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Kaufland und Vitalia werfen Produkte von Attila Hildmann aus dem Sortiment

Bekannt wurde er mit seinen Kochbüchern „Vegan for Fit“ oder „Vegan for Fun“, die sich hundertausendfach verkauften. Seit Jahren betreibt der Berliner Attila Hildmann zudem eine erfolgreiche Lebensmittelmarke mit Produkten für die vegane Ernährung (“Nutwave“, zuletzt der Energydrink „Daisho“).

Doch in den vergangenen Wochen hat der 39-Jährige nicht mit seinen Produkten, sondern vor allem mit politischen Botschaften auf sich aufmerksam gemacht. Auf seiner Instagram-Seite (59.000 Follower) und zuletzt auch in einer eigens eingerichteten Telegram-Gruppe (16.000 Follower) ruft der Berliner zum Widerstand gegen die Corona-Einschränkungen der Bundesregierung auf.

Bei Twitter und im Internet erntete der selbst ernannte „Veganator“ dafür vor allem Hohn und Spott. Hildmann sei nun offenbar Teil der Aluhut-Fraktion geworden, einem beliebten Stereotyp für Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen, hieß es dort.

Auslistungen bei Kaufland und wohl auch Vitalia

Nun hat sein politischer Aktivismus offenbar auch Folgen für seine Unternehmertätigkeit. Hildmann selbst machte am Mittwoch auf Telegram publik, dass seine Produkte von mittlerweile zwei Handelsketten nicht mehr vertrieben werden: vom Discounter Kaufland und der Drogeriekette Vitalia.

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Kaufland bestätigte gegenüber WELT auf Nachfrage hin, dass man tatsächlich keine Produkte von Hildmann mehr anbiete und kündigte gleichzeitig eine umfassendere Stellungnahme zu dem Vorgang an. Betroffen ist hier vor allem Hildmanns Energydrink „Daisho“, der bei Kaufland erhältlich war. Bei Vitalia wiederum sind andere vegane Lebensmittel der Marke Hildmann im Angebot, so etwa seine vegane Bolognese im Glas oder der Schokoaufstrich „Nutwave“.

Auch Vitalia bestätigte WELT, dass die Produkte von Attila Hildmann bis spätestens Ende Mai aus dem Sortiment genommen werden. Marketingchef Ingo Bauer erklärte dazu: „Die Firma Vitalia möchte sich ausdrücklich distanzieren von den Ideologien, die Attila Hildmann zuletzt im Internet verbreitet hat. Diese Meinungsäußerungen entsprechen nicht unserer Philosophie, wir stehen für einen offenen Diskurs.“

Die Entwicklung sei „bedauerlich“, da die Produkte gut und bei den Käufern sehr beliebt seien. Allerdings hätten sich auch schon Kunden bei Vitalia erkundigt, wie man denn zu den Meinungsäußerungen Hildmanns stehe, so dass nun eine Klarstellung nötig gewesen sei.

„Es geht hier um den Erhalt unser aller Demokratie“

Hildmann selbst gab sich in seiner Gruppe beim Nachrichtendienst Telegram kämpferisch: „Nochmal: Auslistungen sind meine kleinste Sorge! Schlafe ich in einer Demokratie (ein, Ergänzung WELT) und wache in einer Diktatur auf, ist nicht nur meine Unternehmerfreiheit eingeschränkt. Es geht hier um den Erhalt unser aller Demokratie und Freiheit, die beide in großer Gefahr sind.“

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Gleichzeitig ermuntert Hildmann seine Anhänger, sich persönlich via E-Mail an die besagten Unternehmen zu wenden, offenbar, um gegen den Verkaufsstopp zu protestieren. Vom Markt verschwinden die Hildmann-Produkte damit übrigens nicht: Sie alle werden natürlich auch weiterhin in seinem Internetshop angeboten.

Attacken gegen Bill Gates und Jens Spahn

Zunächst hatte sich Hildmanns Furor vor allem gegen Gesundheitsminister Jens Spahn gerichtet. Hildmann meldete sich etwa unter einem Instagram-Posting des CDU-Politikers zu Wort: „Keiner will deine Drecksapp, deine von Gates bezahlte Zwangsimpfung und deinen geplanten Überwachungsstaat.“

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In den vergangenen Tagen arbeitete sich der Vegankoch aber vor allem an US-Milliardär Bill Gates und dessen Impfprojekten ab. Zuletzt verkündete Hildmann gar via Social Media, dass er bereit sei, für seine Überzeugungen in den Untergrund zu gehen und zu sterben, dazu posierte er in Kampfmontur und mit Schwert – womöglich aber auch nur eine Anspielung auf sein Image als selbsternannter Samurai.

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Am heutigen Mittwoch rief der Starkoch, der eigentlich studierter Physiker ist, zudem zur Teilnahme an einer Versammlung vor dem Deutschen Bundestag auf. Dort soll ab 17 Uhr mit einer sogenannten „Freiheitsdemo“ gegen die geplante Verabschiedung eines überarbeiteten Infektionsschutzgesetzes durch die Parlamentarier protestiert werden.

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