Posted on

Lufthansa bietet Mitarbeitern unbezahlten Urlaub an

Die Lufthansa ergreift wegen der Coronavirus-Krise ungewöhnliche Maßnahmen. Die Fluglinie will ihren Beschäftigten unbezahlten Urlaub anbieten. Die genaue Ausgestaltung und für wen das Angebot gilt, sei noch in der Diskussion, erläuterte eine Sprecherin. Die Maßnahme ist Teil eines Pakets, mit dem die vom Umsatz her größte europäische Airline ihre Kosten senken will. Über das genaue Einsparziel sowie die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Seuche gibt es noch keine Details. Die Lufthansa legt am 19. März ihre Bilanz mit einem Ausblick vor.

Zu den Einsparungen beim Personal gehört, dass alle „geplanten Neueinstellungen nochmals überprüft, ausgesetzt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben“ werden, teilte die Fluglinie mit. Zudem werden alle geplanten Stations- und Flugbegleiter-Lehrgänge ab April 2020 nicht durchgeführt und die Kursteilnehmer der bereits laufenden Lehrgänge vorerst nicht übernommen. Es bleibe jedoch das Ziel, ihnen langfristig einen Arbeitsvertrag anbieten zu können. Einschnitte gibt es auch bei neuen Projekten oder bei den Sachkosten, die um 20 Prozent sinken sollen.

Die Verkündung der Maßnahmen ist eine abrupte Kehrtwende, denn vor nicht einmal zwei Monaten hatte die Gruppe noch angekündigt, in diesem Jahr insgesamt 4500 Neueinstellungen vorzunehmen. Vor allem sollten 2500 Mitarbeiter für die IT- und Administrationsabteilungen eingestellt werden, aber auch 1300 Flugbegleiter sollten 2020 ausgebildet und eingesetzt werden. Der Konzern beschäftigt insgesamt über 138.000 Menschen.

13 von 181 Langstreckenjets stehen am Boden

Die Airline-Gruppe hatte wegen des Coronavirus bereits alle Flüge von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines von und nach Festland-China bis Ende des Winterflugplans am 28. März gestrichen. Nun heißt es, dass wegen der weiter sinkenden Nachfrage für Flüge von und nach Hongkong weitere Kapazitätsanpassungen erfolgen. Rein rechnerisch stehen zurzeit 13 der 181 Passagier-Langstreckenflugzeuge der Lufthansa-Gruppe am Boden. Sie kosten Geld und bringen keine Einnahmen.

Hinzu kommt die Unsicherheit, wann die Flugrouten wieder aufgenommen werden und wie schnell dann die Passagierzahlen steigen. Erst jüngst hat die IATA als Airline-Dachorganisation die Aussichten der Branche für dieses Jahr drastisch gekürzt und den ersten Rückgang im weltweiten Flugverkehr seit 2003 vorhergesagt.

Mehr zum Coronavirus
Feuchte Desinfektionstücher sind nicht so gut wie Desinfektionsgel

Hygiene und Desinfektion

"Angst ist eine Emotion, die sich nur schwer steuern lässt": Kreuzfahrt-Passagier in Tokio

28.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Oberhausen: Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. Der erste Fall des Corona-Virus in Deutschland hat die Nachfrage nach Atemmasken in Apotheken stark erhöht. Ein Infektionsexperte hält dagegen Schutzmaßnahmen von Bürgern wie das Tragen von Mundschutz derzeit für unnötig. Foto: Fabian Strauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Coronavirus

31.01.2020, Italien, Rom: Mitarbeiter und Passagiere am Flughafen Fiumicino tragen Atemschutzmasken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte die Ausbreitung des Coronavirus zu einer «gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite». Foto: Cecilia Fabiano/LaPresse via ZUMA Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Coronavirus in Europa

An der Börse gehört seit Ausbruch der Coronakrise die Aktie der Lufthansa wie die anderer Airlines zu den Verlierern. Binnen drei Monaten ging der Kurs der Lufthansa-Aktie um 22 Prozent zurück. Innerhalb eines Jahres verlor das Wertpapier durch den Wettbewerbsdruck sogar 43 Prozent auf zuletzt 13,25 Euro.

Zu den Änderungen in der Geschäftsstrategie gehört, dass die Airline ihre Zusammenarbeit mit dem Ferienflieger Condor als Zubringer auslaufen lässt, der künftig zur polnischen Holding PGL gehört. „Wir werden nicht sofort alle Verträge mit Condor kündigen. Schließlich sind das auch unsere Kunden, die wir nicht alleinlassen dürfen und wollen. Aber wenn Verträge auslaufen, dann laufen sie aus“, sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister dem „Handelsblatt“. Lufthansa hat mit dem Ferienflieger, an dem einst eine Beteiligung bestand, sogenannte Zuliefer-Verträge. Passagiere reisen mit der Lufthansa ans Drehkreuz Frankfurt und steigen dort in die Langstreckenjets von Condor um. Ein Ende der Zusammenarbeit ist für Condor daher keine gute Nachricht für die Auslastung.

„Die Nervosität, die wir derzeit erleben, ist verständlich“

Das Coronavirus breitet sich auch in Deutschland weiter aus. Zu den Folgen der Epidemie für Wirtschaft und Börse spricht Dietmar Deffner mit Folker Hellmeyer, Chefanalyst von Solvecon-Invest.

Quelle: WELT/ Dietmar Deffner

Source: Wirtschaft – WELT
Author: