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Qualität der Arbeit: Verdi-Umfrage: Viele Beschäftigte leiden unter Digitalisierung

Digitalisierung

Viele Arbeitnehmer berichten von einer Verringerung der Handlungs- und Entscheidungsspielräume durch künstliche Intelligenz.


(Foto: AFP)

Berlin Digitalisierung und künstliche Intelligenz haben die Qualität der Arbeit für viele Beschäftigte nach einer Umfrage von Verdi eher verschlechtert als verbessert. Die Arbeitnehmer leiden demnach vielfach unter einer höheren Arbeitsintensität und geringeren Handlungsspielräumen, wie das „Innovationsbarometer 2019 – Künstliche Intelligenz“ der Gewerkschaft zeigt, das der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Zwei von drei Befragten in betroffenen Unternehmen fürchten, dass die Zahl der Arbeitsplätze durch den KI-Einsatz sinken werde. Zudem berichten 52 Prozent der Befragten von einer Zunahme der Arbeitsintensität. 42 Prozent der Befragten sehen häufigere Störungen der Arbeitsabläufe.

Jeder Zweite erkennt eine Zunahme der Transparenz des Arbeits- und Leistungsverhaltens der Beschäftigten. 60 Prozent berichten von einer Verringerung der Handlungs- und Entscheidungsspielräume durch künstliche Intelligenz.

Verdi-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz forderte: „Digitalisierung und künstliche Intelligenz müssen so gestaltet werden, dass sie den Beschäftigten sowie dem Schutz und dem Ausbau der Arbeitnehmerrechte dienen.“ Betrieblichen Mitbestimmungsorgane müssten bei der Einführung von KI-Projekten frühzeitig stärker einbezogen werden.

Mehr: Ein Fall „Kuka“ soll sich nicht wiederholen: Wirtschaftsminister Peter Altmaier erschwert den Einstieg missliebiger Investoren. Vor allem chinesische Unternehmen sind im Visier.


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Nikkei, Topix & Co: Trump löst mit Südamerika-Zöllen Abwärtstrend aus

Tokio

Passanten vor einer Anzeigetafel der Börse in Tokio.


(Foto: AFP)

Tokio Die asiatischen Aktien sind am Dienstag in einen Abwärtstrend geraten. US-Präsident Donald Trump hatte die Märkte mit Zöllen gegen Importe aus Brasilien und Argentinien verblüfft – die Sorgen über die globalen Handelsspannungen traten bei den Anlegern damit wieder in den Vordergrund.

Steven Daghlian, Marktanalyst bei CommSec in Sydney, sagte, während die südamerikanischen Zölle die Marktsorgen beherrschten, hat Chinas Reaktion auf die Unterstützung der USA für regierungsfeindliche Demonstranten in Hongkong zusätzlich auf die Stimmung gedrückt. „Die Märkte reagieren sehr sensibel auf gute oder schlechte Nachrichten an der Streitfront zwischen den USA und China, aber auch auf die Beziehungen der USA zu anderen Nationen“, sagte er.

Die Volksrepublik erklärte, US-Militärschiffe und Flugzeuge würden Hongkong nicht besuchen dürfen und kündigte Sanktionen gegen mehrere US-Regierungsorganisationen an, die in den Augen Chinas Demonstranten in der Sonderverwaltungszone zur Begehung von „extremistischen, gewalttätigen und kriminellen Handlungen“ angestiftet hätten.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,7 Prozent tiefer bei 23.360 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,5 Prozent und lag bei 1706 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,1 Prozent im Minus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen trat auf der Stelle. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans stieg um 0,2 Prozent.

Im asiatischen Devisenhandel gewann der Dollar 0,2 Prozent auf 109,17 Yen und stagnierte bei 7,0400 Yuan. Zur Schweizer Währung notierte er 0,1 Prozent höher bei 0,9922 Franken. Parallel dazu blieb der Euro fast unverändert bei 1,1077 Dollar und zog um 0,1 Prozent auf 1,0992 Franken an. Das Pfund Sterling stagnierte bei 1,2941 Dollar.

Mehr: Wirtschaftspolitische Entscheidungen haben am Montag den US-Handel bestimmt. Zu den Verlierer bei den Einzelwerten gehören Händler wie Amazon.


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Nach SPD-Mitgliedervotum: Verbraucherschützer fordern Nachbesserungen am Klimapaket

Globaler Klima-Aktionstag in Berlin

Demo in Berlin gegen das Klimapaket der Bundesregierung.



(Foto: dpa)

Berlin Nach dem Sieg von Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken im Kampf um den SPD-Parteivorsitz erhofft sich Deutschlands oberster Verbraucherschützer Klaus Müller von der Großen Koalition „neue Akzente“ bei verbraucherpolitischen Themen.

Für Verbraucher wäre etwa neben einer „Stärkung der Verbraucherperspektive in der Klimaschutzpolitik“ ein „Neustart bei der privaten Altersvorsorge wichtig“, sagte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) dem Handelsblatt. „Was auch immer innerhalb der Großen Koalition nun passiert: Am Ende muss sie sich daran messen lassen, wie sie das Leben der Verbraucherinnen und Verbraucher verbessert.“ Schwarz-Rot müsse deshalb die Versprechen des Koalitionsvertrages abarbeiten und „neue Akzente setzen“.

