Posted on

US-Flugzeugbauer: Das größte Problem von Boeing ist nicht mehr die 737 Max

Boeing 737 Max

Das Unternehmen versucht, die Fehler der 737 Max zu beheben und sie wieder flugbereit zu machen.


(Foto: AP)

New York Eigentlich hat der US-Flugzeugbauer Boeing gleich mehrere gute Nachrichten zu seinem Problem-Flugzeug 737 Max zu vermelden: Nach einem sechsmonatigen Stopp läuft die Produktion wieder an. Die US-Flugaufsicht FAA hat erste Testflüge geflogen und der Airbus-Konkurrent hat sich diese Woche mit den meisten Opferfamilien des Lion-Air-Absturzes in Indonesien geeinigt.

Doch das größte Problem ist derzeit ein anderes: In der Coronakrise will keine Airline Flugzeuge kaufen – egal ob 737 Max oder andere Modelle.

Dabei hatte Boeing schon vor der Coronakrise genug Probleme: Seit den zwei Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien stehen die beliebten 737-Max-Maschinen weltweit am Boden. Im vergangenen Jahr hat der Flugzeugbauer zum ersten Mal seit 1997 einen Verlust geschrieben. Zum Jahresende musste auch der langjährige Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg gehen und David Calhoun Platz machen.

Unter Calhoun versucht das Unternehmen, die Fehler der 737 Max zu beheben und sie wieder flugbereit zu machen. Vergangene Woche hat die FAA gleich mehrere Testflüge absolviert, um die Sicherheit des in Verruf geratenen Modells zu testen, das ein US-Kongressabgeordneter als „fliegenden Sarg“ bezeichnet hatte.

Gegenüber Investoren hat Calhoun Ende April gesagt, dass das Unternehmen im dritten Quartal bereit sein werde, die 737 Max wieder auszuliefern. Dafür braucht Boeing noch die Genehmigung der Flugaufsicht. Aber vor allem braucht Boeing dafür Kunden – und die bleiben in Corona-Zeiten fern.

Mit dem Einbruch des Flugverkehrs sind auch die Aufträge für neue Flugzeuge eingebrochen. Erst diese Woche hat die irische Fluggesellschaft Avolon ihre 737-Max-Bestellung über 27 Maschinen storniert. Ende Juni hatte bereits Norwegian Air eine Bestellung von 97 Maschinen rückgängig gemacht und Schadensersatz gefordert.

Der Aktienkurs von Boeing ist seit Jahresbeginn um mehr als 45 Prozent eingebrochen. Der Analyst Myles Walton von UBS wies darauf hin, dass nach den Testflügen der FAA eine „extensive Post-Flug-Analyse“ folgt. Walton schätzt jedoch, dass die Max 737 im Oktober wieder fliegen könnte.

Diese Woche hat sich Boeing mit der Mehrzahl der Angehörigen der Opfer des Lion-Air-Absturzes in Indonesien auf Entschädigungen geeinigt. Wie das Unternehmen mitteilte, habe Boeing bei 171 von 189 Todesfällen mittlerweile Vergleiche erzielt. Zur Höhe der Entschädigungen oder sonstigen Details machte Boeing keine Angaben.


Die Lion-Air-Maschine war am 29. Oktober 2018 abgestürzt. Kurz nach dem Unglück in Indonesien stürzte eine weitere Boeing 737 Max in Äthiopien ab. Dabei kamen 157 Menschen ums Leben. Auch hier ist Boeing mit Klagen konfrontiert.

Parallel zu den Vergleichsverhandlungen bot Boeing den Angehörigen von Opfern der Flugzeugabstürze vor rund einem Jahr bereits Mittel aus einem 100 Millionen Dollar schweren Entschädigungsfonds an. Das Geld sollte auch betroffenen Gemeinden zugute kommen.

„Unser Unternehmen wird diese Zeit überstehen“, schrieb Calhoun jüngst in einer E-Mail an seine Mitarbeiter. „Unserer Portfolio von Produkten, Dienstleistungen und Technologie ist gut positioniert für den Aufschwung, der kommen wird“, hieß es weiter. In der gleichen Mail kündigte er den Abbau von rund zehn Prozent der Stellen an.

