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Serieller Wohnungsbau: Japans Hausbaukonzerne greifen global an

Tokio Normalerweise verkauft Yoshihiro Nakai in Japan Fertighäuser. Doch bei der amerikanischen Elektronikmesse CES stand der Präsident von Sekisui House, Japans größtem Hersteller von Eigenheimen, als Sprecher in Las Vegas auf der Bühne. Er stellte etwas vor, dass seine Firma für einmalig hält: ein Haus, das mit Sensoren kontaktlos die Atmung und den Puls seiner Bewohner misst.

„In-Home Early Detection Network“, kurz HED-Net, haben die Japaner ihr System getauft. Und Nakai erklärt, wie das Haus in der alternden Gesellschaft den Menschen helfen soll: „Wenn das System abnormales Verhalten entdeckt, das auf eine akute Krankheit hindeutet, wird ein Callcenter alarmiert.“

Das System ist der erste Schritt für das Konzept einer „Hausplattform“, das Sekisui House voriges Jahr auf der CES vorgestellt hat. Darunter verstehen die Japaner ein smartes, flexibles Haus, das die Daten der Bewohner erhebt und gleichzeitig leicht an neue Technik und Bedürfnisse der Bewohner angepasst werden kann. In diesem Monat kommt die erste Variante des Hauses in Japan auf den Markt.

Der Auftritt von Sekisui House ist kein Zufall. Er steht für einen neuen Trend in der großen japanischen Hausbau-Industrie, in der auch Konzerne wie der Autobauer Toyota und der Elektronikhersteller Panasonic prominent mitmischen. Während serieller Hausbau in Ländern wie Deutschland noch am Anfang steht, ist er in Japan längst fester Bestandteil des Wohnungsbaus. Die Japaner schreiten bei der Digitalisierung voran und expandieren nun verstärkt auf den internationalen Markt.

Den Vorsprung Japans erkennt etwa der japanische Architektur-Professor Masa Noguchi, der an der Melbourne-Universität lehrt: „Der Markt für Fertighäuser in Japan ist grundverschieden von dem in anderen Ländern.“ Das fängt bei der Größe an: Von den 905.000 Wohnungen, die in Japan 2019 fertiggestellt wurden, entstanden rund 140.000 Wohneinheiten in serieller Bauweise.

Zum Vergleich: In Deutschland wird die Zahl in den öffentlichen Statistiken noch nicht einmal ausgewiesen. Experten sprechen von einem verschwindend geringen Anteil. In Schweden dominierten zwar Fertighäuser den Markt, aber sie würden qualitativ nicht mit den Einzelanfertigungen mithalten, sagt Noguchi.

Technischer Vorsprung

Der Markt mit vorgefertigten Immobilien ist in Japan nicht nur groß. „Er ist auch technologisch innovativ“, sagt Noguchi. Einige Großkonzerne wie Toyota Home, Panasonic Homes, Sekisui House oder Daiwa House dominieren das Geschäft. „Sehr wichtig ist, dass viele Hausbaukonzerne eigene Forschungsabteilungen unterhalten und eigene Technik entwickeln“, erklärt Noguchi. Dabei geht es nicht nur darum, die Gebäude immer erdbebensicher zu machen. Sie entwickeln immer mehr vollvernetzte, autarke Häuser, die mit Solar- und Brennstoffzellen vor Ort den Energiebedarf des Hauses decken können.

Weil mit der alternden Gesellschaft die Zahl der Neubauten schrumpft, beginnen die japanischen Fertighaushersteller, ihre Technik zu exportieren. „Es ist für sie eine Sache des Überlebens“, sagt Noguchi.


Rowa Takeda, ein Manager der Planungsabteilung von Toyota Home, einer früheren Tochtergesellschaft des Autobauers Toyota, kann das bestätigen: „Alle Hersteller von Fertighäusern, einschließlich unseres Unternehmens, erneuern ihre Geschäftsportfolios und verlagern den Fokus von Wohn- auf Lager-, Gewerbe- und andere Nichtwohngebäude sowie auf Geschäfte im Ausland.“

Sekisui House, immerhin ein Konzern mit 20 Milliarden Euro Umsatz, ist bereits in Australien, Großbritannien und den USA aktiv. Über seine US-Tochter Woodside Homes bringt das Unternehmen dieses Jahr in Amerika ein Haus auf den Markt, das als besonders nachhaltig und widerstandsfähig gegen Naturkatastrophen beworben wird.

Dabei kämen Technologien zum Einsatz, „die ganz anders sind als alles, was die amerikanische Hausbauindustrie bisher verwendet hat“, meint der Konzern. So entwickelte das Unternehmen etwa eine Porzellan-Fassade, die für einen höheren Brandschutz sorgen soll.

Der Pionier der japanischen Fertighausindustrie, der Baukonzern Daiwa House, erzielt mit 2,1 Milliarden Euro rund sechs Prozent seines Umsatzes in Australien, China, den USA und Südostasien, wenn auch meist mit großen Wohnhochhausprojekten. Allerdings erwarben die Japaner im Januar 60 Prozent der Anteile an dem kalifornischen Immobilienentwickler und Hausbauer Trumark Companies, den das Unternehmen nun mit weiteren Investitionen ausbauen will.

Darüber hinaus ist gerade durch eine Großfusion ein dritter Fertigbauriese mit globalen Ambitionen entstanden. Der Autobauer Toyota und der Elektronikkonzern Panasonic legten ihre Hausbauer Toyota Home – zu dem seit 2017 Japans drittgrößte Fertighausmarke Misawa gehört – und Panasonic Homes (PanaHome) unter dem Dach der Holdinggesellschaft Prime Life Technologies (PLT) zusammen.

Hiroyuki Ariyama, Vorstand von PanaHome, lässt am Ehrgeiz der Japaner keinen Zweifel: Ziel von PLT sei es, vernetzte Städte zu schaffen, die Immobilien und Mobilität verbinden und so auf Trends wie sinkende Bevölkerungszahlen reagieren können.

Erste Smart Citys

Der Elektronikkonzern Panasonic hat bereits mit der „Fujisawa Sustainable Smart Town“ eine vollvernetzte Einfamilienhaussiedlung geschaffen, deren Häuser mit Brennstoff- und Solarzellen, Batterien, ausgeklügelten Energiemanagement- sowie Kontrollsystemen ausgestattet und vernetzt sind.

