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Geldpolitik: Notenbanken könnten bald zu ihrem letzten Mittel greifen

Zentrale der Federal Reserve in Washington

Innerhalb der US-Notenbank wird die Steuerung der Zinskurve kontrovers diskutiert.


(Foto: LEXEY SWALL/The New York Times/R)

Frankfurt, New York Gerade erst hatten auch interessierte Laien den wichtigsten Fachbegriff in der Welt der Notenbanken verinnerlicht: Quantitative Easing (QE) meint den direkten Ankauf von Anleihen durch die Zentralbanken – mit dem Ziel, die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen zu senken. Doch es könnte sein, dass Beobachter der Geldpolitik sich schon bald an ein neues Instrument gewöhnen müssen: die sogenannte Kontrolle der Zinskurve.
Damit ist eine neue Form der Zinspolitik gemeint, bei der die Notenbanken nicht nur die sehr kurzfristigen Leitzinsen festsetzen. Stattdessen wird die gesamte Zinskurve, also das Niveau der Renditen von Staatsanleihen über alle Laufzeiten hinweg, in einem engen Korridor gehalten.

Japan verfolgt die Strategie schon länger. Durch die Coronakrise geraten nun aber auch andere Notenbanken mit ihren bisherigen Instrumenten zunehmend an Grenzen und diskutieren über noch weitreichendere Optionen. So setzt auch Australien seit Kurzem auf die Kontrolle der Zinskurve. Und auch die US-Notenbank Fed befasst sich intensiv mit dem Thema, wie die am Mittwoch veröffentlichten Protokolle ihrer Sitzung im Juni zeigen.

Ein solcher Schritt hätte weitreichende Folgen für die globalen Finanzmärkte. Der risikolose Zins wäre künftig nicht mehr den Marktkräften ausgesetzt, sondern würde von einer staatlichen Institution quasi festgeschrieben. Noch lassen die möglichen Nebenwirkungen einer Kopie der japanischen Notenbankpolitik selbst pragmatische Notenbanker zurückschrecken. Die Frage ist nur, wie lange noch?

Vorbehalte könnten schwinden

„Momentan gibt es in der Fed noch große Vorbehalte gegen eine Kontrolle der Zinskurve. Das kann sich aber ändern, wenn die Wirtschaftskrise länger anhält,“ sagt Bernd Weidensteiner, US-Ökonom der Commerzbank. Er erinnert daran, dass auch die massiven Anleihekäufe zunächst sehr umstritten gewesen seien. Die Fed habe sie aber dann sehr entschlossen durchgezogen. Auch Kapitalmarktstrategen und Fondsmanager sind zunehmend überzeugt, dass sich die Steuerung der Zinskurve in den USA und möglicherweise sogar in Europa durchsetzen wird.
So sagt Paul Brain, Leiter des Anleiheteams bei Newton Asset Management: „Ich erwarte, dass die Steuerung der Zinskurve über kurz oder lang kommen wird. Wenn die Zinsen zu stark ansteigen, könnten weder die USA noch Europa die Kosten für die fiskalpolitische Unterstützung bewältigen.“ Auch die Anleihestrategen der Commerzbank schrieben kürzlich in einer Studie: „Die Zinskurvenkontrolle rückt bei den Zentralbanken zunehmend in den Fokus.“ Die Notenbanken seien darauf aus, die Finanzierungskosten über die gesamte Kurve hinweg zu steuern, da der Finanzierungsbedarf für Staaten und Unternehmen in der Coronakrise drastisch angestiegen sei und die Zinsbelastung die Erholung bremse.

Durch die Kontrolle der Zinskurve würden Notenbanken wie die Fed noch einen Schritt weiter gehen als bisher. Aktuell legen sie über ihr klassisches Instrument des Leitzinses die kurzfristigen Zinsen fest.

Die Fed kauft außerdem in großem Umfang Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten von bis zu 30 Jahren und drückt damit deren langfristige Zinsen. Bei einer Kontrolle der Zinskurve würde sie eine feste Zielmarke für einen bestimmten langfristigen Zins festlegen und kommunizieren. Diese Festlegung beeinflusst dann die gesamte Zinskurve, die darstellt, zu welchen Zinsen sich Investoren für unterschiedliche Laufzeiten Geld leihen können.

