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So viel Urlaubsanspruch haben Sie in Teilzeit

Wer arbeitet, muss auch Urlaub haben. Das gilt nicht nur für Vollzeit-, sondern ebenso für Teilzeitkräfte. Wie viel ihnen zusteht, hängt allerdings auch davon ab, wann sie arbeiten.

Der Urlaubsanspruch wird nach Arbeitstagen berechnet, nicht nach Arbeitszeit. Ein Beispiel: Zwei Kollegen arbeiten je fünf Tage die Woche, der eine ist vollbeschäftigt, der andere kommt nur halbtags ins Büro. Trotzdem stehen beiden gleich viele Urlaubstage zu.

Mehr Arbeitstage führen also zu mehr Urlaub. Das sollte man bedenken, wenn man sich für eine Teilzeitstelle bewirbt oder seine Stunden reduzieren will. Umgekehrt bedeutet es: Wer an drei Tagen die Woche arbeitet, hat weniger Urlaubsanspruch als ein Teilzeitkollege, der jeden Tag kommt – selbst wenn beide gleich viele Stunden arbeiten.

Wie hoch der Urlaubsanspruch mindestens ist, regelt das Bundesurlaubsgesetz. Bei einer normalen Arbeitswoche von Montag bis Freitag stehen jedem Arbeitnehmer 20 freie Tage pro Jahr zu.

Mit einer Faustformel kann man berechnen, was das für eine Teilzeitstelle bedeutet, erklärt Katharina Willerscheid, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Arbeitsrecht. Dazu zählt man die Urlaubstage, die es für eine Vollzeitstelle geben würde, und teilt sie durch die Arbeitstage pro Woche. Anschließend multipliziert man das Ergebnis mit der Zahl der Tage, die man selbst pro Woche arbeitet.

Konkret sieht das so aus: In einem Betrieb haben Vollzeitmitarbeiter 20 Tage Urlaub im Jahr und arbeiten von montags bis freitags. Die Arbeitswoche besteht also aus fünf Tagen.

Der Teilzeitmitarbeiter Herr Schmitt kommt nur montags und dienstags, arbeitet demnach zwei Tage pro Woche. Dann entspricht sein Urlaubsanspruch 20 : 5 x 2 = 8 Tagen pro Jahr.

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Würde der Arbeitgeber Vollzeitkräften 30 Tage Urlaub gewähren, müsste man diese Zahl in die Gleichung einsetzen. Und hätte Herr Schmitt unregelmäßige Arbeitszeiten und würde mal drei und mal zwei Tage pro Woche arbeiten, könnte er seinen Urlaubsanspruch mithilfe der Durchschnittsarbeitszeit der vergangenen drei Monate berechnen.

Und was passiert, wenn jemand beim selben Arbeitgeber von Vollzeit zu Teilzeit wechselt? Dann nimmt er den Urlaubsanspruch mit, den er bis dahin erworben hat.

Wenn er vorher noch keinen Urlaub nehmen konnte, stehen ihm aus der ersten Jahreshälfte noch 15 Tage zu.

„Das kann dazu führen, dass Arbeitnehmer in Teilzeit länger bei der Arbeit fehlen. Arbeitgeber haben deshalb oft Interesse daran, dass man den Urlaub vor dem Wechsel nimmt“, sagt Marta Böning aus der Rechtsabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Alles zum Urlaub

Konflikte um freie Tage

Freie Tage

Brückentage 2020

Bei Feiertagen haben Teilzeitkräfte dieselben Rechte wie ihre Vollzeitkollegen. Wer in einem Beruf arbeitet, an dem an Sonn- und Feiertagen gearbeitet werden muss – zum Beispiel im Krankenhaus, in Verkehrsbetrieben oder bei den Stadtwerken – kann als Teilzeitmitarbeiter ebenfalls an Feiertagen eingesetzt werden.

Für alle anderen gilt: „Feiertage sind grundsätzlich arbeitsfrei“, sagt Böning vom DGB. Fällt ein Feiertag in die reguläre Arbeitszeit, ist dies auch für Teilzeitkräfte ein bezahlter freier Tag. Sie müssen ihn nicht an einem anderen Tag nachholen.

Anders ist es bei der „Arbeit auf Abruf“. Bei diesem Modell werden die Arbeitstage immer wieder neu abgesprochen. Das kommt zum Beispiel in der Gastronomie vor.

Wenn dort jemand regulär drei Tage pro Woche arbeitet, dann kann sein Chef verlangen, dass er das auch in einer verkürzten Arbeitswoche tut. Der Chef muss es allerdings frühzeitig anmelden. „Es gilt eine Vorankündigungsfrist von vier Tagen“, sagt Böning.

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Fürs Homeoffice brauchen Sie einen Stundenplan

WELT: Viele Menschen müssen wegen der aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen zum ersten Mal von zuhause arbeiten. Welche Voraussetzungen braucht man, damit das gut möglich ist? Claudia Kauscheder: Prinzipiell sollte man eine ähnliche technische Ausrüstung zuhause haben wie im Büro. Dass das auf die Schnelle nicht funktionieren kann, ist klar. …

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So sieht die ideale Bewerbungsmappe aus

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Deutschlands Lehrer sprechen von einer Sieben-Tage-Arbeitswoche

Thomas Bauer ist Lehrer aus Überzeugung und mit Begeisterung, das hört man sofort, wenn er über seinen Schulalltag spricht. Doch auch er kommt zeitweise an die „Grenze seiner Leistungsfähigkeit“. Die Arbeitsbelastung sei für ihn und seine Kollegen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, vor allem, weil sie …

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So sichert man sich auch ohne Vitamin B ein Top-Praktikum

Arbeit statt Semesterferien klingt erst mal nach einem schlechten Deal. Aber: In einem Praktikum können Studenten dröge Theorie endlich anwenden. An einer Werbekampagne mitarbeiten, helfen, eine neue Fußgängerbrücke zu konstruieren oder eine Verkaufsstrategie entwickeln – das motiviert. Allerdings nur, wenn das Praktikum spannend und gut organisiert ist. Diese Plätze sind heiß umkämpft. Wie also machen sich Studenten interessant für ein Unternehmen?

Die Bewerbung unterscheidet sich naturgemäß von der für eine reguläre Stelle. Studenten haben wenig praktische Erfahrung und müssen erst noch herausfinden, was sie von Mitbewerbern unterscheidet. Bei Konzernen kann die Konkurrenz um Praktikumsplätze groß sein, bei kleinen und mittelständischen Betrieben sind oft gar keine ausgeschrieben. Hier ist eine Initiativbewerbung nötig.

Ludmilla Aufurth vom Career Service der Freien Universität Berlin empfiehlt Studenten, ein Jahr vor dem geplanten Beginn des Praktikums mit der Suche zu beginnen. „Bei manchen Organisationen ist es dann auch schon an der Zeit sich auf einen Praktikumsplatz zu bewerben“, sagt sie. Andere Unternehmen planen kurzfristiger. Viele Unternehmen geben auf ihrer Website Hinweise, wie lang die Vorlaufzeiten sind. Ansonsten helfe natürlich auch ein Anruf, rät Aufurth.

