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Interview: Lufthansa-Aufsichtsratschef Kley: „Notverkäufe wird es nicht geben“

Karl-Ludwig Kley

„Wenn Sie in ein veganes Restaurant gehen, können Sie keine Steaks erwarten.“


(Foto: Frank Beer für Handelsblatt)

Frankfurt Lufthansa will sich bei möglichen Verkäufen von Unternehmensteilen Zeit nehmen. „Notverkäufe sind nicht notwendig und wird es auch nicht geben, weil wir im Moment solide durchfinanziert sind“, sagte Karl-Ludwig Kley, Aufsichtsratschef von Lufthansa, im Interview mit dem Handelsblatt. Lufthansa bekommt vom Staat Finanzhilfen in Höhe von neun Milliarden Euro. Die Aktionäre hatten dem Rettungspaket in der vergangenen Woche zugestimmt.

Kley erklärte, dass an Verkäufen aber kein Weg vorbeiführe: „Wir werden schneller als vor der Krise angedacht Beteiligungen verkaufen müssen, um mit den Erlösen die Schulden zu reduzieren.“ Dabei schloss er ausdrücklich die Tochter Lufthansa Technik ein. „Das ist wirklich ein hervorragendes Unternehmen, das in Teilen sehr eng mit dem Kerngeschäft des Konzerns verknüpft ist“, sagte Kley.

„Die Situation zwingt uns nun, schneller als geplant darüber nachzudenken, in welcher Kombination sich Lufthansa Technik künftig am besten entwickeln könnte.“ Es werde für den Konzern eine neue Gesamtstrategie entwickelt. „Im Herbst werden wir im Aufsichtsrat darüber beraten“, sagte Kley.

Nach Angaben des 69-Jährigen, der selbst viele Jahre Finanzchef bei Lufthansa war, gab es zu dem Rettungspaket keine Alternative. Er äußerte aber Kritik an bestimmten Vorgaben der Politik, etwa dem Wunsch, mit der Rettung noch Geld verdienen zu wollen. Fehler, die den Staat bei der Bankenrettung vor zehn Jahren viel Geld gekostet hätten und immer noch kosten würden, „sollten nun auf Teufel komm raus vermieden werden“, so Kley: „Aber dass die problematischen Fälle der Finanzwelt in der Vergangenheit zum Maßstab gemacht wurden, hat unsere Verhandlungsposition sicher nicht gestärkt.“

Kley will sich zudem intensiver mit Investor Heinz Hermann Thiele austauschen: „Inzwischen haben wir verabredet, dass wir uns alsbald erneut persönlich treffen wollen.“ Thiele ist mit 15,52 Prozent bei Lufthansa eingestiegen und sieht das Rettungspaket kritisch. „Ich bin in diesem Zusammenhang im Übrigen sehr froh, dass Heinz Hermann Thiele als Großaktionär seine Stimme erhoben hat und vieles kritisch hinterfragt hat, ehe er dem Rettungspaket zugestimmt hat„, sagte Kley: „Ich hätte mir gewünscht, dass andere Aktionäre dies auch im Vorfeld getan hätten.“

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Kley, über Wochen wurde das staatliche Rettungspaket für die Lufthansa öffentlich und lautstark diskutiert. In anderen Ländern wie den USA oder Frankreich ging das alles viel geräuschloser über die Bühne. Warum gab es hierzulande dieses Geschrei?
Karl-Ludwig Kley: Eigentlich habe ich keine Lust mehr, in den Rückspiegel zu schauen. Ich möchte den Blick nach vorne richten.

Aber wir hätten doch noch einige Fragen die jüngere Vergangenheit betreffend, beispielsweise ob sich die CDU bei den Verhandlungen von der SPD hat über den Tisch ziehen lassen.
Okay, dann gehen wir ein letztes Mal vom Gas runter und gucken noch einmal kurz nach hinten. Corona hat ja zum völligen Zusammenbruch des gesamten gewohnten Verkehrssystems geführt. Man konnte von Köln nach München mit dem Auto in dreieinhalb Stunden statt der üblichen sechs fahren.

Wir haben jetzt ein Rettungspaket, das finanziell über die nächsten Monate hilft. Drängende Fragen zur Zukunft der Mobilität bleiben indes unbeantwortet.

Flugverkehr war gleich null. Die Bahn ist zwar weitergefahren, aber mit weitgehend leeren Sitzen. Wäre es nicht klug für alle Beteiligten gewesen, erst einmal auch innezuhalten und den hinlänglich bekannten und eigentlich banalen Satz „Jede Krise ist auch eine Chance“ aufzugreifen? Uns selbst die Frage zu stellen: Wie kann das Mobilitätskonzept der Zukunft aussehen?


Und?
Da gibt es keine Lösung vom Reißbrett. Aber vielleicht ein paar Fakten: Deutschland hat nach Luxemburg nach wie vor die größte Flughafendichte in Europa. Brauchen wir das? Die Flugsicherung ist immer noch nationalstaatlich und nicht europäisch organisiert. Ist das noch zeitgemäß? Und der Schienenverkehr ist derzeit nicht in der Lage, das Reisebedürfnis der Kunden umfassend zu befriedigen. Da sind sich die Experten in der Beurteilung weitgehend einig. Die Wertschöpfungsketten im Verkehr werden nicht vom Kunden her gedacht, sondern orientieren sich an Zuständigkeiten.

Was folgern Sie daraus?
Eigentlich hätten wir über neue Ansätze diskutieren und alle Rettungsmaßnahmen an einem Gesamtkonzept für den Verkehr ausrichten müssen. Stattdessen haben wir alle nur über Beteiligungsquoten, Laufzeiten, Zinssätze, Vergütungssysteme und Landerechte gesprochen. Und ich schließe da die Lufthansa ausdrücklich mit ein. Ganzheitlicher zu denken und zu handeln wäre besser gewesen.

Sie kritisieren, das ehrt Sie, auch die Lufthansa. Wie hat sich die Politik verhalten? Der zuständige Verkehrsminister namens Andreas Scheuer ist unserer Beobachtung nach in den vergangenen acht Wochen der Lufthansa-Rettung so gut wie überhaupt nicht in Erscheinung getreten.
Den Eindruck teile ich nicht, aber ich möchte nicht über einzelne Persönlichkeiten sprechen.