Die Bank of Japan etwa hat eine Zielrendite für zehnjährige japanische Staatsanleihen von null Prozent festgeschrieben. Sie kauft unlimitiert Anleihen, sobald die Rendite deutlich von dem Zielwert abzuweichen droht. In Australien strebt die Notenbank für dreijährige Staatsanleihen einen Zins von 0,25 Prozent an. Damit beschränkt sie sich auf nicht ganz so lange Laufzeiten.

Der Vorteil dieser Politik besteht darin, dass die Notenbank im besten Fall weniger Mittel einsetzen muss, um ihr angestrebtes Ziel zu erreichen. Wenn ihre Ankündigung glaubwürdig ist, lohnt es sich für die Märkte nicht, gegen sie zu spekulieren. Aus Sicht von Anleiheexperte Brain war die Strategie in Japan erfolgreich: „Es hat sich gezeigt, dass die bloße Ankündigung der Zinskurvensteuerung die Rendite im Zaum hält.“


Die Commerzbank-Experten warnen jedoch, dass die gleiche Strategie in den USA und Europa ungleich schwerer umzusetzen wäre. Denn die japanische Notenbank hält ohnehin rund 60 Prozent aller ausstehenden japanischen Staatsanleihen. EZB und Fed halten dagegen im Schnitt nur rund 30 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen ihres Währungsraums. Das begrenzt ihre Marktmacht.

Schlechte Erinnerungen in den USA

Laut den Fed-Protokollen gab es in der Junisitzung eine Debatte über Kosten und Nutzen der Kontrolle der Zinskurve. Viele Notenbanker äußerten die Sorge, dass sie die Kontrolle über die Bilanz verlieren und ihre Unabhängigkeit in Gefahr gerät.

„Die Skepsis hängt sicher auch mit den Erfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen“, sagt Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. In dieser Zeit hat die Fed bereits eine ähnliche Politik verfolgt. Ab 1942 legte sie in Absprache mit dem US-Finanzministerium den Zins für kurzfristige Geldmarktpapiere fest und begrenzte implizit auch den Zins für langfristige Staatsanleihen. Damit sicherte sie die Finanzierung der amerikanischen Kriegskosten.

Nach dem Krieg wollte vor allem das Finanzministerium an dieser Praxis festhalten, obwohl die Inflation deutlich zulegte. Erst 1951 einigten sich die Fed und das Finanzministerium im „Treasury-Fed Accord“ darauf, Geld- und Finanzpolitik wieder stärker zu trennen. „Damals musste die Fed sehr lange kämpfen, um sich vom Einfluss des Finanzministeriums auf die Geldpolitik wieder zu lösen“, erklärt Weidensteiner.

Angesichts der Attacken von US-Präsident Trump auf die Fed in der Vergangenheit könnte es auch künftig ähnliche Probleme geben, wenn die Fed erst mal mit einer solchen Politik anfängt. „Es gibt viele Bedenken bei diesem Instrument“, sagt auch Michael Feroli, Chefökonom von JP Morgan Chase.

Allerdings hat die Fed die Kontrolle der Zinskurve noch nicht komplett ausgeschlossen. Gerade die Erfahrungen aus Australien interessieren die Notenbanker sehr, weil die am ehesten mit den USA vergleichbar seien.

Auch Markus Peters, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein, hält es für möglich, dass die Fed in Zukunft zur Zinskurvenkontrolle greifen könnte, „insbesondere wenn die konjunkturelle Erholung die Erwartungen nicht erfüllt oder der Arbeitsmarkt schwach bleibt“.

Für den Euro-Raum hat EZB-Chefvolkswirt Philip Lane diese Woche eine Kontrolle der Zinskurve ausgeschlossen. Ein großes praktisches Problem in Europa ist allein die Tatsache, dass die EZB anders als die Bank of Japan und die Fed für 19 Mitgliedsländer zuständig ist.

Es gibt also nicht eine Zinskurve, die sie steuern kann. „Eine mögliche, jedoch kontroverse Lösung bestünde darin, den gewichteten Durchschnitt der laufenden Staatsanleihenrenditen im Euro-Raum als Referenz zu nehmen“, sagt Alliance-Bernstein-Experte Peters.