Tamara Schrammel, Autorin des Ratgebers „Die ersten Bewerbungen für Schüler und Studierende“, rät Studenten, am besten persönlich Kontakt aufzunehmen. Zum Beispiel, indem sie auf Jobmessen Firmenvertreter ansprechen und nach Praktikumsplätzen fragen. In der Bewerbung können sie sich dann auf das Gespräch beziehen. Aber Vorsicht vor Namensverwechslungen oder falschen Schreibweisen: Damit das nicht passiert, sollten Interessenten auf der Messe um Visitenkarten bitten oder die Namensschilder fotografieren.

Bewerbung: Ex-Praktikanten helfen weiter

Kontakte bekommen Studenten auch über die Fachschaft oder das Career Center der Hochschulen. Zum Beispiel zu Kommilitonen, die schon im Wunschunternehmen ein Praktikum gemacht haben oder Absolventen, die inzwischen dort arbeiten. Die Schwelle ist hier niedrig. Einfach eine E-Mail schreiben oder nach einem Telefonat fragen – das kostet nicht viel Überwindung. „Die meisten fühlen sich geschmeichelt“, weiß Schrammel aus Erfahrung. Vielleicht kann man sie sogar dafür gewinnen, die Bewerbung weiterzuleiten.

Bei der Darstellung ihrer Fähigkeiten müssen Studienanfänger nicht übertreiben. „Die Persönlichkeit des Bewerbers ist wichtiger als Noten und Studiengang“, sagt Schrammel. Personalchefs wissen, dass sie von Praktikanten noch keine Berufserfahrung erwarten können. Folglich wünschen sie sich vor allem interessierte und motivierte Kandidaten.

So gaben im „Praktikantenspiegel 2018“, einer Befragung der Unternehmensberatung Clevis unter 308 deutschen Unternehmen, rund 74 Prozent der befragten Personalmitarbeiter an, dass Praktikanten motiviert sein sollten. Auf Platz zwei werteten sie mit knapp 58 Prozent die sozialen Kompetenzen. Dass der Studiengang zur Stelle passt, war dagegen nur für 37 Prozent der Personaler wichtig.

Im Anschreiben Motivation für das Praktikum erklären

Im Anschreiben erklären Bewerber ihre Motivation. Warum interessiert sie diese Branche? Das Unternehmen? Die Abteilung? Dabei können sie alles nennen, solange es stimmt und glaubwürdig klingt. Ein junger Bewerber dürfe ruhig an ein Verkehrsunternehmen schreiben: „Das Verkehrsmuseum in Nürnberg habe ich bereits dreimal besucht“, sagt Schrammel. Oder: „Das Fachbuch xy zum Thema Verkehr hat mich fasziniert, weil …“.

Zudem kommt es gut an, wenn man sich über das Unternehmen informiert hat. Dann kann man zum Beispiel schreiben: „Sie haben in diesem Jahr ein Programm zur E-Mobilität aufgelegt, das ist mein Studienschwerpunkt.“

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Beim Formulieren des Anschreibens empfiehlt sich eine klare Struktur

Formulierungen in Bewerbungen

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Initiativbewerbung

Nach mehreren Jahren Berufserfahrung ist es nicht mehr notwendig, das Schulzeugnis mitzusenden

Zeugnisse und Bescheinigungen

Wer einen professionellen Schreiber für seine Bewerbung engagiert, sollte den Anbieter genau prüfen

Professionelles Anschreiben

Das Anschreiben ist eine Art Test für den Bewerber selbst. Beim Schreiben kann er sich über seine eigenen Interessen und Ziele klar werden. Schrammel rät deshalb, auch dann eines zu verfassen, wenn es nicht gefordert ist. Wem es schwerfällt zu begründen, warum er Branche oder Unternehmen kennenlernen möchte, hat vielleicht das falsche ausgesucht. „Wenn einem nichts einfällt, würde ich mir die Bewerbung sparen“, sagt sie. Auch für Pflichtpraktika ist ihr Tipp: „Schauen Sie sich etwas an, das Sie tatsächlich interessiert“.

Der Lebenslauf ist laut der Clevis-Umfrage für Personaler das wichtigste Dokument. Hier zählt vor allem der rote Faden: Der Bewerber muss nicht jedes Hobby nennen oder alle vorherigen Praktika, sondern nur, was zur aktuellen Stelle passt. Das kann eine Menge sein, sogar am Studienanfang.

Alles zum Lebenslauf
Der Lebenslauf ist besonders wichtig, um Personaler zu überzeugen. Beginnen sollte er mit den Kontaktdaten

Richtig bewerben

Wer gekündigt wird, sollte in seinem Lebenslauf den Grund nennen

Wer lesen als Hobby nennt, sollte auf eine Nachfrage vorbereitet sein

Lesen, Fußball, Gartenarbeit

Der CV enthält mehr Fließtext als der stichpunktartige deutsche Lebenslauf

CV oder Résumé

Ein Beispiel: Für die Bewerbung bei einem Pharmakonzern könnte jemand schreiben, dass er im Gymnasium den naturwissenschaftlichen Zweig gewählt hat, in der Chemie-AG war, sich in seiner Freizeit bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert und Fortbildungen über Säuren besucht hat und nun an der Uni ein Tutorium zu den Grundlagen der Chemie gibt.

Schrammel rät, sich zu überlegen: Wenn ich der Arbeitgeber wäre, was wäre mir wichtig? Was würde ich wissen wollen? „Computerkenntnisse hält man zum Beispiel oft für eine Selbstverständlichkeit, das sind sie aber nicht“, sagt sie.

Für Praktikumsbewerbung seriöse E-Mail-Adresse anlegen

Obwohl es keine Pflicht ist, kann man den Lebenslauf mit Bewerbungsfoto schicken. Schrammel rät, sich für ein Fotoshooting so anzuziehen, wie man das für das Bewerbungsgespräch tun würde. Für manche Branchen wie Banken oder Unternehmensberatungen sind Blazer oder Jackett Pflicht, in der Regel reichen für Praktikanten einfarbige Oberteile, Blusen oder Hemden.

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Anschreiben und Lebenslauf sind Standard. Zeugnisse empfiehlt die Expertin dagegen nur auf Anforderung mitzusenden. Für Praktikumsbewerbungen gelten die gleichen Formalien wie für andere Stellen: „Niemals Word-Dokumente schicken, sondern PDFs“, sagt Schrammel. Diese kann man an jedem PC öffnen und nicht mehr nachträglich verändern. Und: „Bitte eine ordentliche E-Mail-Adresse angeben.“ E-Mails von Absendern wie „Berlinbabe95“ klingen nicht nur unseriös, sondern können auch im Spamordner landen.

Eine ernst zu nehmende Adresse besteht aus Vor- und Nachname. Wenn die Kombination bereits vergeben ist, sind auch Zahlen erlaubt, erklärt Schrammel. Studenten können auch die E-Mail-Adresse benutzen, die sie von der Hochschule bekommen haben. Allerdings nur, wenn man sie langfristig nutzt. Es wäre ärgerlich, wenn das Unternehmen den Kontakt zu einem ehemaligen Praktikanten verliert, weil seine Uni-Adresse ungültig geworden ist oder er sie nicht mehr abruft.

