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Quartalszahlen: Coronakrise lässt Disney-Gewinn um über 90 Prozent einbrechen

Walt Disney

Burbank Der US-Unterhaltungsriese Walt Disney hat aufgrund der Corona-Pandemie einen gewaltigen Gewinneinbruch erlitten. Der Überschuss ging in den drei Monaten bis Ende März im Jahresvergleich um über 90 Prozent auf 460 Millionen Dollar (424 Mio Euro) zurück, wie der Konzern am Dienstag nach US-Börsenschluss im kalifornischen Burbank mitteilte.

Dabei stiegen die Erlöse dank boomender TV- und Streaming-Angebote um 21 Prozent auf 18 Milliarden Dollar. Der Gewinn im Mediengeschäft mit dem Sportsender ESPN und ABC stieg um sieben Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar.

Vor allem Disneys Vergnügungsparks, Ferienresorts und Kreuzfahrten litten jedoch massiv – hier fiel der Betriebsgewinn um 58 Prozent, obwohl die Virus-Krise sich erst zum Quartalsende hin richtig ausbreitete. Ab Ende Januar mussten zunächst die Themenparks in Shanghai und Hongkong schließen, bis Mitte März waren alle Parks weltweit dicht.

Das Streaming-Geschäft mit dem neuen Videodienst Disney+ wuchs zwar enorm, verursacht bislang aber nur Kosten. Das Minus der Sparte fiel mit 812 Millionen Dollar mehr als doppelt so hoch aus wie im Vorjahr.

Der Gewinn des Filmstudios sank um acht Prozent auf 466 Millionen Dollar. Zu Jahresbeginn hatte das Unternehmen noch mit einem Rekordjahr für sein Filmstudio und einem guten Start ins Streaming-Geschäft gerechnet. Doch durch die Coronakrise sind die Kinosäle leer, die Filmproduktion ist ausgesetzt. ESPN sitzt ohne Sportveranstaltungen ebenfalls auf dem Trockenen. Es wird erwartet, dass die Krise Disney im laufenden Quartal sogar noch härter trifft. Die Aktie reagierte nachbörslich zunächst negativ.

Mehr: Disney setzt die Gehaltszahlungen für fast die Hälfte seiner Angestellten aus – und will so bis zu 500 Millionen Dollar im Monat einsparen.

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Aktie: Mobilfunker Freenet will Dividende wegen Corona aussetzen

Mobilfunkunternehmen sind derzeit gefragt wie selten zuvor. Während der Corona-Pandemie hat die Bedeutung digitaler Kommunikation deutlich zugenommen. Dennoch sehen sich viele Unternehmen vor einer ungewissen Zukunft und fürchten Auswirkungen auf ihr Geschäft.

Als erster Mobilfunker in Deutschland hat die Firma Freenet AG in der Nacht auf Montag angekündigt, die Dividendenzahlung in diesem Jahr aussetzen zu wollen. Im vergangenen Jahr lag die Dividende bei 1,65 Euro je Aktie. Für die Hauptversammlung am 27. Mai hingegen hat der Vorstand vorgeschlagen, lediglich die Mindestdividende in Höhe von 0,04 Euro je Aktie auszuzahlen.

Das Management des MDax-Unternehmens führte die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Finanzsektor als wichtigsten Grund an. „Die finanzielle Stabilität und Flexibilität der Gruppe soll damit auch bei einer Verschärfung der Situation an den Finanzmärkten erhalten bleiben“, teilte das Unternehmen mit.

Schwierigkeiten könnte dem Unternehmen demnach unter anderem die Refinanzierung von zwei Schuldscheinen in Höhe von 700 Millionen Euro bereiten.

Für das erste Quartal wies Freenet einen Rückgang des operative Ergebnis (Ebitda) um 3,7 Prozent auf 104,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Der Umsatz stieg im gleichen Zeitraum um 4,3 Prozent auf 648,8 Millionen Euro.

Die Zahl der Abonnenten legte um 3,2 Prozent auf 8,43 Millionen Kunden zu. Bei der für Mobilfunkunternehmen besonders wichtigen Größe des Umsatzes je Vertragskunden (Postpaid-ARPU) verzeichnete Freenet einen Rückgang von 18,8 Euro im Vorjahr auf 18,4 Euro für das erste Quartal 2020.

