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Das sind die besten Webcams für Streaming und Videotelefonie

Anfang der 2000er-Jahre dienten Webcams vor allem für Videotelefonie. Durch Chat-Dienste wie Skype 2003 wurden die kleinen USB-Kameras für den PC sehr beliebt. Inzwischen klappt Videotelefonie auch per Smartphone, aber weiterhin verabreden sich Menschen am Computer zum Telefonieren mit Bild – etwa am Arbeitsplatz oder um die Hände frei zu haben.

Voll im Trend liegen Webcams bei Gamern und Bloggern. Sie filmen sich beispielsweise beim Spielen und übertragen das Bild live auf Videoplattformen wie YouTube oder Twitch. Welche Webcam ist am besten zum Streamen und Telefonieren? Der Test von „Computer Bild“ zeigt es.

Webcam-Test: USB- gegen eingebaute Kamera

Bei aktuellen Notebooks sitzt meist eine Webcam im Rahmen unter oder über dem Bildschirm. Die ist aber nur eingeschränkt empfehlenswert: Aus Kostengründen bauen Laptop-Hersteller oft Kameras mit magerer Auflösung ein.

Computer Bild, Medion, Razer

Im direkten Vergleich sieht man den Schärfeunterschied zwischen einer eingebauten Webcam (links) und einer USB-Kamera (rechts)
Quelle: Computer Bild, Medion, Razer

Eine externe Cam ist deshalb technisch besser – und flexibler: Sie lässt sich frei positionieren und ihre Perspektive dank Gelenk feiner justieren.

Webcams einrichten und aufstellen

Bevor der Besitzer seine Webcam nutzen kann, muss er sie in Betrieb nehmen. Das klappt seit Windows 7 angenehm einfach: Kamera per USB andocken, und schon ist sie bereit. Das mühselige Installieren von Treibern entfällt. Über das Microsoft-Programm Kamera auf Windows-Computern steuern Sie die Basisfunktionen der Webcam und stellen etwa die Auflösung ein.

Wie beim Film muss bei Webcam-Aufnahmen die Perspektive stimmen. Hockt der Besitzer vor dem PC-Monitor, sollte er die Kamera an der Bildschirmoberseite mittig platzieren. Die Webcams im Test haben allesamt eine Klemmhalterung und lassen sich einfach an der Bildschirmkante befestigen.

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Bei der Microsoft LifeCam Studio ist das allerdings eine wackelige Angelegenheit: Die Halterung mit biegbarem Gelenk hält nicht so stabil wie die Klammer der Logitech-Kameras. Zudem ist das Gelenk zwischen Kamera und Klemme sehr schwammig, was die Feinjustierung erschwert.

Abgesehen von der Trust Vero, lässt sich an allen Modellen ein Stativ anschrauben – praktisch etwa, um die Webcam seitlich auf den Schreibtisch zu stellen. Die Trust Xper hat sogar ein kleines Dreibeinstativ im Lieferumfang, das jedoch ein wenig fragil wirkt.

Bildqualität für Telefonie und Streaming im Check

Neben einem guten Blickwinkel brauchen Gesprächspartner oder Gaming-Stream-Zuschauer ein scharfes Bild. Deshalb sollte die Webcam eine Auflösung von mindestens 1920×1080 Pixeln (Full HD) haben, die alle Modelle mit 30 Bildern pro Sekunde (FPS) liefern.

Die Bildrate reicht für ein flüssiges Bild ohne stockende Bewegungen. Reduziert der Nutzer bei der Razer Kiyo die Auflösung, zeichnet die Webcam sogar 60 Bilder pro Sekunde auf. Dadurch wirken Bewegungen geschmeidiger, beim Telefonieren ist aber ein schärferes Bild wichtiger.

Die Modelle von Logitech, die Razer Kiyo und die Microsoft LifeCam Studio haben einen Autofokus. Damit fangen sie nahe wie entfernte Motive scharf ein. Die Trust Xper Streaming besitzt einen manuellen Fokus. Für den gewünschten Schärfebereich dreht der Nutzer die Linse mit oder gegen den Uhrzeigersinn.

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dpa

Das Rädchen ist allerdings sehr empfindlich, was das Einstellen etwas mühselig macht. Ein weiteres Problem des manuellen Fokus: Der Nutzer darf sich nur wenig vor der Kamera bewegen, weil er sonst den Schärfebereich verließe. Das gilt für die Trust Vero, bei der die Fokussierung fest für den Einsatz am Schreibtisch eingestellt und nicht veränderbar ist.