Hohe juristische Hürden

Technisch gesehen hat ihr neues Kaufprogramm in der Coronakrise, genannt Pepp, bereits gewisse Ähnlichkeiten mit einer solchen Politik. Bei diesem Kaufprogramm hält sich die EZB das monatliche Kaufvolumen bewusst offen. Zudem hat sie auch Flexibilität signalisiert, von der Bindung ihrer Käufe an den Kapitalschlüssel abzuweichen, der sich aus Bevölkerung und Größe der Wirtschaft ergibt.


Für eine klassische Kontrolle der Zinskurve wären die juristischen Hürden in Europa gewaltig: In seiner Entscheidung von Anfang Mai hat das Bundesverfassungsgericht dem aktuell laufenden Anleihekaufprogramm enge Grenzen gesetzt.

Die Steuerung der Zinskurve, die glaubwürdig nur mit einer Aufhebung aller Limits bei den Anleihekäufen umsetzbar wäre, ist mit den jüngsten Urteilen der Verfassungsgerichte unvereinbar, warnen die Commerzbank-Experten: „Die Zusage, Anleihen in potenziell unbegrenzter Höhe zu kaufen, würde gegen das Verbot der monetären Staatsfinanzierung verstoßen“, schreiben sie. „Neben dem Bundesverfassungsgericht hat auch der Europäische Gerichtshof hervorgehoben, dass Ankaufsobergrenzen notwendig sind.“

Immerhin: Zeitdruck, ihre Geldpolitik grundlegend umzukrempeln, verspüren die Notenbanken derzeit nicht. Die Renditen etwa für zweijährige US-Staatsanleihen notieren derzeit bei rund 0,16 Prozent und damit nahe dem Allzeittief von Mai 2020.

Auch im Euro-Raum sind die Renditen nach wie vor sehr niedrig. Deutsche Bundesanleihen notieren bis weit über zehn Jahre Laufzeit im negativen Bereich. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen sind moderat.

Doch das könnte sich schnell ändern, etwa wenn eine zweite Coronawelle die Wirtschaft trifft und die Staaten mit immer umfangreicheren Rettungspaketen dagegenhalten müssen. „Sollten Zweifel an der Zahlungsfähigkeit einiger Euro-Staaten erneut aufkommen, könnte die Steuerung der Zinskurve die beste Lösung sein“, sagt Anleihemanager Brain. „Vielleicht müssen die Risikoaufschläge noch mal stark steigen, möglicherweise weil der Effekt des Virus länger andauert, bevor eine solche Maßnahme verabschiedet wird.“

Sollte sich die Steuerung der Zinskurve in Europa und den USA durchsetzen, bliebe an den Anleihemärkten nichts mehr, wie es war. Das Zinsänderungsrisiko, ein zentraler Bestandteil für die Bewertung von Anleihen aller Art, würde an Bedeutung verlieren, sagt Brain. „Unternehmensanleihen dürften etwas weniger riskant werden“, erwartet er.

Bei ihnen zählt künftig fast nur noch das Kreditausfallrisiko – das angesichts niedriger Zinsen selbst bei hohen Schulden niedrig ist. Brain erwartet: „Der gesamte Anleihemarkt dürfte weniger volatil werden.“

Mehr: Interview mit EZB-Ratsmitglied Olli Rehn: „Es gibt hier kein ewig wirkendes Zaubermittel“

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Geldpolitik: Wie die US-Notenbank Fed das Risiko befeuert

Fed in Washington

Die Debatte über schädliche Nebenfolgen der Rettungsaktionen kommt pünktlich zur kommenden Sitzung der Notenbank.


(Foto: AFP)

New York Die Börse jubelt trotz Corona – was besonders deutlich der neue Rekord der Nasdaq zeigt, an der die US-Tech-Werte notiert werden. Doch einer jubelt nicht: Bill Dudley, der frühere Chef der Notenbank (Fed) in New York. Er weiß aus eigener Erfahrung, dass Notenbanker in Krisenzeiten nicht viel Zeit haben, über schädliche Nebenfolgen ihrer Rettungsaktionen nachzudenken.