Diskussionen bei anderen Mobilfunkern

Auch bei anderen Mobilfunkunternehmen in Deutschland wird über die richtige Höhe der Dividende diskutiert. Netzbetreiber Telefónica hält am 20. Mai als erster Netzbetreiber in Deutschland seine Hauptversammlung virtuell ab.

Das Management hat die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 0,17 Euro je Aktie vorgeschlagen. Das würde rund 510 Millionen Euro der rund 740 Millionen Euro Bilanzgewinn entsprechen, die das Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr ausgewiesen hatte.


Der Chef der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, hatte bereits vergangenen November angekündigt, die Dividende zu kürzen. Nach 0,70 Euro im Vorjahr sollen für das Geschäftsjahr 2019 nur noch 0,60 Euro je Aktie ausgeschüttet werden. Die Ankündigung kam lange vor dem Ausbruch des Coronavirus.

Höttges hatte den Schritt unter anderem mit hohen Ausgaben für den Netzausbau begründet. Zudem hatte die Telekom mehr Schulden gemacht als ursprünglich geplant. Für die am 19. Juni geplante Hauptversammlung will das Unternehmen an diesem Vorschlag festhalten.

„Damit profitieren Telekom Aktionäre von der positiven Entwicklung des Unternehmens“, teilte die Telekom mit. Innerhalb des Unternehmens gibt es nach Handelsblatt-Informationen aber eine Diskussion, ob die Dividende angesichts der unklaren Situation aufgrund der Corona-Pandemie doch noch weiter gekürzt werden sollte.

Mehr: Telekom-Chef Timotheus Höttges will einen Marktführer bauen – dafür geht er Risiken ein.

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Online-Portal für Statistik: Statista will Bloomberg mit Firmendatenbank Konkurrenz machen

Statista-Gründer Friedrich Schwandt

Mit seinen Daten will der Gründer gegen den großen Konkurrenten Bloomberg antreten.


(Foto: Statista.de)

Hamburg Der Datenanbieter Statista will ab dem Sommer verstärkt Firmendatenbanken Konkurrenz machen. Das sagte Statista-Gründer Friedrich Schwandt dem Handelsblatt. Im Juni oder Juli solle die Datenbank für neun europäische Länder und die USA starten.

Bislang bietet Statista Firmendaten über börsennotierte Unternehmen an, künftig sollen auch Informationen über größere Mittelständler ab wenigen Millionen Euro Umsatz vorhanden sein. Rund eine Million Datensätze sollen so dazukommen. Schwandt will mit dem Vorstoß Informationsanbietern wie Bloomberg und Bureau van Dijk Konkurrenz machen.

Das Geschäftsmodell des 2007 in Hamburg gegründeten Unternehmens ist es, Zugang zu Statistiken zu günstigeren Preisen anzubieten als diejenigen der etablierten Marktforscher und Analysedienste. Derzeit ist Statista dabei, weltweit zu expandieren. 2016 hat der Werbekonzern Ströer das Unternehmen von den Gründern gekauft, die als Manager weiter an Bord sind.

Bei den Unternehmensdaten will Schwandt nach bewährtem Muster vorgehen. „Wir sind in ganz vielen Bereichen eine 90-Prozent-Lösung“, sagt Schwandt. Gemeint ist, dass Statista zwar eine große Breite an Gebieten abdeckt, aber weniger tief schürt als andere, spezialisiertere und teurere Anbieter.

So soll sich die neue Unternehmensdatenbank nicht etwa an Portfoliomanager in Banken richten, die bislang Bloomberg-Terminals für tiefe Unternehmensanalysen nutzen. Analystenbewertungen oder Angaben zu Anleihen werden sich beispielsweise nicht finden lassen. „Für die große Menge an Kunden können wir jedoch eine sehr gute Lösung anbieten“, meint Schwandt. Ein Vertriebsmitarbeiter könnte die Daten nutzen, um potenzielle Kunden einzuschätzen.

Wie auch in anderen Bereichen will Schwandt die Daten für sein neues Angebot zukaufen, etwa beim Anbieter North Data. Statista-Kunden sollen den Zugang als Zusatz zu ihrem bisherigen Abo bezahlen. Rund 3000 Euro soll das neue Angebot zusätzlich kosten. Bislang liegt der Durchschnittsumsatz je Nutzer laut Schwandt bei rund 7000 Euro.