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Source: Wirtschaft – WELT
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Mittelmäßige Schüler sind später die besseren Chefs

Als Jugendlicher lebte Christian Sewing in Bünde bei Bielefeld, spielte viel Tennis und interessierte sich für Fußball. In der Schule aber stach er nicht mit auffälligen Erfolgen heraus. Sein Abitur machte der Sohn des Besitzers einer kleinen Druckerei mit 2,4. Das ist gut, aber alles andere als herausragend.

Heute ist Sewing Chef der Deutschen Bank. Nach seiner Abiturnote fragt ihn schon lange niemand mehr. Der 49-Jährige widerspricht dem gängigen Bild, wonach sich früh übt, wer es später ganz nach oben schaffen will. Wonach berufliche Top-Performer schon im Kindesalter vor Ehrgeiz brannten, selbst komplizierteste Formeln beim ersten Blick auf die Tafel verstanden und es kaum ertragen konnten, wenn sie im Ballweitwurf bei den Bundesjugendspielen gerade mal auf den zweiten Platz belegten.

Doch Fleiß, Intelligenz und selbst Ehrgeiz sind nicht die wichtigsten Qualitäten für den Berufsweg in die oberste Etage.

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„Als Top-Manager müssen Sie sehr gut mit Menschen umgehen können“, sagt Christine Stimpel, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles. „Nur so können Sie sich in großen Organisationen durchsetzen. Man wird auch von den Kollegen nach oben getragen. Da fragt keiner, ob sie in der Schule einmal gut in Bio, Physik oder Musik waren.“

Manager müssten zäh sein. „Diese jahrzehntelange Hartnäckigkeit, die Vorstände auszeichnet, hängt letztlich auch nicht mit Top-Noten zusammen.“

Hinzu komme, dass Menschen nicht fertig seien, wenn sie mit 18 Abitur machten. Viele entdeckten später erst, was in ihnen steckt, und starteten dann erst richtig durch.

Die Bedeutung der Schulnoten nimmt auch durch den technologischen und gesellschaftlichen Wandel ab. „Der Wert von angelerntem Wissen verliert immer mehr an Relevanz“, sagt Susanne Hansen von Exist Personalstrategien, die viele Jahre Assessment-Center für die Deutsche Bank geleitet hat. Zunehmend seien Querdenken und die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen gefragt.

Gefragt: Erfahrung mit Rückschlägen

Diese Eigenschaften müssten in der Schule stärker gefördert werden. Mehr noch: „Wer immer sehr gut in der Schule war, musste sich nie mit dem eigenen Scheitern auseinandersetzen und neigt zum Perfektionismus“, sagt sie. „Doch unsere Welt verändert sich immer schneller, wird immer unsicherer, komplexer und mehrdeutiger. Wir brauchen deshalb Menschen, die schon Niederlagen bewältigt und Mut zur Lücke bewiesen haben. Sie sind deutlich flexibler und können sich in turbulenten Situationen besser steuern.“

Tatsächlich haftet exzellenten Schülern das Vorurteil an, dass sie vor allem gut auswendig lernen können. „Einser-Kandidaten sind manchmal recht einfältig“, sagt Hansen.

Das heißt aber nicht, dass es sie an den Unternehmensspitzen nicht gibt. Commerzbank-Chef Martin Zielke etwa, mit dem Sewing im vergangenen Jahr über eine Fusion beider Banken verhandelte, beendete seine Schulzeit als Jahrgangsbester. Damals interessierte er sich sehr für Technik und wählte Physik als Leistungskurs. Und Reiner Winkler, Chef des Triebwerkherstellers MTU, schloss die Schule mit der Note 1,5 ab.

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Führungskräfte

Markus Steilemann dagegen, Chef des Kunststoffherstellers Covestro, schloss die Schule mit der höchst durchschnittlichen Durchschnittsnote 2,7 ab, was vor allem an seinen mäßigen Erfolgen im Matheunterricht lag. Später studierte er Chemie und schrieb eine Doktorarbeit über die „Bildung primärer Alkohole aus Olefinen in Gegenwart photohalbleitender Materialien“.

Doch solche Offenheit in Bezug auf die einstigen schulische Leistungen ist rar. In den meisten Unternehmen heißt es „zu persönlich“ oder „zu privat“, wenn nach den Noten des Firmenchefs gefragt wird. Bekannt ist aber beispielsweise auch, dass der frühere Telekom-Chef René Obermann ein lediglich mäßiger Schüler war.

Karl-Ludwig Kley hatte sogar nur eine 3,6. „Der Höhepunkt des Grauens“ war für ihn laut eigener Auskunft Mathematik. Dort schrieb er im Abitur eine Fünf minus. Trotzdem wurde er Finanzvorstand der Deutschen Lufthansa und später sogar Chef des Pharmakonzerns Merck. Man brauche Gefühl für Zahlen, keine Vektorrechnung, sagte er. Zahlreiche Studien haben die Aussagekraft von Noten erforscht.

Noten als Statussymbol

Tatsächlich geben diese Ausschluss über die theoretische Intelligenz, der Zusammenhang zwischen Einkommen und Schulnoten ist hingegen nur schwach ausgeprägt.

Für manche Karrieren ist die Durchschnittsnote aber schon wegen der Zulassungsbeschränkungen zu Studienfächern wichtig. Auch für einige Unternehmen sind Top-Absolventen ein Statussymbol.

Dazu zählen beispielsweise große Unternehmensberatungen wie McKinsey, Boston Consulting und Bain sowie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KPMG oder Pricewaterhouse Coopers. Sie werden mit Bewerbungen überflutet und können es sich erlauben, nur unter den Besten der Besten zu wählen.

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Beruf und Hochschule

Für sie gilt die Formel 3 mal eins: Abitur eins, Bachelor eins, Master eins. Ähnliches gilt für Juristen: „Ihnen ist ihre Examensnote quasi in die Stirn eingraviert“, sagt Personalberater Friedrich-Wilhelm Graf von Pfeil. Die Abschlussnote entscheide, ob sie den Sprung in eine Top-Kanzlei schafften.

In den meisten Unternehmen aber ist eine Top-Note in der Schule keine Garantie oder auch nur ein klarer Indikator für steilen Aufstieg. Auch Personalberater Graf von Pfeil hat die Erfahrung gemacht, dass viele Top-Talente ihre Entwicklungsfähigkeit erst im Job entfalten können – und das ist in vielen Fällen eben nicht in der Schule. Vor allem Jungen seien oftmals „Spätzünder“. Sehr gute Schulnoten hätten dagegen meist weibliche Top-Managerinnen. Juristen waren in der Regel ebenfalls schon in der Schule sehr gut.