Doch das neu zusammengeschlossene Team ist auch Teil von Toyotas Mega-Projekt der „Woven City“. Mit ihr soll eine Kleinstadt mit Wohnblöcken, Einfamilienhäusern, autonomen Fahrdiensten, vielen Roboterhelfern und einer Datenplattform für die smarte Stadt entstehen.

Toyota preist das Projekt in Japan als Freilandlabor für das Leben und die Mobilität der Zukunft an. Aber die Technik soll auch im Ausland verwirklicht werden. Vorigen Monat gingen der Autobauer und Japans größter Telekommunikationskonzern NTT eine Kapitalallianz ein, um eine gemeinsame Smart-City-Plattform zu entwickeln.

NTT führt schon diverse Smart-City-Projekte auf der Welt durch. Und NTT-Chef Jun Sawada versprach nun: „Die Plattform wird sich von der Woven City überall auf der Welt verbreiten.“


Angesichts der gegenseitigen Kapitalbeteiligung in Höhe von je 1,7 Milliarden Euro glaubt Autoanalyst Takaki Nakanishi, dass dies nicht nur ferne Visionen sind. Er habe nicht erwartet, dass Toyota bei dem Smart-City-Projekt große Anstrengungen unternimmt. „Aber es ist überraschend, dass die beiden Unternehmen plötzlich eine Kapitalallianz in dieser Größenordnung eingehen“, so Nakanishi. „Das ist eine Entscheidung, mit vollem Tempo voranzupreschen.“

Nakanishi fragt sich sogar, ob das japanische Duo damit Google und chinesischen Konzernen im Smart-City-Markt Paroli bieten kann. Denn in NTT sieht er einen starken Partner für Toyota. Der neue Hausbaukonzern PLT kann hoffen, mit Toyota und NTT global zu expandieren.

Aufstieg in die Oberklasse

Der Aufbau von globalen Hausbaukonzernen wäre die Krönung einer langen Entwicklung, die 1959 begann. Damals brachte Daiwa House ein kleines Studienzimmer auf den Markt, das sich Hausbesitzer aufs Grundstück stellen konnten. Es folgten Schulen und Fertighäuser, erzählt Architekturprofessor Noguchi. Andere Hersteller folgten dem Trend.

In der Anfangszeit ging es darum, möglichst schnell und effizient preiswerten Wohnraum in den rasant wachsenden Megacitys Japans zu schaffen, egal, ob es sich um Wohnblocks oder Einfamilienhäuser handele. Zwischen 1950 und 1970 verdoppelte sich Tokios Bevölkerung nahezu auf 11,6 Millionen Menschen.

Ähnliches passierte mit anderen Metropolen wie Osaka, Yokohama und Nagoya. Insgesamt hat Japan 14 Millionenstädte. In Deutschland zählen nur Berlin, Hamburg, München und Köln in diese Kategorie.

Modell des Toyota-Megaprojekts „Woven City“

Labor für die smarte Stadt und die Mobilität der Zukunft vom dänischen Architekturbüro Bjarke Ingels Group.


(Foto: ddp/ZUMA)

Das Resultat des rasanten wie geplanten Wohnungsbaus war eine weitgehende Standardisierung von Grundrissen und auch wesentlicher „Bauteile“ einer Wohnung. Keine Mietwohnung wird ohne Einbauküche angeboten. Mieter müssen sich allenfalls einen Gasherd mit Fischgrill und einen Kühlschrank zulegen. Oft ist auch noch Platz für einen zusätzlichen Geschirrschrank.

Auch Badezimmer sind genormt, so etwa mit einer Duschzone vor der Badewanne, wo sich die Bewohner vor dem Bad säubern. Die Bauteile werden in Großserie gefertigt. Aufwendig handgeflieste Designs sind die absolute Ausnahme in Japan.

Zum Vergleich: Eine Typengenehmigung, die Standards für den seriellen Wohnungsbau vorsieht, wurde in Deutschland erst im vergangenen Jahr beschlossen. Nun muss sie noch von den Bundesländern in die jeweiligen Musterbauordnungen übernommen werden. Erst dann ist gewährleistet, dass ein und derselbe Bautyp auch in ganz Deutschland nur einmal genehmigt werden muss.

Heute versuchen sich die deutschen Produzenten vom Image zu befreien, unansehnliche Massenware zu liefern. Die japanischen Produzenten haben sich bereits in den 1970er-Jahren damit auseinandergesetzt. „Das Ergebnis war eine Innovation des Geschäftsmodells“, erklärt Architekturexperte Noguchi.

Massenware mit Optionen

Der Hersteller Mizawa entwickelte Module, aus denen die Kunden sich ihren Haustraum zusammenstellen konnten. Wie Lego. Genauso sahen viele Fertighäuser dann aus: eine Ansammlung von Quadern. Doch Mizawas Design- und Produktionssystem fiel dem amerikanischen Unternehmensberater Stanley Davis auf, der in den 1980er-Jahren den Begriff „Mass Customization“ prägte, also die individualisierte Massenproduktion.


Bei Toyota Home läuft die ein bisschen so ab wie eine Autoproduktion. Die Module bestehen aus großen Stahlgerüsten. Mit einem Kran werden sie in ein tiefes Zinkbad getaucht, um die Träger auf Jahrzehnte gegen Rost zu schützen. An weiteren Arbeitsstationen folgen Außen – und Innenausbau mit Isolierung, Verschalung, Strom- und Wasserleitungen, Fenstern, Steckdosen und Tapeten.

Allein die Marke Toyota Home baut so jährlich 6000 Wohneinheiten. Die Philosophie dabei ist ähnlich wie beim Autobau, erklärt Toyota-Manager Takeda. Durch kontrollierte Fertigung in der Fabrik könne hochpräzise Konstruktion, kurze Bauzeit, hohe Sicherheit gegen Erdbeben oder Feuer mit Wohnkomfort sowie langfristiger Garantie gewährleistet werden. Ein zusätzliches Argument ist der wachsende Bauarbeitermangel.

Das zahlt sich aus: Während der Markt mit schlichten Holzgerüsthäusern von kleinen, meist lokalen Bauunternehmen beherrscht wird, ist die Fertighausmethode für mittlere bis gehobene Häuser beliebt, berichtet der PanaHome-Vorstand Ariyama.