Expansion im Ausland

Der frühere BCG-Berater ist dabei, das Unternehmen zu internationalisieren. Dafür baut Schwandt Auslandsbüros auf. 2019 kamen Standorte in Tokio und Singapur hinzu, später im Jahr soll ein Büro in China eröffnen. In den USA ist Statista bereits seit einigen Jahren vertreten. Inzwischen bietet Statista nicht nur eingekaufte Daten an, sondern ermittelt auch selbst über eine breit angelegte globale Umfrage Erkenntnisse. Zudem bereiten Analysten in Hamburg die Daten auf – unter anderem für den redaktionellen Partner Handelsblatt.

Solche Kooperationen dienen auch dazu, die Bekanntheit zu erhöhen – wie auch Grafiken für die Werbebildschirme von Ströer. „Wir bemühen uns, eine internationale Marke aus Deutschland heraus aufzubauen“, sagte Schwandt. Dabei soll das Wachstum ohne Zukäufe aus eigener Kraft erfolgen. Ziel ist ein jährliches Umsatzplus von 30 Prozent, 2021 sollen es 100 Millionen Euro werden. An den Plänen ändere sich trotz Corona wenig. Statista plane auch weiterhin 2020 im zweistelligen Bereich zu wachsen.


Die letzte veröffentlichte Umsatzzahl stammt aus dem Jahr 2018, als Statista auf 55 Millionen Euro Umsatz kam. Aktuell beschäftigt Statista 753 Menschen.

Die Konkurrenten sind deutlich größer. Bloomberg etwa kommt auf geschätzte zehn Milliarden Dollar Umsatz und hat laut früheren Angaben rund 330 000 Nutzer für seine Terminals. Bureau von Dijk kam 2017, dem Jahr der Übernahme durch die Ratingagentur Moody’s für drei Milliarden Dollar, auf einen Umsatz von 281 Millionen Dollar. Die Niederländer sind seit 29 Jahren am Markt.

Hinweis: Das Handelsblatt kooperiert mit Statista.

Mehr: Werbekonzern Ströer erzielt Rekordergebnis.

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Disney+: Disneys Streamingdienst knackt 50-Millionen-Marke bei Bezahl-Abos

Disney+

In Deutschland gibt es den Streamingdienst erst seit dem 24. März.

(Foto: Reuters)

Burbank Der Streamingservice des Unterhaltungsriesen Disney verzeichnet weiter rasantes Wachstum. Disney+ habe rund fünf Monate nach dem Start in den USA weltweit bereits 50 Millionen zahlende Abonnenten gewonnen, teilte der Konzern am Mittwoch (Ortszeit) in Burbank mit. …

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Streamingdienste: So will Disney+ auch in Deutschland zum Netflix-Konkurrenten werden

Angriff der Traumfabrik

Disney+ erwartet auch in Deutschland ein rasches Wachstum.

(Foto: AP)

San Francisco Kevin Mayer gehört zu den wenigen Managern auf der Welt, deren Geschäft seit der Coronakrise wahrscheinlich besser läuft als davor. „Wir sind natürlich nicht glücklich über diese Situation“, sagt der Disney-Topmanager dem …

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Kevin Mayer: Disney-Streamingchef im Interview: „Deutsche lieben Star Wars“

Kevin Mayer, Chef von Disney+

Der Medienriese verfolgt auch in Europa eine Expansionsstrategie.

(Foto: Getty Images)

Disney+ startet am 24. März in Europa. Mit der Macht des Medienkonzerns im Rücken will der Streamingdienst zum härtesten Konkurrenten für Marktführer Netflix aufsteigen. Der Mann hinter der Expansionsstrategie ist Kevin Mayer. Im …

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Medien: Judith Wittwer wird in die SZ-Chefredaktion berufen

Judith Wittwer

Die Journalistin leitet künftig die „Süddeutsche Zeitung“-Redaktion.