Mehr: Boeing kommt 737-Max-Wiederzulassung näher

Read More

Posted on

Deal mit Bombardier: Alstom ist für Zug-Fusion offenbar zu Zugeständnissen bereit


Alles hat seinen Preis,
besonders die Dinge,
die nichts kosten.

Art van Rheyn

Sie haben einen Adblocker aktiviert. Deshalb ist unsere Seite für Sie aktuell nicht erreichbar.

Leider verweigern Sie uns diese Einnahmen. Wenn Sie unser Angebot schätzen, schalten Sie bitte den Adblocker ab.

Danke für Ihr Verständnis,
Ihre Wiwo-Redaktion

Read More

Posted on

Elektromobilität: Stromstöße aus Niederbayern: BMW startet Tesla-Jagd

Oliver Zipse, Markus Söder

Der Vorstandsvorsitzende der BMW AG und der bayerische Ministerpräsident bei der Eröffnung der E-Antrieb-Produktion in Niederbayern.


(Foto: BMW Group)

Dingolfing Der Autohersteller BMW will den Wechsel zu Elektroantrieben beschleunigen. „Wir setzen Maßstäbe bei der Transformation unserer Industrie“, sagte BMW-Chef Oliver Zipse am Donnerstag bei der Eröffnung einer neuen Fertigung für Elektroantriebe im niederbayerischen Dingolfing. „Schlag auf Schlag“ werde der Konzern in den kommenden Jahren neue Elektromodelle auf den Markt bringen. 2025 soll jedes dritte in Europa verkaufte Auto der Münchener einen Elektro- oder Hybridantrieb haben, 2030 bereits die Hälfte. „Das kann sogar etwas konservativ sein“, so Zipse.

BMW war früh dran und hat 2013 mit dem i3 als erster deutscher Hersteller ein Stromauto in Serie gebracht. Trotzdem sind die Münchener dann schnell in die Defensive geraten, Tesla dominiert mit dem Model 3 das Geschäft mit reinen Elektroautos. Der Newcomer hat seine Startschwierigkeiten überwunden und will schon nächstes Jahr eine Fabrik in Grünheide bei Berlin eröffnen. Mittelfristig sollen dort 500.000 Elektroautos gebaut werden, die vor allem auf die Kunden von Audi, Mercedes und BMW abzielen.

An der Börse kommen die Pläne gut an: Mit einer Marktkapitalisierung von fast 210 Milliarden Dollar ist Tesla der teuerste Autohersteller der Welt – und mehr wert als BMW, Daimler und Volkswagen zusammen.

Was es nun braucht: neues Selbstverständnis und Selbstbewussten. Und wer eine volle Ladung Selbstbewusstsein braucht, der lädt Markus Söder ein. Mit breiter Brust steht der bayerische Ministerpräsident am Donnerstag im BMW-Werk Dingolfing auf der Bühne. „Bayern wird zu Recht immer wieder herausgefordert“, ruft Söder – das gelte auch mit Blick auf die Autoindustrie und ihre Transformation zur Elektromobilität. „Wir brauchen da aber keine amerikanischen Hersteller, das machen wir selbst“, doziert Söder. „Was Elon Musk in der Raumfahrt macht, ist wirklich allererste Klasse.“ Aber wenn es um den Autobau gehe, dann sei Deutschland noch „ein bisschen vorne“.

Bayern als Rückgrat der E-Auto-Produktion

Söder drückt im größten europäischen BMW-Werk gemeinsam mit Konzernchef Oliver Zipse den symbolischen Startknopf für die Serienproduktion von Elektroantrieben. Bis zu 500.000 Autos pro Jahr sollen von Dingolfing aus mit E-Motoren, Batteriemodulen und Leistungselektronik beliefert werden, 500 Millionen Euro gehen in diese Komponentenfertigung. Neben Hybridantrieben, die Verbrenner und Stromantriebe kombinieren, wollen die Münchener zunehmend reine Elektroautos bauen.

„Das geht jetzt Schlag auf Schlag“, sagt Zipse. Der BMW-Chef hat vor einem Jahr Harald Krüger abgelöst, dem mangelnder Biss in Richtung Tesla vorgeworfen wurde. Zipse hatte als Produktionschef die Strategie des schrittweisen Übergangs in die Elektromobilität mitgetragen.

