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Als hätten wir aus den Zuwanderungs-Erfahrungen nichts gelernt

Wie sich die Bilder gleichen: Als am 10. September 1964 im Bahnhof Köln-Deutz Armando Rodrigues – „ein hagerer Mann aus dem Dorf Vale de Madeiros nach zweitägiger Reise auf einer harten Holzbank“ – aus dem Zug stieg, „spielte eine Kapelle, ‚Viva Portugal‘-Rufe ertönten, und ein Blitzlichtgewitter startete: Dutzende Reporter und ein großes Festkomitee feierten den millionsten Gastarbeiter (in Deutschland) … Als Willkommensgeschenk erhielt der 38 Jahre alte Zimmermann Blumen und ein Moped der Marke Zündapp“ – so der Sonderbericht der WELT.

Im Dezember 2019 zeigen wunderbare Fotos freudig strahlende Arbeitgeber, die an deutschen Flughäfen ihre neu angeworbenen philippinischen Pflegerinnen mit Blumensträußen willkommen heißen – weiteres Personal für das Gesundheitswesen aus Mexiko, Ingenieure aus Bosnien oder Ärzte aus Syrien sollen folgen, neue Pilotprojekte der gezielten Anwerbung von Fachkräften aus Brasilien, Indien und Vietnam sind geplant. Es ist, als hätte man aus den Erfahrungen der Gastarbeiterwanderung der 60er-Jahre auch wirklich gar nichts gelernt.

Source: Wirtschaft – WELT
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