(Foto: dpa)

München, Stuttgart Die „Süddeutsche Zeitung“ bekommt in der Chefredaktion ein neues Duo. Gemeinsam mit Wolfgang Krach (56), der bereits seit Jahren Chefredakteur ist, soll Judith Wittwer die Redaktion leiten, wie die Südwestdeutsche Medienholding GmbH (SWMH), zu der die überregionale „ …

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Medienkonzern: Konzernumbau drückt Gewinn bei Axel Springer – Börsenrückzug beschlossen

Axel Springer

Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR wollen sich die Berliner von der Börse zurückziehen und künftig Geld in langfristiges Wachstum stecken.



(Foto: dpa)

Berlin Die Kosten für den Konzernumbau drücken bei Axel Springer auf Umsatz und Gewinn. Die Erlöse sanken 2019 um 2,2 Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro, wie der Herausgeber von „Bild“ und „Welt“ am Donnerstag mitteilte. Der bereinigte Gewinn (Ebitda) fiel um fast 15 Prozent auf 630,6 Millionen Euro.

Für 2020 peilt der Medienkonzern mehr Investitionen an und stellt dabei auch Zukäufe in Aussicht. Deshalb werde der Gewinn zwischen zehn und 20 Prozent zurückgehen, und die Umsätze dürften stagnieren. „Axel Springer hat das Ziel, der weltweite Marktführer für digitalen Journalismus und Rubrikenangebote zu werden.“ Dafür werde auch das Geschäft mit Internetportalen wie Immobilien- und Jobplattformen „organisch und, wo möglich und sinnvoll, durch zielgerichtete Akquisitionen weiter ausgebaut“.

Den erwarteten Gewinnrückgang 2019 begründete das Management vor allem mit Rückstellungen für die Restrukturierung im Bereich News Media National, wo das Geschäft von „Bild“ und „Welt“ gebündelt ist. Hier will Springer 50 Millionen Euro einsparen und schließt beim bisher nicht bezifferten Jobabbau betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR wollen sich die Berliner nun von der Börse zurückziehen und künftig Geld in langfristiges Wachstum stecken. Vorstand und Aufsichtsrat stimmten dem sogenannten Delisting formell zu.

Vor kurzem hatte der Konzern angekündigt, dass die Dividende für 2019 auf 1,16 Euro sinken soll nach 2,10 Euro für 2018. Ziel sei es, im Gegenzug mehr zu investieren. Der Aufsichtsrat soll am 10. März über den Vorschlag des Vorstands beraten, rund 125 Millionen Euro auszuschütten.

Mehr: KKR-Manager im Interview – „Wir setzen auf Deutschland“

Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Medienkonzern: Konzernumbau drückt Gewinn bei Axel Springer – Börsenrückzug beschlossen

Axel Springer

Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR wollen sich die Berliner von der Börse zurückziehen und künftig Geld in langfristiges Wachstum stecken.



(Foto: dpa)

Berlin Die Kosten für den Konzernumbau drücken bei Axel Springer auf Umsatz und Gewinn. Die Erlöse sanken 2019 um 2,2 Prozent auf rund 3,1 Milliarden Euro, wie der Herausgeber von „Bild“ und „Welt“ am Donnerstag mitteilte. Der bereinigte Gewinn (Ebitda) fiel um fast 15 Prozent auf 630,6 Millionen Euro.

Für 2020 peilt der Medienkonzern mehr Investitionen an und stellt dabei auch Zukäufe in Aussicht. Deshalb werde der Gewinn zwischen zehn und 20 Prozent zurückgehen, und die Umsätze dürften stagnieren. „Axel Springer hat das Ziel, der weltweite Marktführer für digitalen Journalismus und Rubrikenangebote zu werden.“ Dafür werde auch das Geschäft mit Internetportalen wie Immobilien- und Jobplattformen „organisch und, wo möglich und sinnvoll, durch zielgerichtete Akquisitionen weiter ausgebaut“.

Den erwarteten Gewinnrückgang 2019 begründete das Management vor allem mit Rückstellungen für die Restrukturierung im Bereich News Media National, wo das Geschäft von „Bild“ und „Welt“ gebündelt ist. Hier will Springer 50 Millionen Euro einsparen und schließt beim bisher nicht bezifferten Jobabbau betriebsbedingte Kündigungen nicht aus.