Esken und Walter-Borjans machen die Fortsetzung der Koalition mit der Union von Nachverhandlungen etwa über höhere Investitionen, einen höheren Mindestlohn und das Klimapaket abhängig. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte die Forderungen bereits abgewiesen. „Nichts davon wird es geben“, sagte Laschet am Sonntag im Deutschlandfunk.

Esken fordert mit Blick auf das Klimapaket einen CO2-Einstiegspreis im Verkehr und beim Heizen von 40 Euro pro Tonne statt der bisher geplanten 10 Euro. Auch viele Fachleute und Umweltverbände halten den Einstiegspreis von zehn Euro ab 2021 für zu niedrig, um Menschen dazu zu bewegen, sich ein klimafreundlicheres Auto zu kaufen.

Die Koalition aber hatte sich erst nach langem Ringen auf das Klimapaket mit der CO2-Bepreisung geeinigt. Vor allem die CSU drängte auf einen niedrigen Einstiegspreis. Eine Hintertür ist aber noch offen: Der Vermittlungsausschuss zwischen Bundestag und Bundesrat verhandelt demnächst auf Drängen der Länder noch einmal über Steuergesetze aus dem Klimapaket – der CO2-Preis könnte hier durchaus auch noch einmal ein Thema werden.

„Klimapaket muss bei den Menschen ankommen“

Die Mobilitätsexpertin des VZBV, Marion Jungbluth, sieht Esken und Walter-Borjans in der Pflicht, Verbesserungen für die Verbraucher zu erreichen. „Die designierte neue SPD-Führung muss dafür sorgen, dass das Klimapaket bei den Menschen ankommt. Dafür müssen die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung den Verbrauchern vollständig zurückgegeben werden“, sagte Jungbluth dem Handelsblatt. „Diese müssen in die Lage versetzt werden, in andere Mobilität zu investieren, sonst wird die Akzeptanz der Klimapolitik gerade bei den Menschen in ländlichen Regionen schwinden.“

Jungbluth unterstrich, dass für mehr Klimaschutz schnelle Investitionen in den öffentlichen Verkehr und in die Digitalisierung „dringend nötig“ seien. „Alle Maßnahmen, die klimaverträgliche Verkehrsmittel attraktiver machen, müssen sofort umgesetzt werden“, sagte sie. „Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Bahnfernreisen darf nicht blockiert werden“, fügte Jungbluth mit Blick auf den Bundesrat hinzu, der kürzlich die Klima-Steuergesetze gestoppt hat.

Die Länder beklagen, dass das Geld aus dem CO2-Preis allein dem Bund zufließt, aber sie auf der anderen Seite Einnahmeverluste durch die erhöhte Pendlerpauschale oder die Senkung der Bahn-Mehrwertsteuer haben.

Verbraucherschützerin Jungbluth rief die SPD zu einem stärken Engagement im Verkehrsbereich auf. „Programmatisch muss die SPD endlich überzeugende Konzepte für eine Mobilität ohne eigenes Auto entwickeln“, sagte sie. „Zum Beispiel durch einen Rechtsanspruch auf eine definierte Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.“

Wer ohne eigenes Auto mobil sein soll, müsse sich darauf verlassen können, dass er mit Bussen und Bahnen oder App-gebundenen Fahrmöglichkeiten seine täglichen Wege erledigen könne, betonte Jungbluth. „Dazu muss es einen definierten Anspruch geben, zum Beispiel die 5-Minuten-Stadt.“ Innerhalb von fünf Minuten müsse das nächste öffentliche Verkehrsmittel erreichbar sein.

Jungbluth regte überdies „innovative Mobilitätsdienstleistungen“ an, etwa einen „Hausanschluss Mobilität“. Dahinter steht die Idee, dass jeder Haushalt in Deutschland jederzeit einen unmittelbaren Zugang zu öffentlichen Mobilitätsangeboten hat – ähnlich wie bei Strom, Internet oder Post. „Ein eigenes Auto wäre in diesem Fall nicht mehr erforderlich“, erläuterte die VZBV-Expertin.

Mehr: Der SPD-Spitzenpolitiker Stephan Weil richtet deutliche Worte an das neue Führungsduo seiner Partei: Die SPD habe keinen Nachholbedarf in der Sozialpolitik.


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Fintech: Online-Geschäftsbank Penta will Kundenzahl bis 2020 mehr als verdreifachen

Onlinebank

Penta will jetzt auch Einzelunternehmen und Freiberufler mit Angestellten ansprechen.



(Foto: dpa)

Berlin Penta, eine Onlinebank für Geschäftskunden, will im kommenden Jahr kräftig wachsen. „Wir wollen bis Ende 2020 rund 50.000 Kunden haben“, sagte der Chef Marko Wenthin dem Handelsblatt.

Allerdings verfehlte das Fintech schon einmal sein Ziel. Statt der anvisierten 20.000 Kunden wird Penta bis Ende des Jahres 2019 wohl auf gut 14.000 kommen. Das führt der ehemalige Solarisbank-Vorstand, der seit Mitte des Jahres Penta führt, auf Vorbereitungen für die Neuaufstellung der Digitalplattform zurück. Das Unternehmen, das in diesem Jahr von Finleap übernommen wurde, will seinen Kundenkreis erweitern.

