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Test-Gerät für 50 Euro – Was kann der Magenta TV Stick?

Wer heute noch einen TV-Stick auf den Markt bringt, sollte irgendetwas deutlich besser machen als die Konkurrenz. Denn solche Streaming-Player gibt es inzwischen zuhauf: Apple TV, Googles Chromcast, Fire TV, Nvidia Shield. Viele Smart-TV-Geräte haben die Funktion zum Streamen von Videos gleich mit eingebaut. Die Telekom behauptet, mit ihrem Stick das Fernsehen einfacher zu machen – und das eigene Angebot von Magenta TV auch für Nutzer anzubieten, die ihren Internetanschluss bei der Konkurrenz haben.

Im Test stellen wir erst einmal fest, dass der Stick gar kein Stick ist. Es handelt sich vielmehr um eine Mini-Box, die ein kurzes Kabel hat, dessen Stecker in einen HDMI-Anschluss passt. Jeder modernere Fernseher hat einen solchen Zugang. Außerdem muss die Mini-Box auch noch mit einem weiteren Kabel an die Steckdose angeschlossen werden. Im Lieferumfang ist zudem eine Fernbedienung, auf der leider ein Zahlenfeld fehlt.

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23.10.2019, Bayern, München: Michael Schuld, Chef des Streaming-Anbieters Magenta TV, steht bei der Deutschen Telekom Pressekonferenz im Aktionshaus Ketterer Kunst. Die Fußball-EM 2024 wird in Deutschland von der Telekom übertragen. Das Unternehmen sicherte sich die Rechte für das Heim-Turnier in knapp fünf Jahren, wie am Mittwoch in München bekanntgegeben wurde. Foto: Felix Hörhager/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Die Einrichtung des Magenta-TV-Sticks ist schnell erledigt. Zuerst muss die Fernbedienung gekoppelt und ein WLAN-Hotspot ausgewählt werden. Einen Anschluss für ein LAN-Kabel vom Router gibt es nicht. Weil auf dem Gerät die Software Android TV arbeitet, verlangt die Einrichtung die Eingabe eines Google-Kontos und die Eingabe eines Telekom-Kontos.

Zum Teil müssen die Angaben umständlich über eine virtuelle Bildschirmtastatur auf dem Fernseher mit der Fernbedienung eingegeben werden, zum Teil geht das aber auch über einen Browser auf dem Computer oder Smartphone, in den dann nur noch eine Ziffernfolge eingetippt wird, die auf dem Fernsehbildschirm erscheint.

Ist alles eingerichtet, kann das Streamen beginnen. Zwar verkauft die Telekom ihren Stick jedem, der den Preis von derzeit 50 Euro bezahlt. Doch sie bezeichnet ihr Angebot immer noch als Beta-Lösung, die bis zum Frühjahr dauern soll. Wie hoch dann der Preis für den Stick sein wird, ist noch nicht klar. Drei Monate lang dürfen Nutzer den Dienst kostenlos ausprobieren, danach kostet er 7,95 Euro im Monat.

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Kampf um die Fernbedienung

Das ist ein fairer Preis vor dem Hintergrund, dass dafür mehr als 50 TV-Sender in der hohen HD-Auflösung gestreamt werden, darunter auch die privaten Programme von ProSiebenSat. 1 und der RTL-Gruppe. Diese Sender in HD müssen auch bei anderen Anbietern im Abo bezahlt werden, egal, ob sie über Kabel oder Satellit ins Haus kommen.

Besonders interessant wird Magenta TV aber durch einige Komfortfunktionen wie einen Aufnahmespeicher in der Cloud, Replay und Restart. Leider ist die Aufnahme mit dem Stick derzeit noch nicht möglich, sie soll später einmal hinzukommen.

In der Smartphone-App, die ebenfalls verwendet werden kann, funktioniert sie schon. Der Speicher soll 24 Stunden umfassen. Allerdings gibt es einige Einschränkungen. So erlaubt die RTL-Gruppe keine HD-Aufnahmen, und ProSiebenSat. 1 beschränkt die Speicherung auf 60 Tage. Der Magenta-TV-Dienst kann mit einem Abo auf fünf unterschiedlichen Geräten verwendet werden.

Auch andere Apps wie Netflix können installiert werden

Im Test konnten wir die Replay-Funktion nicht ausmachen, die eigentlich im elektronischen Programmguide eingebettet sein sollte. Replay bezeichnet bei der Telekom das Starten einer Sendung zu einem späteren Zeitpunkt bis zu sieben Tage nach der Ausstrahlung. Restart bezeichnet das Abspielen einer Sendung von Anfang an, während die Live-Ausstrahlung noch läuft.

Als weiteren Magenta-TV-Vorteil preist die Telekom ihre Megathek. Hier finden sich die Sendungen der Mediatheken von ARD und ZDF mit sogar noch mehr Titeln, als sie von den Sendern in ihren eigenen Mediatheken zur Verfügung gestellt werden.

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Darüber hinaus sind einige exklusive Sendungen abrufbar, die von der Telekom lizenziert wurden. Alle diese Sendungen werden mit Kacheln präsentiert, wobei unklar bleibt, woran sich die Sortierung orientiert. Dank der Android-TV-Software können noch viele andere Apps installiert werden, darunter auch Netflix, Amazon Prime Video, YouTube, Spotify und DAZN.

Fazit: Derzeit merkt man dem Magenta-TV-Stick seine Beta-Phase an. Wichtige Funktionen fehlen noch. Längst nicht alles läuft wirklich flüssig. Informationsseiten zu Sendungen laden zu langsam, und selbst das Umschalten von einem Sender zum anderen dauert zu lang.

Das Zappen mit der Fernbedienung braucht einen unnötigen Extraschritt. Mit dem Pfeil wird die Senderliste aufgerufen, doch erst die OK-Taste schaltet dann um. Fernsehzuschauer sind das direkte Umschalten auf der Fernbedienung gewohnt.

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Netflix, Amazon, Joyn, Sky

All dies sollte sich aber leicht mit einem Software-Update verbessern lassen. Außerdem fehlt noch eine Merkliste für Sendungen und die Möglichkeit, die Senderliste zu bearbeiten. Zwar ist der TV-Stick UHD-fähig, er kann also Inhalte in der hohen 4K-Auflösung verarbeiten, wenn ein entsprechender Fernseher angeschlossen ist.

Doch mit Amazon Prime und Netflix klappt das noch nicht, dafür aber mit YouTube und der Telekom-eigenen Plattform Videoload. In jedem Fall eignet sich Magenta TV aber als vollständige TV-Lösung, die den Kabel- und Satellitenanschluss mit Leichtigkeit überflüssig macht.

Source:

Webwelt & Technik – WELT