Trotzdem warnt der Personalberater Ron Weihe von Russell Reynolds davor, Noten zu unterschätzen. „Ich frage oft nach den Abschlussnoten in der Schule.“ Für ihn sei es wichtig zu sehen, wie Menschen reagierten, die nicht so gut in der Schule waren. Es komme auch darauf an, was der Grund für mittelmäßige Ergebnisse war. „Manche haben Hochleistungssport betrieben oder sich parallel unternehmerisch oder ehrenamtlich engagiert und damit ihr hohes Engagement bewiesen.“ Für Weihe steht fest: Auch wenn Top-Noten kein Garant für eine Karriere sind – sie schaden auch nicht.

Dieser Text ist aus der WELT AM SONNTAG. Wir liefern sie Ihnen gerne regelmäßig nach Hause.

Quelle: WELT AM SONNTAG

Source: Wirtschaft – WELT
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Hier berichtet eine Frau, wie es ist, das erste Mal Chef zu sein

Als Marine Sully mit 25 Jahren zur Führungskraft aufstieg, war sie voller Ehrgeiz. Und trotzdem war da auch Angst. „Ich hatte schon einige Jobs im Leben, in denen ich die Vorgesetzten nicht gut fand“, erzählt die Program-Managerin des Start-up-Accelerators Techstars.

Sie selbst mag es, sich in Details einzuarbeiten und sich intensiv mit ihren Aufgaben zu befassen. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass diese Ambition dazu führen könnte, sie selbst zur Micro-Managerin zu machen – wie bei den weniger gemochten Chefs zuvor.

„Es wäre leicht gewesen, mich einfach weiter auf meine To-dos zu konzentrieren, aber dann hätte ich ignoriert, dass mein Team ja auch aus Leuten besteht, die sich weiterentwickeln wollen“, so Sully.

Diese Wünsche zu ignorieren hieße für sie, gegen die Karriereambitionen ihrer Leute zu arbeiten. In dem Fall wäre sie wohl eine schlechte Führungskraft geworden. Mit dem Aufstieg hat sie ihre Rolle deshalb neu definiert. Denn Führung heißt vor allem, weniger selber zu machen, sondern Kollegen in ihrem Handeln zu befähigen. „T3n“ zeigt, was dabei wichtig ist.

Dieser Artikel stammt aus einer Kooperation mit dem Magazin t3n. Klicken Sie auf diese Links, verlassen Sie welt.de und landen auf den Artikeln bei t3n.de.

Schritt vom Mitarbeiter zum Chef ist anspruchsvoll

Die erste Führungsrolle bringt eine Menge neuer Herausforderungen mit sich. Dass viel zu viele Menschen damit alleingelassen und kaum vorbereitet werden, zeigt eine aktuelle Stepstone-Studie: Jede dritte Führungskraft werde ins kalte Wasser geworfen, titelt die Jobplattform.

Die Analyse zeigt, dass tatsächlich nur wenige Arbeitgeber ihre Mitarbeiter überhaupt zur Führungskraft weiterbilden. Nur 15 Prozent der befragten Chefs und Chefinnen sind im Vorfeld von ihrem Unternehmen in die neue Rolle begleitet worden. Überwiegend sieht es so aus, dass jede dritte Person, wenn überhaupt, erst kurz nach der Beförderung bis hin zu einem Jahr später eine Fortbildung erhält.

Fast jeder Zehnte habe sogar auf eigene Kosten eine Weiterbildung besucht, da das Unternehmen nicht bereit war, zu investieren. Dass der Karriereschritt vom Mitarbeiter zur Führungskraft anspruchsvoll ist und gut vorbereitet sein sollte, machten acht von zehn Befragten deutlich, die ein Führungskräftetraining rückblickend sogar als notwendig erachten.

In Führungspersonal investieren

Katrin Grunwald kennt das Problem. Sie ist Beraterin für Team-Entwicklung und Gründerin von The Globe Team, einer Coaching-Agentur, die unter anderem Mitarbeiter in Führungspositionen begleitet. Sie glaubt, dass sich so ein Fehlverhalten vieler Arbeitgeber irgendwann räche.

„Unsichere Führungskräfte ohne gefestigtes Fundament sind schlussendlich die Menschen, die dann später eine Firma während des Wachstums managen sollen.“ Sie weiß auch, dass Mitarbeiter oftmals gar nicht Firmen den Rücken kehren, sondern Führungskräften, die ihre Teams in solchen Phasen schlecht anleiten.

„Um langfristig Erfolg zu haben, ist es essenziell, direkt in die Entwicklung des eigenen Führungspersonals zu investieren“, verrät Grunwald weiter. Das intrinsische Interesse an der Interaktion mit Menschen sei eine Grundvoraussetzung, die sich nur schwer erlernen lasse. Selbstführung, Kommunikation mit dem Team, das Weiterentwickeln der Mitarbeiter und strategisches Vorausschauen hingegen ließen sich durch Coachings gezielt trainieren.

Katrin Grunwald begleitet Mitarbeiter in ihre erste Führungsposition

Katrin Grunwald begleitet Mitarbeiter in ihre erste Führungsposition
Quelle: Lucie Greiner

Auch für Marine Sully war es weniger problematisch, auf ihr Team einzugehen. Das Interesse an der Entwicklung ihrer Leute brachte sie von Anfang an mit. Die Herausforderung lag viel mehr darin, sicherzugehen, alles gleichzeitig zu schaffen: ihre eigenen To-dos zu erledigen, wichtige Aufgaben an ihr Team abzugeben und die Resultate zu überprüfen, eine motivierende Kultur zu schaffen und zu sichern und für alle immer ansprechbar zu sein.

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Ein Spagat, der kaum jemandem von Anfang an mit Bravour gelingt. „Ich war daran gewöhnt, meine eigene Arbeit zu organisieren“, sagt Sully. „Und nicht, anderen Aufgaben aufzutragen.“ Mit der neuen Führungsrolle änderte sich das schlagartig: Zuvor hat sie als Operations-Manager ihrem Vorgesetzten zugearbeitet.

Als Program-Manager war sie plötzlich für die ganze Struktur des neuen Accelerators in München, für das Start-up-Sourcing sowie für das Einstellen von Mitarbeitern, deren Onboarding und deren Führung zuständig. Auch sie profitierte während dieser Zeit von einem Führungskräftetraining.

Erste Führungsposition sollte gut vorbereitet sein

Katrin Grunwald betont, dass es zwei entscheidende Zeitpunkte gebe, in denen Arbeitgeber am besten beraten seien, ihre Führungskräfte vorzubereiten. Im ersten und auch idealen Fall melden sich Mitarbeiter proaktiv bei dem Arbeitgeber und zeigen Interesse, künftig eine Führungsrolle zu übernehmen. Sie könnten dann im Rahmen eines Projektes ohne hierarchische Führung von einem Mentor beziehungsweise einer Mentorin oder einer erfahrenen Führungskraft entlang der Praxis lernen, was es heißt, strategisch und operativ zu arbeiten.

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Den zweiten wichtigen Zeitpunkt sieht Grunwald kurz vor dem Start der ersten Führungsrolle, um die wichtigen Grundlagen in der Übergangsphase zu setzen. „Ich starte mit meinen Kunden zum Beispiel, einen Monat bevor sie in die erste Führungsposition wechseln“, verrät sie.

