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Volkswagen trennt sich von seinem Lkw-Superstar

Vor einigen Tagen, bei einem Gesellschaftskongress in München, diskutierte Andreas Renschler, 62, noch über die ganz großen Themen der Menschheit in Zeiten der Corona-Pandemie – und dazu zählt für ihn auch sein eigenes Geschäft mit Lastwagen. „Die Krise führt uns vor Augen, wo die lebensnotwendigen Organe der Gesellschaft liegen: im Gesundheitswesen, in der Warenversorgung – und auch ganz erheblich im Transport“, sagte er. „Transport ist der Herzschlag der vernetzten Gesellschaft und ein elementarer Faktor aller Wirtschaften.“

Als Renschler dies Ende Juni vortrug, mag er schon gewusst haben, dass sein Wirken als Chef der Lkw-Sparte bei Volkswagen bald zu Ende gehen würde. Zumindest für die Öffentlichkeit überraschend kam die Ankündigung des Konzerns am Dienstagabend dann aber doch. Im Zuge eines größeren Personalumbaus an der Spitze der Lkw- und der Nutzfahrzeugsparte verlässt auch Renschler den weltgrößten Automobilhersteller.

Mitte Juli gibt er sowohl seinen Sitz im Volkswagen-Konzernvorstand ab als auch den Chefposten der Lkw-Holding Traton. Von Traton in München aus werden Volkswagens Lkw- und Omnibusmarken MAN, Scania sowie Volkswagen Caminhões e Ônibus in Südamerika geführt. Renschler gehe „im besten gegenseitigen Einvernehmen“, teilte Volkswagens Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch mit: „Andreas Renschler hat maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Kurs, den Traton eingeschlagen hat.“

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Traton und Daimler

Womöglich war die Trennung einvernehmlich, im Vorfeld aber gab es erhebliche Konflikte, so ist aus dem Konzern zu hören. Die Gründe für die Neubesetzung verschiedener Führungspositionen bei den Lastwagen und Nutzfahrzeugen von Volkswagen sind vielfältig.

Neben Renschler verlieren auch der bisherige MAN-Chef Joachim Drees und der Chef der Volkswagen-Nutzfahrzeugsparte, Thomas Sedran, ihre Ämter. Klar ist zunächst einmal, dass das Geschäft mit schweren Lkw im Konzernvorstand speziell durch Renschlers Weggang erheblich an Gewicht verlieren wird.

Denn erstens wird Renschlers Aufgabe im obersten Führungsgremium von Volkswagen nicht mehr neu besetzt – sein Ressort fällt weg, um die schweren Lkw kümmert sich im Konzernvorstand künftig zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben Personalvorstand Gunnar Kilian. Und zweitens trennt sich Volkswagen mit diesem Schritt von einem der profiliertesten Manager des globalen Lastwagengeschäftes.

Renschler kam 2015 von Daimler zu VW

Im Jahr 2015 kam Renschler nach einer langen Dienstzeit beim Konkurrenten Daimler zu Volkswagen. Den Stuttgarter Daimler-Konzern hatte er in seiner Zeit als Chef der Lkw-Sparte als Weltmarktführer im Geschäft mit schweren Lastwagen und mit Bussen fest etabliert. Noch heute steht Daimler mit seinen Lkw-Marken im In- und Ausland – darunter neben Mercedes auch Setra bei den Bussen und Freightliner bei den schweren Lkw – auf Rang eins.

Renschler wollte auch Volkswagen an die Spitze dieses Geschäftes bringen. Deshalb hatten ihn der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch und der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn von Daimler geholt. Für Konzernpatriarch Piëch – selbst lange Vorstandschef von Volkswagen und Enkel des Käfer-Erschaffers Ferdinand Porsche – zählten schwere Lastwagen längst zur Vielmarkenstrategie des Konzerns, die er bei Volkswagen realisiert hatte.

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Ferdinand Piëch ✝

Mit der Übernahme von MAN und Scania hatte sich Volkswagen in diesem Marktsegment zwar bereits aufgestellt, das nicht zur Historie des Konzerns zählte. Doch erst Renschler brachte das Geschäft bei Volkswagen mit Lkw und Bussen richtig voran.

Um die einzelnen Tochtermarken noch schlagkräftiger zu machen, wurde aus dem Geschäftsbereich Truck & Bus 2018 die Holding Traton gegründet. 2019 ging Traton an die Börse, Volkswagen hält allerdings weiterhin rund 90 Prozent der Anteile.

Eine vergleichbare Zwischenholding wie zwischen dem Konzernvorstand und den einzelnen Lkw-Marken gibt es für die zahlreichen Pkw-Marken bei Volkswagen nicht – letztlich wurde Traton auf Renschlers strategisches Ziel zugeschnitten, Volkswagen bei den Lastwagen in die Spitzengruppe der Hersteller zu führen.

Betriebsräte haben Verzahnung der Lkw-Marken behindert

Im vergangenen Jahr – noch ohne den Einfluss der Corona-Pandemie – hatte Traton alle wichtigen Kennzahlen gesteigert. Unter dem Eindruck der Pandemie und deren Einfluss auf die internationale Wirtschaft aber wollte Renschler – so heißt es aus dem Volkswagen-Konzern – die Rationalisierung speziell bei MAN schneller vorantreiben und die Entwicklungsarbeit für MAN und Scania stärker vereinheitlichen. Die deutschen Betriebsräte im Volkswagen-Konzern, so heißt es, leisteten dagegen heftigen Widerstand.