Man habe alles „goldrichtig“ gemacht, indem man zunächst auf Plug-in Hybride gesetzt habe, die mittlerweile für die ganze Flotte erhältlich seien, erklärt Zipse in Dingolfing. Jetzt aber bereitet sich der Konzern auf die nächste Phase der Elektrifizierung vor. Bis 2030 soll die Hälfte der in Europa verkauften Autos Hybrid- oder Stromantrieb haben, „der dominierende Anteil werden reine E-Antriebe sein“, verspricht Zipse.

BMW schaltet ebenso wie Audi, Mercedes und Volkswagen nun einen Gang hoch. Produzierte BMW bislang nur den 2013 eingeführten „i3“ in Leipzig, soll ab jetzt Bayern das Rückgrat der E-Auto-Produktion sein. In München wird ab dem kommenden Jahr der „I4“ gebaut, eine elektrische Version der 3er-Reihe. In Dingolfing soll ebenfalls 2021 der „inext“ vom Band laufen, ein futuristisches Elektro-SUV mit der Fähigkeit, über weite Strecken autonom zu fahren.


2022 soll die 7er-Reihe in ihren leistungsstärksten Varianten auf Strombetrieb umgestellt werden, danach die 5er-Reihe. Alle neuen Elektroautos erhalten die jetzt in Dingolfing produzierten Komponenten der fünften Generation von Elektroantrieben, die Reichweiten von mehr als 500 Kilometern ermöglichen sollen. Werte, die der „i3“ nicht schaffte und deshalb gegenüber Tesla nie wirklich eine Chance hatte.

Den neuen Konkurrenten aus Kalifornien hatte man in München lange unterschätzt. Die BMW-Manager glaubten zwar früher als die Kollegen in Wolfsburg und Stuttgart an das Stromauto, hatten aber ihren eigenen Weg. 2013 startete in Leipzig die Produktion des „i3“. Um die noch überschaubare Reichweite von nicht einmal 200 Kilometern zu kompensieren, verpassten die Konstrukteure dem Auto eine Karosserie aus Kohlefaser.

BMW hat sich einst verzettelt

Das bisher vor allem im Flugzeugbau eingesetzte Material ist extrem leicht, aber auch kompliziert und teuer in der Herstellung. Eigens kaufte sich BMW-Großaktionärin Susanne Klatten beim Chemiekonzern SGL Carbon ein, um BMW die Technologie exklusiv zu sichern. Der damalige Vorstandsvorsitzende und heutige Aufsichtsratschef Norbert Reithofer sprach gar von einer „Revolution im Autobau“. „Nachhaltigkeit“ sei der rote Faden, an dem BMW sich künftig orientiere. Gut drei Milliarden Euro fraß die Entwicklung.

Doch das Projekt war zu kompliziert: Die Produktion des „i3“ war ein Solitär und mit keiner anderen BMW-Modellreihe kompatibel. Während Tesla auf die Weiterentwicklung der Batteriezellen setzte, verzettelte sich BMW beim „i3“ mit der Kohlefaser. Auch die Kunden fanden das Auto mäßig attraktiv, zudem fehlte es an Förderungen und Ladesäulen. Über 20.000 Autos pro Jahr kam BMW selten – bei einem Gesamtabsatz von rund 2,5 Millionen.

BMW-Studie „iNEXT“

Das Elektroauto ist eines von mehreren Modellen, die künftig Druck auf Marktführer Tesla ausüben sollen.


(Foto: BMW Group / Enes Kucevic)

Reithofers Nachfolger, Harald Krüger, und sein damaliger Produktionsvorstand Oliver Zipse legten den weiteren Ausbau der „i-Reihe“ auf Eis. Diesel und Plug-in-Hybride sollten den Vorzug bekommen, bis Kosten und Reichweiten der Batterien einen neuen Anlauf lohnten.

Die Einkommen stiegen, die Spritpreise blieben moderat. Nun puschte der Konzern die großen und schweren SUV-Modelle. Der X3 läuft mittlerweile in vier Fabriken, auf den X5 folgte 2019 der fünf Meter lange X7. Er ist zurzeit einer der größten Gewinnbringer im Konzern.

Die Zeit der Kohlefaser-Abenteuer war vorbei. Zipse setzte als Produktionsvorstand in der Elektromobilität einen Grundsatz durch: Künftig sollten alle neuen Modelle mit jedem Antrieb in jeder Fabrik gebaut werden können.