„In diesem Monat geht es darum, eine solide Vorarbeit durch Reflexion zu leisten.“ Im Coaching werden unter anderem folgende Fragen beantwortet: Was ist mein Bild von mir als Führungskraft? Und welche Werte sind mir im Umgang mit dem Team wichtig?

Klarer Fahrplan für Führungskräfte

Vor allem aber würden Neulinge einen klaren Fahrplan für den ersten Tag, die erste Woche und den ersten Monat an die Hand bekommen. „Hier geht es um ganz konkrete Fragen: Wie stelle ich mich dem Team vor? Wie schaffe ich Vertrauen in meinen ersten 1-on-1-Meetings? Wie finde ich heraus, was meine Mitarbeiter motiviert?“, so Grunwald.

Für diese grundlegenden Fragen bleibt im laufenden Geschäftsalltag oft nicht viel Zeit. Die Antworten sollten im Vorfeld erarbeitet und verinnerlicht werden. Auch und vor allem, damit später keine verwirrenden Kurswechsel vorgenommen werden oder – noch schlimmer – an nicht funktionierenden Führungsstilen vehement festgehalten wird. Dass so ein Training hilft, bestätigt auch Marine Sully.

„Ich habe vieles in dem Coaching gelernt und in meine neue Führungsrolle übernommen“, erzählt sie. „Der externe Blick war sehr hilfreich. Er hat mir Sicherheit gegeben und einen großen Teil meiner Ängste genommen.“ Die Münchnerin ist seit 2018 in ihrer Führungsrolle und konnte sich sechs Monate lang darauf vorbereiten.

Vom Chef-Posten zurücktreten

Welche verheerende Situation neben einer unsicheren Führung noch eintreten kann, hat die Stepstone-Studie übrigens in einem weiteren Teil offenbart. Satte 27 Prozent der Befragten würden den Schritt zur Führungskraft am liebsten wieder rückgängig machen, hieß es darin. Auch das ließe sich in Teilen auf die fehlende Vorbereitung zurückführen.

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dpa

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In den seltensten Fällen würden die neuen Chefs und Chefinnen allerdings in ihre vorherige Rolle als Fachkraft zurückgehen – das liege vor allem daran, dass sie um ihr Ansehen fürchten. Katrin Grunwald findet diesbezüglich klare Worte: „Ich bin kein Fan davon, bis zum bitteren Ende durchzuhalten.“

Wer in seine neue Führungsrolle nur schwer hineinfinde, sollte nicht zurückschrecken, sie wieder abzugeben. „Es zeugt von Stärke und Selbstreflexion, wieder in eine Fachkräfterolle zu wechseln.“ Unternehmen sollten zudem eine Kultur prägen, in der diese Entscheidung keinen negativen Stempel nach sich zieht. Vor allem wenn sie ihre eigene Verantwortung zuvor vernachlässigt haben.

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Flache Hierarchien, transparente Entscheidungen und regelmäßiges Feedback – was macht eigentlich einen guten Chef aus? Diese sieben Punkte verraten, woran Mitarbeiter einen wirklich guten Vorgesetzten erkennen.

Quelle: WELT/ Sebastian Struwe

Source: Wirtschaft – WELT
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So finden Sie heraus, ob sich Ihr Nebenjob lohnt

Nach der eigentlichen Arbeit nochmal zwei oder drei Stunden abends in der Kneipe aushelfen, Taxifahren oder als Nachhilfelehrer arbeiten: Wer mit seinem Gehalt nicht auskommt, sich einen besonderen Wunsch erfüllen oder mit einem Hobby Geld verdienen will, kann einen Nebenjob aufnehmen. Ende Juni 2019 taten das nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit rund 3,54 Millionen Menschen in Deutschland – ein neuer Rekord. Zehn Jahre zuvor waren es erst 2,33 Millionen Mehrfachbeschäftigte.

Studien deuten darauf hin, dass viele Arbeitnehmer, die Nebenjobs haben, tatsächlich auf das Geld angewiesen sind. So ergab etwa eine 2019 veröffentlichte Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, dass für mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten finanzielle Schwierigkeiten ausschlaggebend waren, eine solche Stelle anzunehmen. Rund ein Viertel konnte keinen Vollzeitjob finden. Für 51 Prozent waren besondere Konsumwünsche entscheidend. Arbeitnehmer sollten bei der Entscheidung für einen Nebenjob allerdings genau abwägen. Denn das Arbeitsrecht setzt einige Hürden.

„Grundsätzlich gilt in Deutschland zwar das Grundrecht auf eine freie Berufswahl, allerdings darf die Haupttätigkeit dadurch nicht vernachlässigt werden“, erklärt Gabriele Xaver, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied im Deutschen Anwaltverein. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn einen der Nebenjob so sehr belastet, dass man bei der anderen Arbeit nicht mehr die volle erwartete Leistung erbringen kann. „In diesem Fall gilt eine sogenannte Unterlassungspflicht“, sagt Xaver.

Eine weitere Hürde ist die zulässige Höchstarbeitszeit: Laut des Arbeitszeitgesetzes dürfen Arbeitnehmer am Tag nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Diese Höchstgrenze lässt sich jedoch kurzzeitig auf bis zu zehn Stunden erhöhen, und zwar wenn ein Angestellter innerhalb von sechs Monaten im Durchschnitt nicht länger als acht Stunden gearbeitet hat. Theoretisch ist es also auch möglich, mehrere kleine Nebenjobs zu haben – wenn man eben nicht insgesamt zu viel arbeitet.

Auch im Urlaub ist das Arbeiten in einem Nebenjob nicht erlaubt. Bei denjenigen, die durch Krankheit arbeitsunfähig geschrieben sind, wird es komplizierter. „Wer krankgeschrieben ist, muss nicht zwingend im Bett liegen“, sagt Xaver. Der Anwältin zufolge dürfen Arbeitnehmer auch in diesem Fall ihrem Nebenjob nachgehen – solange sie dabei ihre eigene Genesung nicht verzögern und so ihrem Hauptarbeitgeber schaden.

Nebentätigkeit: Regelungen im Arbeitsvertrag beachten

Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer aus arbeitsrechtlicher Sicht ihren Hauptarbeitgeber nicht über ihren Nebenjob informieren – bevor sie sich eine zusätzliche Stelle suchen, sollten sie aber auf jeden Fall einen Blick in ihren Arbeitsvertrag werfen. „Dort kann ein Verbot zwar nicht pauschal vereinbart werden“, sagt Xaver. Allerdings stehe darin häufig, dass der Arbeitgeber das genehmigen muss.

Wer ihn also nicht vorab informiert, müsse eventuell mit einer Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar mit einer Kündigung rechnen – selbst wenn das Informieren nur eine reine Formalität ist. Ablehnen kann der Arbeitgeber den Nebenjob nur, wenn er die Arbeitsleistung seines Angestellten beeinflusst oder unter Umständen auch, wenn es ein Nebenjob bei der Konkurrenz ist.

