren Gesprächen eingeladen. Zudem berichteten chinesischen Medien, dass die für Mitte Dezember geplanten US-Zölle auf chinesische Waren so oder so verschoben werden könnten.

Der US-Präsident gebart indes eine Verschärfung des Konflikts, sollte keine Lösung gefunden werden. Während einer Kabinettssitzung hatte Donald Trump gesagt: „Wenn wir keinen Deal mit China abschließen, werde ich die Zölle einfach noch höher ansetzen.“

Thomas Altmann, Portfoliomanager bei der Vermögensverwaltung QC Partners sagte, verweist auf die Relevanz eines Handelsdeals: „Hier geht es nicht nur um politische oder wirtschaftliche Themen. Hier geht es um die Vormachtvorstellung der Welt.“

Die schleppenden Verhandlungen im Handelskonflikt sind nicht die einzigen Negativimpulse, unter denen die US-Börsen in den vergangenen Tagen gelitten haben. Auch Verstimmungen zwischen den USA und China in der Hongkong-Frage tragen zu Kursverlusten bei.

Sowohl US-Senat als auch das Repräsentantenhaus haben sich dafür ausgesprochen, die Protestbewegung in der Sonderverwaltungszone zu unterstützen. Am Mittwoch sackten die drei wichtigsten US-Indizes ab: Der US-Leitindex verlor 0,4 Prozent auf 27.821 Punkte. Der technologielastige Nasdaq gab 0,5 Prozent auf 8526 Punkte nach und der breit gefasste S&P 500 büßte 0,4 Prozent auf 3108 Punkte ein.

Für Deutschlands Banken ist die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB ein Problem. Das erkennt auch die Ratingagentur Moody’s, die nun deutsche Banken herabgestuft hat. Die Minuszinsen würden die Profitabilität und Kreditwürdigkeit der Geldinstitute gefährden. Auf die Aktien großer Banken wie der Deutschen Bank und der Commerzbank hatte die Herabstufung allerdings keine negativen Auswirkungen.

Blick auf die Einzelwerte

Thyssen-Krupp: Die Verlustserie beim Mischkonzern setzt sich fort. Erst vor wenigen Monaten musste Thyssen-Krupp die oberste Börsenliga verlassen und in den MDax für mittelgroße Unternehmen absteigen. Am Donnerstagmorgen stellte die neue Vorstandschefin Martina Merz die Aktionäre auf eine anhaltende Durststrecke ein. Der traditionsreiche Ruhrgebietskonzern rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit noch schlechteren Zahlen – und streicht die Dividende für das abgelaufene Jahr.

Grund für die schwache Prognose ist neben der stockenden Konjunktur vor allem der laufende Konzernumbau, dessen Kosten auf rund eine halbe Milliarde Euro beziffert wird. Die Märkte straften die verkündeten Verluste des Industriekonzerns prompt ab. Die Aktie verlor mehr als 13 Prozent an Wert.

Infineon: Im Dax ist der Chiphersteller Infineon abgeschlagen. Das Papier des Konzerns verzeichnete am Donnerstag ein Minus von knapp 1,4 Prozent. Gegenüber der Nachrichtenagentur begründete ein Händler den Kursverlust mit negativen Vorgaben aus den USA und Asien, die auch andere Chipaktien beträfen. „Außerdem sind die Entwicklungen in den Handelsgesprächen für die Münchner stets ein besonderes Thema“, sagte er.

Hella: Am Donnerstag thronte Hella auf dem Siegertreppchen im MDax. Mit einem Plus von 1,3 Prozent führten die Papiere des Automobilzulieferers zeitweise den Index für mittelgroße Unternehmen an. Die US-Bank Goldman Sachs blickt optimistisch auf den Konzern. Sie hat Hella auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel von 39 auf 55 Euro angehoben.

Aurubis: Für die Kupferhütte ging es am Donnerstag bergab. Nach einer Abstufung und einer weiteren negativen Analysestudie sackte die Aktie den MDax-Konzerns um mehr als fünf Prozent ab.