Nach dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR wollen sich die Berliner nun von der Börse zurückziehen und künftig Geld in langfristiges Wachstum stecken. Vorstand und Aufsichtsrat stimmten dem sogenannten Delisting formell zu.

Vor kurzem hatte der Konzern angekündigt, dass die Dividende für 2019 auf 1,16 Euro sinken soll nach 2,10 Euro für 2018. Ziel sei es, im Gegenzug mehr zu investieren. Der Aufsichtsrat soll am 10. März über den Vorschlag des Vorstands beraten, rund 125 Millionen Euro auszuschütten.

Mehr: KKR-Manager im Interview – „Wir setzen auf Deutschland“

Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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Musikmanager Frank Briegmann: „Dem Streaming gehört die Zukunft“

Billie Eilish

Vor allem das Streaming-Geschäft treibt die Umsätze der Musikindustrie in die Höhe.


(Foto: AP)

Düsseldorf Totgesagte leben länger: Die Musikindustrie jedenfalls hat wie kaum eine andere Branche die digitale Disruption überstanden. Und mehr noch: Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) meldet aktuell ein Umsatzplus von 8,2 Prozent für das vergangene Jahr auf mehr als 1,6 Milliarden Euro.

„Wir haben wieder stabilen Boden unter den Füßen und bauen unser Geschäft stetig aus“, sagt Frank Briegmann, Zentraleuropa-Chef vom globalen Marktführer Universal Music sowie Deutscher Grammophon und BVMI-Vorstand. Der Musikmanager rechnet im Interview mit dem Handelsblatt „mit weiteren Umsatzsteigerungen auch in diesem Jahr“.

Treiber der Entwicklung ist vor allem das boomende Geschäft via Spotify und anderen Streaming-Diensten, die mittlerweile von 17,4 Millionen Menschen in Deutschland genutzt werden: Der Marktanteil steigerte sich laut BVMI auf 55,1 Prozent, der Umsatz legte um 27 Prozent zu. Mehr als die Hälfte der Musik wird also mittlerweile hierzulande gestreamt.

Interessanterweise hat sich daneben das Geschäft mit klassischen Vinyl-Platten eine kleine, aber sich wieder öffnende Nische erobert und wuchs um 13,3 Prozent auf nunmehr rund fünf Prozent Marktanteil. Zurück gingen dagegen die Downloads sowie die CD-Verkäufe, die in Deutschland indes noch knapp ein Drittel des Geschäfts ausmachen – anders als etwa im Spotify-Heimatland Schweden, wo fast nur noch gestreamt wird. Briegmann ist sicher: „Das Streaming für Film- und Musikinhalte ist der Kanal der absehbaren Zukunft.“

Warum der Musikmanager etwa in Alexa noch enormes Wachstumspotenzial sieht, was er von neuen Bezahlmodellen bei Spotify & Co. für seine Stars hält und wie es mit dem einstigen deutschen Musikpreis „Echo“ weitergehen könnte – das können Sie nachfolgend im kompletten Interview mit Frank Briegmann lesen.

Herr Briegmann, die Musikbranche hat im Zuge der Digitalisierung so ziemlich alle existenziellen Dramen durchgemacht in den vergangenen Jahren. Nun meldet der Bundesverband der Musikindustrie ein Umsatzwachstum von sensationellen 8,2 Prozent. Auch die Gewinne sprudeln offenbar wieder. Sind die alten Grabgesänge auf Ihre Branche endgültig Geschichte?
Der Wachstumstrend der Branche hält ja nun schon sieben Jahre an. Da lässt sich also mit Fug und Recht behaupten: Wir haben wieder stabilen Boden unter den Füßen und bauen unser Geschäft stetig aus.
Es gibt eine ganz klare Tendenz: CD-Verkäufe, aber auch Downloads gehen weiter zurück, dafür explodiert das Streaming-Geschäft geradezu – laut Verband um 27 Prozent auf mittlerweile mehr als die Hälfte aller Umsätze.

Heißt das nicht, dass am Ende weniger die klassischen Plattenfirmen als die Plattformen gewonnen haben, also Spotify, Apple Music und andere?
Ich sehe das anders: Im Ökosystem Musikindustrie können die Akteure nur gemeinsam Erfolg haben – Künstler, Labels und digitale Plattformen. Sie sind keine Wettbewerber, sondern Partner.