Auch eine ehrenamtliche Stelle kann einem der Hauptarbeitgeber verbieten. „Grundsätzlich darf die Zielrichtung des Unternehmens und dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht gefährdet werden“, sagt Xaver. Wer zum Beispiel für ein Unternehmen arbeite, das im Braunkohletagebau tätig ist, darf sich eher nicht in einem Umweltverband gegen eben jenen Tagebau engagieren.

Alles zum Thema Gehalt

Wer einen Nebenjob antritt, braucht zwar nicht zwingend einen schriftlichen Arbeitsvertrag. „Verträge gelten auch mündlich“, sagt Xaver. Trotzdem ist es der Anwältin zufolge sinnvoll, die wesentlichen Punkte niedergeschrieben zu haben. Dazu gehörten in etwa die Vergütung, Arbeitsbeginn und Arbeitsort sowie die Urlaubsregelung. „Unklare Klauseln gehen im Arbeitsrecht meist zu Lasten des Arbeitgebers“, beruhigt die Anwältin.

Wer all die arbeitsrechtlichen Fragen für sich geklärt hat, muss sich noch mit dem Thema Steuern befassen. Wer als Alleinstehender im Hauptjob zum Beispiel knapp weniger als 55.960 Euro im Jahr versteuern muss, der sollte sich genau überlegen, ob er sich eine weitere Stelle sucht. Sobald jemand nämlich mehr verdient, muss er den Spitzensteuersatz von 42 Prozent auf sein Einkommen zahlen.

Infografik: Anzahl der Nebenjobs in Deutschland

Quelle: Infografik WELT

Wer einen Nebenjob annehme, lande in der Regel in Steuerklasse Sechs, sagt Carsten Nicklaus, Steuerberater und stellvertretender Vorsitzender des Steuerberaterverbands Düsseldorf. In dieser Klasse liegt die höchste Steuerbelastung vor. Vor allem, weil darin unter anderem der Grundfreibetrag von aktuell 9408 Euro nicht berücksichtigt wird.

„Diese hohen Steuereinbehalte sind in den meisten Fällen aber berechtigt“, sagt Nicklaus. Denn je nachdem, welche Kosten man über das Jahr hatte und wie viel man insgesamt verdient hat, ließe sich am Ende einiges über die Steuererklärung zurückholen. So könne der Arbeitnehmer Werbungskosten, also zum Beispiel Ausgaben wie die Fahrtkosten zum Büro und Aufwendungen für Arbeitsmittel, geltend machen. „Damit lässt sich die Steuerlast zum Teil erheblich abmildern“, sagt Nicklaus.

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Zudem gibt es einige Nebentätigkeiten, die bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer befreit sind. Das gilt zum einen für einen Minijob. Als Faustegel gilt, dass dabei regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat oder 5400 Euro im Jahr verdient werden darf. Doch Vorsicht: Hat man mehrere Minijobs neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung, ist nur der erste komplett abgabenfrei.

Auch Tätigkeiten als Übungsleiter, Trainer, Betreuer oder Ausbilder können steuerfrei sein. „Die Arbeit muss dafür als gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich gelten“, sagt Nicklaus. Bis zu 2400 Euro lassen sich über die sogenannte Übungsleiterpauschale dabei jährlich steuerfrei verdienen – für diese Aufwandsentschädigung fallen zudem keine Sozialabgaben, etwa für die Rente, an.

„Darüber hinaus gibt noch die Ehrenamtspauschale“, sagt der Steuerberater. Auch die sei bis zu 720 Euro im Jahr von jeglicher Steuer befreit. Geltend machen kann die zum Beispiel der Sporttrainer, der nebenbei noch Kassenwart im Verein ist. „In der Abrechnung sollte dann darauf geachtet werden, dass die unterschiedlichen Tätigkeiten voneinander abgegrenzt werden“, sagt Nicklaus.

Source: Wirtschaft – WELT
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Hier berichtet eine Frau, wie es ist, das erste Mal Chef zu sein

Als Marine Sully mit 25 Jahren zur Führungskraft aufstieg, war sie voller Ehrgeiz. Und trotzdem war da auch Angst. „Ich hatte schon einige Jobs im Leben, in denen ich die Vorgesetzten nicht gut fand“, erzählt die Program-Managerin des Start-up-Accelerators Techstars.

Sie selbst mag es, sich in Details einzuarbeiten und sich intensiv mit ihren Aufgaben zu befassen. Gleichzeitig wusste sie aber auch, dass diese Ambition dazu führen könnte, sie selbst zur Micro-Managerin zu machen – wie bei den weniger gemochten Chefs zuvor.

„Es wäre leicht gewesen, mich einfach weiter auf meine To-dos zu konzentrieren, aber dann hätte ich ignoriert, dass mein Team ja auch aus Leuten besteht, die sich weiterentwickeln wollen“, so Sully.

Diese Wünsche zu ignorieren hieße für sie, gegen die Karriereambitionen ihrer Leute zu arbeiten. In dem Fall wäre sie wohl eine schlechte Führungskraft geworden. Mit dem Aufstieg hat sie ihre Rolle deshalb neu definiert. Denn Führung heißt vor allem, weniger selber zu machen, sondern Kollegen in ihrem Handeln zu befähigen. „T3n“ zeigt, was dabei wichtig ist.

Dieser Artikel stammt aus einer Kooperation mit dem Magazin t3n. Klicken Sie auf diese Links, verlassen Sie welt.de und landen auf den Artikeln bei t3n.de.

Schritt vom Mitarbeiter zum Chef ist anspruchsvoll

Die erste Führungsrolle bringt eine Menge neuer Herausforderungen mit sich. Dass viel zu viele Menschen damit alleingelassen und kaum vorbereitet werden, zeigt eine aktuelle Stepstone-Studie: Jede dritte Führungskraft werde ins kalte Wasser geworfen, titelt die Jobplattform.

Die Analyse zeigt, dass tatsächlich nur wenige Arbeitgeber ihre Mitarbeiter überhaupt zur Führungskraft weiterbilden. Nur 15 Prozent der befragten Chefs und Chefinnen sind im Vorfeld von ihrem Unternehmen in die neue Rolle begleitet worden. Überwiegend sieht es so aus, dass jede dritte Person, wenn überhaupt, erst kurz nach der Beförderung bis hin zu einem Jahr später eine Fortbildung erhält.

Fast jeder Zehnte habe sogar auf eigene Kosten eine Weiterbildung besucht, da das Unternehmen nicht bereit war, zu investieren. Dass der Karriereschritt vom Mitarbeiter zur Führungskraft anspruchsvoll ist und gut vorbereitet sein sollte, machten acht von zehn Befragten deutlich, die ein Führungskräftetraining rückblickend sogar als notwendig erachten.

In Führungspersonal investieren

Katrin Grunwald kennt das Problem. Sie ist Beraterin für Team-Entwicklung und Gründerin von The Globe Team, einer Coaching-Agentur, die unter anderem Mitarbeiter in Führungspositionen begleitet. Sie glaubt, dass sich so ein Fehlverhalten vieler Arbeitgeber irgendwann räche.