Die schärfsten Videos im Test produzierte die Razer Kiyo. Weniger überzeugend als die Detailgenauigkeit sind allerdings die zu kräftigen Farben. Gesichter wirken hierdurch leicht unnatürlich.

Die beste Farbwiedergabe liefert die Logitech HD Pro 920C: Ihr Bild ist fast originalgetreu. Enttäuscht hat im Test die Trust Vero: Sie zeigt blasse, stellenweise matschige Videos.

Webcam für Twitch und YouTube anpassen

Gefällt das Bild nicht, passen Sie es mit der Kamerasoftware von Microsoft leicht an, etwa indem Sie die Belichtung modifizieren. Zudem stellen Nutzer per Klick den Autofokus ein und aus oder wechseln die Auflösung. Das Programm ist recht übersichtlich, sodass auch Einsteiger schnell zurechtkommen.

Wer etwa Gaming-Videos auf YouTube oder Twitch streamt, sollte seine Videos mit einer umfangreicheren Software aufpeppen. Die Logitech C920 installiert beim Anschließen automatisch die Software Logitech Capture, über die Sie die Kamera vielfältig einstellen. Anwender wählen unterschiedliche Effektfilter und passen Farbtöne per Schieberegler an.

Computer Bild, Logitech, Microsoft

Über die kostenlose Software “Logitech Capture” stellen Nutzer unter anderem Videofilter ein
Quelle: Computer Bild, Logitech, Microsoft

Das Programm hat sogar eine Option für Greenscreens – mit dieser Technik lassen sich neue Hintergründe ins Videobild einblenden. Dazu nehmen Sie das Video vor einer grünen Wand auf, und das Programm tauscht die grüne Fläche im Clip dann gegen einen Hintergrund der Wahl. Auch das laufende Bild eines Videospiels lässt sich auf diese Weise als Hintergrund verwenden, wie es häufig auf YouTube oder Twitch zu sehen ist. Den Download zum Programm finden Sie auf der Logitech-Website.

Käufer der Razer Kiyo können das kostenlose Programm Razer Synapse 3 herunterladen. Die Software verwaltet alle angeschlossenen Razer-Geräte und erlaubt bei der Webcam, beispielsweise Kontrast und Helligkeit anzupassen. Für eine bessere Ausleuchtung des Videos schlingt sich bei der Kiyo ein Lichtring ums Objektiv. Durch Drehen im Uhrzeigersinn stellen Sie die Leuchtstärke ein.

Webcams mit mäßigen Mikrofonen

Ein gutes Bild bringt nicht viel, wenn Zuschauer oder Gesprächspartner kaum etwas verstehen – doch von den eingebauten Mikrofonen der Webcams dürfen Nutzer nicht zu viel erwarten. Stimmen klingen darüber oft blechern oder dumpf.

Die Microsoft LiveCam Studio liefert noch die beste Tonqualität. Grundsätzlich gilt: Für Videotelefonie reichen die eingebauten Mikrofone aus. Um Videos für YouTube oder Twitch zu produzieren, sollten sich Streamer jedoch ein separates USB-Mikrofon zulegen.

So schützen Sie Ihre Webcam

Auch ein YouTuber hat mal Pause. Eine Objektivabdeckung zum Schutz der Privatsphäre gehört allerdings nur bei der Microsoft LifeCam zum Lieferumfang. Die Trust Xper hat zumindest einen Ein-/Ausschalter an der Rückseite. Wer mehr Sicherheit will, zieht den USB-Stecker. Das Ein- und Ausstöpseln nervt aber schnell, wenn die Buchse an der Rückseite eines Desktop-PCs sitzt, der unter dem Tisch steht.

Alternativ versprechen Antivirenprogramme digitalen Schutz der Privatsphäre. Bei Schutzsoftware wie Bitdefender Internet Security nehmen Sie unter dem Menüpunkt „Privatsphäre“ Sicherheitseinstellungen für die Webcam vor. Zum Beispiel legen Sie fest, welche Programme auf die Kamera zugreifen dürfen. Wenn sie gerade läuft, leuchtet bei allen Modellen eine kleine Lampe neben der Linse – mit einer Ausnahme: Die Trust Xper gibt keinerlei Zeichen, ob sie aktiv ist oder nicht.