Der Vorteil: Als relativ kleiner Autobauer kann BMW so seine Produktionsstruktur erhalten und Risiken und Kosten der Elektromobilität besser in der Waage halten. Der Nachteil: BMW hat seinen zeitlichen Vorsprung an die Konkurrenz verloren. Das setzte Zipses Vorgänger unter Druck. Im Sommer 2019 verzichtete Harald Krüger auf eine weitere Amtszeit und räumte seinen Stuhl.

Deutsche Wettbewerber auf dem falschen Fuß erwischt

Zipse übernahm im August vergangenen Jahres. Einen grundsätzlich neuen Kurs will er nicht, die Umsetzung der bisherigen Strategie sei aber nicht immer „präzise“ gewesen, erklärte er nach seinem Amtsantritt. Das gilt auch mit Blick auf den neuen Rivalen aus Kalifornien. Als Zipse im November 2019 in Berlin bei der Verleihung des „Goldenen Lenkrads“ auf Elon Musk traf, riss der Tesla-Chef die Show an sich. Musk verkündete den Bau einer Tesla-Fabrik in Grünheide. Südlich von Berlin will Tesla bis zu 500.000 Stromautos pro Jahr produzieren – eine Kampfansage an die deutsche Konkurrenz.

Die ist auf die Attacke vor ihrer Haustür nicht wirklich vorbereitet. So haben Daimler, Audi und Porsche ihre neuen Elektroautos auf dem Markt. Doch der Audi-Etron und der Mercedes EQC sind umgebaute Verbrenner, die beim Publikum mäßig ankommen. Knapp ein Jahr nach Bestellstart wurden in Deutschland nicht einmal 700 Exemplare neu zugelassen. Der Audi-Etron verkaufte sich hierzulande immerhin 4500- mal.


Auch BMW will mit dem in China gebauten ix3 einen Verbrenner noch in diesem Jahr zum Elektro-SUV umrüsten. Doch nach den schwachen Verkäufen der Konkurrenz sind die Erwartungen an den China-Stromer bescheiden. Vor allem auf dem US-Markt haben solche Angebote kaum eine Chance, sagt ein hoher deutscher Automanager.

Nun setzt BMW alles auf die neuen Elektromodelle. Der im März vorgestellte „i4“ kann es mit Blick auf Reichweite und Leistungsfähigkeit mit dem „Model 3“ von Tesla aufnehmen. Der „inext“ soll zusätzlich mit der Fähigkeit glänzen, über weite Strecken autonom fahren zu können.

Als bislang einziger deutscher Hersteller sei man zudem wie Tesla in der Lage, „jeden einzelnen Programmcode“ der Software über das Internet upzudaten, sagen die BMW-Manager. Zurzeit läuft ein Update für rund eine halbe Million Autos. Hier sieht sich Zipse mindestens auf Augenhöhe mit Tesla.

„FC Bayern der Wirtschaft“

Dennoch sieht Andreas Radics, geschäftsführender Partner bei Berylls Strategy Advisors, BMW in der Defensive. „Tesla liegt heute klar vorn. Dabei gehörten die deutschen Autokonzerne zu den E-Auto-Pionieren, unter anderem der BMW i3 ist ein Beleg dafür“, so Radics. „Leider haben sie den ersten Trend zur E-Mobilität weitgehend an sich vorbeiziehen lassen. Jetzt läuft die Aufholjagd, und das Rennen ist für die Fast-Follower noch offen.“

Das gilt auch für die Strategie, Elektroautos und Verbrenner auf einer Fertigungslinie zu bauen. Anders als Tesla und VW, die auf reine Fertigungen ausschließlich für Elektroautos setzen, will BMW flexibel bleiben. „Eine Mischproduktion verschiedener Antriebsformen auf einer Linie ist bei geringen Stückzahlen durchaus sinnvoll. Sie erlaubt eine schnelle Reaktion auf Kundenwünsche, denn steigt das Interesse an reinen Elektroautos, kann deren Produktionsmenge vergrößert werden, während gleichzeitig die Einheiten der konventionellen Modelle zurückgefahren werden“, sagt Radics.

Das Rennen zwischen BMW, den deutschen Rivalen und Tesla bleibt offen. Sicher ist: Am Selbstbewusstsein von Markus Söder mangelt es nicht. „BMW“, so sagt der bayerische Ministerpräsident, „ist doch der FC Bayern der Wirtschaft.“

Mehr: BMW beschließt den Abbau von 6000 Stellen.

