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So treiben Studenten ihre Karriere schon in der Uni-Zeit voran

Gut zwei Drittel aller Studenten arbeiten nebenher, um sich ihr Studium zu finanzieren, zeigt die jüngste Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks. Neben Tätigkeiten als wissenschaftliche Hilfskraft an einem Lehrstuhl oder einem klassischen Minijob ist eine Werkstudentenstelle beliebt. Ein solcher Job kann sich mit ein bisschen Glück sogar als Sprungbrett für die Karriere erweisen.

„Einen Werkstudenten zeichnet aus, dass er fachbezogen arbeitet“, erklärt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. Im Vergleich zu anderen Nebenjobs, wie etwa dem Kellnern in einer Bar, liegt bei diesen Stellen der erste Vorteil klar auf der Hand: „Solch eine Anstellung eröffnet Studenten viel mehr berufliche Perspektiven“, sagt Meyer auf der Heyde.

Besonders lohnt sich das in Fächern, die nicht besonders anwendungsbezogen sind. Ein Beispiel dafür ist die Germanistik. Die sei so theoretisch, dass es für Studierende mitunter schwer werden kann, sich schon im Studium beruflich zu profilieren, sagt Meyer von der Heyde.

„Wer hingegen als Werkstudent in einem Verlag arbeitet, hat nachher wahrscheinlich bessere Chancen auf einen Berufseinstieg, als jemand, der ‚nur‘ schöne Theorie betreibt.“ Doch auch für das Lernen an der Universität kann eine Werkstudentenstelle hilfreich sein: „Zum Teil lernen sie im Job auch Dinge, auf die sie erst später in ihrem Studium stoßen werden“, sagt Meyer auf der Heyde.

Je nach Fachbereich können Werkstudenten zudem ihre Bachelor- oder Masterarbeit bei ihrem Arbeitgeber schreiben. Sie arbeiten dazu erst einmal – wie jeder andere Student auch – mit ihrem Professor ihr Thema heraus. Den praktischen Teil der Arbeit, etwa wenn sie im Labor ein Experiment durchführen müssen, erledigen sie dann im Unternehmen – und bekommen dort womöglich sogar noch Hilfe dabei. Die abschließende Benotung läuft am Ende über den Lehrstuhl.

Wie gut sich eine Stelle als Werkstudent tatsächlich auf die spätere Karriere auswirkt, lässt sich zwar statistisch schwer erfassen. Doch: „Wer fachnah arbeitet und es früh mit komplexeren Aufgabenstellungen zu tun bekommt, der hat später natürlich bessere Chancen“, sagt Meyer auf der Heyde.

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Weitere Möglichkeiten, die Karriere schon im Studium voranzutreiben, bieten ein duales Studium oder Praktika in den Semesterferien. Beides hat aber auch Nachteile.

Als dualer Student zwänge man sich selbst von Anfang an in ein enges Korsett, sagt der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks. „Der Alltag ist somit straff durchorganisiert.“ Nicht jeder könne mit diesem Druck umgehen, gibt Meyer auf der Heyde zu bedenken. Zudem bänden Hochschüler sich damit sehr stark an das sie ausbildende Unternehmen, ein Studienortwechsel sei damit oft nur schwer möglich.

Das Praktikum habe wiederum den Nachteil, dass es zum einen zeitlich beschränkt ist – und zudem in aller Regel nicht so gut bezahlt wird wie eine Stelle als Werkstudent.

Werkstudent-Gehalt: So gut wird man bezahlt

Der Stundenlohn in einem Werkstudentenjob liegt meist über dem, was Hochschüler in einem Minijob erhalten. „Sie verdienen als Werkstudent eigentlich immer mehr als Kellner oder Nachhilfelehrer“, sagt Meyer auf der Heyde. Im Gegensatz zu Minijobs gibt es bei Werkstudentenstellen auch keine Gehaltsobergrenze.

Grundsätzlich gilt: Je höher die für die Stelle nötige Qualifikation, desto höher ist auch das Gehalt. Für einen ordentlichen Verdienst ist es hilfreich, sich einen Job zu suchen, der einen möglichst engen Bezug zum Studium hat.

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Studenten in einem fachfremden Nebenjob verdienten im Wintersemester 2017/2018 im Schnitt 10,28 Euro pro Stunde, zeigt eine Studie des Personaldienstleisters Studitemps und der Universität Maastricht. Hatte die Tätigkeit hingegen einen Bezug zum Studium, waren durchschnittlich 11,10 Euro drin.

Werkstudenten sollten während des Semesters allerdings nicht mehr als 20 Stunden arbeiten, weil sie ansonsten einen Teil ihres Gehalts in die Kranken-, Pflege-, und Arbeitslosenversicherung einzahlen müssen. Auch können sie dann nicht mehr in der studentischen Krankenversicherung bleiben, die günstiger ist.

Alle Tipps zur Bezahlung von Werkstudenten finden Sie hier:

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Werkstudenten: Einkommensgrenze, Steuern und Co.

Lohnsteuer müssen Werkstudenten immer abführen. Verdienen sie im Jahr aber weniger als 9168 Euro, können sie sich das Geld am Ende des Jahres vom Finanzamt wiederholen. Dafür müssen sie dann eine Steuererklärung einreichen.

Für Hochschüler, die BAföG bekommen und auf dieses auch nicht verzichten wollen, gilt eine Bruttoeinkommensgrenze: Wer mehr als 5421,84 Euro in zwölf Monaten oder 451,82 Euro pro Monat verdient, dem wird die staatliche Studentenförderung gekürzt.

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Aus arbeitsrechtlicher Sicht sind Werkstudenten genauso wie alle anderen Angestellten zu behandeln. „Es gibt keine Sonderstellung von Werkstudenten“, erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Mitglied im Deutschen Anwaltsverein. Macht der Arbeitgeber das nicht, können Studenten dagegen vorgehen und Gleichbehandlungsgrundsätze geltend machen.

Eine Anstellung als Werkstudent endet übrigens nicht mit der Exmatrikulation. Häufig sind jedoch Stellen für Werkstudenten auf zwei Jahre befristet. Das liegt an der gesetzlichen Regelung zur sachgrundlosen Befristung. Demnach dürfen Jobs ohne Grund nur auf zwei Jahre befristet sein.

Alle Tipps zu den wichtigsten Regeln im Werkstudentenjob finden Sie hier:

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Source: Wirtschaft – WELT
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