Auch nicht mit Blick auf dessen Kabinettskollegen Peter Altmaier?
Nein.

Was bedeutet diese Kurzsichtigkeit?
Das bedeutet, dass wir jetzt ein Rettungspaket haben, das der Lufthansa finanziell über die nächsten schweren Monate hilft. Drängende Fragen zur Zukunft der Mobilität bleiben indes unbeantwortet.

Sehen Sie ideologische Gründe für diesen, nennen wir es ruhig so, Stillstand?
Ideologie ist nicht das richtige Wort. In der Politik geht es immer um Wählerstimmen. Und bei einem so prominenten Fall wie dem der Lufthansa hat natürlich jeder Wähler eine Meinung. Und bei einer Summe von neun Milliarden Euro gilt das erst recht. Dass ein derart politisiertes und meinungsstarkes Umfeld die praktischen Gestaltungsmöglichkeiten der Handelnden einschränkt, liegt in der Natur der Sache.

CSU-Parteichef Markus Söder (l.) und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU)

Haben sich die beiden CSU-Politiker bei der Lufthansa-Rettung von der SPD über den Tisch ziehen lassen?



(Foto: Reuters)

Wollen Sie damit sagen, dass Sie die Vorgehensweise der Politik verstehen können?
Ich will damit sagen, dass Sie, wenn Sie in ein veganes Restaurant gehen, keine Steaks erwarten können. Hinzu kam in unserem Fall, dass die handelnden Politiker unbedingt Lehren aus der Geschichte ziehen wollten.

Was meinen Sie damit?
Fehler, die bei der Bankenrettung vor zehn Jahren gemacht wurden und den Staat viel Geld gekostet haben und noch kosten, sollten nun auf Teufel komm raus vermieden werden. Im Gegenteil, der Staat sollte bei der Rettung ein gutes Geschäft machen können. Das ist gelungen. Ob bei diesem Ansatz aber wirklich Äpfel auch mit Äpfeln und nicht mit Birnen verglichen wurden, halte ich für eine zulässige Frage.

Äpfel mit Äpfeln?
Anders als die Finanzinstitute war die Lufthansa vor Corona ja ein durch und durch gesundes Unternehmen, gut geführt und gut kontrolliert, mit großer sozialer Verantwortung, ohne Skandale und Exzesse. Was nicht bedeutet, dass es nicht auch Baustellen im Konzern gegeben hätte. Aber dass die problematischen Fälle der Finanzwelt in der Vergangenheit zum Maßstab gemacht wurden, hat unsere Verhandlungsposition sicher nicht gestärkt.

War es im Nachhinein ein Fehler, sich sehr früh auf eine staatliche Rettungslösung zu fokussieren?
Ganz eindeutig nein. Wir haben zunächst mit viel Unterstützung versucht, private Hilfe zu organisieren. Es ist uns nicht gelungen. Es gab nur die Möglichkeit, mithilfe des Staates eine Lösung zu finden. Über die Struktur des Pakets im Einzelnen wurde dann ja lange verhandelt.


Es ging um neun Milliarden Euro, das ist etwa das Doppelte des Börsenwerts des Konzerns. War die Lufthansa vor der Krise vielleicht gar nicht so stark, wie sie sich womöglich selbst schöngeredet hat?
Auch hier ein klares Nein. Weder in Europa noch sonst irgendwo in der Welt gab es viele gesündere Fluggesellschaften dieser Größe. Natürlich ist niemand perfekt. Wir hatten uns weitere strategische Anpassungen vorgenommen, die wir jetzt hinterfragen und zu einer neuen Gesamtstrategie weiterentwickeln müssen. Im Herbst werden wir im Aufsichtsrat darüber beraten.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)

Ungenutzte Chance für ein ganzheitliches Mobilitätskonzept.


(Foto: AFP)

Schon vor der Coronakrise war von der Konzentration auf das Kerngeschäft des Fliegens die Rede. Was heißt das für Sparten wie Catering, die Lufthansa Technik oder das sehr einträgliche Kreditkartengeschäft?
Wenn Sie die Belastungen aus dem Rettungspaket sehen, zusammen mit den sehr hohen Pensionsrückstellungen und den sonstigen Verbindlichkeiten, kommen wir auf eine wirklich stattliche Verschuldung. Mit hohen Zinsen: Bei der stillen Beteiligung steigen sie binnen weniger Jahre auf über neun Prozent. Unsere erste Priorität ist daher eine schnelle Entschuldung.

Dabei müssen wir zuerst den KfW-Kredit über drei Milliarden Euro tilgen und können uns erst dann den Belastungen aus der stillen Beteiligung des Bundes, die im eigentlichen Wortsinne ja weder still noch eine Beteiligung ist, zuwenden – und das alles bei einer in den nächsten Monaten und Jahren sehr herausfordernden Geschäftsentwicklung. Jegliche Gedanken an eine Expansion können Sie da gleich in der Pfeife rauchen.

Der absehbare Cashflow wird demzufolge bei Weitem nicht ausreichen?
So ist es. Wir werden schneller als vor der Krise angedacht Beteiligungen verkaufen müssen, um mit den Erlösen die Schulden zu reduzieren.

Wenn der Markt weiß, dass Sie gewissermaßen gezwungen sind, Teile zu verkaufen, könnten die Preise ins Rutschen geraten.
Da hilft uns jetzt das Rettungspaket. Notverkäufe sind nicht notwendig und wird es auch nicht geben, weil wir im Moment solide finanziert sind.

Vor allem die Lufthansa Technik, also das Wartungsgeschäft, gilt ja als Perle …
Wir haben nur Perlen …

Auch Brussels Airlines?
Perlen wachsen eben unterschiedlich schnell, bevor sie ihre volle Schönheit erreicht haben. Aber zurück zu Lufthansa Technik: Das ist wirklich ein hervorragendes Unternehmen, das in Teilen sehr eng mit dem Kerngeschäft des Konzerns verknüpft ist. Die Situation zwingt uns nun, schneller als geplant darüber nachzudenken, in welcher Kombination sich Lufthansa Technik künftig am besten entwickeln könnte.

Jegliche Gedanken an eine Expansion können Sie gleich in der Pfeife rauchen.

Das Cateringgeschäft der LSG haben wir bereits vor Corona zum Verkauf gestellt. Allerdings war das ein sehr komplexer Prozess, da wir an unseren Drehkreuzen auch künftig hochwertiges Catering brauchen. Küchen in Panama oder Lagos, die keine Bedeutung für unser Kerngeschäft haben, sind da leichter zu verkaufen.