Fazit: Den Testsieg holte die Razer Kiyo. Die Bildschärfe sowie die Farben überzeugten, und der clevere Lichtring sorgte für eine gute Beleuchtung. Lediglich die Klangqualität fiel ab – da greifen Nutzer besser zu einem externen USB-Mikrofon. Das gilt auch für den Preis-Leistungs-Sieger Logitech HD Pro C920, der ansonsten mit einer umfangreichen Software und einem guten Bild punktete.

Testergebnisse im Detail

Platz 6: Trust GXT 1160 Vero Streaming Webcam

Die Trust Vero hinterließ im Test einen mäßigen Eindruck: Sie filmt zwar flüssige Videos mit akzeptablen Farben, das Bild ist aber insgesamt weich und stellenweise matschig. Ein weiteres Problem ist der fehlende Autofokus. Nur im Bereich zwischen einem halben bis einem Meter ist das Motiv einigermaßen scharf. Ganz vorn liegt sie immerhin bei der Tonqualität. Und die Einrichtung ist wie bei der Konkurrenz sehr einfach. Die Klammerhalterung hinterließ dagegen einen eher wackeligen Eindruck, da die Klemme an sich sehr dünn ist. Ein Schraubgewinde für ein Stativ und eine Abdeckung für die Linse fehlen.

Stärken: gute Tonqualität

Schwächen: kein Autofokus, keine Stativmöglichkeit

Testnote: befriedigend (2,7)

Platz 5: Trust GXT 1170 Xper Streaming Cam

Bei der Trust Xper gehört ein kleines Stativ zum Lieferumfang – klasse. Die Klemmenhalterung für Monitor- und Laptop-Oberseiten ist okay. Gleiches gilt für die Bildqualität. Die Xper macht scharfe und detailreiche Videos, denen es allerdings an Farben mangelt. Sie hat einen manuellen Fokus; der Nutzer stellt das Bild an der Linse per Drehung scharf. Anschließend muss er ziemlich still sitzen, um den Schärfebereich nicht zu verlassen. Eine Info-LED fehlt. So weiß der Nutzer nie, wann die Webcam aktiv ist und wann nicht. Immerhin ist die Einrichtung einfacher als bei der gesamten Konkurrenz.

Stärken: Stativ mitgeliefert, detailreiche Videos

Schwächen: keine Info-LED, nur manueller Fokus

Testnote: befriedigend (2,6)

Platz 3: Logitech C930e

Äußerlich ist die Logitech C930e leicht mit der HD Pro C920 zu verwechseln. Bei der Bildqualität zeigen sich die Unterschiede auf den ersten Blick. Die C930e macht gute sowie flüssige Full-HD-Videos. Bei Schärfe und Detailgenauigkeit reicht sie aber nicht an die günstigere C920 heran. Zudem lässt sich die herstellereigene Software „Logitech Capture“ mit ihr nicht nutzen. Die feste Klammerhalterung, die leichte Einrichtung und die fehlende Linsenabdeckung hat sie mit der C920 gemein. Die Tonqualität ist hingegen etwas besser, auch wenn das Mikro Stimmen etwas verwaschen und dumpf aufnimmt.

Stärken: gute Bildqualität, feste Halterung

Schwächen: keine Linsenabdeckung

Testnote: gut (2,0)

Platz 3: Microsoft LifeCam Studio

An der Microsoft LifeCam Studio gibt es wenig zu mäkeln. Die Aufnahmen sind detailreich und scharf. Die Tonqualität ist okay. Stimmen klingen etwas spitz, sind aber deutlich zu hören. Skypen und Streamen klappt mit flüssigen 30 Bildern pro Sekunde. Einzig die rote Verfärbung von Gesichtern störte im Bildtest. Punktabzug gibt es auch für die Halterung mit ihrem wackeligen Gelenk. Sicherer steht die Microsoft-Cam neben dem Laptop oder Display auf einem Stativ. Gut: Im Lieferumfang ist eine kleine Abdeckung für die Linse enthalten. Die sorgt dafür, dass niemand ungefragt zuschaut.

Stärken: gute Bildqualität, Abdeckung für die Linse

Schwächen: Ton spitz, sehr wackelige Halterung

Testnote: gut (2,0)

Platz 2: Logitech HD Pro C920

Die Logitech HD Pro C920 holt sich im Test eine gute Note: Die Webcam hat eine feste Klammerhalterung und lässt sich einfach einrichten. Sie bringt eine eigene Software mit, über die sich beispielsweise die Auflösung und der Farbton anpassen sowie verschiedene Videofilter einsetzen lassen. Das Bild überzeugt mit Schärfe, Detailgenauigkeit und flüssigen Bewegungen. Gesichter zeigt die Kamera ohne auffällige Verfärbung. Das eingebaute Mikrofon ist hingegen kein technisches Glanzstück: Stimmen klingen belegt und blechern. Und: Eine Linsenabdeckung fehlt bei dieser Kamera.

