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Das könnte eine Pandemie für Deutschland bedeuten

Schon vor Jahren hat die Bundesregierung untersucht, was schlimmstenfalls eine Pandemie für die Bevölkerung und die Wirtschaft bedeuten könnte. Das Anfang 2013 veröffentlichte Szenario deckt sich zwar in einigen Punkten mit der aktuellen Entwicklung. So wird bei der Untersuchung angenommen, dass die Viruserkrankung von Asien nach Deutschland gelangt. Infizierte Personen mit einem hypothetischen Modi-SARS-Virus reisen ein und infizieren weitere Menschen. Die Studie geht jedoch von einer vielfach höheren Todesrate der Infizierten aus als beim aktuellen Coronavirus.

Die Untersuchung basiert auf der Annahme, dass zehn Prozent der Infizierten sterben. Dies liegt weit höher als die derzeit ermittelte Sterberate, die Experten im sehr niedrigen einstelligen Bereich ansetzen. Das führende Robert-Koch-Institut in Berlin meldet beispielsweise, dass derzeit der Anteil der Todesfälle „an den labordiagnostisch bestätigten Erkrankungen“ bei etwa zwei Prozent liege. Es sei wahrscheinlich, „dass dieser Anteil tatsächlich geringer ist, weil sich die Daten auf hospitalisierte Patienten beziehen“. Bei der Studie wird auch davon ausgegangen, dass alle Altersgruppen gleich betroffen sind, was sich nicht mit der aktuellen Realität mit einer höheren Erkrankungsrate älterer Menschen deckt.

Sechs Millionen Erkrankte an einem Tag

Die Studie kommt zum Ergebnis, dass binnen drei Jahren insgesamt 78 Millionen Menschen in Deutschland erkranken und 7,5 Millionen davon sterben. In der ersten Welle könnte es an einem Tag sechs Millionen Erkrankte geben. Weil die Sterblichkeitsrate der in der Studie angenommenen Krankheit nicht mit dem aktuellen Coronavirus zu vergleichen ist, können die Prognosen sicher nicht auf das aktuelle Geschehen übertragen werden. Bemerkenswert sind aber die Vorhersagen für einzelne Wirtschaftsbereiche bei einer Pandemie, also einer weltweiten Ausbreitung eines Krankheitsgeschehens. Es seien immense Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zu erwarten. Weltweit könnten Produktionsketten zum Erliegen kommen.

Die Untersuchung wurde von der Bundesregierung Anfang 2013 dem Bundestag vorgelegt, um über den Schutz der Bevölkerung bei großen Risiken zu informieren. Auf diese Ergebnisse verweist aktuell das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bei Anfragen zu den Vorsorgen und Folgen der derzeitigen Verbreitung des Coronavirus.

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Ein Arbeiter in Schutzanzug spricht in ein Funkgerät vor einem Bildschirm zur Infrarot-Temperaturmessung in der Lobby der Shanghai Börse. Foto: AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ |

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Die Studie, an der verschiedene Behörden, Ministerien und das Robert-Koch-Institut mitgearbeitet haben, geht davon aus, dass in Deutschland bereits frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, sonst wäre die Zahl der Erkrankten noch höher.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass sich die Infektions- und Übertragungsrisiken nach den Berufen unterscheiden. Im Energiesektor, also Strom, Gas, Mineralöl, sowie in der Information und Telekommunikation sollte die Versorgung grundsätzlich bestehen bleiben, so die Annahme. Im Luftverkehr käme es zu Einschränkungen und zu Personalausfällen aufgrund der vielen Personenkontakte. Der Bahnverkehr werde durch Personalausfälle beeinträchtigt und gleichzeitig werden die Menschen die Bahn meiden und wieder mehr mit dem Auto fahren. Ausfälle in der Logistik hätten Auswirkungen auf die Produktion. Probleme könnte es auch bei der Müllabfuhr geben.

500.000 Betten für vier Millionen Patienten

Im Gesundheitssektor wird in der Studie ein Zusammenbruch der medizinischen Versorgung erwartet. Die hohe Zahl der Diagnosen und Behandlungen stelle Ärzte und Krankenhäuser vor immense Probleme. Einer Kapazität von 500.000 Krankenhausbetten (2013) stünden in der ersten Welle vier Millionen Erkrankte gegenüber, die unter normalen Umständen stationär behandelt werden müssten. Im Gesundheitsbereich komme es zu überdurchschnittlich hohen Personalausfällen aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr bei gleichzeitig hohem Personalbedarf. Es entstehen Engpässe bei Medizinprodukten und Schutzausrüstungen.