Was steht im Kerngeschäft mit dem Fliegen zur Disposition? Die Swiss?
Da verlässt mich meine Fantasie. Ich liebe die Swiss.

Sind Sie eigentlich inzwischen froh, dass es mit dem Kauf von Alitalia im vergangenen Jahr nicht geklappt hat?
Das kann man so nicht sagen. Eine wie auch immer geartete Vereinbarung würde für alle Beteiligten immer noch strategisch sinnvoll sein. Aber wie gesagt: Die Zeit zur Expansion ist nun erst einmal vorbei.


Was glauben Sie, wie sich Ihre Arbeit als Aufsichtsratsvorsitzender verändert, wenn die beiden vom Bund entsandten neuen Mitglieder im Gremium dabei sein werden?
Da ich mich immer zu 100 Prozent allen Aktionären verpflichtet fühle, sehe ich das entspannt. Dass Großaktionäre ein wichtiges Wort mitzureden haben, ist klar. Das war auch schon bisher so. Ich werde natürlich mit den beiden neuen Großaktionären ebenfalls den Dialog suchen. Ich bin in diesem Zusammenhang im Übrigen sehr froh, dass Heinz Hermann Thiele als Großaktionär seine Stimme erhoben hat und vieles kritisch hinterfragt hat, ehe er dem Rettungspaket zugestimmt hat. Ich hätte mir gewünscht, dass andere Aktionäre dies auch im Vorfeld getan hätten.

Standen Sie direkt in Kontakt zu Herrn Thiele?
Carsten Spohr und ich haben ihm einen Brief geschrieben und ihn als neuen Aktionär begrüßt. Inzwischen haben wir verabredet, dass wir uns alsbald auch erneut persönlich treffen wollen.

Es wurde kolportiert, dass er womöglich ein Interesse daran haben könnte, die gesamte Lufthansa zu übernehmen?
Sie strapazieren erneut meine Fantasie. In meiner aktiven Zeit als Finanzvorstand haben wir zusammen mit United die Air Canada vor einer Übernahme gerettet. Damals habe ich gelernt, was für ein komplexes Vorhaben die Übernahme einer systemrelevanten Fluggesellschaft ist. Da reden viele mit. Aber wie gesagt: Herr Thiele und ich werden bald persönlich sprechen.

Wie geht es nun weiter bei der Besetzung des Aufsichtsrats?
Die Vereinbarung mit dem Bund sieht vor, dass ich nach geeigneten Kandidaten und Kandidatinnen für die beiden Plätze suche und diese dann dem Bund vorstelle.

Der Ihre Kandidaten dann aber auch ablehnen kann?
Sicher, dann suche ich weiter.

Eine Möglichkeit wäre vielleicht, bei Unternehmen mit Staatsbeteiligungen nach geeigneten Kandidaten zu schauen, etwa bei der Telekom. Haben Sie schon Persönlichkeiten im Blick?
Ich habe eine Liste, die ich aber sicher jetzt und hier nicht mit Ihnen teilen werde.

Virtuelle Hauptversammlung der Lufthansa mit AR-Chef Kley

In der vergangenen Woche stand beim Aktionärstreffen das viel kritisierte staatliche Rettungspaket zur Abstimmung.



(Foto: dpa)

Das heute 20 Personen umfassende Gremium soll ja nicht aufgestockt werden. Wer verlässt den Aufsichtsrat? Die derzeitigen Mitglieder sind bis 2022 und darüber hinaus gewählt.
Das müssen wir sehen. Jedenfalls kann das nur freiwillig geschehen. Es gibt keine Möglichkeit, einen bestellten Aufsichtsrat vor Ablauf seines Mandats zu verabschieden, es sei denn, er würde in der Hauptversammlung abgewählt. Mir ist es an dieser Stelle wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir für die professionelle Besetzung des Aufsichtsrats viel Lob bekommen haben. Ich werde auch künftig keine Abstriche bei der Qualität akzeptieren.

Ja, aber wenn das Parkhaus doch voll ist und keiner rausfährt, dann kann auch niemand rein …
Ein interessanter Vergleich …

… aber noch keine Lösung für Ihr Problem, wie überhaupt auch immer noch ein neuer Finanzvorstand gesucht wird?
Der neue Finanzvorstand soll in jedem Fall von außen kommen. Ich habe einige sehr gute Kandidaten gesehen. Die Beschränkungen bei der Vergütung infolge des staatlichen Rettungspakets machen die Personalie sicher nicht einfacher. Exzellente Finanzexperten sind extrem gefragt und gesucht und entsprechend teuer. Gleichsam bin ich auch hier nicht bereit, bei der fachlichen Qualität Abstriche zu machen.

Wie wollen Sie das zusammenbekommen?
Wir bieten eine wahrlich historische und hochspannende Aufgabe, ein Unternehmen mit dieser Stahlkraft neu aufzustellen und zu positionieren. Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich, in absehbarer Zeit einen erstklassigen Kandidaten zu präsentieren.

Was glauben Sie, wie groß wird die Versuchung in Berlin sein, politisch nun auch Einfluss auf Personalentscheidungen und die Strategie, also zum Beispiel den Verkauf von Assets an Finanzinvestoren, zu nehmen?
Natürlich wird es bei Verkäufen von Unternehmensteilen zu Diskussionen kommen; das ist ab einer gewissen Größe vertraglich so vorgesehen. Aber alle involvierten Minister und Staatssekretäre haben mehrfach deutlich gemacht, dass die Politik keinen Einfluss auf das Geschäft, also auch auf Personalentscheidungen und die Strategie nehmen wird. Auf dieses Versprechen baue ich.

Herr Kley, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Coronakrise: Lufthansa muss gewaltiges Sparpaket schultern

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Coronakrise: Lufthansa muss gewaltiges Sparpaket schultern

Flughafen München

Eines der Probleme der Lufthansa: Ihre Maschinen bleiben zurzeit weitgehend am Boden.


(Foto: imago images/Action Pictures)

Frankfurt Die Lufthansa-Hauptversammlung vergangene Woche war entscheidend für die Zukunft des Konzerns: Großaktionär Heinz Hermann Thiele stimmte dem Hilfspaket und dem Einstieg des deutschen Staats mit 20 Prozent trotz vorheriger Kritik zu. Die Lufthansa ist mit dem Finanzpaket über neun Milliarden Euro gerettet. Vorerst zumindest.