Read More

Posted on

Russischer Rohstoffkonzern: Nach Ölpest in der Arktis: Erneuter Umweltskandal bei Norilsk Nickel

Demontage der Abwasserleitung

Zum zweiten Mal innerhalb eines Monats wird ein Umweltskandal bei dem russischen Rohstoffkonzern bekannt.


(Foto: AP)

Moskau Mit hohem Druck entladen sich die zwei dicken Abwasserrohre am Abhang. Die Flüssigkeit, die herausspritzt, bildet ein kleines Flüsschen, das schäumend und stinkend seinen Weg ins Tal nimmt und schließlich in einen kleinen See mündet. „Wir haben vergilbte Lärchen entlang des Flüsschens gesehen, das sich schon ein eigenes Bett geschlagen hatte, wir haben einen toten See gesehen, in den sich das Flüsschen ergoss. Stangen, die aus dem Wasser ragten und einst Bäume waren“, beschreiben zwei Journalisten der kremlkritischen „Nowaja Gaseta“ die Szenerie.

Zusammen mit Greenpeace-Aktivisten und einem örtlichen Umweltschützer hatten sie den illegalen Abwasserablass in der Tundra entdeckt. Dort, im hohen Norden Russlands, kurz vor der arktisch kalten sibirischen Taimyr und weit jenseits des Polarkreises liegt die nördlichste Großstadt der Welt: Norilsk. Das Wasser stammt ursprünglich aus einem Absetzbecken der Aufbereitungsfabrik Talnach, einer Tochterfirma des Buntmetallproduzenten Norilsk Nickel.

In dieser Aufbereitungsfabrik werden die in den Bergwerken geförderten Kupfer- und Nickelbestände von Resten gereinigt. Dementsprechend giftig sind die Schwermetallrückstände in dem Absetzbecken.

Die Umweltschützer benachrichtigten die Behörden. Vor diesen tauchten aber Sicherheitsdienst und Mitarbeiter von Norilsk Nickel am Tatort auf. Nachdem sie vergeblich versucht hatten, die Umweltschützer zu vertreiben, bauten sie eilig die Pumpstation und die Rohre ab. Im Eifer des Gefechts beschädigten sie dabei ein Fahrzeug der schließlich ebenfalls eingetroffenen Polizei.

Die Katastrophenschutzbehörde schätzt die Menge der abgeflossenen Abwässer auf 5000 bis 6000 Kubikmeter. Das entspricht mehr als zwei olympischen Schwimmbecken. Der Konzern gestand das Abpumpen bereits ein, sprach allerdings von einer erzwungenen Maßnahme, da durch starke Regenfälle ein Überlaufen des Beckens gedroht habe.

Rückendeckung bekam der Konzern von der Chefin der russischen Umweltaufsichtsbehörde, Swetlana Radionowa. Ihren Angaben nach wurde das Wasser abgelassen, „um eine Notfallsituation zu vermeiden“. Die Ermittlungsbehörden haben trotzdem die Untersuchungen aufgenommen.

Damit wächst der Druck auf Norilsk Nickel. Der Konzern war bereits Ende Mai in die Schlagzeilen geraten, als ein Brennstofflager einer anderen Tochtergesellschaft leckschlug. Der Tank war auf Stützen befestigt, die überraschend im Permafrostboden eingesunken waren. Rund 21.000 Tonnen Diesel flossen damals in den Boden und verseuchten Grundwasser und die nahe gelegenen Flüsse.

Eine der größten Ölkatastrophen in der Geschichte Russlands rief sogar Russlands Präsident Wladimir Putin auf den Plan. Der Kremlchef drohte mit strafrechtlichen Folgen für die Verantwortlichen, weil der Katastrophenschutz erst zwei Tage später aktiv wurde und sich Mitarbeiter des Konzerns und Beamte gegenseitig die Schuld für die späte Reaktion zuschoben.


Inhaber kam glimpflich davon

Wladimir Potanin, der Besitzer von Norilsk Nickel und laut „Forbes“ mit einem Vermögen von 19,7 Milliarden Dollar reichster Mann Russlands, kam hingegen einige Tage später mit einem leichten Tadel davon: Auf Potanins eifrige Versicherung, dass sein Konzern die geschätzten 130 Millionen Euro Kosten für Liquidierung der Umweltkatastrophe auf sich nehmen werde, belehrte ihn der Kremlchef nur, dass ein rechtzeitiges Auswechseln des Tanklagers deutlich billiger geworden wäre.