Auch die Versorgung mit Lebensmitteln wäre bei dem Pandemieszenario nicht in gewohnter Menge und Vielfalt möglich. Krankheitsbedingte Ausfälle in der Landwirtschaft oder Ladenschließungen seien möglich. Im Finanz- und Versicherungswesen wäre die Arbeitsfähigkeit hingegen gegeben. Die Medien könnten ihre Berichterstattung weiter aufrechterhalten, allerdings würden in den Bereichen Kultur, Sport und Unterhaltung die Kapazitäten reduziert.

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Die Analyse der Bundesregierung ist längst nicht die einzige Studie, die sich sehr konkret mit der Bedrohung durch ein neuartiges Coronavirus auseinandersetzt. Im Oktober 2019 und damit nur wenige Wochen vor dem Ausbruch von Covid-19 führte die Johns Hopkins Universität gemeinsam mit der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und dem Weltwirtschaftsforum in New York ein hochrangig besetztes Krisenplanspiel durch, bei dem genau das im Mittelpunkt stand, was die Welt derzeit erlebt: Der Ausbruch eines bisher unbekannten Coronavirus, das die Artengrenze überspringt und sich binnen kurzer Zeit weltweit verbreitet.

Rund 200 Epidemien verzeichne die Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr. Es sei „nur eine Frage der Zeit, bis eine davon zu einer globalen Pandemie mit möglichen katastrophalen Folgen werde“, skizzierten die Veranstalter des „Event 201“ die Ausgangslage. Eine solche Pandemie könne laut Studien die Weltwirtschaft rund 0,7 Prozent oder 570 Milliarden des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten und Gesundheitssysteme, das Wirtschaftsleben und die Gesellschaft insgesamt schwer beschädigen.

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Tatsächlich war die Bilanz des Krisenplanspiels verheerend: In dem wohlgemerkt fiktiven Pandemieszenario starben in den ersten 18 Monaten 65 Millionen Menschen weltweit an der neuartigen Krankheit. „Was zunächst kontrollierbar schien, verbreitete sich schließlich rasend schnell in den dicht bevölkerten Megastädten“, heißt es in der Schlussbilanz zu dem Planspiel, bei dem die Teilnehmer hilflos zusehen mussten, wie sich das Virus in der eng vernetzten Welt in rasender Geschwindigkeit verbreitete.

Binnen sechs Monaten sei die Krankheit in fast jedem Land aufgetaucht und habe die Wirtschaftssysteme zum Erliegen gebracht. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt brach in der Folge um elf Prozent ein, die Börsen stürzten in die Tiefe. Das düstere Fazit der Planspieler: Mehr als eine Dekade lang werde die Welt an den Folgen einer Pandemie leiden, auf die sie nicht richtig vorbereitet gewesen sei.

Allerdings sahen sich die Veranstalter in den vergangenen Wochen auch dazu veranlasst, eine Sache klarzustellen: In keinster Weise sei das Planspiel eine Vorhersage des aktuellen Ausbruchs gewesen. „Wir prognostizieren nicht, dass nCoV-2019 rund 65 Millionen Menschen töten wird“, schreiben die Veranstalter. Vielmehr sie es darum gegangen, herauszufinden, wie sich die Welt besser auf die Bedrohung durch eine weltweite Pandemie einstellen könne. Das Modell für die Simulation sei nicht mit dem aktuellen Geschehen rund um das neuartige Coronavirus nCoV-2019 – oder Sars-CoV-2, wie es mittlerweile heißt – zu vergleichen.

Source: Wirtschaft – WELT
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Das könnte eine Pandemie für Deutschland bedeuten

Schon vor Jahren hat die Bundesregierung untersucht, was schlimmstenfalls eine Pandemie für die Bevölkerung und die Wirtschaft bedeuten könnte. Das Anfang 2013 veröffentlichte Szenario deckt sich zwar in einigen Punkten mit der aktuellen Entwicklung. So wird bei der Untersuchung angenommen, dass die Viruserkrankung von Asien nach Deutschland gelangt. Infizierte Personen mit einem hypothetischen Modi-SARS-Virus reisen ein und infizieren weitere Menschen. Die Studie geht jedoch von einer vielfach höheren Todesrate der Infizierten aus als beim aktuellen Coronavirus.

Die Untersuchung basiert auf der Annahme, dass zehn Prozent der Infizierten sterben. Dies liegt weit höher als die derzeit ermittelte Sterberate, die Experten im sehr niedrigen einstelligen Bereich ansetzen. Das führende Robert-Koch-Institut in Berlin meldet beispielsweise, dass derzeit der Anteil der Todesfälle „an den labordiagnostisch bestätigten Erkrankungen“ bei etwa zwei Prozent liege. Es sei wahrscheinlich, „dass dieser Anteil tatsächlich geringer ist, weil sich die Daten auf hospitalisierte Patienten beziehen“. Bei der Studie wird auch davon ausgegangen, dass alle Altersgruppen gleich betroffen sind, was sich nicht mit der aktuellen Realität mit einer höheren Erkrankungsrate älterer Menschen deckt.