Die eigentliche Arbeit beginnt nun aber erst. Die Fluggesellschaft steht vor einem Umbau, der bis zu 26.000 Lufthanseaten den Job kosten könnte, wie es in Kreisen des Unternehmens heißt. Jede sechste Stelle ist damit gefährdet. Der Umbau bedeutet aber nicht nur einen Verlust an Arbeitsplätzen. Europas größte Airline soll auch komplett neu aufgestellt werden – und das in einer Zeit, die erheblich von den Folgen der Corona-Pandemie geprägt ist.

Daniel Röska, Analyst bei Bernstein Research, greift deshalb auf ein Bild aus der Bergsteigerei zurück. „Wenn es einen Berg gibt, den Lufthansa erklimmen muss, dann haben sie jetzt lediglich das Basislager erreicht“, schreibt der Luftfahrtexperte. Die Lufthansa sei mit dem Rettungspaket handlungsfähig geworden, heißt es aus dem Kreis der Lufthanseaten, die sich nach der Hauptversammlung zu der kleinen Feierlichkeit versammelt hatten. „Das Schicksal liegt nun wieder in unserer Hand.“

Doch der Spielraum, der nun mit der staatlichen Finanzspritze vorhanden ist, ist nicht sehr groß. Der Großteil der Flotte steht unverändert am Boden, auch wenn die Lufthansa mit ihren Flugzeugen wieder mehr Ziele ansteuern kann. Konzernmitarbeiter berichten, dass sich die Flugzeuge, die abheben, wieder füllen. Bei einigen wenigen Strecken habe es sogar Überbuchungen gegeben, sagte einer der Beschäftigten.

Das Niveau ist aber weit vom früheren Stand entfernt. Bis sich der Markt für Reisen erholt, wird es aus Sicht des Managements noch Jahre dauern. Vor 2022 oder 2023 werde das nicht geschehen, hatte Spohr auf dem Aktionärstreffen gesagt. Vielleicht werden frühere Rekordwerte auch niemals wieder erreicht, prognostizieren einige Experten.

Hohe Schuldenlast

Bei der Lufthansa klafft also eine enorme Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben. Flugzeuge und Mitarbeiter kosten Geld. Außerdem muss die Lufthansa die Kunden entschädigen, die ihre Flüge nicht wahrnehmen wollten. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass er dies erwarte. Mit dem Bund als Hauptaktionär an Bord wird sich das Unternehmen gegen solche Forderungen nicht mehr wehren können.

Neun Milliarden Euro erhält die Lufthansa – ein gewaltiger Betrag. Das Geld reiche, um durchs Jahr zu kommen, hat das Management immer wieder betont. Doch viel weiter wird es nicht reichen. Schon jetzt sind bei der Firma Forderungen in Höhe von über zwei Milliarden Euro aufgelaufen. Mit dem Stillstand am Himmel droht der Verlust von weiteren Milliarden. Verbessert sich die Lage nicht, dann dürfte die Lufthansa ab dem kommenden Frühjahr erneut frisches Kapital benötigen, erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen.

Also führt an einem radikalen Umbau kein Weg vorbei. Auch weil das Rettungspaket des Bundes eine finanzielle Belastung ist. „Für den Staat ist das durchaus lukrativ, insgesamt sind die Belastungen aber durchaus erheblich“, hatte Karl-Ludwig Kley bei dem Aktionärstreffen gesagt.


Wie groß die Last ist, zeigen Berechnungen von Bernstein-Experte Röska. Er hat alle Verpflichtungen des Unternehmens addiert – inklusive Pensionsverpflichtungen – und die verfügbaren Barmittel abgezogen. Das Ergebnis: In der Spitze wird die sogenannte Nettofinanzverschuldung den imposanten Wert von 26 Milliarden Euro erreichen.

Lufthansa-Chef Spohr hat am Donnerstag deutlich gemacht, dass er trotz dieser Last und der damit verbundenen Tilgungspflicht die Staatsmittel möglichst schnell zurückzahlen will. Das waren keine Beruhigungspillen für die Aktionäre, die sich Sorgen um die Zukunftsfähigkeit machen. „Spohr meint das absolut ernst. Er hat intern deutlich gemacht, dass es sein oberstes Ziel ist, das Kapitel Staatshilfen sehr schnell wieder zu beenden“, sagt eine Führungskraft. Dem werde alles andere vorerst untergeordnet.

Die Frage ist, wie er das schaffen kann und will. Ein Element ist eine Refinanzierung am Kapitalmarkt. Der war für die „Hansa“ in der Spitze der Coronakrise verschlossen. Aber mit dem behutsamen Neustart des Flugverkehrs und der Entspannung aufseiten der Pandemie hofft das Management, hier bald wieder tätig werden zu können. Das Ziel dabei ist, bei den Ratingagenturen möglichst schnell wieder ein sogenanntes „Investmentgrade“ zu bekommen, um für Investoren attraktiv zu sein.

Die Last der Tilgung

Ein zweites Element ist die Reorganisation des gesamten Betriebs, ebenjener Umbau, der nun vorbereitet wird. Die Flottengröße, die Strategie, mehrere Drehkreuze (Hubs) zu betreiben, die Vielzahl von Flugbetrieben (AOC), die zum Flugbetrieb gehörenden Dienstleistungen – alles das steht zur Disposition und wird überprüft.
Unter dem Strich will das Management die Komplexität des Konzerns reduzieren, die seit Langem ein Klotz am Bein der „Hansa“ ist. Zudem sollen die Systempartner wie Flughäfen oder Bodenverkehrsdienste einen Beitrag leisten, etwa durch reduzierte Gebühren.

Eines der wichtigsten Elemente ist indes der Beitrag der Mitarbeiter. Mit der Kabinengewerkschaft UFO hat das Management gerade einen Abschluss erzielen können, der Einsparungen von mehr als einer halben Milliarde Euro möglich macht. Die Gespräche mit der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) sind laut Spohr auf einem guten Weg, die mit Verdi für das Bodenpersonal gingen am vergangenen Freitag weiter.