Heideldruck: In der dritten Börsenreihe gehört der Druckmaschinenhersteller Heideldruck zu den Gewinnern. Anlegern scheint die Rückbesinnung des Konzerns auf das Kerngeschäft zu gefallen. Die Aktien legten zeitweise mehr als vier Prozent zu.

Handelsblatt-Analystencheck: Analysehaus Kepler hebt Kursziel für Rheinmetall an

Das Analysehaus Kepler Cheuvreux hat das Kursziel für Rheinmetall nach dem Kapitalmarkttag von 118 auf 106 Euro gesenkt und die Einstufung auf „Hold“ belassen. Die Gewinnerwartungen an den Rüstungskonzern und Autozulieferer hätten durch die mittelfristigen Ziele einen Dämpfer erhalten, schrieb Analyst Michael Raab in einer am Donnerstag vorliegenden Studie.

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„Bei der Vermögensplanung gilt: Nie ganz aussteigen!“


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Die innovativsten Unternehmen der Welt: EOS, Magic Leap und Gree Electric: Das sind die Aufsteiger des Jahres

Daten-Brille

Immobilienmakler nutzen die Software, um Häuser virtuell zu möblieren.


(Foto: Moment/Getty Images)

Innovationen – sie sind schon immer entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens gewesen. Gerade im digitalen Zeitalter steigt ihre Bedeutung dramatisch, schließlich rütteln sie ganze Branchen durch. Welche Unternehmen besonders relevante Innovationen hervorbringen, lässt sich in der Datenbank der Firma Patentsight ablesen.

Auf Basis dieser Daten hat das Schweizer Beratungsunternehmen Econsight für das Handelsblatt eine Rangliste jener 100 Unternehmen erstellt, die auf dem derzeit wirtschaftlich wichtigsten Innovationsfeld führend sind: an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien.

Diese Unternehmen sind in den vergangenen Jahren im Ranking so schnell aufgestiegen wie niemand sonst: der Münchner 3D-Druck-Anbieter EOS, der amerikanische Spezialist für erweiterte Realität, Magic Leap, und der chinesische Klimaanlagenhersteller Gree Electronic Appliance.

EOS: Führend im 3D-Druck

Ihre Ziele hat sich die junge Unternehmerin klar gesetzt, nachdem sie erst vor wenigen Wochen die Führung des von ihrem Vater gegründeten 3D-Druck-Pioniers EOS übernommen hatte. „Meine Vision ist, dass der industrielle 3D-Druck von EOS technologisch führend bleibt“, sagt Marie Langer.

Aber das allein reicht ihr nicht. Das Unternehmen solle zudem einen nachhaltigen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen unserer Welt leisten. Die Voraussetzungen dafür: EOS vereine „den Pioniergeist der Anfangsjahre mit der Expertise eines Marktführers“.

3D-Druck gilt als eine der großen Zukunftstechnologien: Softwaregesteuerte Laser verschmelzen Kunststoff- oder Metallpulver zu dreidimensionalen Gegenständen. Dabei zählt EOS, nahe München gelegen, zu den weltweit führenden Technologieanbietern im industriellen 3D-Druck.

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Weltweit sind die Drucker im Einsatz: So fertigt die Fluggesellschaft Etihad damit Kabinenteile, die schneller und mit weniger Gewicht produziert werden als auf herkömmliche Weise. Autohersteller drucken Bauteile und Prototypen, und es werden individuell geschnittene Brillengestelle und passgenaue Schädelimplantate produziert.

Mit 1200 Mitarbeitern macht die Firma heute 350 Millionen Euro Umsatz. Davon hätte Hans Langer sicherlich nicht zu träumen gewagt, als er vor 30 Jahren das Unternehmen gründete. Zu dieser Zeit galt die Vorstellung, Metallteile auszudrucken, vielen noch als Spinnerei. Der damalige BMW-Entwicklungschef Wolfgang Reitzle stellte Langer dennoch Risikokapital für die Entwicklung einer laserbasierten Stereolithografiemaschine bereit. Bereits ein Jahr später lieferte EOS die Maschine an BMW aus.

Der Rest ist ein Stück Industriegeschichte. Andere Autobauer interessierten sich für die EOS-Technologie, das Unternehmen stieg rasch zum Technologieführer auf.