Die Nahtod-Erlebnisse aus der Napster- und damit Raubkopien-Zeit stecken Ihrer Branche nicht mehr in den Knochen?
Wir haben dazugelernt und in der jüngeren Vergangenheit gleich zwei komplette Umwälzungen gemeistert: Zunächst vom physischen Musikverkauf, von der LP und CD zum Download. Und von dort dann weiter zum Streaming, bei dem es nicht mehr um den Besitz, sondern um den Zugang zur Musik geht. Für das Ausleben posttraumatischer Flashbacks hatten wir gar keine Zeit.

Vor zehn Jahren gab es Musik-Streaming noch gar nicht. Kann sich das womöglich auch irgendwann zu einem Klumpenrisiko Ihrer Branche entwickeln?
In Deutschland machen wir noch immer rund ein Drittel unserer Umsätze mit CDs. Selbst Vinyl hat sich als kleine, aber feine Nische etabliert. Wir bieten schon immer jedes Format an, das die Fans haben wollen und ökonomisch sinnvoll ist. Echte neue Technologiesprünge, die das Streaming ablösen könnten, sehe ich derzeit allerdings nicht.


Marktführer Spotify kommt aus Schweden, wo Streaming bereits heute den kompletten Markt beherrscht. Geht der Rest der Welt in die gleiche Richtung?
Da gibt es große regionale Unterschiede. Nichtsdestotrotz ist das Streaming für Film- und Musikinhalte der Kanal der absehbaren Zukunft – und wird in den nächsten Jahren weiterwachsen. Der Markt ist sehr divers, mit einer ganzen Reihe großer und kleiner Anbieter – von Spotify und Amazon über Apple und Deezer bis zu einer größeren Zahl kleinerer Anbieter. Vielfalt ist wichtig und gut für uns und unsere Künstler.

Marktführer Spotify hat noch nie in seiner Geschichte schwarze Zahlen geschrieben, Ihre Branche aber profitiert nun vom Streaming-Boom, sogar die Renditen steigen. Wer hat da falsch kalkuliert?
Wir haben jedenfalls für unser eigenes Geschäft richtig gerechnet. Margen haben aber am Ende mit einer Vielzahl von Einflussfaktoren zu tun, die ich bei Dritten nicht beurteilen kann und will. Wir als Musikbranche haben in den Jahren der Krise enorm an unserer Kostenstruktur gearbeitet. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Das kommt uns, unseren Künstlern und Partnern jetzt zugute.

Die Künstler selbst haben sich anfangs bitter beschwert, bei ihnen komme via Streaming viel zu wenig an von den Ergebnissen. Nun gibt es eine neue Initiative, die auch Universal-Stars wie Helene Fischer unterschrieben haben. Im Kern geht es darum, die Streaming-Einnahmen anders zu verteilen. Wie stehen Sie dazu?
Zunächst mal ist das kein Konflikt zwischen Künstlern und Labels. Wir sind da eher die Schnittstelle zwischen den Künstlern und den Streaming-Anbietern. Aktuell wird das Pro-Rata-Modell genutzt: Wer oft gehört wird, bekommt aus dem Topf, in den alle Nutzer ihre Abo-Gebühren einzahlen, das meiste Geld. Klar ist für mich: Der Kuchen muss fair verteilt werden!

Frank Briegmann mit Sarah Connor

„Wir als Musikbranche haben in den Jahren der Krise enorm an unserer Kostenstruktur gearbeitet. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“


(Foto: Universal Music Group)

Das neue User Centric Payment System (UCPS) würde aber noch direkter dafür sorgen, dass das Geld künftig nur bei jenen Künstlern landet, die man auch wirklich gehört hat. Klingt doch gerechter, oder?
Ich kann mir auch UCPS als Kalkulationsbasis vorstellen. Aber wie so oft im Leben haben beide Modelle ihre Vor- und Nachteile. Die Einigung auf ein Modell ist auf jeden Fall eine komplexe Angelegenheit, zu der sich alle an einen Tisch setzen müssen. Die Etikettierung als „fair“ oder „unfair“ hilft da übrigens kaum weiter. Es kommt bei UCPS – anders als im aktuellen Modell – nicht allein darauf an, wie viele Streams ein Künstler verzeichnet, sondern vor allem auch darauf, von wie vielen Fans er wie exklusiv gehört wird. Man darf auch nicht vergessen, dass eine Umstellung für die Plattformen einen enormen administrativen Aufwand bedeuten würde. Außerdem müsste jedes Label – ob Major oder Independent – mit jeder Plattform global neue Verträge aushandeln. Das ist von uns aus kein Hinderungsgrund, sollte aber wohlüberlegt sein.