Weil Experten einen leichten, aber kontinuierlichen Rückgang der Fertigstellungen in Japan erwarten, erweitern die Hersteller ihre Geschäftsfelder. Bisher schon verdienten sie mit Beratungen, Inspektionen und regelmäßigen Wartungsarbeiten Geld. Nun ergänzen sie ihr Portfolio um Renovierungen, den Verkauf oder die Vermietung bestehender Häuser und Wohnungen.

Zwischen Krise und Chance

Da droht mit der Corona-Pandemie auch schon die nächste Herausforderung ihre Wachstumspläne zu erschüttern. Kurzfristig verzögert sie die Fertigstellung von Häusern, weil der Nachschub von Materialien aus China stockt. Der langfristige Einfluss ist noch offen.

Die Chance für die großen Hausbauer liegt in der Politik, die vor ein paar Jahren angefangen hat, langlebige Häuser zu fördern. Bisher wurden Einfamilienhäuser im Schnitt nach nicht einmal 30 Jahren abgerissen und neu aufgebaut.

Neuerdings sollen die Häuser nicht nur länger halten. Für den Klimaschutz sollen ab 2030 alle Neubauten sogenannte Null-Emissionshäuser werden, die so viel Energie erzeugen, wie sie verbrauchen.

Diese Häuser bieten die Fertighauskonzerne jetzt schon an. Sie denken daher schon einen Schritt weiter. Nakai will bei Sekisui House künftig Software und Dienstleistungen oder sogar Blockchain-basierte Mietwohnungsdienste integrieren.

Mit dem Rückgriff auf die Grundtechnik von Kryptowährungen könnten Dienste automatisiert sowie Wartungen und Transaktionen transparent in ein digitales Register eingetragen werden. „Forschung und Entwicklung und Innovation sind unser Wesen und unsere Gene“, bringt eine Managerin von Sekisui House das Selbstverständnis der japanischen Hausbau-Konzerne auf den Punkt.

Mehr: Wie deutsche Unternehmen seriellen Wohnungsbau vorantreiben.

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Immobilien: Wohnen in Istanbul: Immer für eine Überraschung gut

Blick über den Bosporus auf Istanbul

Die Stadt zählt offiziell 16 Millionen Einwohner – wahrscheinlich sind es viel mehr..


(Foto: Getty Images)

Istanbul Häufiges Händewaschen in Zeiten von Corona führt zu hohem Wasserverbrauch. Deswegen heißt es jetzt für die Bewohner Istanbuls wieder einmal: Wasservorräte anlegen. Man füllt Kanister auf, kauft Trinkwasser in 19-Liter-Fässern und gewöhnt sich ans Duschen mithilfe der Wasserflasche. Denn die städtische Gesellschaft für Wasserversorgung (Iski) stellt mal wieder das Wasser ab.

Am Montag traf es zwei Viertel in den Randbezirken Kücükcekmece und Sancaktepe, in der vorigen Woche waren drei Viertel Istanbuls für mehrere Stunden ohne Wasser. Am gestrigen Mittwoch traf es mein eigenes Viertel Galata, ohne Vorankündigung – eine der vielen Eigenarten der Metropole am Bosporus, mit denen ihre Bewohner leben müssen.

In den 1950er-Jahren hatte die Metropole am Bosporus gerade einmal so viele Einwohner wie München heutzutage. Inzwischen sind es mehr als 16 Millionen. Offiziell, denn viele Türken und ausländische Migranten sind nicht in der Stadt registriert.

In mehreren Zuzugswellen kamen Menschen in die Stadt, etwa in den 1960er-Jahren aus Anatolien. Seit 2015 wohnt schätzungsweise eine halbe Million Flüchtlinge aus Syrien am Bosporus. Sie alle brauchten Wohnraum – je schneller, desto besser.

Ich lebe seit 2017 in Istanbul, dieser aufregenden Stadt, die wirklich niemals schläft. Wer wie ich aus Deutschland an den Bosporus zieht, der sollte seine Vorstellungen vom europäischen Immobilienmarkt beiseitelegen.

In Istanbul findet man fast alles, aber selten das, was man von daheim gewohnt ist. In meiner Straße im Neustadtviertel Galata zum Beispiel gibt es hervorragend restaurierte Gebäude, mit Stuck an den Decken und herausgeputzten Fassaden – und mit Mietpreisen, die sich eine normale türkische Familie nie leisten könnte. Eine Ecke weiter stehen Häuser, bei denen der Putz von der Fassade bröckelt und an Wärmedämmung nicht zu denken ist.

Mein Wohnhaus liegt qualitativ irgendwo dazwischen. Das „Braunstein Apartmani“, wie das Haus nach einem jüdischen Geschäftsmann aus Konstantinopel heißt, hat ein opulentes, in modernen Gebäuden selten gewordenes Entree.

Doch für solche architektonischen Qualitäten haben die Bewohner wenig Sinn: Sie nutzen die Fläche als offenen Abstellraum, in der Ecke steht eine Kommode aus Kunstholz, in ihr sammelt der Hausmeister allerlei Müll. Die Stufen des Treppenhauses sind aus Marmor, doch der hat seine besten Tage längst hinter sich.


Die Eingangstüren zu den Wohnungen der ersten vier Stockwerke sind fast drei Meter hoch, werden jedoch nur selten benutzt und sind mit mehreren Zahlenschlössern versehen. Vor mehreren Jahrzehnten ließen die Besitzer neben den eindrucksvollen Portalen Wohnungstüren in Normalhöhe einbauen. Warum?, frage ich mich jeden Tag aufs Neue.

Leere Versprechen

Groß sind auch die Unterschiede beim Preis. Zwar liegt die durchschnittliche Miete in der Millionenstadt bei rund zwei Euro pro Quadratmeter. Doch dies sind nur Mittelwerte.

Die Spreizung ist groß und reicht von einfachsten Unterkünften, die für wenige hundert Lira vermietet werden, bis zu riesigen Apartments mit Bosporusblick und vergoldeten Wasserhähnen. Bei Letzteren wird die Miete meist in Dollar oder Euro abgerechnet, obwohl das verboten ist.

Überhaupt kaufen viele Türken lieber, als zu mieten. Das hat zwei Gründe. Einerseits war es früher Usus, dass der Bräutigam zunächst ein Eigenheim findet und erst dann die Braut zur Frau nimmt. Zweitens lag vor Jahren die Inflation um ein Vielfaches höher als heute, da schützte eine Immobilie besonders vor Vermögensverlust.