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Die Studie kommt zum Ergebnis, dass binnen drei Jahren insgesamt 78 Millionen Menschen in Deutschland erkranken und 7,5 Millionen davon sterben. In der ersten Welle könnte es an einem Tag sechs Millionen Erkrankte geben. Weil die Sterblichkeitsrate der in der Studie angenommenen Krankheit nicht mit dem aktuellen Coronavirus zu vergleichen ist, können die Prognosen sicher nicht auf das aktuelle Geschehen übertragen werden. Bemerkenswert sind aber die Vorhersagen für einzelne Wirtschaftsbereiche bei einer Pandemie, also einer weltweiten Ausbreitung eines Krankheitsgeschehens. Es seien immense Auswirkungen auf die Volkswirtschaft zu erwarten. Weltweit könnten Produktionsketten zum Erliegen kommen.

Die Untersuchung wurde von der Bundesregierung Anfang 2013 dem Bundestag vorgelegt, um über den Schutz der Bevölkerung bei großen Risiken zu informieren. Auf diese Ergebnisse verweist aktuell das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) bei Anfragen zu den Vorsorgen und Folgen der derzeitigen Verbreitung des Coronavirus.

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Im Gesundheitssektor wird in der Studie ein Zusammenbruch der medizinischen Versorgung erwartet. Die hohe Zahl der Diagnosen und Behandlungen stelle Ärzte und Krankenhäuser vor immense Probleme. Einer Kapazität von 500.000 Krankenhausbetten (2013) stünden in der ersten Welle vier Millionen Erkrankte gegenüber, die unter normalen Umständen stationär behandelt werden müssten. Im Gesundheitsbereich komme es zu überdurchschnittlich hohen Personalausfällen aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr bei gleichzeitig hohem Personalbedarf. Es entstehen Engpässe bei Medizinprodukten und Schutzausrüstungen.

Auch die Versorgung mit Lebensmitteln wäre bei dem Pandemieszenario nicht in gewohnter Menge und Vielfalt möglich. Krankheitsbedingte Ausfälle in der Landwirtschaft oder Ladenschließungen seien möglich. Im Finanz- und Versicherungswesen wäre die Arbeitsfähigkeit hingegen gegeben. Die Medien könnten ihre Berichterstattung weiter aufrechterhalten, allerdings würden in den Bereichen Kultur, Sport und Unterhaltung die Kapazitäten reduziert.

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Rund 200 Epidemien verzeichne die Weltgesundheitsorganisation jedes Jahr. Es sei „nur eine Frage der Zeit, bis eine davon zu einer globalen Pandemie mit möglichen katastrophalen Folgen werde“, skizzierten die Veranstalter des „Event 201“ die Ausgangslage. Eine solche Pandemie könne laut Studien die Weltwirtschaft rund 0,7 Prozent oder 570 Milliarden des globalen Bruttoinlandsprodukts kosten und Gesundheitssysteme, das Wirtschaftsleben und die Gesellschaft insgesamt schwer beschädigen.

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Tatsächlich war die Bilanz des Krisenplanspiels verheerend: In dem wohlgemerkt fiktiven Pandemieszenario starben in den ersten 18 Monaten 65 Millionen Menschen weltweit an der neuartigen Krankheit. „Was zunächst kontrollierbar schien, verbreitete sich schließlich rasend schnell in den dicht bevölkerten Megastädten“, heißt es in der Schlussbilanz zu dem Planspiel, bei dem die Teilnehmer hilflos zusehen mussten, wie sich das Virus in der eng vernetzten Welt in rasender Geschwindigkeit verbreitete.

Binnen sechs Monaten sei die Krankheit in fast jedem Land aufgetaucht und habe die Wirtschaftssysteme zum Erliegen gebracht. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt brach in der Folge um elf Prozent ein, die Börsen stürzten in die Tiefe. Das düstere Fazit der Planspieler: Mehr als eine Dekade lang werde die Welt an den Folgen einer Pandemie leiden, auf die sie nicht richtig vorbereitet gewesen sei.

Allerdings sahen sich die Veranstalter in den vergangenen Wochen auch dazu veranlasst, eine Sache klarzustellen: In keinster Weise sei das Planspiel eine Vorhersage des aktuellen Ausbruchs gewesen. „Wir prognostizieren nicht, dass nCoV-2019 rund 65 Millionen Menschen töten wird“, schreiben die Veranstalter. Vielmehr sie es darum gegangen, herauszufinden, wie sich die Welt besser auf die Bedrohung durch eine weltweite Pandemie einstellen könne. Das Modell für die Simulation sei nicht mit dem aktuellen Geschehen rund um das neuartige Coronavirus nCoV-2019 – oder Sars-CoV-2, wie es mittlerweile heißt – zu vergleichen.

Source: Wirtschaft – WELT
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