Der frühere Chefökonom von Goldman Sachs wechselte 2007 zur Notenbank und steuerte sie an der wichtigen Schaltstelle in New York durch die Finanzkrise. Nun jedoch sei es an der Zeit, sich über die langfristigen Konsequenzen der historischen Hilfsmaßnahmen Gedanken zu machen, sagt Dudley im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Er fragt sich, ob die Fed in der Coronakrise genau jenes riskante Verhalten der Investoren fördert, das sie eigentlich vermeiden will. „Moral Hazard“, wörtlich übersetzt „Moral-Risiko“, heißt das Problem, das bereits in der Finanzkrise auftauchte.

Damals hatten Banken und Investoren darauf gewettet, dass die Regulierer die Banken schon nicht pleitegehen lassen. Dieses Mal sah sich die Fed gezwungen, unter anderem Hedgefonds und hochverschuldete Unternehmen zu retten, um zu verhindern, dass die wichtigsten Märkte im amerikanischen Finanzsystem austrocknen.

Dudley warnt: „Es ist eine Sache, wenn eine schwere Krise nur alle 50 oder 100 Jahre passiert. Dann sind die Folgen von Moral Hazard ziemlich klein. Aber wenn man alle zehn Jahre eine Finanzkrise hat, dann werden die Handlungen der Fed die Leute ermutigen, künftig größere Risiken einzugehen.“

Einbruch des Wachstums

Die Debatte kommt pünktlich zur kommenden Sitzung der Notenbank, die am Dienstag und Mittwoch tagt. Fed-Chef Jay Powell wird dann auch über den Stand der billionenschweren Rettungsmaßnahmen Auskunft geben.

Größere Ankündigungen erwarten Experten nicht, nachdem die Fed gerade ihr Kreditprogramm für Unternehmen ausgedehnt hat. Für etwas Spannung dürften die neuen Wachstumsprognosen der Fed sorgen: Ökonom Michael Feroli von JP Morgan rechnet mit minus sechs Prozent für 2020 und plus vier Prozent für das kommende Jahr.

Die Fed ist seit Ausbruch der Krise im Dauereinsatz – und genau da liegt das Problem. Weil sich Hedgefonds mit Wetten auf Staatsanleihen verspekuliert hatten, kam es zu Notverkäufen und dazu, dass die Märkte zum Teil nicht mehr funktionierten.


Daher verpflichtete sich die Fed bereits im März, in unbegrenztem Maße Staatsanleihen zu kaufen. Dabei bilden die eigentlich den liquidesten Markt der Welt. Doch die Hedgefonds waren nicht auf die Krise vorbereitet und mussten ihre Positionen schnell verkaufen.

Bill Dudley

Er steuerte die Notenbank an der wichtigen Schaltstelle in New York durch die Finanzkrise


(Foto: Bloomberg)

Zum ersten Mal überhaupt kauft die Fed auch Unternehmensanleihen, und zwar auch die von ohnehin schon hochverschuldeten Firmen. Auch hier waren zu den Hochzeiten der Coronakrise die Käufer der Papiere ausgeblieben, aus Angst vor einer Pleitewelle. Der Fed gelang es schnell, die Märkte zu beruhigen. Schon das Signal, dass sie im Notfall als Käufer der letzten Instanz bereitstehe, hat die Konditionen an den Märkten schnell normalisiert.

In Kürze werden weitere Hilfsprogramme starten, die schon länger in Arbeit sind. Eines wird ebenfalls zum ersten Mal direkt Kommunalanleihen kaufen, um Städten und Gemeinden dabei zu helfen, die hohen Kosten rund um die Coronakrise zu stemmen.

Ein zweites soll die Kreditvergabe an Mittelständler fördern, was unter anderem der Sicherung von Arbeitsplätzen dienen soll. Es wurde erst am Montag noch einmal erweitert, um möglichst vielen Unternehmen Zugang dazu zu gewähren.

„Die Notenbank wird alles tun, um die Wirtschaft zu stützen“, hatte Powell schon in der frühen Phase der Krise versichert. Der unabhängige Börsenexperte Ed Yardeni bezeichnet den darauffolgenden rasanten Anstieg der Börsen weltweit als „Mutter aller Melt-ups“, alles Aufschäumens der Kurse.