Viele Türken denken noch heute so. Doch inzwischen stagniert der Immobilienmarkt in Istanbul, die Preise sind zuletzt real sogar gesunken. Denn Kredite haben sich aufgrund der Währungskrise vor anderthalb Jahren stark verteuert. Die Käufe gingen zurück. Wer schon damals eine Immobilie sein Eigen nennen durfte, denkt seitdem seltener an einen Verkauf.

Trotzdem ist es üblich, die eigene Wohnung zu inserieren, einzig, um den Marktwert zu ermitteln. So erklärt sich das hohe Angebot auf den einschlägigen Portalen. Wohnungen zu suchen fällt daher in der Türkei leicht – eine geeignete Wohnung zu finden ist jedoch eine ganz andere Aufgabe.

Als ich im Frühjahr 2017 nach Wohnungen in Istanbul gesucht habe, musste ich über 20 Objekte besichtigen, bis ich meinen Favoriten gefunden hatte. Das lag weniger daran, dass ich überaus komplizierte Extrawünsche hatte – sondern eher an den leeren Versprechungen, die viele Inserenten gemacht hatten.

Einmal wollte ich zum Beispiel eine Wohnung besichtigen, die als möbliert inseriert worden war. Ich betrat eine leere Wohnung. „Wir können Ihnen Möbel besorgen, kein Problem, aber das kostet extra“, hieß es vom Makler.

Ein anderes Mal war eine Wohnung für 4000 Lira inseriert worden – damals knapp 1000 Euro warm. Bei der Besichtigung dann die Überraschung: Die Wohnung koste 4000 Euro, aber das Internetportal könne nur die türkische Lira als Währung anzeigen, hieß es zur Erklärung.


Diplomaten machen Preise

Der Wohnungsmarkt in Istanbul ist mindestens dreigeteilt. Im Zentrum findet man alte bürgerliche Viertel mit prachtvollen Gebäuden aus der Zeit der vorvergangenen Jahrhundertwende sowie windschiefen Holzhäusern aus einer Zeit, in der Istanbul noch Konstantinopel hieß.

Wer etwa im Stadtteil Beyoglu, in der historischen Altstadt oder in Moda auf der asiatischen Seite wohnt, der zahlt nicht für die Bausubstanz, sondern für die Lage und das Feeling, mitten in der Geschichte dieser jahrtausendealten Stadt zu leben. Mietpreise von bis zu 200 Lira pro Quadratmeter (rund 30 Euro) sind keine Seltenheit. Es zählt das Flair.

Straße im Bezirk Beyoglu

Enge Gassen, historische Bausubstanz, urbanes Leben.


(Foto: Moment Open/Getty Images)

Im Trendviertel Cihangir sind die Mieten in den vergangenen 15 Jahren extrem gestiegen. Das Viertel liegt zentral in der Nähe des Taksimplatzes und ist besonders bei Europäern beliebt.

Die Folge: Die Mietpreise haben europäisches Niveau und liegen teilweise sogar noch darüber. Das liegt auch an den vielen Diplomaten, die bei den ausländischen Generalkonsulaten im Viertel arbeiten.

Mancher Dienstherr spendiert bis zu 3000 Euro und mehr pro Monat für Mietzahlungen. Die Beamten selbst müssen nur einen Bruchteil davon selbst tragen. Das hat zu einer magischen Grenze von rund 4500 Euro Miete für schöne, große Wohnungen in der Istanbuler Innenstadt geführt. Und das muss nicht heißen, dass man dafür auch das Nonplusultra bekommt. Ein Bekannter von mir zahlte in etwa so viel für eine Wohnung ohne Bosporus-Blick, dafür mit Schimmel an den Wänden.

Eine Bleibe innerhalb der alten Stadtgrenzen ist nicht nur aus finanziellen Gründen längst nicht mehr der Traum aller Großstadttürken. Viele wollen lieber in einem der Wohntürme leben, die seit mehreren Jahrzehnten in den umliegenden Stadtteilen wie Besiktas, Sisli oder Bahcesehir entstanden sind.

Sichtschutz für Nachbarn

Die „Blok Apartmani“, wie diese Wohnhäuser genannt werden, sind simpel, aber zweckmäßig. Zentralheizung, Gasherd und dichte Fenster: allemal besser als das, was viele zugezogene Familien aus den anatolischen Dörfern kennen.

Die Preisspanne ist überschaubar, von wenigen Hundert Lira für eine 70 Quadratmeter große Wohnung in einem der mittleren Wohnviertel der Stadt, bis zu 6000 Lira für ein 100 Quadratmeter großes Apartment – wer Glück hat, wohnt so weit oben im Wohnturm, dass er den Bosporus sieht.


Auch hier gilt aber vorrangig: Die Lage bestimmt den Preis, weniger die Bauqualität. Wer näher zur U-Bahn wohnen will, zahlt drauf. Ebenso für einen Garten oder einen Ausblick auf die Stadt.

Neubauten im Bezirk Bahcesehir

Einfache, aber zweckmäßige „Blok Apartmani“.


(Foto: mauritius images / Blickwinkel / Alamy)

Wer es richtig dekadent mag, wohnt in einer „Site“ oder „Rezidans“, einem abgesperrten Gelände mit Apartmentwohnungen oder sogar Einfamilienhäusern. Hier wird es interessant, denn dort gelten eigene Gesetze. Nicht nur, dass private Angestellte den Müll rausbringen, eine Einlasskontrolle durchführen und in den ganz besonders luxuriösen Gegenden die Gärten pflegen.

Wer in Istanbul in einer „Site“ wohnt, der muss sich auch an gewisse Einrichtungsregeln halten, zumindest auf dem Balkon. Wäscheständer sind dort häufig ebenso wenig erlaubt wie allzu sichtbare Kühlelemente einer Klimaanlage.

Wer in der Wohnung Möbel zu nah an der Terrassentür platziert, muss damit rechnen, dass die Verwaltung einen Sichtschutz am Fenster verlangt – damit den anderen Anwohnern der grässliche Anblick auf die Rückwand des nachbarlichen Möbelstücks erspart bleibt.

Die Regeln einer solchen geschlossenen Siedlung sind meist in der „Site Yönetmenligi“ zusammengefasst, auf Deutsch „Siedlungsregulierung“. Viele Türkinnen und Türken glauben, diese Regulierung stehe über dem türkischen Gesetz – und meinen das nur halb im Scherz.