„Unsichere Führungskräfte ohne gefestigtes Fundament sind schlussendlich die Menschen, die dann später eine Firma während des Wachstums managen sollen.“ Sie weiß auch, dass Mitarbeiter oftmals gar nicht Firmen den Rücken kehren, sondern Führungskräften, die ihre Teams in solchen Phasen schlecht anleiten.

„Um langfristig Erfolg zu haben, ist es essenziell, direkt in die Entwicklung des eigenen Führungspersonals zu investieren“, verrät Grunwald weiter. Das intrinsische Interesse an der Interaktion mit Menschen sei eine Grundvoraussetzung, die sich nur schwer erlernen lasse. Selbstführung, Kommunikation mit dem Team, das Weiterentwickeln der Mitarbeiter und strategisches Vorausschauen hingegen ließen sich durch Coachings gezielt trainieren.

Katrin Grunwald begleitet Mitarbeiter in ihre erste Führungsposition

Katrin Grunwald begleitet Mitarbeiter in ihre erste Führungsposition
Quelle: Lucie Greiner

Auch für Marine Sully war es weniger problematisch, auf ihr Team einzugehen. Das Interesse an der Entwicklung ihrer Leute brachte sie von Anfang an mit. Die Herausforderung lag viel mehr darin, sicherzugehen, alles gleichzeitig zu schaffen: ihre eigenen To-dos zu erledigen, wichtige Aufgaben an ihr Team abzugeben und die Resultate zu überprüfen, eine motivierende Kultur zu schaffen und zu sichern und für alle immer ansprechbar zu sein.

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Ein Spagat, der kaum jemandem von Anfang an mit Bravour gelingt. „Ich war daran gewöhnt, meine eigene Arbeit zu organisieren“, sagt Sully. „Und nicht, anderen Aufgaben aufzutragen.“ Mit der neuen Führungsrolle änderte sich das schlagartig: Zuvor hat sie als Operations-Manager ihrem Vorgesetzten zugearbeitet.

Als Program-Manager war sie plötzlich für die ganze Struktur des neuen Accelerators in München, für das Start-up-Sourcing sowie für das Einstellen von Mitarbeitern, deren Onboarding und deren Führung zuständig. Auch sie profitierte während dieser Zeit von einem Führungskräftetraining.

Erste Führungsposition sollte gut vorbereitet sein

Katrin Grunwald betont, dass es zwei entscheidende Zeitpunkte gebe, in denen Arbeitgeber am besten beraten seien, ihre Führungskräfte vorzubereiten. Im ersten und auch idealen Fall melden sich Mitarbeiter proaktiv bei dem Arbeitgeber und zeigen Interesse, künftig eine Führungsrolle zu übernehmen. Sie könnten dann im Rahmen eines Projektes ohne hierarchische Führung von einem Mentor beziehungsweise einer Mentorin oder einer erfahrenen Führungskraft entlang der Praxis lernen, was es heißt, strategisch und operativ zu arbeiten.

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Den zweiten wichtigen Zeitpunkt sieht Grunwald kurz vor dem Start der ersten Führungsrolle, um die wichtigen Grundlagen in der Übergangsphase zu setzen. „Ich starte mit meinen Kunden zum Beispiel, einen Monat bevor sie in die erste Führungsposition wechseln“, verrät sie.

„In diesem Monat geht es darum, eine solide Vorarbeit durch Reflexion zu leisten.“ Im Coaching werden unter anderem folgende Fragen beantwortet: Was ist mein Bild von mir als Führungskraft? Und welche Werte sind mir im Umgang mit dem Team wichtig?

Klarer Fahrplan für Führungskräfte

Vor allem aber würden Neulinge einen klaren Fahrplan für den ersten Tag, die erste Woche und den ersten Monat an die Hand bekommen. „Hier geht es um ganz konkrete Fragen: Wie stelle ich mich dem Team vor? Wie schaffe ich Vertrauen in meinen ersten 1-on-1-Meetings? Wie finde ich heraus, was meine Mitarbeiter motiviert?“, so Grunwald.

Für diese grundlegenden Fragen bleibt im laufenden Geschäftsalltag oft nicht viel Zeit. Die Antworten sollten im Vorfeld erarbeitet und verinnerlicht werden. Auch und vor allem, damit später keine verwirrenden Kurswechsel vorgenommen werden oder – noch schlimmer – an nicht funktionierenden Führungsstilen vehement festgehalten wird. Dass so ein Training hilft, bestätigt auch Marine Sully.

„Ich habe vieles in dem Coaching gelernt und in meine neue Führungsrolle übernommen“, erzählt sie. „Der externe Blick war sehr hilfreich. Er hat mir Sicherheit gegeben und einen großen Teil meiner Ängste genommen.“ Die Münchnerin ist seit 2018 in ihrer Führungsrolle und konnte sich sechs Monate lang darauf vorbereiten.

Vom Chef-Posten zurücktreten

Welche verheerende Situation neben einer unsicheren Führung noch eintreten kann, hat die Stepstone-Studie übrigens in einem weiteren Teil offenbart. Satte 27 Prozent der Befragten würden den Schritt zur Führungskraft am liebsten wieder rückgängig machen, hieß es darin. Auch das ließe sich in Teilen auf die fehlende Vorbereitung zurückführen.

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dpa

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In den seltensten Fällen würden die neuen Chefs und Chefinnen allerdings in ihre vorherige Rolle als Fachkraft zurückgehen – das liege vor allem daran, dass sie um ihr Ansehen fürchten. Katrin Grunwald findet diesbezüglich klare Worte: „Ich bin kein Fan davon, bis zum bitteren Ende durchzuhalten.“

Wer in seine neue Führungsrolle nur schwer hineinfinde, sollte nicht zurückschrecken, sie wieder abzugeben. „Es zeugt von Stärke und Selbstreflexion, wieder in eine Fachkräfterolle zu wechseln.“ Unternehmen sollten zudem eine Kultur prägen, in der diese Entscheidung keinen negativen Stempel nach sich zieht. Vor allem wenn sie ihre eigene Verantwortung zuvor vernachlässigt haben.

Das macht einen guten Chef aus

Flache Hierarchien, transparente Entscheidungen und regelmäßiges Feedback – was macht eigentlich einen guten Chef aus? Diese sieben Punkte verraten, woran Mitarbeiter einen wirklich guten Vorgesetzten erkennen.

Quelle: WELT/ Sebastian Struwe

Source: Wirtschaft – WELT
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So finden Sie heraus, ob sich Ihr Nebenjob lohnt

Nach der eigentlichen Arbeit nochmal zwei oder drei Stunden abends in der Kneipe aushelfen, Taxifahren oder als Nachhilfelehrer arbeiten: Wer mit seinem Gehalt nicht auskommt, sich einen besonderen Wunsch erfüllen oder mit einem Hobby Geld verdienen will, kann einen Nebenjob aufnehmen. Ende Juni 2019 taten das nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit rund 3,54 Millionen Menschen in Deutschland – ein neuer Rekord. Zehn Jahre zuvor waren es erst 2,33 Millionen Mehrfachbeschäftigte.