Nach der Zustimmung der Aktionäre zum Rettungspaket herrschte bei den Arbeitnehmervertretern große Zuversicht. „Die Pilotinnen und Piloten aller Airlines der Lufthansa Group haben bereits mit weitreichenden Angeboten gezeigt, dass sie ihren Beitrag dazu leisten wollen“, erklärte Markus Wahl, der Präsident der VC.

Heinz Hermann Thiele

Der Großaktionär der Lufthansa hielt Politik und Konzern lange in Atem.


(Foto: Jens Gyarmaty / VISUM)

Doch Analyst Röska fragt sich, ob solche Abkommen, wie sie jetzt etwa mit der UFO getroffen wurden, angesichts der enormen finanziellen Last des Konzerns ausreichen werden. Oder ob nicht das ganze Tarifsystem komplett erneuert werden muss. „Der Schuldenberg und die Pflicht, die Staatshilfen möglichst schnell zurückzuzahlen, werden das Management dazu zwingen, harte Entscheidungen in den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern zu treffen“, so Röska.

Allerdings gibt es bei diesen Verhandlungen noch ein anderes Problem: Um einen belastbaren Personalplan erstellen zu können, muss das Management erst einmal die künftige Nachfrage kalkulieren. Eine enorme Herausforderung, denn keiner kann aktuell sagen, wie schnell sich der Privat- und der Geschäftsreiseverkehr wieder erholen wird.

Mitarbeiter müssen bluten

Wie schwer eine solche Vorhersage ist, zeigt eine Aussage Spohrs auf der Hauptversammlung. Noch im März hatte der Lufthansa-Chef erklärt, man verhandele mit den Herstellern auch über die Stornierung von Flugzeugen. Am Donnerstag bemerkte er, dass man keine Stornierung mehr plane: „Wir glauben, die nötige Flexibilität komplett über Verschiebungen erreichen zu können.“

Nach letzten Daten hat Lufthansa für die Gruppe 198 Flugzeuge bestellt, die eigentlich bis 2027 ausgeliefert werden sollen. Zwar wird das Unternehmen zahlreiche alte Jets ausmustern und durch neue ersetzen. Das schreibt auch das Rettungspaket vor. Doch dass das Management nun plant, alle bestellten Flugzeuge zu übernehmen, zeigt: Man geht davon aus, dass der Flugbetrieb irgendwann wieder ein halbwegs normales Niveau erreicht. Dafür wird dann allerdings auch wieder das entsprechende Personal benötigt.


Das Personal zu stark kürzen ist also ein Risiko. Doch die eine Milliarde Euro, die das Rettungspaket allein im kommenden Jahr an Zinsen und Tilgung kosten wird, sind auch nicht wegzudiskutieren. „Diesen Betrag kann das Unternehmen nicht aus eigener Kraft stemmen, wenn die Reisetätigkeit so eingeschränkt ist“, sagte ein hochrangige Führungskraft.

Bliebe der Verkauf von Bereichen. Nach einer internen Aufstellung sieht das Management die Töchter Airplus (Kreditkarten) oder die Wartungstochter Lufthansa Technik als potenzielle Kandidaten. „Ein Verkauf könnte schnell eingeleitet werde“, sagte die Führungskraft. Allerdings würden die Preise unter Druck stehen, weil das Umfeld schwach sei.

Wie schwierig Verkäufe von Unternehmen oder Unternehmensteilen in der aktuellen Situation sind, zeigt sich an der Cateringtochter LSG Sky Chefs. Deren europäisches Geschäft soll vom Wettbewerber Gategroup übernommen werden. Der Deal ist zwar vereinbart, aber noch nicht abgeschlossen. Nun hakt er, denn die Geschäftsaussichten sind mehr als verhalten.

Die Einnahmen von LSG liegen am Boden, da kaum Flugzeuge unterwegs sind. Die Transaktion werde daher im Moment nachverhandelt, wird im Unternehmensumfeld berichtet. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Lufthansa weitere Zugeständnisse beim Preis machen müsse.

Mehr: Finanzminister Scholz: „Die Rettung ist eine sehr, sehr gute Nachricht.“

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Frasers Group: Britischer Sportbekleidungshändler steigt bei Hugo Boss ein

Hugo Boss

Nach der Bekanntgabe des Einstiegs legte die Hugo-Boss-Aktie nachbörslich um rund zwei Prozent zu.



(Foto: Reuters)

London Der britische Sportmodeanbieter Frasers Group ist beim Metzinger Modekonzern Hugo Boss eingestiegen. Über verschiedene Instrumente sicherten sich die Briten 5,1 Prozent der Anteile des MDax-Konzerns, wie sie am Freitag nach Börsenschluss in London mitteilten. „Die Investition reflektiere die wachsende Beziehung der Fraser Group mit Hugo Boss sowie den Glauben in die langfristige Zukunft des Unternehmens“, hieß es in der Mitteilung.

Den Anlegern gefiel es: Der Aktienkurs von Hugo Boss legte am frühen Abend auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schluss um rund 2 Prozent auf 27,83 Euro zu.

Mehr: Die Coronakrise bedroht das Erfolgsmodell der Modebranche.

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IATA-Zahlen: Umsatz der Airlines bricht um 241 Milliarden Dollar ein

Airlines in Schwierigkeiten

Viele Fluggesellschaften machen in der Coronakrise deutliche Verluste.


(Foto: AFP)

Frankfurt Die Luftfahrtbranche steht dem internationalen Airline-Verband IATA zufolge in diesem Jahr vor Rekordeinbußen. Der Umsatz der Fluggesellschaften weltweit werde sich durch die Corona-Krise 2020 halbieren, wie der Verband am Dienstag in seiner neuesten Prognose voraussagte. Es sei von einem Einbruch der Erlöse auf 419 Milliarden Dollar auszugehen.

Auch die Zahl der Passagiere werde sich auf 2,25 Milliarden halbieren. Der Umsatz im Passagierflugverkehr wird nach der Prognose noch stärker und zwar um 60 Prozent auf 241 Milliarden Dollar einbrechen, da die Ticketpreise unter Druck kommen dürften. Die Unternehmen stünden vor einem Jahresverlust von rund 84 Milliarden Dollar oder 20 Prozent des Umsatzes. „Finanziell wird 2020 das schlechteste Jahr in der Geschichte der Luftfahrt“, sagte IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac.