Gemeinsam mit der ebenfalls bayerischen Firma Concept Laser, die vor einigen Jahren von General Electric gekauft wurde, sorgt EOS dafür, dass Deutschland derzeit der führende Standort bei der Entwicklung von Druckern für die additive Fertigung ist.

Magic Leap: Neue Welten

Auch Magic Leap schaffte den großen Sprung nach vorn. Der Spezialist für die sogenannte „erweiterte Realität“ visualisiert Daten als 3D-Projektion mitten im Raum, egal, ob es dabei um die Auswirkungen des Klimawandels, den virtuellen Einkauf oder ein Videospiel geht.

Das Unternehmen aus Florida ist weltweit vielen Menschen vor allem für seine Spiele und Unterhaltungserlebnisse bekannt. Rund um den Globus tüfteln 1 800 Mitarbeiter an neuen Ideen und deren Umsetzung mittels Datenbrille. Doch auch für seine Geschäftskundenlösungen gewinnt das Unternehmen zunehmend an Bekanntheit – etwa im Einzelhandel, in der Architektur, im Gesundheitsbereich. Ein Beispiel: Die Immobilienmakler von Sotheby‘s nutzen die Software, um mittels Spezialbrille Wohnungen oder Häuser virtuell zu möblieren.

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Das Besondere an der Magic-Leap-Technologie: Künstliche Lichtfelder werden mit natürlichen Lichtwellen vermischt. Bei den Videospielen können dann projizierte Figuren, etwa kleine Pinguine, über reale Möbel im Raum laufen und munter vom Couchtisch purzeln. Die von Magic Leap entwickelten Bilder sollen dabei das menschliche Gehirn weniger verwirren. Noch immer kämpfen Anbieter von virtueller und erweiterter Realität damit, dass einigen Menschen bei der Anwendung schlichtweg schwindelig wird.

Mit rund 2,6 Milliarden Dollar Wagniskapital zählt Magic Leap zu den am besten finanzierten Start-ups der Welt – namhafte Investoren wie Google, Qualcomm, Andreessen Horowitz und JP Morgan Chase sind dabei. Im Februar 2018 investierte auch Axel Springer in den Hoffnungsträger.

Trotz dieser Finanzierung kamen zuletzt Zweifel an der Liquidität von Magic Leap auf, weil das Unternehmen angeblich wichtige Patente als Sicherheit bei JP Morgan hinterlegt hat. Gründer Rony Abovitz widersprach dem auf Twitter und teilte mit, dass die nächste Finanzierungsrunde bereits stehe. Der Markt für erweiterte Realität entfalte sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren. Es sei ein „langes und sehr großes Spiel“.

Gree Electric: Große Pläne

Die Fertigung von Klimaanlagen – mit diesem Unternehmenszweck wurde Gree Electric Appliances 1991 gegründet. Als das Unternehmen im südchinesischen Zhuhai erstmals seine Produkte auf den Markt brachte, produzierte es davon jährlich 20.000 Stück. Doch diese vergleichsweise bescheidenen Zeiten sind längst vorbei. Im vergangenen Jahr wurden 50 Millionen Klimaanlagen produziert, ein Umsatz von 29 Milliarden Dollar konnte erzielt werden.

Hinzu kommt: 60.000 Patente haben die Chinesen bereits angemeldet – international gültig sind davon knapp 1. 600. Gree schickt sich an, einer der wichtigsten Player im Bereich „Connected Home Appliances“ zu werden – es geht um „Smarthomes“, das vernetzte Leben zu Hause. Seit 2015 gehört Gree zu den Marktgrößen.

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Im Mai 2018 kündete das Management dann den nächsten Wachstumsschritt an: Das Unternehmen wolle in den nächsten drei Jahren 7,3 Milliarden Dollar in die Halbleiterindustrie investieren. Es geht darum, bis Ende 2019 alle Gree-Klimaanlagen mit eigenen Chips auszustatten. Das reduziert die Abhängigkeit von der US-Halbleiterindustrie.