Die Liquidität versichern

Um zu verhindern, dass die Fed noch einmal Hedgefonds oder andere Finanzakteure außerhalb des Bankensystems retten muss, bringt Dudley eine Art Liquiditätsversicherung ins Spiel. Ähnlich wie Banken für die Einlagensicherung zahlen, sollten auch Fonds eine Gebühr an die Notenbank zahlen, um im Ernstfall Zugang zu deren Liquiditätsprogrammen zu bekommen.

„Das ist ein ziemlich radikaler Vorschlag“, räumt Dudley ein. „Investoren sollten nicht einfach kostenlos von der Fed gerettet werden“, argumentiert er aber. Er drängt darauf, dass sich Regulierer frühzeitig mit der Frage beschäftigen, wie die Marktstrukturen verbessert werden können, um das Moral-Hazard-Problem zu minimieren: „Denn sobald die Krise vorbei ist, verblassen die Erinnerungen schnell.“

Auch dass hochverschuldete Unternehmen durch die Hilfspakete der Fed gestützt wurden, missfällt dem ehemaligen Notenbanker. Schließlich hätten sich viele Unternehmen bewusst dafür entschieden, immer mehr Schulden aufzunehmen und damit ein hohes Risiko einzugehen. Ohne die Eingriffe der Fed hätten sich diese Unternehmen vermutlich nur noch schwer finanzieren können, was eine Kettenreaktion ausgelöst hätte.

Jerome Powell

Der Fed-Chef wird bei der kommenden Sitzung der Notenbank auch über den Stand der billionenschweren Rettungsmaßnahmen sprechen.


(Foto: AP)

„Investoren hätten ihre Anteile verkauft, woraufhin die Fonds nur noch mehr Papiere in einen fallenden Markt hätten verkaufen müssen“, gibt Dudley zu bedenken. Nun jedoch seien die Fondsmanager und die Anleger, die diese Fonds gekauft haben, davongekommen, ohne die Kosten dafür zu tragen.

Dudley ist mit seiner Kritik nicht allein. Auch der ökonomische Chefberater der Allianz, Mohamed El-Erian, glaubt, dass die Notenbank zu weit gegangen ist. „Die Fed hat es durch ihre Rettungsprogramme ermöglicht, dass sich Zombie-Unternehmen noch weiter verschulden“, sagte er dem Handelsblatt.


Das schaffe „Märkte, in denen die Kapitalallokation nicht mehr effizient funktioniert und falsche Preissignale gesendet werden“, weil Investoren darauf setzen, dass die Fed im Zweifelsfall erneut einspringt.

Und je öfter sich die Investoren auf die Fed verlassen, desto schwieriger werde es in den kommenden Krisen, effizient einzugreifen. Seine Einschätzung erinnert an die in Deutschland häufig zu hörende Kritik, die Europäische Zentralbank (EZB) erhalte mit billigem Geld „Zombie-Unternehmen“ am Leben.

Mehr: Bill Dudley: „Der Einfluss der Notenbanken ist begrenzt“. Lesen Sie hier das ganze Interview.

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Coronakrise: Bankenverbände fordern höhere Staatshaftung bei KfW-Notkrediten

Staatsbank KfW

Die deutschen Banken wollen, dass die KfW bei den Corona-Notkrediten noch mehr Risiken übernimmt.

(Foto: AP)

Frankfurt Seit Montag können Unternehmen, die durch die Coronakrise in Schwierigkeiten geraten, Sonderkredite bei der Staatsbank KfW beantragen. Der Ansturm der Firmenkunden auf die neuen KfW-Darlehen ist enorm. Die Geldhäuser …

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Europäische Zentralbank: Neuer Stil, neue Einigkeit: Wie Christine Lagarde sich in der Coronakrise bewährt

Christine Lagarde

Am 1. November 2019 trat die Französin die Nachfolge von Mario Draghi als EZB-Präsidentin an. Ein paar Monate später hat sie es mit einer Krise von historischem Ausmaß zu tun.

(Foto: dpa)

Frankfurt Christine Lagarde hat sich bereits als Krisenmanagerin bewährt. In ihrer Zeit als franzö …

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Marktturbulenzen: Goldman Sachs pumpt 1,9 Milliarden Dollar in Geldmarktfonds

Logo von Goldman Sachs

Die New Yorker Investmentbank pumpt wegen der Coronakrise Milliarden in Geldmarktfonds.