War die digitale Plattform bislang auf kleine und mittlere Unternehmen fokussiert, die als AG, GmbH, KG/OHG oder als GbR firmierten, werden jetzt auch Einzelunternehmen und Freiberufler mit Angestellten angesprochen. Damit rücken Ärzte, Notare, Anwälte, Architekten, Ingenieure sowie Einzelunternehmen wie Restaurants, Reisebüros oder Handwerker stärker in den Mittelpunkt.

„Dieses Marktsegment bekommt von den traditionellen Banken nicht die Aufmerksamkeit, die es verdient“, glaubt Wenthin. Das hänge auch mit den Kosten zusammen. Um kleinere oder mittlere Firmenkunden profitabel zu bedienen, müssen traditionelle Banken einen deutlich höheren Ergebnisbeitrag mit ihnen erzielen als beispielsweise Penta. „Unsere Kostenbasis ist eine komplett andere“, so Wenthin.

Im klassischen Bankgeschäft arbeitet Penta mit der Solarisbank zusammen, ebenfalls eine Finleap-Tochter.

Penta will seine Kunden aber nicht nur mit den üblichen Bankdienstleistungen wie Finanzierungen, Kreditkarten, was Debitkarten für Unternehmensmitarbeiter einschließt, und Zahlungsverkehr versorgen. „Wir haben den Anspruch, dem Unternehmer auch beispielsweise im Bereich Buchhaltung, Versicherungen, Finanzanlage oder bei Rechtsfragen zu helfen“, so Wenthin.

Im Idealfall sei Penta der tägliche Begleiter des Unternehmens, damit sich das Unternehmen auf sein Kerngeschäft konzentrieren könne, beschreibt Wenthin.

Unterschiedliche Ertragsquellen

Dabei kann und will Penta die Dienstleistungen außerhalb des Bankgeschäfts nicht aus eigener Kraft stemmen, sondern kooperiert mit Partnern. In der Buchhaltung bestehen beispielsweise bereits Kooperationen mit Haufe Lexoffice, Debitoor oder Datev. Auch wenn noch nicht alle Kooperationspartner feststehen – eine Lücke konnte gerade geschlossen werden. So arbeitet Penta mit dem Kartenzahlungsdienstleister SumUp zusammen. SumUp ermöglicht es Händlern, Kartenzahlungen durchzuführen.

Das Geschäftsmodell von Penta sorgt für unterschiedliche Ertragsquellen. Zum einen bietet Penta Kunden neben einem kostenlosen Starterkonto Preispläne, die umfangreiche Zusatzleistungen beinhalten. Dann profitiert das Unternehmen davon, wenn Kunden die Debitkarten einsetzen. Gehen die Kunden auf Angebote von Kooperationspartnern ein, fließen außerdem Provisionen.

Wenthin hält es für möglich, dass es auf Monatsbasis gesehen schon 2021 gelingen könnte, schwarze Zahlen zu schreiben. Ob es für das gesamte Jahr dann schon reichen könnte, sei noch nicht sicher. Schließlich steigen auch die Kosten. So beschäftigte Penta mittlerweile 95 Mitarbeiter. Penta hat im August mehr als acht Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde eingesammelt, die von HV Holtzbrinck Ventures angeführt wurde.

Obwohl in Deutschland ein großer Markt lockt, will sich Penta auch im Ausland weiter umschauen. Seit Oktober ist das Unternehmen bereits in Italien aktiv. Dabei kann Penta auf die Erfahrungen des ehemaligen Finleap-Ablegers Beesy bauen. Im Zuge der Penta-Übernahme durch Finleap wurde Beesy mit Penta verschmolzen.

Für interessant hält Wenthin Österreich, die Benelux-Staaten, Frankreich, Spanien und Polen. Im kommenden Jahr soll die Entscheidung fallen, welche Märkte konkret erobert werden sollen. Nicht nur Penta hat den Markt für den kleinen Mittelstand entdeckt.

Zu den Konkurrenten zählen beispielsweise Holvi, N26, Kontist, die Fidor Bank und auch der Deutsche Bank-Ableger Fyrst. Angesichts des riesigen Marktes dürfte die Gefahr aber gering sein, dass man sich gegenseitig in die Quere kommt.

Mehr: Noch gibt es keinen einheitlichen Rahmen für digitale Finanztechnologien in Europa. Eine neue Studie formuliert nun Vorschläge, wie das geändert werden kann. Lesen Sie hier mehr.


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Energiekonzern: RWE fordert Reform der Abstandsregeln für Windenergie

Windkraftanlage in Baden-Württemberg

RWE plant mehr als eine Milliarde Euro in Ökostrom zu investierten.



(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Energieversorger RWE spricht sich einem Zeitungsbericht zufolge gegen die von der Bundesregierung geplante 1000-Meter-Abstandsregel für Windräder aus. „Ich kann verstehen, dass der Einzelne kein Windrad in der Nähe haben will. Aber so kann die Energiewende nicht funktionieren“, sagte die Chefin der RWE-Ökostromsparte, Anja-Isabel Dotzenrath, der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe).