Studien deuten darauf hin, dass viele Arbeitnehmer, die Nebenjobs haben, tatsächlich auf das Geld angewiesen sind. So ergab etwa eine 2019 veröffentlichte Erhebung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, dass für mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Befragten finanzielle Schwierigkeiten ausschlaggebend waren, eine solche Stelle anzunehmen. Rund ein Viertel konnte keinen Vollzeitjob finden. Für 51 Prozent waren besondere Konsumwünsche entscheidend. Arbeitnehmer sollten bei der Entscheidung für einen Nebenjob allerdings genau abwägen. Denn das Arbeitsrecht setzt einige Hürden.

„Grundsätzlich gilt in Deutschland zwar das Grundrecht auf eine freie Berufswahl, allerdings darf die Haupttätigkeit dadurch nicht vernachlässigt werden“, erklärt Gabriele Xaver, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied im Deutschen Anwaltverein. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn einen der Nebenjob so sehr belastet, dass man bei der anderen Arbeit nicht mehr die volle erwartete Leistung erbringen kann. „In diesem Fall gilt eine sogenannte Unterlassungspflicht“, sagt Xaver.

Eine weitere Hürde ist die zulässige Höchstarbeitszeit: Laut des Arbeitszeitgesetzes dürfen Arbeitnehmer am Tag nicht mehr als acht Stunden arbeiten. Diese Höchstgrenze lässt sich jedoch kurzzeitig auf bis zu zehn Stunden erhöhen, und zwar wenn ein Angestellter innerhalb von sechs Monaten im Durchschnitt nicht länger als acht Stunden gearbeitet hat. Theoretisch ist es also auch möglich, mehrere kleine Nebenjobs zu haben – wenn man eben nicht insgesamt zu viel arbeitet.

Auch im Urlaub ist das Arbeiten in einem Nebenjob nicht erlaubt. Bei denjenigen, die durch Krankheit arbeitsunfähig geschrieben sind, wird es komplizierter. „Wer krankgeschrieben ist, muss nicht zwingend im Bett liegen“, sagt Xaver. Der Anwältin zufolge dürfen Arbeitnehmer auch in diesem Fall ihrem Nebenjob nachgehen – solange sie dabei ihre eigene Genesung nicht verzögern und so ihrem Hauptarbeitgeber schaden.

Nebentätigkeit: Regelungen im Arbeitsvertrag beachten

Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer aus arbeitsrechtlicher Sicht ihren Hauptarbeitgeber nicht über ihren Nebenjob informieren – bevor sie sich eine zusätzliche Stelle suchen, sollten sie aber auf jeden Fall einen Blick in ihren Arbeitsvertrag werfen. „Dort kann ein Verbot zwar nicht pauschal vereinbart werden“, sagt Xaver. Allerdings stehe darin häufig, dass der Arbeitgeber das genehmigen muss.

Wer ihn also nicht vorab informiert, müsse eventuell mit einer Abmahnung oder im schlimmsten Fall sogar mit einer Kündigung rechnen – selbst wenn das Informieren nur eine reine Formalität ist. Ablehnen kann der Arbeitgeber den Nebenjob nur, wenn er die Arbeitsleistung seines Angestellten beeinflusst oder unter Umständen auch, wenn es ein Nebenjob bei der Konkurrenz ist.

Auch eine ehrenamtliche Stelle kann einem der Hauptarbeitgeber verbieten. „Grundsätzlich darf die Zielrichtung des Unternehmens und dessen Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht gefährdet werden“, sagt Xaver. Wer zum Beispiel für ein Unternehmen arbeite, das im Braunkohletagebau tätig ist, darf sich eher nicht in einem Umweltverband gegen eben jenen Tagebau engagieren.

Alles zum Thema Gehalt

Wer einen Nebenjob antritt, braucht zwar nicht zwingend einen schriftlichen Arbeitsvertrag. „Verträge gelten auch mündlich“, sagt Xaver. Trotzdem ist es der Anwältin zufolge sinnvoll, die wesentlichen Punkte niedergeschrieben zu haben. Dazu gehörten in etwa die Vergütung, Arbeitsbeginn und Arbeitsort sowie die Urlaubsregelung. „Unklare Klauseln gehen im Arbeitsrecht meist zu Lasten des Arbeitgebers“, beruhigt die Anwältin.

Wer all die arbeitsrechtlichen Fragen für sich geklärt hat, muss sich noch mit dem Thema Steuern befassen. Wer als Alleinstehender im Hauptjob zum Beispiel knapp weniger als 55.960 Euro im Jahr versteuern muss, der sollte sich genau überlegen, ob er sich eine weitere Stelle sucht. Sobald jemand nämlich mehr verdient, muss er den Spitzensteuersatz von 42 Prozent auf sein Einkommen zahlen.

Infografik: Anzahl der Nebenjobs in Deutschland

Quelle: Infografik WELT

Wer einen Nebenjob annehme, lande in der Regel in Steuerklasse Sechs, sagt Carsten Nicklaus, Steuerberater und stellvertretender Vorsitzender des Steuerberaterverbands Düsseldorf. In dieser Klasse liegt die höchste Steuerbelastung vor. Vor allem, weil darin unter anderem der Grundfreibetrag von aktuell 9408 Euro nicht berücksichtigt wird.

„Diese hohen Steuereinbehalte sind in den meisten Fällen aber berechtigt“, sagt Nicklaus. Denn je nachdem, welche Kosten man über das Jahr hatte und wie viel man insgesamt verdient hat, ließe sich am Ende einiges über die Steuererklärung zurückholen. So könne der Arbeitnehmer Werbungskosten, also zum Beispiel Ausgaben wie die Fahrtkosten zum Büro und Aufwendungen für Arbeitsmittel, geltend machen. „Damit lässt sich die Steuerlast zum Teil erheblich abmildern“, sagt Nicklaus.

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Zudem gibt es einige Nebentätigkeiten, die bis zu einem bestimmten Betrag von der Steuer befreit sind. Das gilt zum einen für einen Minijob. Als Faustegel gilt, dass dabei regelmäßig nicht mehr als 450 Euro im Monat oder 5400 Euro im Jahr verdient werden darf. Doch Vorsicht: Hat man mehrere Minijobs neben einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung, ist nur der erste komplett abgabenfrei.

Auch Tätigkeiten als Übungsleiter, Trainer, Betreuer oder Ausbilder können steuerfrei sein. „Die Arbeit muss dafür als gemeinnützig, mildtätig oder kirchlich gelten“, sagt Nicklaus. Bis zu 2400 Euro lassen sich über die sogenannte Übungsleiterpauschale dabei jährlich steuerfrei verdienen – für diese Aufwandsentschädigung fallen zudem keine Sozialabgaben, etwa für die Rente, an.

„Darüber hinaus gibt noch die Ehrenamtspauschale“, sagt der Steuerberater. Auch die sei bis zu 720 Euro im Jahr von jeglicher Steuer befreit. Geltend machen kann die zum Beispiel der Sporttrainer, der nebenbei noch Kassenwart im Verein ist. „In der Abrechnung sollte dann darauf geachtet werden, dass die unterschiedlichen Tätigkeiten voneinander abgegrenzt werden“, sagt Nicklaus.

Source: Wirtschaft – WELT
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