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Neue Smartphone-Anbieter stoßen in die Huawei-Lücke

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Neue Smartphone-Anbieter stoßen in die Huawei-Lücke

Es sind unschöne Zahlen, die Huaweis Chefs derzeit nach Hause melden müssen. Sie haben dazu geführt, dass Deutschland ein rot leuchtender Fleck auf der Weltkarte in der Konzernzentrale in Shenzhen ist. Jahr um Jahr waren die Geschäfte des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei gewachsen. Nun geht der Verkauf dramatisch zurück. In Deutschland, einem der für das Unternehmen wichtigsten Märkte.

Das Unternehmen gibt sich noch verschlossen. Die Daten der Marktforscher aber sind eindeutig. Nach Zahlen des Umfrageinstituts GfK hat Huawei im sonst so erfolgreichen Weihnachtsquartal in Deutschland gut 16 Prozent weniger Marktgröße als im Vorjahreszeitraum.

Die Analysten von Canalys melden sogar ein Minus von 40 Prozent. Der Unterschied: GfK erhebt, was Huawei an Verbraucher verkauft, Canalys den Verkauf an den Handel. So oder so ist das für einen Hersteller, der die Weltherrschaft über den Markt der Smartphones anpeilt, eine Katastrophe. Viel tun kann er nicht.

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Huawei Mate 30 Pro

Da die US-Regierung ihren Unternehmen das Geschäft mit Huawei untersagt, laufen auf den neuesten Huawei-Smartphones Googles wichtigste Dienste nicht: Maps, YouTube und der Play Store. Auch Facebook, WhatsApp und Instagram können nicht genutzt werden. Die Sanktionen der USA, Folge eines Spionageverdachts, werden für Huawei jeden Tag problematischer.

Das Unternehmen kann zwar alte Telefone mit diesen Programmen verkaufen wie früher. Die neuen Smartphones aber sind ohne die notwendigen Softwarelizenzen von den US-Anbietern praktisch unverkäuflich. „Huawei kann sich vielleicht noch ein halbes Jahr mit seinen bisherigen Modellen durchhangeln und seine Modelle aggressiv bepreisen“, sagt Annette Zimmermann, Telekommunikationsexpertin beim Marktforscher Gartner. „Aber dann wird es eng.“ Das Huawei-Geschäft mit Smartphones, so die Erwartungen der Beobachter, steht vor dem Kollaps.

Platz für Neueinsteiger

Der Smartphone-Markt in Deutschland ist womöglich bald ein anderer. Viele Huawei-Nutzer dürften früher oder später zu Apple oder Samsung wechseln. Doch die Lücke, die Huawei aufreißt, eröffnet auch solchen Herstellern Möglichkeiten, von denen die Deutschen bisher noch nicht viel gehört haben. Sie heißen Oppo, Realme, Xiaomi, Vivo, Wiko, VinSmart, TCL und Carbon Mobile.

Sie drängen nun auf einen Markt, auf dem es viel Geld zu verteilen gibt. Nach einer Prognose des Digitalverbandes Bitkom werden die Deutschen in diesem Jahr fast 23 Millionen Smartphones kaufen – und dafür 12,3 Milliarden Euro ausgeben. „Huaweis Schwäche ist die große Chance für diese Angreifer“, sagt Eugen Ensinger, Telekommunikationsexperte beim Verbraucherportal Verivox.

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Smartphones

„Wir sind bereit, Marktanteile von anderen Herstellern wie Huawei und Honor zu übernehmen“, sagt Franko Fischer, Deutschland-Chef des Smartphone-Herstellers Wiko. Honor ist eine Schwestermarke von Huawei und kämpft mit den gleichen Problemen. Wiko bezeichnet sich zwar selbst als französischer Hersteller, gehört aber zur chinesischen Tinno Group.

Seinen Deutschlandsitz hat Wiko inzwischen – wie auch Huawei – in Düsseldorf. Die Stadt ist zum Lieblingsort für die hungrigen Neuen geworden. Xiaomi, Oppo und Vivo haben sich ebenfalls hier niedergelassen.

Hightech für niedrigere Preise

Huaweis Schwäche ist nur ein Grund, warum die neuen Hersteller nun nach Deutschland drängen. Sie sind inzwischen in der Lage, hochwertige Geräte zu bauen. Wer weniger als 250 Euro ausgeben will, bekommt bei ihnen Smartphones mit Mehrfachkamera, kräftigem Akku und fast randlosem Display im Großformat. Bei Apple und Samsung kann man dafür mehr als dreimal so viel bezahlen.

Manche Hersteller versuchen, auch in dieser Kategorie mitzuspielen. OnePlus ist mit seinen Modellen schon seit einigen Jahren vertreten, Carbon Mobile mit Sitz in Berlin steht kurz vor der Einführung eines Flaggschiffmodells. Nur weil die weltweit wichtigste Mobilfunkmesse MWC in Barcelona wegen des Coronavirus abgesagt wurde, haben viele Hersteller ihre Vorstellung verschoben.

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Eines wird sich vorerst nicht ändern: die Macht Chinas. Huawei ist ein chinesischer Hersteller, hinter den meisten neuen Marken stehen ebenfalls chinesische Mutterunternehmen. VinSmart, ein Hersteller aus Vietnam, ist eine der wenigen Ausnahmen.

Und so unbekannt die Namen in Deutschland sein mögen, in China sind sie längst etabliert. Hinter Oppo, Vivo, Realme und OnePlus steht der chinesische Elektronikriese BBK. Vivo, Oppo und Xiaomi gehören zu den fünf größten Smartphone-Marken in China. Modelle mit Bezeichnungen wie Nex, Reno und Redmi erreichen Kultstatus bei chinesischen Käufern.

Markt in China schrumpft

Doch China wird diesen Firmen allmählich zu klein. Der Markt dort schrumpft seit fast drei Jahren. Anders als Huawei bauen sie keine Mobilfunknetze und stehen bisher nicht im Rest der Welt unter Verdacht, im Auftrag der Regierung zu spionieren. Und noch sind sie zu klein, als dass sich ein US-Präsident Gedanken darüber machen würde, wie er amerikanischen Unternehmen Vorteile verschaffen könnte.

Zuletzt konnte nur Huawei in China gegen den Trend wachsen, denn chinesische Nutzer haben seit jeher keinen Zugriff auf Google- und Facebook. Alle anderen Hersteller verlieren Marktanteile. „Wir haben zuletzt gesehen, dass unser Wachstum außerhalb Chinas größer ist, daher forcieren wir jetzt unsere internationale Expansion“, sagt Oppo-Deutschlandchef Ni Zhang.

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Rebecca Hirst, head of UK product marketing of Samsung Electronics, unveils the Z Flip foldable smartphone during Samsung Galaxy Unpacked 2020 in San Francisco, California, U.S. February 11, 2020. REUTERS/Stephen Lam

Ein Selbstläufer wird es für die neuen Firmen dennoch nicht, schnell in den großen Märkten zu wachsen. „In Westeuropa wird etwa die Hälfte der Smartphones über die Mobilfunker verkauft“, sagt Gartner-Expertin Zimmermann. Huawei habe Jahre gebraucht, um sich zu etablieren.

Hersteller mit kleinen Marktanteilen und günstigen Smartphones schaffen es kaum in die Läden der Netzbetreiber. Gut möglich, dass preiswerte 5G-Smartphones die Wende bringen. Oppo-Chef Tony Chen hatte 2019 seinen Fünfjahresplan für Deutschland verkündet: 2024 wolle er einen Marktanteil von 15 Prozent haben. Wenn es so kommt, hätte er Huawei wohl überholt.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

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