Auch bei den alltäglichen Wohnangelegenheiten gelten andere Regeln. Stichwort Nebenkosten: Strom, Gas und Wasser werden jeden Monat für die einzelnen Haushalte separat abgerechnet. Eine Regelung wie in vielen deutschen Gemeinden, wonach der Verbrauch anteilmäßig über die Hausgemeinschaft verteilt wird, gibt es in der Türkei nicht.

Viele Mieter haben außerdem keine Einzugsermächtigung an die großen Versorgungsbetriebe erteilt, weil sie nicht über ein regelmäßiges Einkommen verfügen oder kein Bankkonto besitzen. Sie müssen die Rechnung jeden Monat bezahlen.

Was für deutsche Unternehmen ein Albtraum wäre, ist in Istanbul Alltag. Die Versorgungsgesellschaften unterhalten deshalb über die ganze Stadt verteilt ihre Büros, etwa an den Fähranlegern der Stadt.

Aber auch jeder Bankautomat bietet die Möglichkeit, die Rechnung zu begleichen. Dazu muss man einfach seine Kundennummer eingeben, dann wird der Betrag vom Konto abgezogen. So überweisen übrigens viele Türkinnen und Türken auch das Geld für ihre Handyverträge oder Studiengebühren. Ein System, das in Deutschland seinesgleichen sucht.

Hausmeister obligatorisch

Zu den Nebenkosten zählt ein weiterer Posten, den man in Deutschland nicht findet: Aidat, auf Deutsch „Gebühren“. Darunter fällt das Honorar für den Hausmeister oder Pförtner (türkisch „Kapici“), der jedem Wohnhaus in Istanbul zugeordnet ist.

Der Kapici kümmert sich im besten Fall um alles, im schlimmsten Fall um gar nichts. In der Regel holt er einmal am Tag die Mülltüten ab, direkt an der Haustüre. Außerdem ist er für die wöchentliche Reinigung des Treppenhauses verantwortlich, gegen Extragebühr auch für Botengänge oder das Koffertragen.

Den Preis für seine Dienste legt der „Kapici“ selbst fest. In meinem Haus stieg die „Aidat“ seit meinem Einzug vor drei Jahren um 100 Prozent an, etwa doppelt so stark wie die Inflation in dem Zeitraum.

Mein Kapici Ali Bey lachte mich aus, als ich ihn zum ersten Mal fragte, warum in meinem Viertel einfach so das Wasser abgestellt werde. Er antwortete nur: „Istanbul’a hos geldin, evlat“ – herzlich willkommen in Istanbul, mein Sohn.

Mehr: Wohnen in der Schweiz: Atomschutzbunker inklusive. Lesen Sie hier mehr.

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Wohnungskonzern: Vonovia hält an Gewinnzielen fest

Vonovia

Der Wohnungskonzern schließt während der Coronakrise Mieterhöhungen bei laufenden Verträgen aus.

(Foto: dpa)

Berlin Der Wohnungskonzern hält trotz Coronakrise an seinen Gewinnzielen fest. Glücklicherweise gebe Vonovia seine Jahresziele immer mit einem gewissen Korridor an, sagte Vorstandschef Rolf Buch der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwochausgabe). „Deshalb halten …

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Büroanbieter: Der Corona-Schock wird zur Belastungsprobe für Coworking

WeWork-Büros in London

Die Büros haben zwar auch in Coronazeiten geöffnet, sind aber wie leergefegt.

(Foto: Bloomberg)

New York, London, Düsseldorf WeWork für den guten Zweck – mit dieser Initiative will der New Yorker Bürovermieter in diesen Tagen Sympathiepunkte sammeln. Gemeinnützige Organisationen und Unternehmen, die aktiv zur Bekämpfung der …

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Ado Properties und Adler Real Estate: In Deutschland entsteht ein neuer Wohnungsriese

Wohnhaus von Ado Properties in Berlin

Berliner Mietendeckel wird die Einnahmen schmälern.

(Foto: Ado Properties)

Frankfurt Mitten in der aktuellen Coronakrise schafft der Zusammenschluss zweier Gesellschaften das drittgrößte Unternehmen der Wohnungswirtschaft in Deutschland. Durch die Fusion der Ado Properties SA mit der Adler Real Estate AG entsteht …

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Coronakrise: Was der Ausfall von Großevents die Versicherer kostet – bisher

Coronavirus – Olympia Tokio

Keine Durchfahrt: Die Olympischen Sommerspiele Tokyo 2020 wurden für 2020 abgesagt. Die Kosten werden auch Versicherer zu tragen haben. Foto: Ramiro Agustin Vargas Tabares/ZUMA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

(Foto: dpa)

Frankfurt Thomas Bach hat lange gezögert – aber am Ende war der Druck zu stark. Der Chef des …

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Immobilien: Städte wollen Grundstücke horten

Berlin

Der Senat plant einen neuen Bodenfonds und will damit Flächen bevorraten.



(Foto: dpa)

Erfurt Der Mietendeckel ist Berlin noch nicht genug. Anfang der Woche verkündete der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) per Gastbeitrag in einer Zeitung, Grundstücksspekulationen mit einer Bodenwertzuwachssteuer zu belegen. Wer bei seinem Grundstück keinerlei Anteil an der Wertsteigerung habe, muss beim Verkauf drei Viertel des Zugewinns als Steuer an das Land abgeben.

Nur wenige Tage zuvor stellte das Senatoren-Duo Katrin Lompscher (Stadtentwicklung, Linke) und Matthias Kollatz (Finanzen, SPD) einen Bodenfonds vor zur „aktiven Grundstücksvorsorge“, um eine „strategische Reserve für künftige Generationen“ aufzubauen. Der Fonds soll zunächst 250 Millionen Euro umfassen, perspektivisch aber aufgestockt werden. Die Flächen sollen wichtige Aufgaben des Wohnungsneubaus und der Daseinsvorsorge auch nach 2030 erfüllen, also etwa mit Schulen bebaut werden.

Nachdem viele Großstädte Anfang des Jahrtausends Wohnungs- und Grundstücksbestände zur Sanierung ihrer Haushalte verkauften, entdecken sie nun in Zeiten angespannter Wohnungsmärkte die Bodenbevorratung für sich. Wie solche Modelle aussehen können, dass sie viel Geduld erfordern und gleichzeitig kein Garant für günstigen Wohnraum sein müssen, zeigen Städte, die diese Taktik schon länger verfolgen.

