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Dieser Deutsche herrscht künftig über ein 300-Milliarden-Imperium

Es ist nicht das erste Mal, dass es ein deutscher Manager bis an die Spitze eines US-Konzerns geschafft hat. Klaus Kleinfeld beim Aluminiumhersteller Alcoa, Martin Richenhagen beim Landmaschinenhersteller Agco, Benno Dorer beim Konsumgüterhersteller Clorox sind Beispiele.

Doch bis auf den Chefposten eines so namhaften und wertvollen Unternehmens wie Mastercard hat es noch kein Deutscher geschafft – weder hierzulande noch im Ausland. Zum 1. Januar 2021 tritt Michael Miebach die Nachfolge von Konzernchef Ajay Banga an, der seit zehn Jahren den Visa-Konkurrenten führt. Mastercard bringt es an der Börse aktuell auf einen Börsenwert von 315 Milliarden Dollar, umgerechnet 290 Milliarden Euro.

Zum Vergleich: Der Softwarekonzern SAP, das wertvollste Unternehmen des deutschen Leitindex Dax, wird an der Börse derzeit mit knapp 150 Milliarden Euro bewertet, nicht einmal der Hälfte.

Der 52-jährige Miebach wurde in Obergünzburg im Allgäu geboren und studierte Betriebswirtschaft an der Universität Passau. Nach Stationen bei den Banken Citibank und Barclays wechselte der leidenschaftliche Motorradfahrer 2010 zu Mastercard. Dort ist er seit 2016 als Chief Product Officer der oberste Produktverantwortliche des Kreditkarten-Anbieters.

Mastercard will Tech-Konzern werden

Miebachs Mission ist, das Bargeld abzuschaffen. So erklärte er seinen Job jedenfalls vor zwei Jahren in einem Gespräch mit WELT AM SONNTAG. Bargeld sei zum einen teuer, hinzu komme das Thema Sicherheit. „Elektronische Zahlungsmittel eignen sich nicht für Geldwäsche und Steuerhinterziehung, denn jede Transaktion kann nachvollzogen werden“, sagte er damals und versuchte die Angst vor einer Datenspur, die mit elektronischen Zahlungen einhergeht, zu zerstreuen.

Auch er wolle nicht, dass mit seinen Einkaufsdaten Dinge geschehen, von denen er nichts wisse. Mastercard halte sich daran. Die Zukunft des Bezahlens wird Miebach nun selbst an oberster Stelle mitgestalten. Er ging schon damals im Interview davon aus, dass die Plastikkarte, mit der viele Menschen Mastercard verbinden, an Bedeutung verliert.

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„Letztlich sind wir ein Technologiekonzern, der sein Zahlungsangebot nach und nach ausweitet“, sagte er. Sein Szenario: Der eigentliche Bezahlvorgang werde mehr und mehr in den Hintergrund rücken, das Geld werde beispielsweise automatisch vom Konto abgebucht, sobald ein Kunde den Laden verlasse, eine Karte müsse da niemand mehr zücken.

„Bei wiederkehrenden Zahlungen, wie der Gasrechnung, kann ich mir auch vorstellen, dass ich nur dann noch auf die Zahlung aufmerksam gemacht werde, wenn der Betrag den üblichen Rahmen übersteigt, wenn es statt 100 Euro plötzlich 115 Euro sind.“

Gewinnwarnung aus Corona-Furcht

Klar sei aber: Selbst wenn der eigentliche Bezahlvorgang mehr und mehr in den Hintergrund rücken werde, müsse auch in Zukunft kein Kunde befürchten, dass Geld ohne seine Zustimmung abgebucht werde, sagte er in seiner Funktion als Produktverantwortlicher.

Nun wird Miebach selbst ganz nach oben an die Mastercard-Spitze rücken. Sein Vorgänger hinterlässt ihm ein erfolgreiches Unternehmen, dessen Börsenwert sich in den vergangenen zehn Jahren verzwölffacht hat.

Aktuell kämpft Mastercard allerdings wie so viele andere Unternehmen auch mit den Auswirkungen des neuen Coronavirus. Kurz vor der Bekanntgabe des Chefwechsels hatte Mastercard vor Folgen auf das eigene Geschäft gewarnt.