Der Wunsch der Künstler nach mehr Transparenz dürfte berechtigt sein.
Absolut. Die Verteilungsmechanismen müssen nachvollziehbar und verständlich sein.

Der französische Streaming-Dienst Deezer will UCPS im zweiten Halbjahr starten. Scheint also zu gehen.
Auch ich habe die Ankündigung gesehen. Aber noch mal: Wir sollten nirgendwo Fronten aufbauen, wo keine sind. Wir alle versuchen letztlich, das beste Modell für alle Beteiligten zu finden. Wir sitzen am Ende im selben Boot. Das bedarf komplexer Abstimmungsprozesse. Der Dialog hat aber längst begonnen. Und wir als Marktführer sind schon mittendrin.

Der größte Musikanbieter der Welt ist mit 1,8 Milliarden Nutzern ein Konzern, den wir noch gar nicht erwähnt haben: die Google-Tochter YouTube. Wie sieht es dort mit fairer Bezahlung aus?
Erfreulicherweise hat das Europäische Parlament ja im vergangenen Jahr die Copyright-Direktive zugunsten der Künstler und Rechteinhaber geändert, wofür wir lange gekämpft haben. YouTube muss jetzt zuverlässig und dauerhaft dafür sorgen, dass keine unlizenzierten Inhalte mehr ausgespielt werden. Das allerwichtigste wird jetzt aber sein, dass diese europäische Direktive in nationales Recht umgesetzt wird. Und zwar ohne dass manche Länder dabei ihr eigenes Süppchen kochen.

Wer sitzt generell am längeren Hebel? Die Plattformen, die Majors, die Künstler? Oder womöglich sogar wir Kunden?
Das Musikgeschäft 2020 funktioniert nur noch partnerschaftlich.

Ihr Unternehmen gehört zum französischen Medienkonzern Vivendi, der jüngst angekündigt hat, Universal Music bis 2023 an die Börse bringen zu wollen. Eine gute Idee?
Ich sehe allgemein, dass die Attraktivität von Musikinhalten und damit der entsprechenden Unternehmen auch auf Investorenseite steigt. Das ist ein gutes Zeichen für die Dynamik der Märkte. Die Kommentierung konkreter Pläne überlasse ich gern unseren Shareholdern.

Auch der Branchen-Vize Warner Music plant den Schritt aufs Parkett. Und der chinesische Unterhaltungskonzern Tencent hat bereits für drei Milliarden Dollar zehn Prozent von Universal Music übernommen. Woher rühren diese Wachstumsphantasien?
Musik wurde zu allen Zeiten konsumiert. Hinzugekommen sind wirksame digitale Businessmodelle zur Monetarisierung. Über das Streaming haben wir gesprochen. Weitere Potenziale gibt es durch die wachsende Verbreitung vernetzter und damit oft streamingfähiger Geräte. Connected Cars sind so ein Thema. Oder auch Smart-Home-Technologien mit ihren Smart Speakern. In den USA beispielsweise verwenden rund 60 Prozent der Nutzer sprachgesteuerte Geräte wie Alexa und andere für Entertainment-Anwendungen, Streaming inbegriffen.


Kurz: Auch Alexa steigert vor allem die Musikumsätze?
Es ist jedenfalls ein wichtiges Thema. Durch diese Technologien haben wir auch Zugang zu neuen Zielgruppen: Für Kinder oder ältere Menschen etwa ist es am Ende einfacher, ihren Sprachassistenten um einen Track zu bitten als ein Smartphone zu koppeln und zu bedienen oder eine CD zu kaufen. In diesem Segment steckt buchstäblich viel Musik.