In den Metropolen mit mehr als 500 000 Einwohnern haben sich die Baulandpreise zwischen 2013 und 2018 verdoppelt. Bauland kostet dort im Schnitt 1 100 Euro. In München, dem Spitzenreiter bei den Grundstückspreisen, kostet Bauland gar 2 400 Euro pro Quadratmeter.
Immobilienexperten wie Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, begrüßen die Einführung eines Bodenfonds. Der Vorteil einer aktiven Bodenbevorratung liege vor allem darin, dass die Kommune mehr Einfluss auf den Grundstücksmarkt habe. „Sie kann dann dazu übergehen, nur noch eigene Flächen als Bauland auszuweisen. So wird Spekulation mit Grundstücken eingedämmt.“ Allerdings bedürfe es dafür Geduld, die über Jahre und Jahrzehnte andauern müsse.

Bei Projektentwicklern und Immobilienunternehmen stoßen Vorhaben, wie sie Berlin nun plant, auf wenig Gegenliebe. „Eine Bodenbevorratungspolitik, bei der Kommunen Grundflächen zu derzeitigen Höchstpreisen ankaufen, strategisch vorhalten und somit dem Grundstücksmarkt entziehen, lehnen wir ab“, sagt Andreas Ibel, Präsident des Bundesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen.

Kommunen versuchen über verschiedenste Wege, an Grundstücke zur Bebauung zu gelangen oder zumindest eine Bebauung anzustoßen. So sorgte im vergangenen Jahr Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) mit dem Baugebot für Schlagzeilen. Mit dessen Hilfe können Kommunen Eigentümer von lange Zeit ungenutzten Grundstücken zum Bauen verpflichten. Wie lang die Grundstücke vorher brachgelegen haben müssen, ist nicht klar geregelt. Einige der Grundstücke seien aber seit Jahrzehnten ungenutzt, hieß es zur Begründung.

Palmer hat die Eigentümer von 240 Grundstücken angeschrieben, für die das Baugebot in Betracht komme. Ein Drittel möchte nun bauen oder das Grundstück verkaufen. Ein weiteres Drittel lehnt das Baugebot ab. Der Rest hat um mehr Bedenkzeit gebeten oder nicht geantwortet, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Nur wenn ein Eigentümer nachweisen kann, dass ihm die Bebauung aus wirtschaftlichen Gründen nicht zuzumuten ist, kann er ablehnen. Kommt er dem Baugebot nicht nach, kann der Eigentümer sogar enteignet werden.

Wo Bodenbevorratung Tradition hat

In Ulm wurde schon vor 125 Jahren – gut 25 Jahre vor dem viel zitierten Wien – eine Bodenbevorratungspolitik etabliert. Seitdem kauft die Stadt landwirtschaftliche Flächen auf. Heute besitzt Ulm rund 4 500 Hektar an Flächen, was rund einem Drittel des kompletten Stadtgebiets entspricht. Ein Bebauungsplan für ein Gebiet wird erst dann erteilt, wenn die Stadt Eigentümer aller zusammenhängenden Flächen in diesem Gebiet ist. Den Verkaufspreis für das Bauland beschließt der Ulmer Gemeinderat und orientiert sich dabei am Bodenrichtwert.

„Für uns ist klar, dass es keine Ausschreibungen zu Höchstpreisen geben darf. Das ist tödlich für den Bodenmarkt“, sagt Ulrich Soldner, Leiter des Amts für Liegenschaften und Wirtschaftsentwicklung in Ulm. Mit den Einnahmen werden wieder neue Grundstücke gekauft. Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: „Möchte ein Eigentümer ein Grundstück, das er von der Stadt gekauft hat, verkaufen, ohne es bebaut zu haben, besitzt die Stadt ein Vorkaufsrecht“, erklärt Soldner. So soll Spekulation von Anfang an verhindert werden.


Ein Garant für Niedrigstpreise ist die Politik aber nicht. Eigentumswohnungen in Ulm kosten 3 700 Euro pro Quadratmeter, so viel wie in Berlin oder Köln. Karola Knauthe, Professorin für Immobilienrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, vermutet jedoch, dass die Preise ohne die Bodenbevorratung noch höher wären.

Volker Munk ist mit seinem gleichnamigen Unternehmen seit 35 Jahren am Ulmer Immobilienmarkt aktiv, seit 25 Jahren baut er. Das Ulmer Modell mache die Grundstücksvergabe insgesamt berechenbarer, sagt Munk. Zudem seien die Preise günstiger als am privaten Markt. Wird am privaten Markt eines der raren noch verfügbaren Grundstücke verkauft, koste dies bis zu 2000 Euro pro Quadratmeter. Bauland von der Stadt kostete zuletzt zwischen 300 und 800 Euro. Die Vergabe sei jüngst aber ins Stocken geraten, bemängelt Munk.

Vergabe per Startmiete

Aktive Bodenpolitik betreibt auch die Stadt Münster. Eigentumswohnungen verteuerten sich hier zwischen 2012 und 2019 von 2 200 Euro auf 3 700 Euro pro Quadratmeter. 2014 hat der Stadtrat ein Modell zur sozial gerechten Bodennutzung beschlossen. „Uns war klar: Wenn wir den Wohnungsmarkt allein dem freien Markt überlassen, kommt es zur Wohnraumverknappung, zu steigenden Mieten und einer Veränderung der Bevölkerungsstruktur zulasten niedriger Einkommen, das wollen wir nicht“, sagt Matthias Peck, Dezernent für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nachhaltigkeit in Münster.

Wollen private Eigentümer für ihr Grundstück Baurecht, müssen sie laut der Verordnung mindestens 50 Prozent an die Stadt verkaufen. Der Preis orientiert sich an den Bodenrichtwerten und berücksichtigt – zulasten des Verkäufers – die Erschließungskosten für das Grundstück.

Die Stadt hat sich verpflichtet, 60 Prozent der Wohnungen im Geschosswohnungsbau auf ihrem Teil des Grundstücks als sozial geförderten Wohnungsbau entstehen zu lassen. Hinzu kommt eine weitere Komponente: Investoren, die auf Grundstücken der Stadt bauen möchten, müssen Gebote auf eine Startmiete abgeben. Bislang sei dies bei zwei Projekten erfolgt. Investoren hätten die angestrebte Höchstmiete von 9,50 Euro pro Quadratmeter sogar unterboten. Den Zuschlag erhielt ein Gebot von 6,50 Euro. In die Berechnung fließen sowohl die Mieten im frei finanzierten als auch im geförderten Bereich ein.