Die Arktis gilt als eine Herzensangelegenheit Putins. Russland erhebt Gebietsansprüche auf große Teile der Region, darunter auch den Nordpol, will die dortigen Rohstoffe ausbeuten und hat bereits Militär in der Arktis stationiert. Zugleich hat sich Putin aber auch öffentlichkeitswirksam mehrfach für den Schutz des hochsensiblen Ökosystems ausgesprochen.

Umweltschützer warnten damals vor möglicherweise jahrzehntelang andauernden Schäden. Auch der jetzige Abwasserskandal sei nicht zu liquidieren und werde noch jahrelange Folgen für die Arktis haben, warnte Greenpeace-Projektdirektor Wladimir Tschiprow.

Für Norilsk Nickel reißen die schlechten Nachrichten damit nicht ab. Gleichzeitig wurde bekannt, dass auch noch eine Müllhalde mit Industrieabfällen in dem vom Konzern kontrollierten Gebiet brennt. An der Börse verloren die Papiere am Montag mehr als drei Prozent. Seit Mitte Mai haben die Aktien rund 20 Prozent an Wert verloren.

Zwar ist das Unternehmen eigentlich gut für die Zukunft aufgestellt: Von der Umstellung auf Elektrofahrzeuge würde der Konzern mit seiner Palladium- und Platin-Produktion profitieren. Doch die Gefahr steigt, dass der Konzern nun erhebliche Strafen wegen seiner laxen Umweltpolitik zahlen muss.

Mehr: Erst vor wenigen Wochen war eine Tochterfirma von Norilsk Nickel wegen einer Leckage in einem Brennstofflager in die Kritik geraten.

Read More

Posted on

Autonomes Fahren: Amazon übernimmt Roboterauto-Start-up Zoox

Zoox

Das Start-up entwickelt Roboterautos und stand zuletzt zum Verkauf.


(Foto: Bloomberg)

Seattle Amazon steigt mit der Übernahme des Roboterwagen-Entwicklers Zoox ins Geschäft mit selbstfahrenden Autos ein. Die Unternehmen gaben am Freitag eine Kaufvereinbarung bekannt, ohne Angaben zu den finanziellen Details zu machen. Laut US-Medienberichten zahlt Amazon über eine Milliarde Dollar.

Zoox ist eines von vielen Start-ups, die an Technik und Software für autonomes Fahren arbeiten. Das Ziel der 2014 gegründeten Firma ist es, eine Robotaxi-Flotte aufzubauen.

Amazon investierte bereits in den Zoox-Konkurrenten Aurora. Der weltgrößte Online-Händler könnte von solcher Technik für zukünftige Lieferwagen profitieren.

Read More

Posted on

E-Autobauer: Tesla plant wohl Batteriefertigung im eigenen Werk in Fremont

Tesla

Der E-Autobauer stellt derzeit in der Giga-Fabrik in Nevada Batterien in Zusammenarbeit mit Panasonic her.



(Foto: Reuters)

Seoul Tesla-Chef Elon Musk treibt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters den Bau einer Batterieforschungs- und -produktionsanlage in Kalifornien voran. Mit dem Projekt unter dem Namen „Roadrunner“ will der US-Elektrofahrzeughersteller nach einem Ausbau seines Werks in Fremont eigene Autobatterien herstellen. Das geht aus einem Dokument der Stadtregierung hervor, das Reuters am Mittwoch einsehen konnte. Einschließlich der Installation aller Fertigungsanlagen könnte der Bau gemäß dem Antrag in etwa drei Monaten abgeschlossen sein.

In dem Werk würden dann insgesamt 470 Beschäftigte angestellt sein, davon 400 „im Schichtbetrieb, so dass 100 Mitarbeiter rund um die Uhr in der Fertigung und in der Produktion arbeiten“, heißt es weiter. Tesla reagierte nicht sofort auf eine Reuters-Anfrage zur Stellungnahme.