(Foto: Reuters)

Denver Investoren ziehen seit Wochen im großen Stil Mittel aus Geldmarktfonds ab. Goldman Sachs hat zwei seiner Fonds daher mit knapp 1,9 Milliarden Dollar an frischer Liquidität ausgestattet, wie aus Mitteilungen an …

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Coronakrise: Bank of England senkt erneut Zinsen und baut Anleihekaufprogramm aus

London

Szene vor der Bank of England

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Krise folgt die Bank of England dem Beispiel der Europäischen Zentralbank und weitet ihre geldpolitischen Maßnahmen aus.Sie senkte am Donnerstag in einer Sondersitzung den Leitzins um 0,15 Prozentpunkte auf 0,1 Prozent und kündigte eine Ausweitung …

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Geldpolitik: Welche Mittel gegen einen Abschwung der EZB noch bleiben

EZB-Zentrale in Frankfurt

Am 12. März trifft sich der Rat der europäischen Notenbank zur geldpolitischen Sitzung.



(Foto: dpa)

Frankfurt Die US-Notenbank Fed ist am Dienstag ihrem Ruf gerecht geworden, dass sie auf wirtschaftliche Entwicklungen besonders schnell reagiert. Mit der kräftigen Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt hat sie auf die Verunsicherung an den Finanzmärkten wegen der Coronavirus-Epidemie reagiert.

Damit ergibt sich auch für andere Notenbanken mehr Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik. Allen voran in den Schwellenländern hängt die eigene Geldpolitik stark von den USA ab. Niedrigere Zinsen in den USA bedeuten, dass auch dort die Notenbanken weiter die Zinsen senken können, ohne einen Verfall der eigenen Währung zu riskieren.

Auch der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) tagt in der kommenden Woche. Der Druck zu handeln hat sich erhöht. Die EZB hat mehrere Möglichkeiten, um auf eine Abschwächung der Wirtschaft zu reagieren.

1. Zinssenkung

Das klassische Instrument der EZB wäre eine weitere Zinssenkung. Allerdings liegt der aktuell entscheidende Einlagenzins im Euro-Raum bereits bei minus 0,5 Prozent. Im Vergleich zu den USA, wo der Zins nach der jüngsten Senkung bei 1,0 bis 1,25 Prozent liegt, hat die EZB also deutlich weniger Spielraum.

Für eine Zinssenkung spricht, dass dies den Euro tendenziell etwas schwächen würde. In den vergangenen zwei Wochen hat er im Vergleich zum Dollar aufgewertet. Zwar hatte er zuvor auch abgewertet. Doch besteht nun die Gefahr, dass der Euro nach der Zinssenkung in den USA abrupt aufwertet. Dies wäre in der aktuellen Phase schlecht für die Wirtschaft im Euro-Raum, weil dadurch eigene Exporte im Ausland teurer und damit weniger wettbewerbsfähig werden. Eine weitere Zinssenkung im Euro-Raum könnte hingegen den Aufwärtstrend des Euros bremsen.

Gegen eine weitere Zinssenkung spricht, dass es zunehmende Zweifel gibt, ob dies der Wirtschaft wirklich hilft. Viele Ökonomen glauben, dass ab einer bestimmten Grenze die negativen Effekte einer Zinssenkung schwerer wiegen als deren positive Impulse, etwa aufgrund von möglichen negativen Folgen für das Finanzsystem.

Wo diese Grenze liegt, ist aber sehr umstritten. Dass schädliche Nebenwirkungen der Minuszinsen der EZB zunehmend Sorgen bereiten, zeigt sich daran, dass sie im vergangenen Jahr einen Freibetrag für Einlagen der Banken eingeführt hat, die nicht den Minuszinsen unterliegen.

2. Gezielte Kredite

Ein weiteres Instrument sind günstige Langfristkredite für Banken (TLTROs). Die EZB hat 2019 eine neue Serie dieser Maßnahmen mit sieben Tranchen aufgelegt. Das neue Programm heißt TLTRO 3, die Abkürzung steht für „gezielte längerfristige Finanzierungen“. Wenn Banken bestimmte Kriterien bei der Kreditvergabe erfüllen, können sie sich über dieses Programm zum Einlagenzins von minus 0,5 Prozent Geld leihen. Die Kreditvergabe wird also mithilfe einer Prämie belohnt. Die EZB könnte die Konditionen solcher Kredite sogar noch attraktiver machen.