Mit dem verkleinerten Konzernvorstand kann Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, zeigen, dass er es mit seinen umfangreichen Sparankündigungen tatsächlich auf allen Ebenen ernst meint. Diess ist durch die jüngsten Querelen um seine Person und seinen Führungsstil mit dem Aufsichtsrat und dem Konzernbetriebsrat selbst schwer angeschlagen. Völlig offen bleibt zunächst allerdings, ob Renschlers Abgang das Lastwagen- und Busgeschäft des Konzerns am Ende nicht doch schwächt.

Die jüngsten Personalbewegungen auf der Führungsebene jedenfalls haben erheblichen Umfang. Renschlers Nachfolger als Chef von Traton wird dessen früherer Finanzchef Matthias Gründler, der das Unternehmen zwischenzeitlich verlassen hatte und der als Vertrauter von Konzernchef Diess gilt. Andreas Tostmann, bislang Produktionsvorstand der Pkw-Marke Volkswagen, wird neuer MAN-Chef.

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CO2-Emissionen

Der bisherige MAN-Personalchef Carsten Intra soll künftig die Geschäftseinheit der leichten VW-Nutzfahrzeuge mit Sitz in Hannover leiten. Deren bisheriger Chef Thomas Sedran bleibt bei Volkswagen, er soll mit einer neuen Funktion im Beteiligungsmanagement künftig Konzernpersonalvorstand Kilian bei der Steuerung des Lkw- und Nutzfahrzeuggeschäftes unterstützen.

Bei Volkswagen selbst verkauft man diesen erheblichen Einschnitt hinter vorgehaltener Hand so: Warum soll der Chef der Lkw-Holding Traton 50 Mal im Jahr zu Sitzungen des Konzernvorstandes nach Wolfsburg reisen, wenn es dort doch ohnehin zu 90 Prozent um Themen der Volkswagen-Pkw-Marken gehe?

In der eingesparten Zeit könne sich der neue Traton-Chef, der künftig nicht mehr in Personalunion auch Mitglied des Konzernvorstandes sei, ja viel effektiver um das Geschäft mit Lastwagen kümmern, sagte ein Insider WELT. Dafür haben man die Holding Traton ja schließlich auch geschaffen.

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„V-Szenario ist vom Tisch“ – Deutschland in der Protektionismus-Falle

Die Hoffnung auf eine schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft in der Corona-Krise schwindet. In der für Deutschland besonders wichtigen Exportwirtschaft hat sich die Einschätzung der Lage im Vergleich zum April noch einmal verschlechtert.

So erwarten nun laut einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter rund 3300 Unternehmen 83 Prozent der Firmen einen Umsatzrückgang in diesem Jahr. Im April lag dieser Wert noch bei 79 Prozent.

„Die Krise ist stärker und wird langwieriger sein als erwartet“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Das von vielen Ökonomen erhoffte sogenannte V-Szenario, bei dem auf einen drastischen Einbruch der Wirtschaftsleistung eine ebenso steile Erholung folgt, hält Treier inzwischen nicht mehr für realistisch. „Das V-Szenario in der Konjunkturerholung ist vom Tisch“, sagt er.

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Tatsächlich lautet das besorgniserregende Ergebnis der Umfrage, dass 43 Prozent der Firmen erst im Jahr 2022 oder sogar noch später von einer Erholung ausgehen. Nur 50 Prozent rechnen bereits im kommenden Jahr damit, sieben Prozent glauben sogar noch in 2020 an eine Rückkehr zur Normalität.

Besonders düster ist die Stimmung bei Firmen, die Geschäfte mit Nord-, Mittel- und Südamerika machen. In diesen Gruppen glaubt jeweils sogar eine Mehrheit von 50 bis 55 Prozent, dass es bis mindestens 2022 dauern wird, bis sich die Lage normalisiert.

59 Prozent der Unternehmen berichten von einer schwächeren Nachfrage nach ihren Produkten aufgrund der Corona-Krise, das ist noch einmal eine leichte Verschlechterung um zwei Prozentpunkte gegenüber der im April durchgeführten Umfrage.

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„Beispielloses Desaster“

Auch die Reisebeschränkungen werden noch immer von 63 Prozent der Unternehmen als massives Problem eingeschätzt, obwohl die strengen Lockdown-Regeln gelockert wurden. Ausgerechnet aus dem Maschinenbau, einer Schlüsselbranche der deutschen Wirtschaft, höre man besonders häufig, dass aufgrund der fehlenden Reisemöglichkeiten Aufträge nicht ausgeführt oder abgeschlossen werden könnten, berichtet Treier.

Diese Schwierigkeiten werden massive Folgen haben: Inzwischen kündigen 56 Prozent der exportierenden Unternehmen an, dass sie weniger investieren wollen als geplant. Im April lag dieser Wert noch bei 35 Prozent.

43 Prozent gaben an, dass sie Stellen streichen werden, auch hier waren die Firmen im April noch optimistischer, nur 35 Prozent gingen damals schon von einem Jobabbau aus.