Anfang der Woche hatte Konzernchef Musk zu einem sogenannten „Battery Day“, einem Rundgang durch das Werk in Fremont, für den 15. September eingeladen. Tesla stellt derzeit in der Giga-Fabrik in Nevada Batterien in Zusammenarbeit mit Panasonic her. Auch Südkoreas LG Chem und Chinas Contemporary Amperex Technology produzieren die teuerste Komponente der Elektrofahrzeuge für den E-Auto-Pionier.

Mehr: Fünf Lehren aus dem Börsenerfolg von Tesla. Ein Kommentar.

Read More

Posted on

Illegale Abgastechnik: Daimler muss 170.000 weitere Dieselfahrzeuge zurückrufen

Mercedes-Logo

Hunderttausende Fahrzeuge sind von dem Vorwurf einer illegalen Abgastechnik betroffen.



(Foto: dpa)

Stuttgart Der Autobauer Daimler muss rund 170.000 weitere Diesel-Fahrzeuge wegen des Vorwurfs einer illegalen Abgastechnik zurückrufen. Betroffen seien ältere Modelle der A-, B-, C-, E- und S-Klasse von Mercedes-Benz mit der Abgasnorm Euro 5, davon etwa 60.000 in Deutschland, sagte ein Sprecher am Freitag.

Das Kraftfahrt-Bundesamt habe einen bereits im vergangenen Jahr erlassenen Rückrufbescheid, der sich auf den Geländewagen GLK bezog, um weitere Baureihen ergänzt. Die betroffenen Fahrzeuge würden spätestens seit Mitte 2014 nicht mehr produziert.

Daimler betonte, man kooperiere weiterhin mit den Behörden, werde aber auch gegen diesen Ergänzungsbescheid Widerspruch einlegen. Das Kraftfahrt-Bundesamt stuft die in den Fahrzeugen verwendete Technik als illegale Abschalteinrichtung ein. Daimler hält sie für zulässig.

Der Konzern hatte schon nach dem GLK-Rückruf vor einem Jahr betont, dass die beanstandete Technik noch in vielen weiteren Modellen stecke, die untersucht würden, und daher weitere Rückrufe zu erwarten seien. Es gehe daher auch jetzt um keinen neuen Sachverhalt. Mit einer zusätzlichen Belastung des Ergebnisses in der Bilanz durch die weiteren Rückrufe rechne man ebenfalls nicht.

Mit dem nun erweiterten Bescheid wächst die Zahl der Autos und Vans, die Daimler wegen des Vorwurfs einer illegalen Abschalteinrichtung zurückrufen musste oder muss, nach Konzernangaben auf mehr als 1,4 Millionen, davon etwa 580.000 in Deutschland.

Mehr: Im Rennen um die Marktführerschaft bei Elektroautos fallen die deutschen Hersteller immer weiter zurück. Der kalifornische Rivale Tesla ist mittlerweile mehr wert als VW, BMW und Daimler zusammen.

Read More

Posted on

Mietwagen: Hertz, Avis, Enterprise – Autovermieter geraten in Existenznöte

Hertz

Größter Investor des Autovermieters ist Carl Icahn.


(Foto: Bloomberg)

New York „Suchen Sie sich einen aus!“, sagt die freundliche Dame von der Autovermietung Enterprise in Washington und zeigt auf den Platz vor dem Gebäude, wo sich Auto an Auto reiht. Vom Audi A5 über den Jeep bis zum Ford Pick-up ist alles zu haben. Und das, obwohl der billigste Tarif gebucht ist.

Die Mitarbeiter von Enterprise waren so erstaunt, dass überhaupt jemand in Coronazeiten ein Auto buchen will, dass sie am Vortag telefonisch nachfragten. Sie wollten sicher gehen, dass es sich bei der Buchung nicht um einen Fehler handelte.

Die US-Autovermieter stecken in einer tiefen Krise. Weil wegen der Coronakrise die meisten Reisen ausfallen, ist ihre Geschäftsgrundlage weggebrochen. Mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes machen die Car Rentals normalerweise an den Flughäfen. Doch dort landen nur noch wenige Maschinen. Die Parkplätze sind voll, die Autos verlieren an Wert.

Hertz hat am Dienstag in letzter Minute seine Gläubiger besänftigen können. Enterprise entlässt 2000 Mitarbeiter. Avis hat diese Woche einen dreistelligen Millionenverlust vorgelegt und erwartet, dass der Umsatz im April und Mai um 80 Prozent einbrechen wird. „Das zweite Quartal wird sicher das schwierigste in der Geschichte der Autovermieter“, sagt der Deutsche-Bank-Analyst Chris Woronka.