Den Worten folgten Taten: Im November investierte Gree 290 Millionen Dollar in San’an Optoelectronics, das unter anderem LED-Mikrochips, Wafer und Photodioden herstellt. Bereits im Sommer hatte der Konzern für 430 Millionen Dollar einen Anteil über zehn Prozent an Wingtech Technology erworben. Dieses Unternehmen plant wiederum, wie bekannt wurde, für 3,6 Milliarden Dollar einen rund 75-prozentigen Anteil am holländischen Chiphersteller Nexperia BV zu kaufen.

Doch nicht alle Experten sind von Grees neuen Ambitionen überzeugt. Denn schon häufiger hat das Management in der Vergangenheit große Ambitionen verkündet: 2015 gab das Unternehmen bekannt, ins Smartphonegeschäft einzusteigen, 2016 waren es Autos mit alternativen Antrieben. Auch dieses Mal, so heißt es, gebe Gree wieder viel heiße Luft von sich. Bislang hat das dem rasanten Wachstum des Unternehmens nicht geschadet.

Die innovativsten Unternehmen der Welt im Porträt:


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Die innovativsten Unternehmen der Welt: Spitzenplatz Medizintechnik: Johnson & Johnson kauft sich klug

Operationsroboter

Das wichtigste Innovationsfeld von Johnson & Johnson.


(Foto: J&J)

Innovationen – sie sind schon immer entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens gewesen. Gerade im digitalen Zeitalter steigt ihre Bedeutung dramatisch, schließlich rütteln sie ganze Branchen durch. Welche Unternehmen besonders relevante Innovationen hervorbringen, lässt sich in der Datenbank der Firma Patentsight ablesen.

Auf Basis dieser Daten hat das Schweizer Beratungsunternehmen Econsight für das Handelsblatt eine Rangliste jener 100 Unternehmen erstellt, die auf dem derzeit wirtschaftlich wichtigsten Innovationsfeld führend sind: an der Schnittstelle zwischen analogen und digitalen Technologien.

Sieger in der Sonderauswertung Medizintechnik: der amerikanische Pharmahersteller Johnson & Johnson.

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Der mehr als 130 Jahre alte Pharma- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson hat es im globalen Innovationsranking bis auf Platz zwei geschafft, innerhalb der Medizintechnik belegt er sogar den Spitzenplatz.

Die Position von Johnson & Johnson ist laut der Analyse der Ranking-Ersteller von Econsight vor allem auf die Unternehmensaufkäufe in den letzten Jahren und den damit verbundenen strategischen Positionierungen im Bereich der Operationsroboter zurückzuführen. Von besonderer Bedeutung seien die erst vor Kurzem übernommene Auris Health sowie Verb Surgical, das als Joint Venture mit Alphabets Medizinsparte Verily geführt wird.

Johnson begibt sich damit in die direkte Konkurrenz zu Intuitive Surgical. Intuitive Surgical ist klarer Marktführer im Bereich der Operationsroboter. Fred Moll, der Gründer von Intuitive Surgical, ist gleichzeitig auch Gründer von Auris Health.

Bereits 2017 kaufte der Johnson & Johnson das Schweizer Pharmaunternehmen Actelion für 30 Milliarden Dollar. Insgesamt habe Johnson & Johnson zuletzt fast 300 Unternehmen übernommen, so die Macher des Rankings.

Entscheidend für das gute Abschneiden seien neben der Robotik Zukäufe im Bereich Biosensorik gewesen. Biosensoren sind Messgeräte mit einer biologischen Komponente wie etwa Blutzucker- oder Bakterienmesser.

Mit „Johnson & Johnson Innovation“ hat der US-Konzern mit Sitz in New Jersey eine Tochter gegründet, die nicht nur im Hause, sondern auch extern Innovationen vorantreiben soll. Außer den eigenen Innovationszentren betreibt Johnson & Johnson Innovation unter dem Namen JLABS ein weltweites Netzwerk an Inkubatoren. Die sollen Start-ups helfen, ihre Medizintechnik oder ihr Medikament bis zur Marktreife zu bringen.

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Für Johnson & Johnson ist das auch eine Gelegenheit, sich die Start-ups aus der Nähe anzuschauen und gegebenenfalls zuzugreifen. Zudem bekommt Johnson & Johnson dank der Inkubatoren Zugang zu Talenten mit IT-Expertise, die heute in der Medizintechnik und -forschung immer wichtiger werden.