Sie fordere eine Nachbesserung, etwa beim Repowering: „Wo bereits kleine Windräder stehen, sollte man auch größere Anlagen erlauben. Bei der Frage nach Mindestabständen kommt es darauf an, was der Bezugspunkt ist. 1000 Meter Abstand zu einer Siedlung sind ok, 1000 Meter zu jedem Bauernhof problematisch. Damit verringern sich die infrage kommenden Flächen massiv um bis zu 50 Prozent.“

Mit Blick auf den eigenen Ökostrom-Investitionsetat hoffe Dotzenrath langfristig auf mehr Mittel. „RWE will 1,5 Milliarden Euro netto pro Jahr investieren, und zusammen mit Partnern kommen wir so auf 2 bis 3 Milliarden Euro pro Jahr, das ist ein guter Start. Ob das auf Dauer reicht, muss man sehen. Auch Wettbewerber wie Enel oder Iberdrola haben tiefe Taschen.“ Die Faustregel in der Branche heiße, eine Milliarde Euro pro Gigawatt Leistung, die man neu installiere.

RWE hatte seine bisherige Ökostromtochter Innogy zerschlagen. Das Vertriebs- und Netzgeschäft stieß der Versorger an den Rivalen E.ON ab, an dem RWE nun mit knapp 17 Prozent beteiligt ist. RWE übernahm zudem das Ökostromgeschäft von Innogy und das von Eon. Die Essener steigen damit zu einem der größten Erzeuger Erneuerbarer Energie in Europa auf.

Mehr: Regierungschefs und Energieverbände wettern gegen die Politik der Bundesregierung. Wenn die sich fortsetze, drohe der Kollaps der deutschen Windkraftindustrie.


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Henning Tewes, Henning Nieslony: RTL will sein Streamingangebot weiter ausbauen

Henning Nieslony (l.) und Henning Tewes

Die beiden Manager sollen mit Abo- und Werbefinanzierung den Sender in eine erfolgreiche Zukunft führen.


(Foto: Mediengruppe RTL )

Düsseldorf Bernd Reichart, CEO der Mediengruppe RTL Deutschland, brachte die neue Strategie des TV-Konzerns im November auf einen neuen Begriff: „Wir sind die Main-Streamer“, sagte er bei der Fachkonferenz „Total Video“. Der Unternehmenslenker will den Streaminganbietern Netflix und Amazon Prime nicht kampflos das Feld überlassen, sondern eine eigene Nische in dem wachsenden Markt finden.

Er möchte das massenwirksame, lineare Fernsehen mit dem Streamingangebot in seinem Haus stärker verzahnen. Dafür hat er das Management neu geordnet und eine Doppelspitze installiert. So wird Henning Tewes, 47, als Co-Geschäftsleiter von TV Now das Inhalteangebot der Plattform verantworten.

Er übernimmt die Aufgabe zusätzlich zu seiner Position als Chief Operating Officer, in der er den Programmeinkauf und das Produktionsgeschäft der Mediengruppe RTL sowie der Sender Vox Up, Nitro, RTL Plus und der digitalen Spartenkanäle verantwortet. Künftig wird er sämtliche Inhalte, die für die Mediengruppe relevant sein können, prüfen und die richtigen Verbreitungswege dafür festlegen.

Henning Nieslony, 34, derzeit Bereichsleiter Commercial Management VOD, also für Video-on-Demand, wird zum weiteren Co-Geschäftsleiter von TV Now befördert. Er verantwortet künftig die geschäftliche Seite der Plattform inklusive der Vermarktung an die Endkunden, die Werbepartner und die Distributoren.

Durch die Ernennung der Manager zu Co-Geschäftsleitern werden das Inhalteportfolio der Plattform und ihre Monetarisierung als hybrides Angebot aus Abo- und Werbefinanzierung gemeinschaftlich gesteuert. Das soll die Zukunft des deutschen TV-Senders sein, der 2018 einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erzielte.

Schwacher Werbemarkt

Tewes hat internationale Erfahrungen im TV-Produktions- und Lizenzmarkt, er leitete zuvor unter anderem das RTL-Geschäft in Kroatien. Nieslony dagegen hat Stationen beim hauseigenen Vermarkter IP Deutschland und bei der Leitung des Büros der früheren RTL-Chefin Anke Schäferkordt vorzuweisen.

„Das starke Wachstum unserer Streamingplattform TV Now übertrifft unsere Erwartungen deutlich. Mit diesem Rückenwind werden wir das systematische Zusammenspiel unserer Broadcasting- und Streamingaktivitäten forcieren. Dafür schaffen wir mit der organisatorischen Neuordnung die besten Voraussetzungen“, sagte Stephan Schäfer, einer der Geschäftsführer der Mediengruppe, die zum Familienunternehmen Bertelsmann gehört.

Die Kölner TV-Macher setzen vor allem auf lokale Inhalte. Solche Stoffe lassen global agierende Streamingkonzerne meistens links liegen, da sie die Inhalte weltweit verwerten. Der Ausbau des Streamingdienstes ist nötig, denn der TV-Werbemarkt schrumpft. Darüber klagten unisono die deutschen TV-Sender bei der Präsentation der Quartalszahlen im November.