Gerd Kropmanns leitet die Geschäfte für den bundesweiten Projektentwickler Wohnkompanie in Nordrhein-Westfalen. Auch in Münster würde er gern bauen, hat dort im Moment aber keine Projekte. „Ohne Förderung lassen sich die niedrigen Startmieten nicht wirtschaftlich umsetzen“, sagt er. Werden Sozialwohnungsquoten, wie auch in Münster, gefordert, müssten Projektentwickler dies über die frei finanzierten Wohnungen quersubventionieren. Peck betont, dass die Grundstücke per Festpreis vergeben werden, es darüber hinaus aber keine Subventionen der Stadt gebe.

Er räumt allerdings ein, dass die Mieten nicht auf Dauer garantiert werden können. Das würde einen unzulässigen Eingriff in das Mietrecht bedeuten. Ob sich das Modell durchsetzt, muss sich noch zeigen. „Das erste Projekt mit 60 Wohneinheiten ist nun seit gut einem Jahr fertig. Wir befinden uns noch im Versuchsstadium“, sagt er.

Mehr: Warum Berlin trotz Mietendeckel für langfristige Investoren attraktiv bleibt.

Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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US-Finanzinvestor: Für diesen britischen Studentenwohnheimbetreiber zahlt Blackstone 5,5 Milliarden Euro

Blackstone

Der US-Finanzinvestor ist im Bereich der Studentenwohnheime besonders umtriebig.



(Foto: Reuters)

London Der US-Finanzinvestor Blackstone kauft den britischen Betreiber von Studentenwohnheimen, IQ, für 4,66 Milliarden Pfund (5,54 Milliarden Euro) von Goldman Sachs und dem britischen Wellcome Trust. Die Transaktion sei der größte private Immobilien Deal in Großbritanniens, teilten Goldman und Wellcome mit. Der Deal muss von den Behörden noch genehmigt werden.

„Diese Akquisition ist eine Fortsetzung unserer Strategie, in hochwertige Vermögenswerte und Unternehmen in Großbritannien zu investieren, und ein Beweis für unser langfristiges Vertrauen in Großbritannien“, erklärte James Seppala, Blackstones Leiter für Immobilien in Europa, laut der Nachrichtenagentur Bloomberg.

IQ wurde 2006 mit Wellcome als einem der Gründungsinvestoren gestartet und fusionierte 2016 mit dem Studentenwohnheimgeschäft von Goldman Sachs. Das Unternehmen verwaltet mehr als 28.000 Betten in Großbritannien. Laut der Immobilienberatung Knight Frank ist Großbritannien der zweitgrößte Markt für Studentenunterkünfte außerhalb Nordamerikas. Das Volumen wird auf mehr als 50 Milliarden Pfund geschätzt.

Private-Equity-Unternehmen setzen stark auf Immobilien in Großbritannien. Deren Preise sind nach dem Brexit-Referendum Mitte 2016 hinter anderen westeuropäischen Märkten zurückgeblieben. Eine besonders beliebte Wette sind Studentenwohnheime, da es deutlich mehr Studierende als verfügbare Betten gibt. Zudem hatte die britische Regierung bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Anzahl internationaler Studenten um 30 Prozent zu erhöhen.

Blackstone ist in diesem Bereich besonders umtriebig: IQ ist bereits der dritte Betreiber von Studentenwohnheimen, in den der Vermögensverwalter seit 2006 investiert hat.

Auch in Deutschland wächst das Angebot an privatwirtschaftlich organisierten Studentenwohnungen. Aber: „Derartige Deals wie nun in Großbritannien sind nicht zu erwarten, da es bisher keine derart großen Portfolios gibt. In Summe werden sich durch die zunehmende Institutionalisierung aber mittelfristig größere Portfolios herausbilden“, sagt Konstantin Lüttge, Leiter des Wohninvestment-Bereichs bei CBRE in Deutschland.

Laut Daten des Immobiliendienstleister wurden hierzulande im gesamten Jahr 2019 studentische Apartments im Wert von knapp einer Milliarde Euro gehandelt. CBRE-Konkurrent Savills schätzt den Wert des gesamten Bestandes privater Studentenwohnanlagen in den 30 größten Städten auf 5,9 Milliarden Euro. Außerdem befinden sich Immobilien für 2,8 Milliarden Euro im Bau.


Mehr: US-Finanzinvestor Blackstone will niederländische Bank NIBC übernehmen.

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Wohnungsmarkt: WG-Mieten steigen weiter – und bieten Investoren neue Chancen

Wohnungsgesuche

Zu Semesterbeginn ist die Wohnungsnot unter Studenten am größten.



(Foto: dpa)

Frankfurt Bald wird es eng: An den deutschen Universitäten beginnt Anfang April das Sommersemester, und mit dem Studium für viele auch die Suche nach einer Bleibe. Einfach wird das meist nicht: Hoher Bewerberandrang und Schlange stehen bei der Wohnungsbesichtigung sind seit Jahren die Regel. Während die Mieten auf dem Wohnungsmarkt zuletzt stagnierten, ziehen sie bei den WG-Zimmern weiter stetig an. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Analysefirma Empirica.

Im Durchschnitt kostet ein Zimmer 397 Euro pro Monat und damit drei Prozent mehr als noch im vorangegangenen Wintersemester (384 Euro). Seit dem Sommersemester 2012, dem Beginn der Untersuchung, haben sich WG-Zimmer um knapp 40 Prozent verteuert. Für die Statistik hat Empirica mehrere Tausend Mietinserate auf über 100 Onlineplattformen für WG-Zimmer in 120 Städten ausgewertet. Die Preise stellen die Warmmieten für ein Zimmer dar, das zwischen zehn und 30 Quadratmeter groß ist.

Am stärksten sind die Mieten im Vergleich zum Wintersemester nicht in den teuersten, sondern mittelgroßen Städten gestiegen. In Essen kletterten die Preise um 13 Prozent, in Lübeck, Tübingen und Bayreuth jeweils um zehn. Die Entwicklung ähnele daher der am Mietmarkt, sagt Reiner Braun, Vorstandsvorsitzender von Empirica. „Während die Mieten in den Großstädten stagnieren, steigen sie im Umland und mittelgroßen Städten stärker.“ Bei Studentenzimmern könne das noch eher der Fall sein, da Studenten mobiler seien als beispielsweise Arbeitnehmer.

