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YouTube musste noch nie so viel Hass entfernen

Bei YouTube werden mittlerweile jede Minute 500 Stunden Videomaterial neu hochgeladen. Es ist eine bunte Mischung aus Alltagsszenen, Politikeransprachen, Musikvideos, aber auch Hassreden, Beleidigungen, Gewalt- und Pornoszenen.

Eine soeben von YouTube vorgelegten Statistik über Beschwerden zu den Inhalten und deren Entfernung zeigt, dass unverändert das Segment „Hassrede oder politischer Extremismus“ an der Spitze der Kritik steht, gefolgt von Persönlichkeitsverletzungen oder Beleidigungen. Dabei gibt es aber eine bemerkenswerte Entwicklung.

Zwar lagen im zweiten Halbjahr 2019 die Hassrede-Beschwerden mit 80.824 etwas unter dem Vorjahreszeitraum mit 83.784. Gleichzeitig wurden aber mehr Hassrede-Inhalte entfernt, nämlich 24.692 zu 19.935 im Vorjahreszeitraum.

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Das Verhältnis Beschwerden zu Löschungen stieg damit von 24 auf rund 30 Prozent und ist im Vergleich zu den anderen Kategorien, wie etwa Gewalt- oder Pornoinhalten, überdurchschnittlich hoch. Bei den Inhalten löscht YouTube also tendenziell eher eine Hassrede als eine Gewalt- oder Pornoszene.

Trotz der vielen Beschwerden über Inhalte – insgesamt allein 277.478 im zweiten Halbjahr 2019 gegenüber 250.957 im Vorjahreszeitraum – blieben durchschnittlich fast drei Viertel (74 Prozent) der Beschwerden erfolglos, weil die Videos eben nicht gegen Gesetze oder die YouTube-Regeln verstießen.

Als Beispiel nennt YouTube eine Beschwerde gegen ein Video, in dem Seenotretter als „Schlepper“ bezeichnet wurden. „Wir konnten weder eine Verletzung der Community-Richtlinien von YouTube noch deutschen Rechts feststellen.“ Über alle Kategorien hinweg wurden in der zweiten Jahreshälfte 2019 insgesamt 71.907 Inhalte gelöscht, ein deutlicher Anstieg zum Vorjahreszeitraum mit 54.644.

YouTube setzt zunehmend auf Löschroboter

Dabei muss noch nicht einmal eine externe Beschwerde vorliegen, um ein Video zu löschen. Denn das Tochterunternehmen von Google setzt immer mehr Löschroboter und automatische maschinelle Meldungen ein.

Für YouTube ist das angeblich eine Gratwanderung. Das Videoportal versuche, „vier Freiheiten“ – Meinungsfreiheit, Informationsfreiheit, Handlungsfreiheit und die Freiheit der Zugehörigkeit („freedom to belong“) – in Balance zu halten und zu bewahren, heißt es.

Hierbei müssten die eigenen Richtlinien und/oder lokale Gesetze in Einklang gebracht werden. „Diese Balance zu finden ist nicht einfach, insbesondere für eine weltweit agierende Plattform, die unterschiedlichen rechtlichen und kulturellen Standards unterworfen ist“, teilt das Unternehmen zur Statistikvorlage im Bundesanzeiger mit.

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Trotz des Einsatzes von Technik zum Erkennen von kritischen Inhalten „sind es nach wie vor Menschen, die den Kontext besser erkennen können“, heißt es. „Beispielsweise können Algorithmen nicht den Unterschied zwischen terroristischer Propaganda und kritischer Berichterstattung über solche Organisationen oder zwischen volksverhetzenden Inhalten und politischer Satire erkennen.“ Deshalb müssten in der Regel Menschen, gerade in Bereichen, in denen die Meinungsfreiheit betroffen sei, die Inhalte letztlich beurteilen, so YouTube.

Die Videoplattform muss ebenso wie andere größere soziale Netzwerke über die Entfernung von Inhalten Rechenschaft ablegen. Im sogenannten Netzwerkdurchführungsgesetz (NetzDG) ist geregelt, dass „offensichtlich rechtswidrige“ Inhalte nach Erhalt einer Beschwerde binnen 24 Stunden zu entfernen oder zu sperren sind.

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Nur in Ausnahmefällen darf es länger dauern. Verstoßen Inhalte gegen deutsche Gesetze, kann der Inhalt lokal gesperrt werden und bei Verstößen gegen die YouTube-Richtlinien auch weltweit.

Source: Wirtschaft – WELT
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Bei YouTube werden mittlerweile jede Minute 500 Stunden Videomaterial neu hochgeladen. Es ist eine bunte Mischung aus Alltagsszenen, Politikeransprachen, Musikvideos, aber auch Hassreden, Beleidigungen, Gewalt- und Pornoszenen.

Eine soeben von YouTube vorgelegten Statistik über Beschwerden zu den Inhalten und deren Entfernung zeigt, dass unverändert das Segment „Hassrede oder politischer Extremismus“ an der Spitze der Kritik steht, gefolgt von Persönlichkeitsverletzungen oder Beleidigungen. Dabei gibt es aber eine bemerkenswerte Entwicklung.

Zwar lagen im zweiten Halbjahr 2019 die Hassrede-Beschwerden mit 80.824 etwas unter dem Vorjahreszeitraum mit 83.784. Gleichzeitig wurden aber mehr Hassrede-Inhalte entfernt, nämlich 24.692 zu 19.935 im Vorjahreszeitraum.

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Trotz der vielen Beschwerden über Inhalte – insgesamt allein 277.478 im zweiten Halbjahr 2019 gegenüber 250.957 im Vorjahreszeitraum – blieben durchschnittlich fast drei Viertel (74 Prozent) der Beschwerden erfolglos, weil die Videos eben nicht gegen Gesetze oder die YouTube-Regeln verstießen.

Als Beispiel nennt YouTube eine Beschwerde gegen ein Video, in dem Seenotretter als „Schlepper“ bezeichnet wurden. „Wir konnten weder eine Verletzung der Community-Richtlinien von YouTube noch deutschen Rechts feststellen.“ Über alle Kategorien hinweg wurden in der zweiten Jahreshälfte 2019 insgesamt 71.907 Inhalte gelöscht, ein deutlicher Anstieg zum Vorjahreszeitraum mit 54.644.

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Source: Wirtschaft – WELT
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