Der Umsatz werde im ersten Quartal zwei bis drei Prozent niedriger ausfallen, als bisher in Aussicht gestellt, hieß es in einer Erklärung. Für das laufende Quartal erwartet Mastercard nun ein Umsatzwachstum zwischen neun und zehn Prozent, da sich das Virus grenzüberschreitend auf Reisen und E-Commerce auswirke.

Source: Wirtschaft – WELT
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Dieser Deutsche herrscht künftig über ein 300-Milliarden-Imperium

Es ist nicht das erste Mal, dass es ein deutscher Manager bis an die Spitze eines US-Konzerns geschafft hat. Klaus Kleinfeld kam beim Aluminiumhersteller Alcoa bis auf den Posten des CEO, Martin Richenhagen beim Landmaschinenhersteller Agco, Benno Dorer beim Konsumgüterhersteller Clorox sind Beispiele.

Doch bis auf den Chefposten eines so namhaften und wertvollen Unternehmens wie Mastercard hat es noch kein Deutscher geschafft – weder hierzulande, noch im Ausland. Zum 1. Januar 2021 tritt Michael Miebach die Nachfolge von Konzernchef Ajay Banga an, der seit zehn Jahren den Visa-Konkurrenten führt. Mastercard bringt es an der Börse aktuell auf einen Börsenwert von 315 Milliarden Dollar, umgerechnet 290 Milliarden Euro.

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Der 52-jährige Miebach wurde in Obergünzburg im Allgäu geboren und studierte Betriebswirtschaft an der Universität Passau. Nach Stationen bei den Banken Citibank und Barclays wechselte der leidenschaftliche Motorradfahrer 2010 zu Mastercard. Dort ist er seit 2016 als Chief Product Officer der oberste Produktverantwortliche des Kreditkarten-Anbieters.

Mastercard will Tech-Konzern werden

Miebachs Mission ist, das Bargeld abzuschaffen. So erklärte er seinen Job jedenfalls vor zwei Jahren in einem Gespräch mit WELT AM SONNTAG. Bargeld sei zum einen teuer, hinzu komme das Thema Sicherheit. „Elektronische Zahlungsmittel eignen sich nicht für Geldwäsche und Steuerhinterziehung, denn jede Transaktion kann nachvollzogen werden“, sagte er damals und versuchte die Angst vor einer Datenspur, die mit elektronischen Zahlungen einhergeht, zu zerstreuen.

Auch er wolle nicht, dass mit seinen Einkaufsdaten Dinge geschehen, von denen er nichts wisse. Mastercard halte sich daran. Die Zukunft des Bezahlens wird Miebach nun selbst an oberster Stelle mitgestalten. Er ging schon damals im Interview davon aus, dass die Plastikkarte, mit der viele Menschen Mastercard verbinden, an Bedeutung verliert.

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„Bei wiederkehrenden Zahlungen, wie der Gasrechnung, kann ich mir auch vorstellen, dass ich nur dann noch auf die Zahlung aufmerksam gemacht werde, wenn der Betrag den üblichen Rahmen übersteigt, wenn es statt 100 Euro plötzlich 115 Euro sind.“

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Klar sei aber: Selbst wenn der eigentliche Bezahlvorgang mehr und mehr in den Hintergrund rücken werde, müsse auch in Zukunft kein Kunde befürchten, dass Geld ohne seine Zustimmung abgebucht werde, sagte er in seiner Funktion als Produktverantwortlicher.

Nun wird Miebach selbst ganz nach oben an die Mastercard-Spitze rücken. Sein Vorgänger hinterlässt ihm ein erfolgreiches Unternehmen, dessen Börsenwert sich in den vergangenen zehn Jahren verzwölffacht hat.

Aktuell kämpft Mastercard allerdings wie so viele andere Unternehmen auch mit den Auswirkungen des neuen Coronavirus. Kurz vor der Bekanntgabe des Chefwechsels hatte Mastercard vor den Auswirkungen des Virus auf das eigene Geschäft gewarnt.

Der Umsatz werde im ersten Quartal zwei bis drei Prozent niedriger ausfallen als bisher in Aussicht gestellt, hieß es in einer Erklärung. Für das laufende Quartal erwartet Mastercard nun ein Umsatzwachstum zwischen neun und zehn Prozent, da sich das Virus grenzüberschreitend auf Reisen und E-Commerce auswirke.

Source: Wirtschaft – WELT
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