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Mehrwertsteuersenkung

DIHK-Experte Treier geht davon aus, dass statt der sonst üblichen jährlichen Investitionen deutscher Firmen im Ausland von rund 100 Milliarden Euro in diesem Jahr nur die Hälfte dieser Summe erreicht wird. Außerdem müsse man damit rechnen, dass von den 7,8 Millionen Arbeitsplätzen von deutschen Firmen im Ausland 200.000 in diesem Jahr wegfallen werden.

Es werde einen „Aderlass“ bei der Beschäftigung geben, befürchtet Treier. Das werde sich auch auf Arbeitsplätze in Deutschland auswirken, denn das Geschäft im Ausland sorge auch im Inland für Beschäftigung.

Insgesamt rechnet der DIHK mit einem Rückgang der deutschen Exporte um 15 Prozent im Jahr 2020, wovon im nächsten Jahr mit einem Plus von etwa sieben Prozent wohl nur die Hälfte wieder aufgeholt werden dürfte.

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Arbeit, Rente, Gesundheit

Durch die fehlende Nachfrage aus dem Ausland werde die Exportbilanz um rund 300 Milliarden Euro niedriger ausfallen, während die Importe weniger stark schrumpfen dürften. Deshalb geht der DIHK von einem Rückgang des Handelsbilanzüberschusses von 223 Milliarden Euro auf nur noch rund 50 Milliarden Euro in 2020 aus.

Problematisch sei auch, dass es in vielen Ländern in der Corona-Pandemie protektionistische Bestrebungen gebe, um Produktion im eigenen Land zu halten. Damit seien nicht nur die USA gemeint, sondern beispielsweise auch Länder wie Japan.

Als Reaktion auf die Corona-Pandemie gaben aber auch 22 Prozent der Unternehmen bei der Befragung an, dass sie ihre Produktion verstärkt verlagern würden. 19 Prozent dieser Unternehmen wollen ihre Standorte zurück nach Deutschland verlegen. Dennoch warnt Treier: „Die Corona-Pandemie darf nicht zur Protektionismusfalle werden.“

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Exportstatistik

Unternehmen, die durch die Krise in existenzielle Nöte geraten, können seit Mittwoch immerhin Mittel aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) beantragen. Der 600 Milliarden Euro schwere Fonds war bereits im März beschlossen worden, konnte aber bis jetzt seine Arbeit nicht aufnehmen, weil die nötige Genehmigung aus Brüssel fehlte. Am Mittwoch segnete die EU-Kommission den WSF nun ab. Laut Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) werden derzeit bereits informelle Gespräche mit rund 50 Firmen geführt. Das Interesse werde jetzt zunehmen.

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Einer der bestbezahlten Underperformer

Wenn es ums Geld geht, offenbart sich der scheidende Commerzbank-Chef Martin Zielke als Mann mit den zwei Gesichtern. Im Umgang mit dem Geld der Bank und ihrer Aktionäre hatte der 57-jährige Betriebswirt in den vergangenen Jahren weder ein besonders glückliches noch ehrgeiziges Verhalten an den Tag gelegt. Im Gegenteil. Ob Aktienkurs, Eigenkapitalrendite oder Gewinn – die Commerzbank, ihre Angestellten und vor allem ihre Eigentümer verdienten vor allem eines: Mitleid.Aus Einsicht in das eigene Unvermögen, das Geldhaus erfolgreich zu führen, hat Zielke vor einigen Tagen seine Entlassung eingereicht.Sehr viel mehr Geschick als im Berufsleben bewies der Manager bei seiner privaten Geldvermehrung:

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Dieses Steak aus dem Drucker ist das nächste Level der Fleischlos-Ära

„Sollen wir heute grillen? Alles klar, ich schmeiß den Drucker an.“ So oder so ähnlich könnte in Zukunft bei Eshchar Ben-Shitrit die Absprache vor einem Grillabend lauten. Denn sein israelisches Start-up hat einen 3D-Drucker entwickelt, mit dem Steaks hergestellt werden können, die aus pflanzlichem Material bestehen, dabei aber aussehen, sich anfühlen und schmecken sollen wie ein Original.

Redefine Meat heißt die Firma hinter dieser Idee – was übersetzt aus dem Englischen so viel heißt wie „Fleisch neu definieren“. Und genau das ist das Ziel des 2018 gegründeten Cleantech-Unternehmens: Revolution in der Fleischwirtschaft.

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Frosta-Chef

„Wir haben Verfahren entwickelt, die eine nachhaltige Alternative zu der Aufzucht von Tieren und dem Verzehr von Tierprodukten bieten“, sagt Vorstandschef und Mitbegründer Ben-Shitrit, der von seiner Idee auch Geldgeber aus Deutschland begeistern konnte. So gehört zum Beispiel Deutschlands größtes Geflügelunternehmen PHW-Gruppe mit der Hauptmarke Wiesenhof zu den Investoren.

„Alt-Steak“ nennt sich das Produkt, das aus den 3D-Druckern von Redefine Meat kommt. Für Rezeptur, Saftigkeit, Textur und Mundgefühl haben die Israelis mit Köchen und Metzgern, aber auch Lebensmitteltechnikern und Geschmacksexperten zusammengearbeitet, darunter ist mit Givaudan aus der Schweiz auch der weltweit größte Hersteller von Aromen und Duftstoffen.