Der schwache Werbemarkt ist eine Folge des veränderten Mediennutzungsverhaltens: Gerade junge Menschen favorisieren Streamingdienste statt des klassischen Fernsehens. RTL baut deshalb TV Now aus. Zu den jüngsten Quartalszahlen Anfang November hatte der TV-Konzern insgesamt 1,4 Millionen Abonnenten bei TV Now und dem niederländischen Pendant Videoland genannt.

Das bedeutet ein Wachstum von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. TV Now bietet derzeit rund 34.000 Programmstunden an – mit überwiegend lokalen Inhalten. Das Monats-Abo kostet 4,99 Euro und liegt unter dem Abopreis der internationalen Streaminganbieter.

In den USA ist in diesem Herbst mit dem Eintritt von Apple und Disney Plus in dem Streamingmarkt ein Kampf um die Aufmerksamkeit der Zuschauer entfacht. Vor allem Disney Plus punktet mit beliebten Inhalten wie „Star Wars“, die der Unterhaltungskonzern von dem bisherigen Abspieldienst Netflix bezieht. Anbieter wie RTL wollen sich in diesem Markt mit lokalen und massentauglichen Inhalten absetzen. Und werden daher „Main-Streamer“.

Mehr: In den umkämpften Markt der Streamingplattformen steigt mit Disney nun auch der Mickey-Mouse-Konzern ein. Doch kurz nach dem Starttermin gibt es technische Probleme.


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Touristik: Nach Pleite von Thomas Cook: Jedes zehnte Reisebüro wechselt die Marke

Trübe Aussichten

Die Folgen der Thomas-Cook-Pleite spüren die Reisebüros in Deutschland deutlich.



(Foto: dpa)

Düsseldorf Deutschlands Reisebüroinhaber entdecken in diesen Tagen ein wichtiges Werkzeug: den Akkuschrauber. Grund ist die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook Deutschland, über den vergangenen Mittwoch das förmliche Insolvenzverfahren eröffnet wurde. Die damit verbundene Neuordnung in der Touristik wird nach Informationen des Handelsblatts nun dazu führen, dass etwa jedes zehnte der 10.000 deutschen Reisebüros seinen Markennamen ändert.

Den ersten Schritt dazu unternahmen viele gleich nach dem Aus des europaweit zweitgrößten Reiseveranstalters. „Die meisten Franchisenehmer hatten ihre Thomas-Cook-Schilder schon am zweiten Tag abmontiert“, berichtet Thomas Bösl, Geschäftsführer der Raiffeisen Touristik Group (RTK), des mit über 6000 verbundenen Reisebüros größten Urlaubsverkäufers in Europa. Dabei wird Bösls Vertriebsimperium im bayerischen Burghausen, das seit 2014 zu 74,9 Prozent dem ägyptischen Milliardär Samih Sawiris gehört, selbst für einen Großteil der neuen Firmenschilder sorgen.

Abgesehen von den Thomas-Cook-eigenen 106 Reisebüros, die an den Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof gehen, nehmen die Bayern nahezu sämtliche Agenturen unter ihre Obhut, die sich noch bis vor Kurzem mit den Marken „Thomas Cook“ und „Neckermann“ schmückten.

Zunächst galt die mächtige, aber wenig bekannte Vertriebsfirma – nach DER Touristik und Tui drittgrößter Urlaubsverkäufer mit deutschlandweit 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz – eher als Opfer der Pleite. So blieb Thomas Cook der Gruppe einen zweistelligen Millionenbetrag an Provisionen schuldig, wie das Handelsblatt erfuhr.

Dennoch schultert die RTK-Gruppe, an der die Raiffeisenbank Altötting ein Viertel der Anteile hält, jetzt die Hauptlast bei der Neuordnung von Deutschlands Reisebürolandschaft.

Die meiste Arbeit dürfte es bei der Kooperation „Alpha“ geben, an der RTK neben Thomas Cook bereits zuvor zur Hälfte beteiligt war. Dort hatten die Bayern unmittelbar nach der Pleite auch die restlichen 50 Prozent übernommen, den Anteil aber später an den Duisburger Reiseveranstalter Schauinsland-Reisen weitergereicht.

Schauinsland-Logo als Ersatz

Erledigt ist die Angelegenheit damit nicht. Die 734 selbstständigen Agenturinhaber präsentierten sich in der Vergangenheit mehrheitlich als „Neckermann Reisen Partner“, eine Marke, die viele deutsche Urlauber Ende September um ihr Erspartes brachte. In der Branche gilt sie als verbrannt.

Dass die Reisebüros nun nach dem Willen Bösls das Schauinsland-Logo als Ersatz erhalten – eine grafische Mischung aus zwei Händen und einer Sonne –, löst ihre Probleme nur zum Teil. Rund 40 Prozent ihres Umsatzes erwirtschafteten die Urlaubsverkäufer in den vergangenen Jahren mit Thomas Cook. Der neue Partner Schauinsland, ein Familienunternehmen mit einem Drittel des Umsatzes von Thomas Cook Deutschland, wird diese Lücke wohl nur mit einem Kraftakt schließen können.