Das Schlimmste habe die Branche nach dem weitgehenden Erlahmen des Flugverkehrs in den vergangenen Monaten aber hinter sich – vorausgesetzt, es komme nicht zu einer weiten Corona-Krankheitswelle, erklärte die IATA. Die schrittweise Aufhebung von Reisebeschränkungen in Europa sorge für eine Erholung, solange von Quarantänepflichten in Ankunftsländern abgesehen werde. Die Luftfahrtindustrie gehört zu den von der Corona-Krise am schwersten betroffenen Branchen.

Für das kommende Jahr erwartet der Verband eine Erholung des Umsatzes auf knapp 600 Milliarden Dollar bei einem Anstieg der Fluggastzahlen auf 3,38 Milliarden. Die Verlust der Branche werde sich auf knapp 16 Milliarden Dollar verringern. „Die Fluggesellschaften werden 2021 noch finanziell angeschlagen sein“, erläuterte de Juniac weiter. Der Wettbewerb werde so intensiv sein, dass die Kunden mit niedrigen Preisen rechnen könnten.

Ein Lichtblick im Luftverkehr sei das Frachtgeschäft. Dessen Umsatz werde 2020 trotz verringerter Kapazitäten durch den Wegfall von Passagierflügen mit ihren Zuladungen steigen, denn die Frachtpreise erhöhten sich um 30 Prozent.

Mehr: Airlines kassieren 123 Milliarden Dollar Staatshilfe

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Luftfahrt : Spanische Airlines Iberia und Vueling beantragen Staatshilfe

Iberia

Zahlreiche Airlines haben in der vergangenen Woche aufgrund der Coronakrise Hilfe beantragt.


(Foto: LightRocket/Getty Images)

Madrid Die beiden spanischen Fluglinien Iberia und Vueling haben staatlich garantierte Kredite in Höhe von 1,01 Milliarden Euro beantragt. Davon entfallen 750 Millionen auf Iberia und 260 Millionen auf Vueling. Beide Airlines sind Teil des Konzerns IAG, zu dem auch British Airways gehört.

Die beiden spanischen Fluglinien haben bei Banken eine Konsortialfinanzierung beantragt, heißt es in einer Stellungnahme von IAG vom Freitag. Die Kreditanträge sehen eine fünfjährige Laufzeit bis zum 30. April 2023 vor, können aber jederzeit zurückgezahlt werden. Die Banken werden nun Garantien für diese Finanzierung bei der spanischen Förderung ICO beantragen.

Spanien hat seinen Unternehmen Kreditgarantien in Höhe von 100 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Die Banken prüfen diese Anträge nach den Richtlinien der ICO, die aber das letzte Wort bei der Genehmigung hat. Bislang hat die spanische Förderbank über 98 Prozent der Garantien an kleine und mittelständische Unternehmen sowie an Selbständige vergeben.

Der Schritt der beiden Fluglinien überrascht, weil der Mutterkonzern IAG am Donnerstag noch erklärt hatte, man beantrage keine Staatshilfe. Stattdessen will IAG mit den Gewerkschaften über eine Restrukturierung sprechen, bei der bis zu 12.000 Jobs gestrichen werden könnten.

Zahlreiche Airlines, darunter auch die Lufthansa, haben in den vergangenen Wochen Hilfen beantragt. Durch die Coronakrise liegt der Luftverkehr größtenteils lahm. Diskutiert wird bei der Lufthansa neben staatlichen garantierten Krediten auch ein direkter Einstieg des Bundes in das Kapital der Airline.

Madrid setzt auf eine europäisch koordinierte Antwort

Die spanische Regierung hat sich bisher nicht klar dazu geäußert, ob sie umfangreiche Staatshilfen für die gebeutelte Luftfahrtindustrie unterstützt oder nicht.


Die spanische Wirtschaftsministerin Nadia Calviño wies bei einer Pressekonferenz am Freitag darauf hin, dass „die verschiedenen Regierungen, aber auch die europäische Gemeinschaft versuchen, eine möglichst koordinierte Antwort“ auf die Krise der europäischen Fluglinien zu geben.

Die EU erarbeite derzeit einen Rechtsrahmen, um die öffentlichen Hilfen für die Luftfahrtbranche abzudecken. Die spanische Regierung setzt auf ein abgestimmtes Vorgehen.

Mehr: Ryanair fühlt sich durch die Unterstützung für andere Airlines benachteiligt. Ryanair-Chef Michael O´Leary übt heftige Kritik und kündigt Klagen an.

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US-Techkonzern: Amazon-Chef Bezos soll vor Ausschuss aussagen

Jeff Bezos

Der Amazon-Chef muss vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses aussagen.


(Foto: AP)

Washington Amazon-Chef Jeff Bezos soll US-Abgeordneten wegen angeblicher dubioser Praktiken bei der Produktentwicklung Rede und Antwort stehen. Der Justizausschuss des Repräsentantenhauses forderte Bezos in einem am Freitag veröffentlichten Brief zur Aussage auf. Hintergrund ist eine Recherche des „Wall Street Journal“, laut der Amazon-Mitarbeiter Daten anderer Verkäufer auf der Plattform ausspionierten und für die Entwicklung eigener Produkte nutzten.

Der Vorsitzende des Justizausschusses, Jerrold Nadler, ein Spitzenpolitiker der Demokraten, verdächtigt Amazon-Vertreter, bei früheren Anhörungen falsche Angaben zu dem Sachverhalt gemacht zu haben. Bezos selbst hat bislang – als einziger Chef eines der großen US-Techkonzerne – noch nie selbst vor dem Kongress aussagen müssen. Amazon hatte die Vorwürfe, dass Mitarbeiter vertrauliche Verkäuferdaten zum eigenen Vorteil ausnutzen, zurückgewiesen.

Vertreter von Amazon gaben am Freitag zunächst keinen Kommentar ab. Der Unterausschuss für Kartellrecht des Justizausschusses ermittelt zu großen Techunternehmen und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb und Verbraucher. Die Untersuchung konzentriert sich auf Google, Facebook, Amazon und Apple.

Mehr: Die Ausgangssperren wegen Corona treiben viele Menschen zu Amazon – doch der Onlinehändler muss auch mehr ausgeben. Demnächst drohen Verluste.