Pflanzliche Eiweißquellen, Fett und Wasser

Am Ende gibt es rund 70 Parameter, die ins Produkt einfließen, sagen die Gründer, die sich bei Hewlett-Packard (HP) während der gemeinsamen Entwicklungsarbeit für neue Digitaldrucker kennengelernt haben.

„Wir wussten, dass die Entwicklung eines hochwertigen und nährstoffreichen fleischfreien Alternativprodukts neue Technologien und Produktionsverfahren erfordern würde, die es bislang noch nicht in der Lebensmittelindustrie gab“, beschreibt Ben-Shitrit.

Der dann entwickelte Drucker produziert und kombiniert dabei dem Unternehmer zufolge separate Rezepturen für die drei Schlüsselkomponenten von Fleisch: Muskelgewebe, Fettgewebe und Blut.

Quelle: Infografik WELT

Der Marktstart soll noch in diesem Jahr erfolgen. Dabei wird das vegane Steak zunächst in Spitzenrestaurants getestet, auch in Deutschland.

Ab 2021 sollen dann Drucker in industriellem Maßstab gebaut und an die Gastronomie vertrieben werden. Rund 100 Kilogramm pflanzliches Fleisch werden diese Maschinen pro Stunde schaffen, heißt es – aktuell sind es offenbar rund drei bis sechs Kilogramm.

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Covid-19 in Fleischfabriken

Die genaue Rezeptur gibt das Unternehmen aus Tel Aviv nicht bekannt. Die Rede ist von drei pflanzlichen Eiweißquellen und dazu Fett und Wasser. Verkauft werden soll allerdings nicht das fertig gedruckte Ersatzfleisch, sondern der entsprechende Drucker.

Den können sich dann Restaurants in ihre Küche stellen und mit ihrem gewünschten digitalen Rezeptvarianten bedienen – je nachdem, ob das Steak weicher oder fettiger sein soll.

Ein Viertel will probieren

Das Alt-Steak aus dem Drucker ist Experten zufolge der logische nächste Schritt im stetig wachsenden Markt für Fleischersatzprodukte. Schwung verleihen dabei nicht zuletzt die anhaltenden Verkaufserfolge von Fleischlos-Fleisch-Anbietern wie Beyond Meat, Impossible Foods oder der Marke Garden Gourmet von Nestlé.

Beyond Meat hat aufgrund der stark gestiegenen Nachfrage sogar erst kürzlich eine eigene Produktion in Europa gestartet, konkret in Zoeterwoude in den Niederlanden. Bislang wurden die Produkte der Amerikaner komplett aus Übersee importiert.

Quelle: Infografik WELT

Wie sehr das Thema mittlerweile Fahrt aufnimmt, zeigt auch die aktuelle Studie „Fleisch der Zukunft“ des Umweltbundesamtes (UBA). Danach halten bereits 15 Prozent von gut 2000 befragten Bundesbürgern pflanzenbasierte Ersatzprodukte für eine gute Alternative zu herkömmlichem Fleisch. Weitere 26 Prozent wollen die neuen Angebote zumindest probieren.

Ähnlich neugierig sind die Verbraucher allerdings auch auf essbare Insekten und In-Vitro-Fleisch. Auch hier liegt der Anteil derjenigen, die solche Ersatzprodukte ausprobieren wollen laut UBA-Studie bei jeweils gut einem Viertel.

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Tiefkühlgerichte

Abseits der mutigen Tester ist die Skepsis in der Bevölkerung in Sachen Insekten und Fleisch aus der Petri-Schale aber wesentlich ausgeprägter als bei pflanzlichen Imitaten, deren Umsatzvolumen UBA-Schätzung zufolge im laufenden Jahr schon bei rund 220 Millionen Euro liegen wird.

Hauptmotivation für ein Umsteuern von Fleisch zu Pflanze sind zum einen ethische Gründe, also zum Beispiel das Tierwohl oder die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter in der Fleischindustrie. Zum anderen spielen Umweltfragen eine große Rolle.

3D-gedrucktes Alt-Steak von Redefine Meat nach der Zubereitung
Quelle: Redefine Meat

Denn die Fleischproduktion ist alles andere als klimaschonend, sagen Experten. Der Umweltschutzorganisation WWF zufolge sind knapp 70 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen in der Ernährung auf tierische Produkte zurückzuführen und dort insbesondere auf Fleisch.

UBA-Daten stützen diese Aussage: „Die Fleischproduktion schadet nachweislich der Umwelt und trägt zur Erderhitzung bei“, sagt Behörden-Präsident Dirk Messner.

„Unverzichtbar, den Fleischkonsum zu verringern“

In der aktuellen Studie hat das UBA nun die Umweltauswirkungen von Rindfleisch und Fleischersatzprodukten errechnet und gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die pflanzlichen Alternativen emittieren zum Teil weniger als ein Zehntel an Treibhausgasen.

Und auch der Wasser- und Flächenverbrauch sei um ein Vielfaches geringer, da Pflanzen wie Weizen und Soja nicht erst als Tierfutter genutzt werden, sondern ohne große Umwege auf dem Teller landen Etwas schlechter schneidet Fleischersatz auf Insektenbasis ab. In-Vitro-Fleisch wiederum ist noch nicht am Markt verfügbar, sodass die Umweltauswirkungen schwer abzuschätzen seien, merkt das UBA an.