Ähnliches gilt für den Franchiseverbund mit den Marken „Holiday Land“ und „Thomas Cook“, den RTK ebenfalls übernimmt. Nach der Systemhoheit über die 360 angeschlossenen selbstständigen Unternehmer hatte konfuserweise zunächst die Rewe-Tochter DER Touristik gegriffen, die mit 1500 teils eigenen Agenturen in Deutschland zu den Marktführern zählt. Nach einem 13-tägigen Verhandlungsmarathon aber platzte der Deal, was den Weg für die Genossen frei machte.

„Wir werden in den Agenturen nun einen Schwerpunkt auf Tui legen“, kündigt RTK-Chef Bösl an, „um wieder ein wettbewerbsfähiges Produktportfolio bieten zu können.“ Der Hannoveraner Reiseveranstalter habe zahlreiche Hotels und Resorts von Thomas Cook übernommen. Ebenso gebe es ein Commitment weiterer Großveranstalter wie FTI, Schauinsland-Reisen und DER Touristik, sowohl die ehemalige Neckermann-Kooperation Alpha wie auch die Franchiseorganisation mit Urlaubsreisen zu versorgen.

Eng wird es trotzdem, und zwar räumlich. Die unter „Thomas Cook“ werbenden Agenturen sollen auf „Holiday Land“ umfirmieren, was den locker vereinbarten Gebietsschutz bisheriger „Holiday Land“-Verkäufer angreift. „Wir werden eine pragmatische Lösung finden“, verspricht Bösl.

Ob ihm alle 360 Reisebüros des Franchiseverbunds erhalten bleiben, scheint aber keineswegs gesichert. „Jedes Einzelunternehmen wird dies nun für sich selbst entscheiden“, sagt Reisebürochefin Sabine Kalau von Hofe, bis vor Kurzem Sprecherin der Organisation. An der Frage des Sonderkündigungsrechts – eine Folge der Cook-Insolvenz – war dem Vernehmen nach zuvor die geplante Übernahme durch DER Touristik gescheitert.

Direktvermarktung nimmt zu

Auch eine weitere Herausforderung bleibt: Anders als „Thomas Cook“ ist „Holiday Land“ deutschen Urlaubern nahezu unbekannt. Hier müsse man das Marketing ausbauen, weiß RTK-Chef Bösl.

Dabei bleiben die Aussichten für Reisebüros für das kommende Jahr trübe. „Wir rechnen im Pauschalreisemarkt mit einer Buchungszurückhaltung“, prognostiziert Bösl. Schon 2019 habe es „eine durch die Thomas-Cook-Pleite verursachte Delle“ gegeben.
„In den nächsten Monaten gibt es eine Marktbereinigung“, erwartet auch Marija Linnhoff vom Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR). Die Pleite bringe im Vertrieb aber auch Profiteure hervor, glaubt sie: professionell geführte und qualifizierte Reisebüros. „Sie erleben derzeit einen unheimlichen Run“, berichtet die Verbandschefin. Fast jeder Kunde wolle wissen, bei welchem Veranstalter Anzahlungen noch sicher sind.

Hinzu kommt ein weiterer Trend: Von der Cook-Pleite geprellte Hoteliers versuchen seit Kurzem verstärkt, ihre Zimmer direkt über die Agenturen zu vermarkten. Bislang boten sie ihre Kapazitäten mit Vorliebe zunächst den großen Reiseveranstaltern an. Nach dem Cook-Schock, der viele Hotelbesitzer auf unbezahlten Rechnungen sitzen ließ, schwindet offenbar das Vertrauen.

Auf einen ähnlichen Anschub fürs Geschäft warten Deutschlands Reisebüros schon seit Jahren. Bislang eher vergeblich, denn Urlaubsbuchungen wanderten zuletzt in immer höherem Maße ins Internet. 2018 vereinten Webanbieter wie Booking, Check24, Expedia, Invia und Holidaycheck deutschlandweit 43 Prozent der insgesamt 68 Milliarden Euro schweren Reisebuchungen auf sich. Vor vier Jahren noch mussten sie sich mit einer Quote von 35,5 Prozent begnügen.

Den Läden in der Fußgängerzone und auf dem Land bleibt heute nur noch ein Marktanteil von 28 Prozent übrig. Zwar schafften es die Agenturen im vergangenen Jahr, ihren Umsatz durchschnittlich um zwei Prozent zu steigern. Den Anschluss verlieren sie trotzdem: Der Pauschalreisemarkt boomte 2018 in der dreieinhalbfachen Geschwindigkeit.

Neuer Gesetzesentwurf soll Urlauber absichern

Ob es nun für eine Trendwende reicht, hängt nach Meinung des VUSR nicht zuletzt von der Bundesregierung ab. „Berlin sollte sich beeilen, die Kundengeldabsicherung neu zu regeln“, mahnt Marija Linnhoff. Weil Hunderttausende deutsche Urlauber nach der Cook-Pleite vergeblich auf Entschädigung warten, gilt vielen die Pauschalreise aktuell als finanzielles Risiko – und das ausgerechnet in der Hauptbuchungszeit, die in diesen Tagen beginnt.