Mit JJDC betreibt Johnson & Johnson Innovation auch einen eigenen Wagniskapitalfonds. Der investiert über alle Sparten hinweg in Start-ups – vom Seed-Stadium bis zu Start-ups der Serie B oder später, wenn die Unternehmen also schon mehrere Finanzierungsrunden hinter sich haben. Gerade in der Medikamentenforschung brauchen Start-ups einen langen finanziellen Atem, bis die Produkte zugelassen werden können.

„Oft kommen gute Ideen von außerhalb unserer Organisation“, erklärt Chief Scientific Officer Paul Stoffels den Ansatz von Johnson & Johnson Innovation in seiner Präsentation. Daher sei man auf die Kreativität von außen angewiesen. Andererseits bräuchten Unternehmer mit guten Ideen in der Medizin und Wissenschaft oft große Partner, um die Ideen zu realisieren und auf den Markt zu bringen.

Der studierte Arzt Stoffels hatte einst selbst ein Unternehmen für HIV-Medikamente gegründet und es dann mit Johnson & Johnson als Partner zur Marktreife gebracht. Diesen Weg können nun auch Robotik- und Sensorunternehmen beschreiten.

Die innovativsten Unternehmen der Welt im Porträt:


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Fast Food: Angst vor wütenden Kunden: Mitarbeiter verklagen McDonald’s

Filiale von McDonald’s in Pittsburgh

Der Konzern und seine Franchisenehmer wollen rund sechs Milliarden Dollar investieren, um den Großteil der rund 14.000 US-Geschäfte aufzumöbeln.


(Foto: AP)

New York Mitarbeiter von McDonald’s ziehen in Chicago gegen den Fast-Food-Riesen und mehrere seiner Franchisenehmer wegen der Umgestaltung seiner Läden vor Gericht. Wütenden Kunden falle es dadurch leichter, über die Ladentheke zu klettern und Mitarbeiter anzugreifen.

McDonald’s habe seine Belegschaft nicht ausreichend geschützt, heißt es in der Klage, die an diesem Donnerstag bei einem Gericht im US-Bundesstaat Illinois von 17 Mitarbeitern aus der Region Chicago eingereicht wurde. Mitarbeiter sind der Beschwerde zufolge unter anderem mit Schusswaffen bedroht, mit Küchengeräten von einem nackten Kunden beworfen, mit Pfefferspray besprüht und mit dem Warnschild, dass der Boden gerade nass gewischt worden sei, verprügelt worden.

McDonald’s erklärte, seine Verantwortung für die Bereitstellung eines sicheren Arbeitsumfeldes für seine Mitarbeiter ernst zu nehmen. Es gebe strikte Regeln gegen Gewalt in den Restaurants der Fast-Food-Kette. Das Unternehmen machte keine Angaben darüber, ob es die Klage anfechten will.

McDonald’s hatte im vergangenen Jahr angekündigt, dass der Konzern und seine Franchisenehmer rund sechs Milliarden US-Dollar investieren wollen, um den Großteil der rund 14.000 US-Geschäfte aufzumöbeln. Bei rund zwei Drittel aller Läden sind die Umbauarbeiten inzwischen abgeschlossen. Nach Angaben des Unternehmens haben die Modernisierungen zu einer Verbesserung der Umsätze beigetragen.

Die Kläger werfen McDonald’s dagegen vor, dass durch eine niedrigere und offenere Ladentheke Mitarbeiter einfacher durch Kunden angegriffen werden könnten. Allein in der Region Chicago gebe es täglich mehr als 20 Notrufe aus McDonald’s-Filialen.

Landesweit gebe es zudem eine Welle der Gewalt in den Burger-Läden, darunter einen bewaffneten Raubüberfall bei einem McDonald’s in Orlando im US-Bundesstaat Florida, wo Mitarbeiter in einem begehbaren Gefrierschrank mit vorgehaltener Waffe festgehalten worden seien.

Mehr: Das Pattie des neuen Burgers kommt von einem Start-up, das von Unilever aufgekauft wurde. Zwar enthält der „Rebel Whopper“ kein Fleisch, vegan ist er aber nicht.


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