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Like-Meat-Übernahme

Messner fordert ein Umdenken in der Politik und verbesserte Rahmenbedingungen. „Aus Umweltsicht ist es unverzichtbar, den Fleischkonsum zu verringern“, meint der Behörden-Chef. „Solange der Preis der Lebensmittel aber nicht auch die Umweltschäden widerspiegelt, wird das billige Nackensteak noch länger den Vorzug vor einem Sojaschnitzel bekommen.“

Aktuell verzehrt jeder Bundesbürger knapp 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr, wie aus Statistiken des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) hervorgeht. Der Konsum von Schweinefleisch ist dabei schon seit Jahren rückläufig, bei Geflügel steigt er.

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Das Wirecard-Versagen offenbart die Rückständigkeit der Kontrolleure

Riesiger Aufwand – bescheidener Ertrag. So lässt sich der aktuelle Zustand der Wirtschaftsprüfung charakterisieren. Prüfung und Testate verursachen deutschen Firmen Kosten in Milliardenhöhe. Nicht nur der Wirecard-Skandal macht jedoch deutlich, dass Jahresabschlussberichte und Gütesiegel oft nicht einmal das Papier wert sind, auf das sie gedruckt werden. Beim Versagen geht es nicht nur um Betrug, sondern mehr noch ums Prinzip.

Geprüft wird, was war. Nützlich aber wäre zu erkennen, was wird. In früheren Zeiten mag der Blick zurück für die Weiterfahrt hilfreich gewesen sein. Wenn aber Zukunft so sehr anders wird als Vergangenheit – so, wie es heutzutage der Fall ist –, kann mit einem Rückspiegel niemand wirklich feststellen, wie liquide, solvent und damit wie überlebensfähig Firmen tatsächlich sein werden – auch nicht die Wirtschaftsprüfung.

Wirtschaftsprüfung hat sich im Laufe der Zeit zu einem gigantischen Bürokratiemonster aufgeplustert. Rund acht Milliarden Euro erreichte allein der Umsatz der vier größten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PwC (PricewaterhouseCoopers), EY (Ernst & Young), KPMG und Deloitte im Geschäftsjahr 2018/2019 in Deutschland. Die nächsten sechs der Top Ten bringen es insgesamt auch noch einmal auf etwas mehr als eine Milliarde Euro Umsatz.

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Klagewelle

Dass neben den Umsätzen aus der Wirtschaftsprüfung auch Beratungsleistungen zum Geschäftsmodell der Kontrolleure gehören, mag gut für deren Erträge und Gewinne sein. Es ist aber schlecht für Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der Prüfenden.

Ein an sich bestehendes Verbot, eine Firma gleichzeitig zu prüfen und zu beraten, ist in der alltäglichen Praxis schwer durchzusetzen. Offenbar lässt es sich (zu) leicht aushebeln.

Der Wirecard-Skandal zerstört Vertrauen – die Leitwährung der Kapitalmärkte. Und er provoziert bei Großinvestoren, Kleinanlegern, Kreditinstituten, Aufsichtsgremien und Behörden Unsicherheit. Was soll der ganze Aufwand, wenn auf die herkömmlichen Prinzipien der Bilanzprüfung kein Verlass mehr ist.

Finanzaufsicht und Wirtschaftsprüfer haben versagt

Über Jahre haben weder die zuständigen Wirtschaftsprüfer noch deren Kontrolleure – also die staatliche Finanzaufsicht BaFin – bemerkenswerte Auffälligkeiten oder Unstimmigkeiten bei Wirecard festgestellt.

Sicher sind für das Versagen der Prüfverfahren im speziellen Falle von Wirecard kriminelle Machenschaften, Schummeleien und Tricksereien verantwortlich. Ebenso dürfte eine Rolle gespielt haben, dass das Geschäftsmodell von Wirecard innovativ und komplex war.

Notgedrungen fehlten Prüfung und Aufsicht bei so neuen Transaktionen Erfahrung und Vergleich. Fehlendes Insiderwissen der Prüfer dürfte jedoch in Zeiten dynamischer Veränderungen nicht Ausnahme sein, sondern zur Regel werden.

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Lieblinge der Anleger

Deshalb spricht vieles dafür, dass die herkömmliche Wirtschaftsprüfung ganz grundsätzlich am Ende ihres Lateins ist. Sie ist in den 1930er-Jahren im Zuge der damaligen Wirtschafts-, Finanz- und Bankenkrise entstanden. Es galt, das Vertrauen von Investoren, Kreditinstituten, Partnern und Mitarbeitern in Zahlungs- und Kreditfähigkeit einzelner Unternehmen zu gewinnen.

Seither ist die Wirtschaftsprüfung immer wieder weiterentwickelt und angepasst worden. Der zunehmenden Komplexität der Finanztransaktionen und Globalität der Waren- und Kapitalmärkte wurde mit strengeren Prüfverfahren, schärferen Regeln und zusätzlichen Vorschriften Rechnung getragen. Entsprechend stiegen Schwierigkeit, Aufwand und Anforderungen an eine verlässliche Prüfung.