Für viele unverständlich: Obwohl die EU seit 1990 eine komplette Absicherung von Pauschalreiseanzahlungen fordert, gewährte die Bundesregierung den Reiseveranstaltern eine Haftungsgrenze von 110 Millionen Euro pro Jahr. Durch die Cook-Pleite aber dürften nun Ausfallforderungen von etwa 400 Millionen Euro zusammenkommen.

Ein neuer Gesetzesentwurf, um Urlauber künftig vollständig abzusichern, soll am 16. Dezember in den Bundestag eingebracht werden, wie das Handelsblatt erfuhr. Vom Inhalt ist selbst Insidern nichts bekannt, schon jetzt aber herrscht Unruhe unter den Veranstaltern.

Was insbesondere für die Marktführer DER Touristik und Tui gilt. Sie hatten ihren Kunden in den vergangenen Jahren zwar „Reise-Sicherungsscheine“ ausgehändigt, tatsächlich aber auf die Zahlung von Versicherungsprämien fast vollständig verzichtet. Stattdessen bürgten sie für den Fall einer Insolvenz gegenseitig – ein fragwürdiges Modell, das sie auf Anweisung der Finanzaufsicht Bafin bis zum Jahreswechsel ändern müssen.

Auf dem Spiel steht nicht weniger als die Pauschalreise selbst. „Die Versicherungsprämien dürfen sie nicht zu sehr verteuern“, warnt RTK-Chef Bösl. „Ansonsten verlieren sie im Wettbewerb gegen Einzelleistungen wie Flüge oder Hotels, die nicht versichert werden müssen.“ Fraglich scheint ohnehin, ob sich nach dem Schaden durch die Cook-Pleite überhaupt noch eine Assekuranz findet, die ein solches Klumpenrisiko auf sich nimmt.

Versicherungen wie Generali hatten sich vor zwei Jahren vorsichtshalber aus dem Markt zurückgezogen. Anders als die Bundesregierung in Berlin hatten sie das Risiko einer Megapleite offenbar kommen sehen.

Mehr: Nach der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook wirbt Myright für Verbraucherklagen: Der Staat müsse für bereits geleistete Zahlungen einstehen


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Geheimgutachten: Rechnungshof nimmt Ex-Bahn-Chef Grube ins Visier

Rüdiger Grube

Der ehemalige Bahn-Chef steht aufgrund der Abfindung in der Kritik.


(Foto: action press)

Berlin Für Rüdiger Grube war sein Rücktritt als Bahn-Chef am 30. Januar 2017 ein lohnendes Geschäft. Zumindest was das Verhältnis aus Arbeitszeit und Gehalt angeht. Obwohl nur 30 Tage im Amt, erhielt Grube für seine Arbeit im Jahr 2017 stolze 2,251 Millionen Euro. Selbst ehemalige Wegbegleiter Grubes fanden die hohe Summe damals „nicht in Ordnung“ oder „einfach unanständig“.

Doch offenbar war die hohe Summe nicht einmal rechtens. Zu diesem Urteil kommt nach Handelsblatt-Informationen ein Gutachten des Bundesrechnungshofs. Grube habe demnach keinen Anspruch auf eine „Abfindung“ gehabt, weshalb „der Bundesrepublik Deutschland ein Schaden“ entstanden sei, heißt es in dem als „Verschlusssache“ eingestuften „Bericht zur Abfindung eines ehemaligen Vorstandsvorsitzenden“.

Und nicht nur Grube bekommt in der Untersuchung der Kontrolleure, die der Bundestag vor über einem Jahr in Auftrag gegeben hat, sein Fett weg.

Grube hatte in der inzwischen legendären Bahn-Aufsichtsratssitzung am 30. Januar 2017 wegen eines Streits über seine Vertragsverlängerung das Handtuch geworfen. Und genau aus diesem Umstand heraus hält der Rechnungshof Grubes „Bezüge im Zusammenhang mit der vorzeitigen Beendigung der Tätigkeit“, wie es formal heißt, für unzulässig: Da der damalige Bahn-Chef von sich aus zurückgetreten sei und damit einseitig den Vorstandsvertrag gekündigt habe, bestehe kein Anrecht auf die Bezüge. Als Beleg haben die Prüfer Grubes Rücktrittsschreiben ihrem Gutachten beigefügt.

Die Kontrolleure kritisieren in ihrem Gutachten auch den Bahn-Aufsichtsrat. Dieser habe es versäumt, gleichzeitig mit Grubes Vorstandsvertrag auch dessen normales Angestelltenverhältnis zu kündigen. Dies habe Grube in eine bessere Verhandlungsposition im Ringen um eine Abschiedszahlung gebracht, nach dem Motto: Wenn ihr mich ganz loswerden wollt, kostet das was. Erst im Sommer 2017 wurde auch Grubes Angestelltenverhältnis aufgehoben.

Eine unangemessen hohe Summe

Unabhängig von der Rechtmäßigkeit der gezahlten Bezüge sei die Summe in Höhe von 2,251 Millionen Euro unangemessen hoch, so der Bundesrechnungshof. Die Summe ergab sich aus erfolgsabhängigen Tantiemen. Die Bahn hatte angenommen, Grube hätte die gesteckten Unternehmensziele im Jahr 2017 zu 100 Prozent erfüllt. Diese Vorgehensweise ist zwar nicht ungewöhnlich bei Vorstandsabgängen in Konzernen.