Oder sie legt weitere Kredithilfen auf, die sich speziell an Firmen richten, die besonders von der Krise betroffen sind. Dabei könnte die EZB den Geschäftsbanken zweckgebunden besonders günstige Kredite gewähren, damit die das Geld an diese Firmen weiterreichen. Allerdings würde dabei das mit der Weitergabe an Firmen verbundene Risiko bei den Geschäftsbanken bleiben. Dieses Risiko ist für die Geldhäuser schwer einzuschätzen. Um sie zur Kreditvergabe zu motivieren, wären daher eigentlich Bürgschaften nötig, die aber wohl nur von Regierungen kommen könnten.

3. Zusätzliche Anleihekäufe

Alternativ dazu kann die EZB auch ihre Anleihekäufe ausweiten. Seit November kauft sie für monatlich 20 Milliarden Euro zusätzliche Papiere, vor allem Staatsanleihen, aber auch Unternehmensbonds, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe. Zuvor hatte sie lediglich auslaufende Papiere aus ihrem Bestand ersetzt. Grundsätzlich könnte sie das monatliche Kaufvolumen ausweiten. Es gab schon Zeiten, in denen sie für monatlich 80 Milliarden Euro Wertpapiere gekauft hat. Das Problem ist allerdings, dass sie zunehmend an ihre selbst gesetzten Grenzen stößt.

Aktuell besagt die sogenannte emittentenbezogene Obergrenze (Issuer Limit), dass die EZB nicht mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes kaufen soll. Kritiker glauben, dass diese Grenze schon mit den aktuellen Käufen in diesem Jahr erreicht wird.

Daher müsste die EZB ihre selbst gesteckten Grenzen anheben, wenn sie die Anleihekäufe ausweiten will. Dies wäre gerade in Deutschland umstritten. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann beispielsweise hat vor allem gegen dieses Instrument Bedenken, weil es aus seiner Sicht die Grenze zur monetären Staatsfinanzierung verwischt.

In früheren Verhandlungen vor dem Bundesverfassungsgericht hatte der damals für Recht zuständige EZB-Direktor Yves Mersch betont, dass sich die Notenbank an diese Grenze halten will. Der Europäische Gerichtshof dagegen räumt der EZB großen Spielraum ein.

Mehr: Warum die Zinssenkung in den USA den Druck auf die EZB erhöht

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Geldpolitik: EZB ist sehr besorgt über Corona-Krise

EZB-Direktorin Isabel Schnabel

Laut Schnabel ist die EZB sehr beunruhigt über das Coronavirus.



(Foto: dpa)

London Die zunehmende Ausbreitung des Coronavirus beunruhigt auch die Europäische Zentralbank (EZB). „Wir alle sind sehr besorgt über das, was gegenwärtig im Hinblick auf die Ausbreitung des Coronavirus passiert“, sagte EZB-Direktorin Isabel Schnabel am Donnerstag auf einer Veranstaltung in London. Falls sich das Virus stärker in Europa festsetze, könne die Notenbank darüber nicht hinwegsehen.

Die Unsicherheit nehme in erheblichem Maße zu. Das gelte für die globalen Wachstumsaussichten, „aber natürlich auch für die Aussichten der Euro-Zone.“ Zuletzt nahmen an den Finanzmärkten die Spekulationen auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr deutlich zu.

Mittlerweile werden mehr Neuinfektionen aus Ländern außerhalb Chinas gemeldet als aus der Volksrepublik. In Europa ist Italien besonders betroffen. Das schürt die Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung. Zahlreiche Firmen haben bereits ihre Prognosen heruntergeschraubt. Für die Geldpolitik sind aus Sicht von Schnabel die möglichen mittelfristigen Folgen der Virus-Epidemie wichtig. „Und gegenwärtig ist das unklar“, fügte sie hinzu.

Auch aus Sicht des niederländischen Notenbankchefs Klaas Knot ist es zu früh, um die Auswirkungen abzuschätzen. Die Folgen seien aber gravierender als beim Sars-Virus. Die Atemwegserkrankung war 2002 ebenfalls in China ausgebrochen und hatte sich in anderen Ländern verbreitet. Damals war das Reich der Mitte aber noch nicht so stark in die globalen Lieferketten eingebunden wie heute.