Stärken: gute Bildqualität, praktische Software

Schwächen: Mikrofon mäßig, keine Linsenabdeckung

Testnote: gut (1,9)

Platz 1: Razer Kiyo

Scharf, schärfer, Razer Kiyo: Im Test lieferte die teure Webcam gute Bilder. Das Extra der Kamera ist ihr Lichtring: Die Helligkeit des Videolichts ist einstellbar – gut in dunklen Räumen oder bei Gegenlicht. Einrichtung und Montage sind ein Kinderspiel. Auf der Monitor- oder Laptop-Oberseite sitzt die Razer mit ihrer Klammerhalterung sehr fest. Perfekt ist die Kamera allerdings nicht: Die Farben sind ohne Hilfslicht zu kräftig, mit Licht ein bisschen fahl. Gesichter sehen so leicht unnatürlich aus. Das integrierte Mikrofon nimmt Stimmen etwas dumpf und leise auf, für Telefonate reicht es jedoch. Eine Linsenabdeckung fehlt.

Stärken: gute Bildqualität, praktischer Lichtring, stabile Halterung

Schwächen: Farben zu kräftig, keine Linsenabdeckung, etwas dumpfer Ton

Testnote: gut (1,7)

Dieser Artikel stammt aus einer Kooperation mit „Computer Bild“. Klicken Sie auf diese Links, verlassen Sie welt.de und landen auf den Artikeln bei computerbild.de.

Source: Wirtschaft – WELT
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Die Nikon D780 ist die günstigere Alternative zur Profi-Spiegelreflex

Profi-Topmodelle wie die Nikon D5 und die Nikon D6 genießen einen hervorragenden Ruf, sind aber für die allermeisten Fotografen viel zu teuer und zu schwer.

Wer eine Spiegelreflex mit Profi-Anspruch sucht, bekommt mit der neuen D780 eine deutlich günstigere und kompaktere Alternative: Sie ist fast genauso robust und richtig gut, wie der Test von „Computer Bild“ zeigt.

Nikon D780 mit einer frischen Bildelektronik

Die D780 ist der Nachfolger der gut fünf Jahre alten Nikon D750 und kommt mit einer frischen Bildelektronik. Der Sensor im Vollformat (Sensorgröße 23,9×35,9 Millimeter) hat zwar wie beim Vorgänger 24 Megapixel (Auflösung 6048×4024 Pixel), ist aber komplett neu und arbeitet mit einem stärkeren Bildprozessor (Expeed 6) zusammen.

Er steckt in ähnlicher Form auch in der Systemkamera Nikon Z6 (Platz 1 der Bestenliste Systemkameras). Im Test überzeugte die D780 mit Topbildqualität: knackig scharf, schön detailreich und eine sehr natürliche Farbwiedergabe.

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Die vergleichsweise niedrige Auflösung ist dabei ein echter Vorteil, denn die einzelnen Pixel auf dem Sensor sind so schön groß und sammeln besonders viel Licht ein. Dadurch liefert die D780 auch bei wenig Licht und entsprechend höherer ISO-Einstellung tolle Aufnahmen: Bis ISO 1600 fällt der Unterschied zur Standardeinstellung ISO 100 sehr gering aus – selbst in der 100-Prozent-Ansicht muss der Fotograf schon genau hinschauen.

Bei ISO 6400 leidet die Bildschärfe leicht: In der Gesamtansicht fällt das aber kaum auf, nur in der 100-Prozent-Ansicht wird der Unterschied zu ISO 100 gut sichtbar. Hässliches Bildrauschen gibt es aber kaum zu sehen – damit das stört, muss der Fotograf die ISO-Schraube deutlich weiter drehen, denn selbst ISO 25600 sieht noch, abgesehen von einem leichten Schärfeverlust, ziemlich manierlich aus.

Nikon D780 mit Doppel-Autofokus

Eine Besonderheit aller Spiegelreflexkameras: Beim Fotografieren durch den Sucher kommt ein separates Messsystem für den Autofokus zum Einsatz. Die D780 setzt auf eine überarbeitete Variante des Autofokussystems der D750, mit genauso viel Messpunkten (51), aber mehr Tempo.