Allerdings moniert der Rechnungshof, Grube habe in den Vorjahren die Konzernziele nie zu 100 Prozent erfüllt. Nun genau dies für das Rücktrittsjahr 2017 anzunehmen entbehre jeder faktischen Grundlage.

Kritik übt der Bundesrechnungshof auch an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hatte Scheuer Grubes Abfindung kritisiert. Es sei Zeit für „eine neue Kultur in den Unternehmen des Bundes“. Nur wollte sein Haus an der Erstellung des Gutachtens allerdings nicht mitwirken. Im Gegensatz zu anderen Häusern habe das Verkehrsministerium nicht kooperiert und keine Stellungnahme abgegeben, so die Prüfer.

Der offenbar laxe Umgang mit Grubes Bezügen wirft abermals ein schlechtes Licht auf die Personalpolitik der Bahn. Mitte November musste nach nur eineinhalb Jahren Finanzvorstand Alexander Doll gehen, auch er bekommt dem Vernehmen nach eine Abfindung im siebenstelligen Bereich. Außerdem steht die Bahn wegen der jahrelangen Vergabe von externen Aufträgen an ehemalige Bahn-Vorstände in der Kritik.

Mehr: Das Kartellamt untersucht den Vorwurf des Machtmissbrauchs durch die Deutsche Bahn.


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„Ich befürchte, dass einige Kliniken schließen müssen“

WELT: Patienten verbringen in Deutschland vor allem Zeit in Wartezimmern und mit Papieren, die sie von einem Arzt zum nächsten tragen. Was könnte denn heute besser gemacht werden?

Peter Vullinghs: Nehmen wir einen Patienten mit einem Herzinfarkt. Er könnte dem Arzt viele Informationen digital übermitteln. Wie ist sein Blutdruck? Was macht sein Gewicht? Wie viel bewegt er sich? Doch darauf ist das deutsche Gesundheitssystem nicht ausgerichtet. Am Ende will der Arzt den Patienten dann doch immer sehen, damit er eine Rechnung schreiben kann. Hier hat Deutschland noch viel Luft nach oben.

WELT: Wer bremst die Entwicklung: die Politik, der Patient oder allein der Arzt?

Source: Wirtschaft – WELT
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Das neueste Porsche-Produkt stammt von den „Turbienchen“

Dass Porsche nicht nur Autos baut und verkauft, sondern unter dem Namen des Sportwagenbauers längst auch allerlei andere Produkte von der Sonnenbrille bis zum Rollkoffer angeboten werden, ist nicht neu. Doch Bio-Lebensmittel gehörten bislang nicht zum Portfolio. Das ändert sich jetzt durch die sogenannten „Turbienchen“.

Unter diesem Namen bringt der Autobauer nun seinen ersten Bio-Honig auf den Markt. Der kommt allerdings nicht aus Zuffenhausen, sondern aus dem Leipziger Porsche-Werk. Dort hat der Sportwagenbauer insgesamt 50 Bienenvölker mit rund drei Millionen fliegenden Porsche-Mitarbeitern angesiedelt.

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Osteuropa ist ein schwieriges Terrain für Elektroauto-Fahrer, weiß der Millionen-Kilometer-Mann Hansjörg von Gemmingen

Elektromobilität

Das ist nicht nur gut für den jährlichen Nachhaltigkeitsbericht, in denen Unternehmen gern allerlei soziale und ökologische Projekte vorstellen. Jedes der Völker produziert im Jahr laut Porsche auch immerhin 55 Kilogramm Honig. Bei 50 Völkern macht das einen Ertrag von 2750 Kilogramm pro Jahr oder 5500 handelsüblichen 500-Gramm-Gläsern.

Doch die Bienen sind nicht die einzigen Tiere des Sportwagenbauers. Porsche betreibt in Leipzig ein Offroad-Gelände für die eigenen Fahrzeuge. Von der 132 Hektar großen Fläche sind 40 Hektar Ökogebiet für die Bienen, 99 Hektar werden beweidet. Das erledigen insgesamt 75 Auerochsen und 25 Exmoor-Ponys. Porsche bietet daher inzwischen nicht nur Autos und Honig an, sondern auch Safaris. Von März bis Oktober können Schulklassen und Familien auf Entdeckungstour gehen.

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Die Stuttgarter sind übrigens keineswegs die einzigen Autobauer, die sich im Nebenerwerb auf Bienenzucht verlegt haben. Auch bei Audi gibt es auf dem Werksgelände in Neckarsulm seit 2014 mehrere Völker mit rund 350.000 Bienen. Außerdem fördert die Audi Stiftung mit einem wissenschaftlichen Projekt die Erforschung des Schwarmverhaltens von Bienenvölkern. Auch VW in Emden hat 2014 ein Bienenvolk auf dem Werksgelände angesiedelt. Allerdings ist Porsche offenbar der erste Autobauer, der den Honig nicht nur mit einem eigenen Markennamen vermarktet, sondern auch gleich noch ein Bio-Zertifikat dafür erhalten hat.

Source: Wirtschaft – WELT
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