Aber wie es typisch ist für dynamische Entwicklungen, hechelten Kontrolleure und Aufsichtsbehörden den technologischen Innovationen und den neuen (Umgehungs)möglichkeiten hinterher – immer einen Schritt zurück, nie auf Augenhöhe. Dramatische Konkurse und Skandale trotz attestierter Bilanzierung folgten nahezu zwangsläufig.

Wirtschaftsprüfung ist ein Kind des Industriezeitalters

Die Liste spektakulärer Firmenzusammenbrüche ist Legende. Die in den 1990er-Jahren untergegangene Frankfurter Metallgesellschaft, der Baukonzern Philipp Holzmann, der Computerhändler Escom oder die Großwerft Bremer Vulkan in Deutschland sowie der Energiekonzern Enron und der Telekommunikationsriese Worldcom in den USA erinnern als prominente Mahnmale daran.

Wirtschaftsprüfung ist immer ein Kind des Industriezeitalters geblieben. Sie wurde nie wirklich für die Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft der Gegenwart und schon gar nicht für die Digitalisierungs- und Datenökonomie der Zukunft zugeschnitten.

Sie ist auf Sach- und Finanzkapital ausgerichtet. Daran ändert auch das Gesetz zur Modernisierung des Bilanzrechts (Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz, BilMoG) von 2009 wenig bis nichts. Es verlangt zwar den Einbezug des immateriellen („nicht greifbaren“) Vermögens.

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Das System Wirecard

Aber es meint damit Patente, Schutzrechte, Lizenzen, Konzessionen, Warenzeichen, Marken bis hin zum Goodwill. Aber bereits bei der Frage, wie immaterielles Vermögen zu bewerten sei, bleibt vieles im Argen.

Denn dafür gibt es in der Regel keinen Handel und damit keine Marktpreise, an denen man sich behelfsmäßig orientieren könnte. Es gibt nur Erwartungen und Hoffnungen. Wie rasch da aus einem immensen Buchwert ein Komplettausfall wird, lehrt gerade das Beispiel Wirecard.

Besonders schwer zu bilanzieren ist das „Humankapital“. Es ist in der Dienstleistungswirtschaft – wie in jeder Sonntagsrede zu vernehmen – zunehmend wichtiger geworden. Wo aber findet das Wissen und das Können der Mitarbeiter Eingang in die Wirtschaftsprüfung?

„Humankapital“ wird nicht bilanziert

Wie werden die Integrität des Managements, die Qualität der Personalentwicklung, die Zufriedenheit der Beschäftigten, der Verlust von Ausgeschiedenen und die Leistungsfähigkeit der Neueingestellten bewertet? Die Überlebensfähigkeit von Firmen hängt oft von ein paar Schlüsselpersonen ab.

Menschen mit besonderen Qualifikationen, neuem Wissen und innovativen Ideen, die im richtigen Moment das Richtige tun, sind mittlerweile das wahre Betriebsvermögen, bleiben aber in Jahresabschlüssen völlig unberücksichtigt.

Genauso kann ein einziger krimineller Manager das ganze Unternehmen in den Abgrund stürzen lassen. Wie schützt sich eine Firma gegen betrügerische Machenschaften von Führungskräften? Gar nichts, was das Vermögen und die Risiken des „Humankapitals“ einer Firma ausmacht, erscheint auch nur näherungsweise in den Bilanzen und damit auf dem Radar der Wirtschaftsprüfung.

Noch dramatischer ist der Blindflug der Wirtschaftsprüfung, wenn es um die Bewertung der Daten(sicherheit) geht. Welcher Aufwand wird betrieben, um Angriffe aus dem Cyberspace, Attacken von Hackern, Datenklau und -missbrauch abzuwehren und zu bewältigen?

Wie gut geschützt sind die immateriellen Vermögenswerte der Datenökonomie – also die eigenen Daten, Betriebsgeheimnisse, strategischen Kernkompetenzen und die Kundendaten? Wie sicher ist der Zugang zu virtuellen Wolken, Rechenzentren und Servern, und wie schnell kann im Bedarfsfalle auf Ersatzanbieter ausgewichen werden? Das sind die zentralen Fragen, die jenseits vom eigentlichen Geschäftsmodell über Sein oder Nichtmehrsein von Unternehmen entscheiden.

In einer Welt des „Kapitalismus ohne Kapital“, in der nicht mehr wie früher Sach- und Finanzkapital, sondern immaterielles Kapital und insbesondere Humankapital das neue Maß aller Dinge darstellen, ist das Zeitalter der herkömmlichen Wirtschaftsprüfung abgelaufen.

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Veraltete Bewertungsgrundsätze etwas aufzufrischen wird der Dynamik und Radikalität der Veränderungen nicht ansatzweise gerecht. Nach fast hundert Jahren ist ein Neuanfang vonnöten.

Er muss den unsichtbaren, nicht greifbaren Vermögen der Digitalisierung und Datenökonomie des 21. Jahrhunderts, menschlichem Wissen und künstlicher Intelligenz, genügen und nicht der vergleichsweise statischen, auf Sach- und Finanzanlagen ausgerichteten Industriegesellschaft verblichener Tage.

Der Autor Thomas Straubhaar ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen, an der Universität Hamburg.

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Werbe-Boykott auch von Starbucks und Pepsi – Facebook verliert 56 Mrd. Dollar – an einem Tag!