Am teuersten ist ein Zimmer in München. In der bayrischen Landeshauptstadt müssen Studenten 650 Euro berappen. In den zweitteuersten Städten Frankfurt, Stuttgart und Ludwigsburg kostet eine Studentenbleibe 500 Euro pro Monat. Am günstigsten wohnt es sich im Osten, konkret in Chemnitz (230 Euro), Magdeburg (260 Euro) und Greifswald (270 Euro).

Aber auch Mönchengladbach (290 Euro) oder Dortmund (310 Euro) sind vergleichsweise günstig. Für Berlin stellt die Untersuchung einen Mittelwert von 450 Euro pro Zimmer und Monat fest. Nun da der Mietendeckel gilt, müssten die Werte aber weit darunter fallen, sagt Braun.

Grafik

In Deutschland studieren 2,9 Millionen Menschen. Obwohl sich das Tempo zuletzt verlangsamt hat, steigt die Zahl weiter. Das erhöht auch den Druck auf die Wohnungsmärkte in den Hochschulstädten. Um Studenten zu entlasten, wurde der Wohnzuschlag beim BAföG zum Wintersemester um 30 Prozent auf maximal 325 Euro erhöht.

In vielen Städten reicht diese Summer aber nicht aus, um die Kosten zu decken, analysierte im Herbst bereits das Moses Mendelssohn Institut (MMI): Nur in 36 von 98 untersuchten Standorten könne der Wohnzuschlag die Zimmerkosten decken. Rund ein Drittel der Studenten wohnt dem MMI zufolge in WG-Zimmern, knapp vierzig Prozent haben eine eigene Wohnung. Ein Fünftel wohnt während des Studiums bei den Eltern.

Den umkämpften Markt in den Hochschulstädten haben längst Projektentwickler und Investoren für sich entdeckt. Studenten-Apartments sind unter Mikroapartments, also eine sehr kleine Einzimmerwohnung mit selten mehr als 32 Quadratmetern, eine eigene Assetklasse. Es gibt Fonds für institutionelle Investoren, die sich rein auf Mikro-Apartments spezialisieren, etwa von Catella, Commerz Real und Corestate.

Wie begehrt die Apartments sind, zeigt ein aktueller Deal: Blackstone kauft für 4,7 Milliarden Pfund (5,5 Milliarden Euro) den britischen Anbieter iQ, der 28.000 Betten verwaltet. Dies sei der größte private Immobiliendeal in Großbritannien, erklären die Verkäufer Goldman Sachs und Wellcome Trust.


Einen Markt gibt es für ihre Investments in diesem Bereich: Karsten Jungk, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Wüest Partner in Deutschland, erklärt, dass von den 262.000 Apartments für Studenten knapp 80.000 von privatwirtschaftlichen Trägern stammen. Es gebe durchaus Potenzial für 70.000 weitere.

Was sich in diesem Jahr für Immobilienbesitzer und Mieter ändert

Die Immobilienwirtschaft arbeitet bereits daran, dieses Potenzial auszuschöpfen. Allein 2017 und 2018 sind 14.600 neue Wohnplätze an den Markt gekommen, hat Savills analysiert. 2020 sollen weitere 8.700 folgen.

Anders als WG-Zimmer sind die privaten Studentenapartments meist in eigens dafür vorgesehenen Immobilien und nicht in klassischen Mehrfamilienhäusern untergebracht. Die Zimmer sind möbliert, meist mit eigenem Bad. Die Küche gehört in der Regel zu den Gemeinschaftsflächen in den Gebäuden. Wer dort mietet, kann keine Schnäppchen erwarten. Im Median kosten die Apartments rund 500 Euro im Monat. Gut ein Viertel des Privatbestands liegt bei mehr als 600 Euro im Monat.

Mehr: Erstmals seit 15 Jahren sinken die Mieten am deutschen Wohnungsmarkt.

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US-Finanzinvestor: Für diesen britischen Studentenwohnheimbetreiber zahlt Blackstone 5,5 Milliarden Euro

Blackstone

Der US-Finanzinvestor ist im Bereich der Studentenwohnheime besonders umtriebig.



(Foto: Reuters)

London Der US-Finanzinvestor Blackstone kauft den britischen Betreiber von Studentenwohnheimen, IQ, für 4,66 Milliarden Pfund (5,54 Milliarden Euro) von Goldman Sachs und dem britischen Wellcome Trust. Die Transaktion sei der größte private Immobilien Deal in Großbritanniens, teilten Goldman und Wellcome mit. Der Deal muss von den Behörden noch genehmigt werden.

„Diese Akquisition ist eine Fortsetzung unserer Strategie, in hochwertige Vermögenswerte und Unternehmen in Großbritannien zu investieren, und ein Beweis für unser langfristiges Vertrauen in Großbritannien“, erklärte James Seppala, Blackstones Leiter für Immobilien in Europa, laut der Nachrichtenagentur Bloomberg.

IQ wurde 2006 mit Wellcome als einem der Gründungsinvestoren gestartet und fusionierte 2016 mit dem Studentenwohnheimgeschäft von Goldman Sachs. Das Unternehmen verwaltet mehr als 28.000 Betten in Großbritannien. Laut der Immobilienberatung Knight Frank ist Großbritannien der zweitgrößte Markt für Studentenunterkünfte außerhalb Nordamerikas. Das Volumen wird auf mehr als 50 Milliarden Pfund geschätzt.

Private-Equity-Unternehmen setzen stark auf Immobilien in Großbritannien. Deren Preise sind nach dem Brexit-Referendum Mitte 2016 hinter anderen westeuropäischen Märkten zurückgeblieben. Eine besonders beliebte Wette sind Studentenwohnheime, da es deutlich mehr Studierende als verfügbare Betten gibt. Zudem hatte die britische Regierung bereits im vergangenen Jahr angekündigt, die Anzahl internationaler Studenten um 30 Prozent zu erhöhen.

Blackstone ist in diesem Bereich besonders umtriebig: IQ ist bereits der dritte Betreiber von Studentenwohnheimen, in den der Vermögensverwalter seit 2006 investiert hat.

Mehr: US-Finanzinvestor Blackstone will niederländische Bank NIBC übernehmen.

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