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Coronakrise: Dolzer Maßkonfektionäre: Erneutes Comeback mit Masken aus Hemdenstoff

Dolzer Maßkonfektionäre: Eröffnet, geschlossen, wieder eröffnet

Das fränkische Unternehmen war frisch saniert aus der Insolvenz gestartet – und musste wegen Corona die Filialen gleich wieder schließen. Nun laufen die Geschäfte langsam wieder an.


(Foto: obs)

München Die Coronakrise hat den Einzelhandel hart getroffen. Doch für ein Traditionsunternehmen war die Zwangsschließung besonders bitter: Die Dolzer Maßkonfektionäre waren Mitte März frisch saniert aus dem Insolvenzverfahren entlassen worden – und musste nur zwei Tage später die Filialen wieder schließen.

In der vergangenen Woche konnten die Läden nun zum zweiten Mal wieder eröffnet werden. Und Eigentümer Thomas Selkirk hat neuen Mut geschöpft: „Es hat uns positiv überrascht, wie viele Kunden Termin in unseren Filialen vereinbarten, um nach sechs Wochen Zwangspause Maßkonfektion in Auftrag zu geben“, sagte er dem Handelsblatt.

Zudem sei der Verkauf von Masken aus einer speziell zusammengestellten Kollektion von Hemdenstoffen ein unerwartet guter Erfolg. „Die Einnahmen haben dazu beigetragen, die notwendige Liquidität zur Fortführung des Unternehmens etwas zu verbessern.“

Dolzer ist noch aus einem weiteren Grund ganz besonders von der Krise betroffen: Mit Staatshilfe sollen nur Unternehmen gestützt werden, die Ende 2019 gesund dastanden. Doch damals befand sich das unterfränkische Unternehmen mitten im Insolvenzverfahren.

Bis heute habe das Unternehmen keine Unterstützung in Form von KfW-Darlehen erhalten, sagte Selkirk. Doch immerhin sind die Filialen derzeit mit kürzeren Öffnungszeiten wieder geöffnet.

Neuer Investor an Bord

Selkirk hatte die 1963 als Adolf Dolzer Kleiderfabrik gegründete Firma 1995 übernommen. Das Unternehmen beschäftigt Maßkonfektionäre, die die Kunden über ein Standardgrößensystem vermessen.

Die Kunden können dann aus bestimmten Modellen und Stoffen ihr persönliches Kleidungsstück zusammenstellen, das in Tschechien gefertigt wird.

Als Selkirk 2018 einen externen Geschäftsführer engagierte und sich aus dem Unternehmen zurückzog, geriet Dolzer in Schieflage. Selkirk kehrte zurück und brachte frisches Kapital mit, konnte ein Schutzschirmverfahren und im Nachgang die Insolvenz aber nicht mehr verhindern.


Die Sanierung gelang, mehr als 400 Arbeitsplätze in Deutschland und Tschechien wurden gerettet. Mit Michael Bork stieg zudem ein neuer Mehrheitsgesellschafter ein. Der Partner der Private-Equity-Firma Equistone war Kunde bei Dolzer und engagierte sich mit privaten Mitteln.

Doch direkt nach dem Neustart mussten die bundesweit 18 Filialen wegen Corona gleich wieder zumachen. „Die jüngsten Wochen waren schwierig und äußerst kreativ zugleich“, sagt Selkirk.

Mehr: Modebranche schlägt Alarm.

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Coronakrise: Ceconomy erhält Genehmigung für milliardenschweren KfW-Kredit

Media Markt

Die Geschäfte des Elektronikriesen sind seit Mitte März wegen der Corona-Pandemie geschlossen.



(Foto: Reuters)

Düsseldorf Der Elektronikhändler Ceconomy kann in der Coronakrise auf einen milliardenschweren Staatskredit zurückgreifen. Das Unternehmen habe von der Bundesregierung die Genehmigung über die Teilnahme der staatseigenen Bank KfW an einem Konsortialkredit von insgesamt 1,7 Milliarden Euro erhalten, teilte die Mutter der Elektronikketten Media Markt und Saturn am Mittwochabend mit.

Der Kreditvertrag stehe unter anderem noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch ein Konsortium von Partnerbanken von Ceconomy. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenen Stadium.

Zu den Bedingungen des Konsortialkredits gehört die faktische Aussetzung von Dividendenzahlungen über die Laufzeit der Kreditlinie, die bis Dezember 2021 festgelegt ist. Dazu gibt es eine einjährige Verlängerungsoption, wenn die KfW zustimmt. 2019 hatte es wegen schwacher Geschäfte von Ceconomy keine Dividende gegeben.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hatte Ceconomy bereits Maßnahmen zur Sicherung der Liquidität eingeleitet. Mit der neuen Kreditlinie will das Unternehmen seine bestehenden Kreditvereinbarungen in Höhe von 980 Millionen Euro aufstocken und so die finanzielle Flexibilität sichern. Ceconomy musste Mitte März wegen der Corona-Pandemie einen Großteil seiner Läden schließen.

Die französische Ceconomy-Beteiligung Fnac Darty hatte bereits mitgeteilt, sie erhalte Hilfe der Regierung in Paris. Sie bekommt einen staatlich gesicherten Kredit in Höhe von 500 Millionen Euro.

Mehr: Onlinehandel ist auch in der Coronakrise kein Selbstläufer.

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Einzelhandel: John Cloppenburg über die Corona-Beschränkungen: „Die Maßnahmen leuchten mir nicht ein“

John Cloppenburg

Der Unternehmer kritisiert die Corona-Maßnahmen im Einzelhandel.


(Foto: imago images / Future Image)

Düsseldorf Die Beschränkung der Verkaufsflächen im Handel auf eine Größe von 800 Quadratmetern komme für Unternehmen wie Peek & Cloppenburg (P&C) einem Berufsverbot gleich, findet John Cloppenburg. In einem Liveinterview mit dem Handelsblatt auf Instagram sagte das Mitglied der Unternehmensleitung des Düsseldorfer Modehändlers am Mittwochabend: „Selbst wenn wir alle Häuser auf 800 Quadratmetern öffnen können, dann sind wir über die ganze Gruppe ungefähr bei 13 Prozent der normalen Verkaufsfläche, die wir öffnen dürfen.“

Die Corona-Maßnahmen im Einzelhandel kann Cloppenburg generell nur schwer nachvollziehen: Er verstehe nicht, warum es bei Volksfesten möglich sei, bestimmte Bereiche einer Stadt abzuriegeln, „aber das jetzt in dieser Krise für den Einzelhandel nicht möglich ist“, sagte er.