Müssten Sie nicht auch Hollywood noch stärker einbinden? Zuletzt haben Filmhits wie „Bohemian Rhapsody“ gezeigt, dass man damit auch wieder CDs und Streams uralter Songs verkaufen kann.
Wir produzieren auch selbst audiovisuelle Inhalte – natürlich mit der Idee, dass sich Film und Musik gegenseitig befruchten. Umgekehrt arbeiten wir bei der Deutschen Grammophon mit herausragenden Filmkomponisten zusammen, darunter der isländischen Cellistin Hildur Guðnadóttir, die mit ihren Filmmusiken zu „Chernobyl“ und „Joker“ jüngst mehrere Preise gewann, einen Oscar und einen Grammy inklusive. Film ist wie Musik ein enorm emotionales Medium. Diese Verbindung wollen wir weiter intensivieren.

Viele heutige Musikgrößen, von der deutschen Rap-Szene bis zu Billie Eilish, konnten über soziale Netzwerke quasi im Alleingang zu Stars werden. Wozu braucht es überhaupt noch Musikkonzerne wie Ihren?
Tatsächlich hat sich unsere Arbeit mit Künstlern enorm verändert. Ist ja auch klar. Jeder kann heute ein Video hochladen und am Anfang vieles selbst machen, zumindest bis zu einem gewissen Level. Denn die Praxis zeigt, dass es irgendwann eben doch künstlerische Sparringspartner, Marketing-Profis, Tech-Experten, Anwälte und vieles andere mehr braucht, um langfristig erfolgreich zu sein und von seiner Arbeit leben zu können.

Konzerne wie Universal Music kommen also später ins Spiel?
Nicht generell. Die Nachwuchsarbeit bleibt für uns enorm wichtig. Und da sind wir auch ein Treiber lokaler Kultur, die immer bedeutender wird: Etwa 50 Prozent unseres Geschäfts in Deutschland machen zum Beispiel hiesige Künstler aus. Wir sind flexibler geworden und bieten unseren Künstlern nun immer mehr maßgeschneiderte Services – vom Rundum-sorglos-Paket bis zur reinen Distribution.

Streaming dürfte mehr Daten generieren als alle anderen Abspielkanäle. Werden die Hits der Zukunft von Algorithmen komponiert?
Ich bin davon überzeugt, dass Musik immer eine menschlich-kreative, eine emotionale Komponente haben muss, um die Fans zu begeistern. Computer und Programme werden es wohl nie schaffen, Menschen so zu berühren. Aber natürlich nutzen wir Algorithmen für Entscheidungsprozesse und die Vermarktung.

Sie sind auch Vorstand des hiesigen Musikverbandes BVMI und haben dort die Implosion des wichtigsten deutschen Musikpreises „Echo“ miterlebt vor zwei Jahren. Damals kam es zum Eklat wegen antisemitischer Texte zweier Rapper, die eigentlich den Echo bekommen sollten. Wie geht’s mit dem Preis weiter?
Es ist schade, dass es in Deutschland seit nunmehr zwei Jahren keine große Auszeichnung im Musikbereich mehr gibt. Unsere Künstlerinnen und Künstler würden sich freuen, wieder eine solche Bühne geboten zu bekommen; wir als Industrie auch. Zu einem neuen Preis werden auf allen Ebenen viele Gespräche geführt. Ich selbst bin der Ansicht, dass in einem deutschen Musikpreis möglichst alle Genres gemeinsam antreten sollten – vom Schlager über Rock bis Hiphop. Ausgrenzungen machen da keinen Sinn.

In der Klassik gibt es immerhin nun den „Opus“ statt den Klassik-Echo als Preis…
… und in diese Richtung könnte sich auch ein neuer deutscher Musikpreis entwickeln.

Aber dieses Jahr wohl nicht mehr, oder?
Das halte ich tatsächlich für eher unwahrscheinlich.

Fürs Geschäft an sich sind Sie optimistischer?
Auf jeden Fall. Ich rechne mit weiteren Umsatzsteigerungen auch in diesem Jahr.

Herr Briegmann, vielen Dank für das Interview.


Mehr: Anleger können bald in Taylor Swift investieren – sollten aber realistische Erwartungen haben.

Source: Handelsblatt Online – Wirtschaft – Politik, Unternehmen und Finanzen
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