Warum tun die Betreiber sozialer Medien so wenig gegen Verschwörungstheorien? BILD erklärt, warum nicht viel mehr gelöscht wird.

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Die Jugend will ihren eigenen Rettungschirm – und ein Starökonom steht Pate

Kurz bevor Bundestag und Bundesrat wichtige Teile des Konjunkturpakets der großen Koalition gebilligt haben, ist außergewöhnlich scharfe Kritik an den Maßnahmen laut geworden. Zwei Jugendliche sind am Montagvormittag in die Bundespressekonferenz in Berlin gekommen, um ihren Ärger deutlich zu machen.

Einer von ihnen ist Elia Mula, der momentan ein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert. „Leider ist das Konjunkturpaket nicht viel mehr als eine Mogelpackung“, sagt er. Mit ihm würden Probleme kaschiert, statt sie anzugehen.

Die Behauptung der Politik, Wandel und Zukunft im Blick zu haben, sei schlichtweg falsch. In Wahrheit werde das Handeln in der Klimakrise erneut vertagt, soziale Ungerechtigkeit nicht angegangen. „Was die Bundesregierung betreibt“, sagt Mula, „ist nichts weiter als der Ausverkauf meiner und unserer Zukunft.“

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Optimistische Jugend

Mula ist an diesem Tag zusammen mit der Umweltwissenschaftsstudentin Hannah Lübbert gekommen. Beide sind Mitglied des Jugendrats der „Generationen Stiftung“, einer Organisation, die sich nach eigenen Angaben durch Spenden finanziert und sich als Lobby der kommenden Generationen sieht.

Aktivistin Lübbert fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Gespräch auf. „Bleiben Sie nicht als Krisenkanzlerin in Erinnerung, die unsere Generation sehenden Auges in die Katastrophe geschickt hat“, so Lübbert. „Setzen Sie sich mit einem Rettungspaket für eine Klima-Kehrtwende ein.“

Besondere Aufmerksamkeit erlangt ihre Idee des Rettungschirmes für die kommenden Generationen durch die Begleitung eines prominenten Unterstützers: Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Kein tief greifender Wandel

Fratzscher betont, dass er den Vorstoß der Jugendlichen für eine sehr wichtige Initiative halte und viele der geäußerten Sorgen teile. Ganz so weit wie die Jugendlichen, die die Abgeordneten sogar dazu aufriefen, gegen das Konjunkturpaket zu stimmen, geht er aber nicht.

Das Paket sei mutig und gut, sagt Fratzscher. Dadurch werde kurzfristig Schlimmeres verhindert. Enthalten sind in dem 130 Milliarden Euro schweren Paket etwa die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer (von 19 auf 16 Prozent und beim ermäßigten Satz von sieben auf fünf Prozent) sowie ein Bonus für Familien von 300 Euro pro Kind.

Allerdings, kritisiert der DIW-Präsident, müsse das Paket dringend ergänzt werden. „Das erste Konjunkturpaket wird verpuffen, wenn wir nicht ein zweites Paket schnüren: ein Zukunftspaket für kommende Generationen“, sagt der Ökonom.

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Comeback des Pkw

Konkret bemängelt er drei Punkte. Erstens befürchtet er, dass das Konjunkturpaket sich zu stark auf Stabilisierung fokussiere statt auf Transformation. Wenn es nicht ergänzt würde, sei die Gefahr groß, dass es sogar kontraproduktiv wirken könne, weil alte Technologien länger im Markt blieben. Es müsse zusätzlich in Klimaschutz, Digitalisierung, Bildung und Soziales investiert werden.

Stiftungsvertreter Mula bemängelt in dieser Hinsicht zum Beispiel, dass eine Kaufprämie für Elektro-Autos beschlossen wurde, die dem kurzfristigen Profit diene, statt einen tief greifenden Wandel in der Autoindustrie herbeizuführen.

Offen gegenüber Zukunftstechnologien

Zweitens hätten die Hilfen aus Fratzschers Sicht an Bedingungen geknüpft werden müssen. Als Beispiele nennt er, dass Unternehmen in Deutschland Steuern zahlen, sich an Klimaauflagen halten sowie Gendergerechtigkeit. Dass diese Konditionalität an vielen Stellen fehle, sei ein großes Manko.

Drittens werde die soziale Polarisierung zu wenig adressiert. Die Krise vergrößere Ungleichheit, etwa im Bildungsbereich. Auch Soloselbstständige nennt er als Beispiel für diejenigen, die unter der aktuellen Situation besonders leiden.

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Klaus-Michael Kühne

Im Vorfeld hatten viele andere Ökonomen die beschlossenen Maßnahmen deutlich positiver bewertet, weil sie kurzfristige Impulse liefern können – und damit den Zweck eines Konjunkturpakets erfüllen.

Zudem gilt das Paket als durchaus offen gegenüber Zukunftstechnologien. Nicht enthalten war etwa die Kaufprämie für Verbrenner, die Autoindustrie und Gewerkschaften zuvor lautstark eingefordert hatten. Stattdessen liegt die Priorität auf der Förderung von Elektro-Autos.

Bundestag stimmt zu

Beschlossen hat die Bundesregierung auch eine Wasserstoff-Strategie. Zum Auftakt investiert sie neun Milliarden Euro in die Produktion des gasförmigen Energieträgers, der sich auch zu klimaneutralen flüssigen Kraft- und Brennstoffen weiterverarbeiten lässt.