Als Beispiel nannte Cloppenburg die Kontrollen in der Düsseldorfer Altstadt beim Straßenkarneval: Zu dieser Zeit sei der Staat auch in der Lage, „bestimmte Bereiche der Stadt zu kontrollieren, weil man verhindern möchte, dass Leute mit Glasflaschen in der Altstadt unterwegs sind“. Es leuchte ihm nicht ein, dass es nicht möglich sei, „auch die Haupteinkaufsstraßen zu kontrollieren, falls es denn tatsächlich so kommen sollte, dass dann zu viele Leute in die Stadt kommen“.

Inzwischen sind 38 der 65 P&C-Filialen in Deutschland mit begrenzter Verkaufsfläche wieder geöffnet. Das Verkaufshaus in Düsseldorf ist zum Beispiel eigentlich 16.000 Quadratmeter groß. Nun können dort nur 80 Personen gleichzeitig auf 800 Quadratmetern einkaufen.

Selbst bei einer vollständigen Öffnung der Geschäfte rechnet Cloppenburg mit Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent: „Kein Mensch kann heute sagen, ob sich die Einkaufsgewohnheiten der Menschen deutlich verändern werden.“

Zur Frage, wieso das Kurzarbeitergeld nicht für alle Mitarbeiter des Unternehmens gleichermaßen aufgestockt werde, sagte Cloppenburg: „Wir haben versucht, denen zu helfen, die es am dringendsten nötig haben. Aber keiner kann sagen, wie lange Schließungen aus politischer Sicht noch nötig sind. Jeder Euro Kosten, den Sie jetzt haben, ist ein Euro weniger Eigenkapital.“

Mehr: Das gesamte Interview können Sie jetzt hier im Video anschauen.

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Kaufhauskonzern: Galeria Karstadt Kaufhof klagt auf Öffnung der Filialen in NRW

Kaufhof in Köln

Der Eigentümer Signa hat Karstadt und Kaufhof fusioniert und führt sie seit März unter dem gemeinsamen Namen Galeria Karstadt Kaufhof.


(Foto: picture alliance/dpa)

Düsseldorf Der angeschlagene Warenhausriese Galeria Karstadt Kaufhof geht gerichtlich gegen die Schließung seiner Filialen in der Coronakrise vor. Der Konzern hat vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Klage dagegen eingereicht, dass die Warenhäuser in Nordrhein-Westfalen nicht öffnen dürfen.

Dem Land ist dem Gericht zufolge nun Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden. Eine Entscheidung könnte in der kommenden Woche fallen. Ein Konzernsprecher wollte sich zunächst nicht äußern.

Nach Angaben einer Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts bezieht sich der Eilantrag der Kaufhauskette auf die bisherige Regelung der Corona-Schutzverordnung, in der die 800-Quadratmeter-Regelung noch nicht vorkam. Es seit aber möglich, dass die kommende Neuregelung beziehungsweise die Änderung der Schließungsregeln in das Verfahren einbezogen werde.

Galeria Karstadt Kaufhof mit seinen 28.000 Mitarbeitern ist durch die Ladenschließungen besonders betroffen. Bis auf Lebensmittel- und Drogerieabteilungen, die separat zugänglich sind, müssen alle Häuser wegen der Coronakrise geschlossen bleiben.

Dem Unternehmen entgeht dadurch nach eigenen Angaben jede Woche ein Umsatz von rund 80 Millionen Euro. Dauert die Schließung bis Ende April an, soll sich der Umsatzausfall auf eine halbe Milliarde Euro summiert haben.

Die Regierungen hatten angekündigt, dass ab Montag schrittweise die Geschäfte wieder geöffnet werden sollen. Allerdings dürfen in einem ersten Schritt nur Geschäfte mit einer Fläche von weniger als 800 Quadratmetern öffnen. Die Häuser von Karstadt und Kaufhof haben im Schnitt eine Verkaufsfläche von 12.500 Quadratmetern.

Allerdings hat das Land Nordrhein-Westfalen einen Sonderweg eingeschlagen: Es erlaubt zusätzlich die Öffnung von Möbelhäusern, darunter auch die der großen Kette Ikea, sowie von Babyfachmärkten. Galeria fällt nicht unter diese Regelung. Mehrere Handelsketten und Verbände hatten bereits kritisiert, dadurch entstehe eine willkürliche Wettbewerbsverzerrung.

Auch ein weiterer Ausweg bleibt Galeria in Nordrhein-Westfalen versperrt: Die Landesregierung hat bereits angekündigt, dass es in NRW zunächst nicht möglich sein soll, die Verkaufsfläche durch Absperrungen auf 800 Quadratmeter zu verkleinern, um trotzdem zumindest teilweise öffnen zu können. Andere Bundesländer, wie etwa Niedersachsen, hatten dies dagegen in Aussicht gestellt.


Konzern kämpft ums Überleben

Galeria Karstadt Kaufhof hatte wegen seiner schwierigen Lage Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Schutzschirmverfahren gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren.

Es ist Unternehmen vorbehalten, die noch nicht zahlungsunfähig sind, denen aber die Pleite droht. Unter dem Schutzschirm sind sie für drei Monate vor dem Zugriff der Gläubiger sicher und sollen damit genügend Zeit bekommen, ihre Finanzen zu ordnen.

Wie jetzt bekannt geworden ist, verkauft die Signa-Holding des österreichischen Investors René Benko 17 Immobilien der angeschlagenen Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof. Käufer sind Fonds des Finanzinvestors Apollo EPF. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge beläuft sich der Kaufpreis auf rund 700 Millionen Euro. Das ist exakt die gleiche Summe, die Benko nach eigenen Angaben als zusätzliche Kapitalspritze in Galeria investiert hat.

Ein Signa-Sprecher wollte sich am Freitag nicht äußern. Die Transaktion wurde bereits Ende März beim Bundeskartellamt zur Prüfung angemeldet, am Mittwoch dieser Woche haben die Wettbewerbshüter den Verkauf freigegeben. Signa ist seit Juni 2019 alleiniger Eigner des kriselnden Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof und zahlreicher Warenhaus-Immobilien des Unternehmens.

Mehr: Rückkehr zur Normalität: Was die Lockerung der Corona-Regeln für den Handel bedeutet

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