Auf Staatshilfen können die US-Autovermieter – anders als ihr europäischer Konkurrent Europcar – nicht zählen. Das kann auch daran liegen, dass hinter den drei großen Anbietern Hertz, Avis und Enterprise finanzmächtige Investoren stehen: Das in Florida beheimatete Unternehmen Hertz gehört zu 39 Prozent Carl Icahn, dessen Vermögen auf 18 Milliarden Dollar geschätzt wird. Icahn war 2014 nach einem Bilanzskandal eingestiegen. In diesem Jahr brach der Aktienkurs um 82 Prozent ein.

Hinter Branchenprimus Enterprise steht die milliardenschwere Tyler-Familie aus Missouri. Zu Enterprise gehören auch die Marken Alamo und National Car Rental. Avis’ größter Aktionär wiederum ist der Hedge Fund SRS Investment, der knapp 15 Prozent des börsennotierten Unternehmens mit Sitz in New Jersey hält.

Hertz in Schwierigkeiten

Keiner dieser Besitzer dürfte als hilfsbedürftig gelten. Die US-Regierung weiß: Würde sie diese Unternehmen mit Steuergeldern retten, würde die Kritik nur so auf sie niederprasseln. Hinzu kommt, dass die Lage nicht bei allen gleich bedrohlich ist.

Das von Icahn mitbestimmte Unternehmen Hertz steht am schlechtesten da. Es war schon vor der Coronakrise in Schwierigkeiten, weil es auf hohen Schulden saß: Hertz braucht rund 17 Milliarden, um seine Verbindlichkeiten zu bedienen: 3,7 Milliarden Dollar in Anleihen und 13,4 Milliarden Kredite, die durch Fahrzeuge abgesichert sind.


Diese Woche haben die Gläubiger in letzter Minute die Frist für ihre Forderungen bis zum 22. Mai verlängert. Damit haben sie verhindert, dass Hertz den Gläubigerschutz unter dem amerikanischen Chapter 11 sucht. Dieses Instrument dient dazu, dass sich die Unternehmen restrukturieren können, ohne die Gläubiger bedienen zu müssen.

Bei Avis sieht die Lage zwar im Moment auch düster aus. Das Unternehmen rechnet im zweiten Quartal damit, 800 Millionen Dollar zu verbrennen. Aber das Management teilte am Montag mit, dass die Liquidität bis zum Ende des Jahres ausreichen werde. Außerdem erwartet Avis, dass die Nachfrage nach einem extrem schwachen April und Mai zum Sommer hin wieder anziehen wird.

Denn eins gilt in der Branche als sicher: Wenn die Amerikaner im Sommer nach weiteren Lockerungen der Corona-Maßnahmen wieder reisen, dann wohl eher im Auto als mit Flugzeug, Bus oder Bahn.

Mehr: Corona trifft auch den Autovermieter hart. Doch bald sei das Schlimmste überstanden, glaubt Gründer Erich Sixt. Er rechnet mit dem Aufschwung.

Read More

Posted on

Pharmaindustrie: Weltweit gibt es 115 Corona-Impfstoffprojekte


Alles hat seinen Preis,
besonders die Dinge,
die nichts kosten.

Art van Rheyn

Sie haben einen Adblocker aktiviert. Deshalb ist unsere Seite für Sie aktuell nicht erreichbar.

Leider verweigern Sie uns diese Einnahmen. Wenn Sie unser Angebot schätzen, schalten Sie bitte den Adblocker ab.

Danke für Ihr Verständnis,
Ihre Wiwo-Redaktion

Read More

Posted on

Coronavirus: Automarkt in Großbritannien bricht um fast 100 Prozent ein


Alles hat seinen Preis,
besonders die Dinge,
die nichts kosten.

Art van Rheyn

Sie haben einen Adblocker aktiviert. Deshalb ist unsere Seite für Sie aktuell nicht erreichbar.

Leider verweigern Sie uns diese Einnahmen. Wenn Sie unser Angebot schätzen, schalten Sie bitte den Adblocker ab.

Danke für Ihr Verständnis,
Ihre Wiwo-Redaktion

Read More