Am Geldmarkt wird inzwischen fest damit gerechnet, dass die EZB ihren Einlagensatz bis zum Jahresende noch tiefer in den negativen Bereich senkt. Aktuell liegt der Satz bei minus 0,5 Prozent. Ein Minuszeichen bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank überschüssige Gelder parken.

„Die Wahrscheinlichkeit für eine Reaktion der EZB ist gestiegen“, sagte Florian Hense, Volkswirt bei der Berenberg Bank in London. Bisher sei die Notenbank von einem V-förmigen Verlauf der Krise ausgegangen, bei der auf einen wirtschaftlichen Dämpfer eine rasche Erholung folgt. Nach den jüngsten Informationen zu den Infektionen in Europa rücke die EZB aber etwas von dieser Erwartung ab.

Sie könne etwa ihren geldpolitischen Ausblick verstärken, Kredite noch günstiger gestalten oder auch die Zinsen noch tiefer senken. „Für die Zinssitzung Anfang März ist es dafür aber womöglich noch zu früh.“

Das Coronavirus trifft die Euro-Zone zu einer Zeit, in der die Wirtschaft ohnehin schwächelt. Im vierten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 19-Ländergemeinschaft gerade einmal um 0,1 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Investoren rechnen damit, dass die EZB ihren Einlagensatz bis zum Jahresende noch tiefer in den negativen Bereich herabsetzen werde.

Aus den Kursen der Zinsfutures geht hervor, dass eine Senkung des Satzes auf minus 0,6 von aktuell minus 0,5 Prozent erwartet wird. Ein Minuszeichen bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank überschüssiges Geld parken. Der Satz ist bereits seit 2014 negativ. Ihren Leitzins hält die EZB seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.


Mehr: Das ist die Schadensbilanz von Corona an den Märkten.

Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Konjunktur: Trübe Konjunkturaussichten bremsen Kreditvergabe aus

EZB-Zentrale in Frankfurt

Wegen der mageren Wachstumsperspektiven will die EZB an ihren extrem tiefen Leitzinsen vorerst festhalten.


(Foto: AP)

Frankfurt Angesichts der trüben Konjunkturaussichten ist die Kreditvergabe an Unternehmen im Euro-Raum zum Jahresstart ohne großen Schwung geblieben. Die Banken reichten im Januar lediglich 3,2 Prozent mehr Darlehen an Firmen aus als ein Jahr zuvor, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag mitteilte. Auch im Dezember hatte das Plus nur in dieser Höhe gelegen.

Noch im vergangenen Sommer waren Wachstumszahlen von rund vier Prozent erreicht worden. An die Privathaushalte vergaben die Institute im Januar dagegen 3,7 Prozent mehr Kredite als vor Jahresfrist. Das Plus ist damit einen Tick stärker als im Dezember.

Wegen der mageren Wachstumsperspektiven hat die EZB unter ihrer neuen Chefin Christine Lagarde in Aussicht gestellt, an ihren extrem tiefen Leitzinsen vorerst festzuhalten. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Banken mit Geld liegt schon seit längerem auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Seit November erwerben die Währungshüter zudem wieder in großen Stil Staatsanleihen und andere Wertpapiere.

Die schwächelnde Wirtschaft in Deutschland, Frankreich und Italien bremst das Wachstum in der Euro-Zone derzeit deutlich. Im vierten Quartal 2019 legte das Bruttoinlandsprodukt der 19-Länder-Gemeinschaft nur minimal um 0,1 Prozent zum Vormonat zu.

Die Geldmenge M3, die von den Währungshütern genau verfolgt wird, nahm im Januar um 5,2 Prozent zu. Volkswirte hatten mit einem Plus von 5,3 Prozent gerechnet. Zu der Messgröße gehören Bargeld, Einlagen auf Girokonten sowie Geldmarktpapiere und Schuldverschreibungen.

Mehr: Europäische Banken sollen Firmenkredite künftig mit mehr Kapital hinterlegen. Die Wirtschaft befürchtet Engpässe bei der Unternehmensfinanzierung.

Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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