Damit ist die D780 so schnell wie das kleinere Schwestermodell Nikon D7500 (Zeit fürs Scharfstellen und Auslösen 0,15 Sekunden bei Tageslicht, 0,20 Sekunden bei Schummerlicht), lässt aber einen kleinen Respektabstand zu den Profi-Topmodellen D5 und D6. Dazu kommt erstmals bei einer Nikon-Spiegelreflex ein Autofokussystem mit Phase-Change-Messung im LiveView, wenn die Kamera bei hochgeklapptem Spiegel über den Bildsensor scharfstellen muss.

Nikon

Das Gehäuse der Nikon D780 besteht zu einem großen Teil aus einer Magnesiumlegierung. Reichlich Dichtungen (gelb hervorgehoben) sollen Staub und Feuchtigkeit draußen halten
Quelle: Nikon

Dabei kann der Fotograf wie beim Schwestermodell aus bis zu 273 Messpunkten wählen. Zudem erkennt die D780 wie die Kameras der Z-Serie im LiveView Gesichter und Augen. Wer gern über den Sucher fotografiert, erhält eine nützliche Zusatzfunktion für den Autofokus, die nur wenige Spiegelreflexmodelle wie die Nikon D500 oder die Nikon D850 bieten: Die D780 kann den Autofokus für jedes angesetzte Objektiv automatisch kalibrieren. Das sorgt für eine besonders genaue Fokussierung.

Nikon D780 hat ein robustes Gehäuse

Das Gehäuse der D780 ist komplett neu und besteht zu großen Teilen aus einer Magnesiumlegierung (siehe Bild oben). Das soll die D780 deutlich widerstandsfähiger machen und für einen besseren Schutz vor Wind und Wetter sorgen. Die Gehäuseoberseite besteht wie bei der D850 aus einem Stück – da bleibt kein Raum mehr für einen Ausklappblitz.

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Wer blitzen will, muss zu einem Aufsteckmodell wie dem Nikon SB-5000 oder dem Nikon SB-500 greifen. Damit sehen Blitzfotos richtig gut aus: gut ausgeleuchtet und fast genauso gut wie ohne Blitz bei Tageslicht. Erfreulich: Trotz deutlich mehr Metall fällt die D780 in etwa so groß und schwer wie der Vorgänger aus.

Das Gehäuse wiegt mit Akku und Speicherkarte 840 Gramm, zusammen mit dem getesteten Zoom Nikon AF-S Nikkor 24-120mm f4G ED VR 1550 Gramm. Ein kleiner Brocken, aber noch leicht genug, um im Urlaub den lieben langen Tag an der Schulter zu baumeln.

Filmen wie ein Profi

Der neue Sensor und der neue Bildprozessor sorgen beim Filmen für einen echten Sprung: Beschränkte sich der Vorgänger aufs Filmen in Full HD (1920×1080 Pixel), nimmt die D780 Videos in 4K (3840×2160 Pixel) mit maximal 30 Bildern pro Sekunde auf. In Full HD sind Aufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde möglich.

Video-Profis bekommen obendrein die Möglichkeit, Videos im HDR- oder Log-Format aufzunehmen. Damit bietet die D780 alle Videofunktionen, die das Schwestermodell Z6 ab Werk bietet. Es fehlt nur die Möglichkeit (gegen 200 Euro Aufpreis) das Profi-Aufnahmeformat ProRes nachzurüsten.

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Aber schon im Normalbetrieb sehen die Videos der D780 richtig gut aus: Knackig scharf, sehr detailreich, das Ganze mit ordentlichem Ton und schnellem Autofokus inklusive Augenerkennung.

Der Ton der D780 ist ziemlich ordentlich, typisch für eingebaute Mikrofone etwas hallern. Nervig ist aber nur der deutlich hörbare Autofokus – daran sind aber meist die Objektive schuld: Nikons-AF-S-Objektive sind wie die meisten Spiegelreflexoptiken durch den Ultraschallantrieb für den Autofokus auf Videoaufnahmen zu hören. Wer Autofokus und Originalton bei Videos nutzen will, sollte daher ein externes Mikrofon benutzen oder eines der wenigen Objektive mit Steppermotor für Autofokus verwenden, etwa das Nikon AF-P Nikkor 70-300mm f4.5-5.6E ED VR.