Wirtschafts- und Umweltverbände sehen zwar Lücken. Ein Kritikpunkt lautet etwa, dass die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff im Autoverkehr nur am Rande betrachtet werden. Dennoch bekam die Strategie viel Lob.

Zur Einordnung der nun geäußerten harschen Kritik an der Bundesregierung ist die nähere Betrachtung des Adressaten wichtig. Der Jugendrat der „Generationen Stiftung“ besteht aus einem Kreis von 30 Mitgliedern zwischen 16 und 24 Jahren, die sich stark gegen den Klimawandel engagieren.

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Aktionsrat Bildung

Auf die Frage nach Partnern der Stiftung erklärte Elia Mula, man versuche, ein möglichst breites Bündnis zu schließen. Sehr intensiv im Gespräch sei man mit Fridays for Future. Weitere Partner nannte er nicht.

Bei den Abgeordneten des Bundestags konnte der Appell der Stiftung nicht mehr die gewünschte Wirkung erzielen: Sie stimmten wichtigen Maßnahmen des Konjunkturpakets kurze Zeit später zu. Gleiches tat der Bundesrat am Nachmittag. Damit kann unter anderem die Mehrwertsteuersenkung wie geplant zum 1. Juli in Kraft treten.

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Julia Klöckner über die Zukunft der Fleischindustrie

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner diskutierte mit den Agrarministerinnen von NRW und Niedersachsen über die Zukunft der Fleischindustrie. In beiden Bundesländern kam es zu heftigen Corona-Ausbrüchen in entsprechenden Betrieben.

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Als erster Vertragspartner äußert sich Aldi zum Wirecard-Desaster

Die Insolvenz des Wirecard-Konzerns hat vorerst keine Folgen für die Kunden des deutschen Discounters Aldi. „Aldi Süd ist Vertragspartner der Wirecard Bank AG, die über eine deutsche Vollbanklizenz verfügt, unter Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht und nicht Teil des angestrebten Insolvenzverfahrens ist“, teilte der Discounter auf WELT-Anfrage mit. Die Zusammenarbeit mit der Bank beschränke sich auf die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen und auf das Geschäft mit der Aldi-Geschenkkarte.

„Für unsere Kunden ergeben sich bisher in beiden Bereichen keinerlei Veränderungen: Sie können wie gewohnt bei Aldi Süd mit ihren Kreditkarten zahlen und ebenso ihre Aldi-Geschenkkarten einlösen, die Guthaben auf den Karten sind sicher und gedeckt“, hieß es aus dem Unternehmen.

Aldi stehe weiterhin mit Wirecard in Verbindung, um den Sachverhalt zu klären. Spekulationen zum weiteren Verlauf wolle man nicht kommentieren, hieß es bei Aldi.

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Folgen des Wirecard-Skandals

Aldi ist der erste deutsche Händler, der sich im Wirecard-Skandal zu Wort meldet. Bisher war nur von asiatischen Unternehmen die Rede, die angekündigt hatten, ihre Geschäftsbeziehung mit dem Unternehmen beenden zu wollen. So hatte der asiatische Mitfahrdienst Grab – ein Konkurrent von Uber – den Plan auf Eis gelegt, alle Zahlungen künftig über Wirecard abzuwickeln.

Nach früheren Angaben des Konzerns nutzen weltweit mehr als 300.000 Händler das Wirecard-System für Kreditkartengeschäfte. Ob diese Zahl stimmt, ist angesichts der Bilanzfälschung in Asien zweifelhaft.

In Europa zählen Aldi, Ikea und die Fluggesellschaft KLM zu den Kunden. Sie könnten sich nun nach anderen Abwicklern umsehen.

Bis zu 19,7 Millionen Euro pro Kunde sind abgesichert

Der Wirecard-Konzern hatte am Donnerstag einen Insolvenzantrag gestellt. In der Bilanz des Unternehmens fehlen mindestens 1,9 Milliarden Euro.

Die Wirecard-Bank ist von dieser Insolvenz nicht betroffen. Sie wird allerdings seit dieser Woche von einem Sonderbeauftragten der Finanzaufsicht BaFin kontrolliert.

Er soll unter anderem verhindern, dass Geld aus der Bank in den Konzern abfließen kann. Die Guthaben der Bankkunden sind durch den Einlagensicherungsfonds der privaten Banken abgesichert – bis zu einer Summe von 19,7 Millionen Euro pro Kunde.

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„Verkommene Strukturen“

Wesentlich wird nun sein, wie sich die Kreditkartenfirmen verhalten. Visa und Mastercard äußern sich in der Sache noch zurückhaltend.

„Die Stabilität des Payment-Ökosystems ist immer unser zentrales Anliegen“, heißt es bei Visa. „Wir beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau und bewerten neue Informationen, sobald sie bekannt werden.“ Priorität hätten die Wahrung der Integrität des Zahlungssystems und der Schutz der Kunden.

Bei Mastercard heißt es, man beobachte die Situation genau. Eine Sprecherin sagte: „Unsere Priorität ist es, sicherzustellen, dass die Leute ihre Karten weiterhin nutzen können. Wir werden weiterhin mit allen Parteien zusammenarbeiten und stehen bereit, um alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.“

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