Die Nikon D780 ist schnell und ausdauernd

Bei Serien hält die Nikon D780 lange durch. Erst nach 100 Fotos macht sie eine Zwangspause. Dann muss der Fotograf einmal kurz den Finger vom Auslöser nehmen und kann sofort weiter fotografieren, vorausgesetzt, es steckt eine schnelle Speicherkarte in der D780. Am schnellsten schreiben UHS-II-Karten wie die Sony SF-G32 die Daten weg.

Anders als beim Schwestermodell Z6 setzt Nikon bei der D780 nicht auf ultraschnelle CFexpress-, sondern auf günstige SD-Karten. Dafür gibt es aber auch gleich zwei Steckplätze, etwa um JPEG- und RAW-Dateien zu trennen, zum doppelten Speichern als Back-up oder je eine Karte für Fotos und Videos. Beim Fotografieren durch den Sucher schafft die D780 gut sieben Bilder pro Sekunde.

Nikon

Die Nikon D780 fällt für eine Vollformat-Spiegelreflex recht kompakt aus, nur der Griff ist ziemlich ausladend und sorgt so für einen guten Halt der Kamera
Quelle: Nikon

Dabei führt sie ohne Tempoverlust die Schärfe nach, selbst bei etwas weniger Licht. Nur in schummeriger Umgebung braucht der Autofokus bei längeren Brennweiten manchmal einen Moment, um die Schärfe einzustellen, führt sie dann aber genau nach – das schaffen bei den Systemkameras längst nicht alle aktuellen Modelle.

Nikon D780 mit Funkfernsteuerung

Wie die meisten neuen Kameras kommt die D780 mit WLAN und Bluetooth. Damit lässt sich die Kamera über die kostenlose App Snapbridge (erhältlich für Android und iOS) fernsteuern. Wer will, kann auch per Bluetooth eine Dauerverbindung zur Kamera halten – zum automatischen Überspielen der Fotos aufs Smartphone und zum automatischen Geo-Tagging (Speichern der Ortsdaten in den Fotos).

Das Einrichten der App gelingt sehr einfach in paar Minuten. Eine neue Funktion von Snapbridge bei der D780: Die Kamera lässt sich im Modus Bluetooth-Fernbedienung mit dem Handy auslösen, ohne vorher in den WLAN-Modus umzuschalten. Das spart einige Sekunden Zeit. Nützlich, wenn der Fotograf die Kamera nur aus der Ferne auslösen möchte und auf eine Anzeige des LiveViews auf dem Smartphone verzichten kann.

Die Nikon D780 ist echt ausdauernd

Als Akku kommt ein alter Bekannter in überarbeiteter Form zum Einsatz: Der Nikon EN-EL15B reicht locker für mehr als 1000 Fotos, selbst wenn sich der Fotograf die eine oder andere Aufnahme anguckt oder ausgiebig im Kameramenü Einstellungen setzt. Wer Serien schießt, schafft auch schnell 2000 oder 3000 Bilder mit einer Akkuladung.

Und beim Videofilmen in 4K sind mit einer Akkuladung gut 100 Minuten Aufnahmezeit drin. Praktisch: Der Akku kann in der Kamera per USB-C geladen werden.

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Fazit: Die Nikon D780 ist eine rundum gelungene Mischung: Das sehr solide Gehäuse liegt gut in der Hand, die Bedienung ist für erfahrene Fotografen sehr einfach, nur die Fülle der Funktionen erfordert ab und an etwas Handbuchstudium. Der 24-Megapixel-Sensor der D780 punktet bei jedem Licht – selbst mit ISO 6400 sehen die Aufnahmen gut aus.

Zudem bringt er einen schnellen Phase-Change-Autofokus mit, ein Vorteil beim Fotografieren und Filmen im LiveView. Für Sport- und Actionfotos guckt der Fotograf am besten durch den Sucher. Dann gibt es einen ziemlich schnellen und sehr genauen Autofokus – da sind nur noch die Profi-Topmodelle besser!

Stärken: hohe Bildqualität bei Fotos und Videos, hohe Bildqualität bei wenig Licht, schneller und genauer Autofokus bei Fotos und Videos, lange Akkulaufzeit, robustes Gehäuse

Schwächen: Autofokus bei Videos hörbar

Testnote: gut (1,8)

Günstigster Preis im Internet: 2199,00 Euro

Computer Bild

Testtabelle für die Nikon D780
Quelle: Computer Bild

Source:

Webwelt & Technik – WELT